durch

Grammatik Präposition (mit Akkusativ)
Aussprache 
Wortbildung  mit ›durch‹ als Erstglied: Durchhaus · durchs  ·  mit ›durch‹ als Grundform: durch-
Mehrwortausdrücke  durch die Bank · durch die Blume
eWDG

Bedeutung

siehe auch durchs
I.
Grammatik: räumlich
1.
bezeichnet eine zielgerichtete Bewegung in eine Öffnung, einen Körper, einen Raum hinein und wieder hinaus
a)
in gerader Richtung auf der einen Seite hinein und auf der anderen hinaus, hindurch
Beispiele:
sie gingen durch die Tür, ritten durch das Tor
wir zwängen uns durch die Öffnung, krochen durch das Loch
der Einbrecher kletterte, stieg durch das Fenster
der Zug fuhr durch den Tunnel
durch das Fernglas, Fenster blicken
er schlägt einen Nagel durch die Wand
der Schuss drang ihm durch die Brust
der Regen dringt durch die Zeltbahn
das Licht dringt durch die Vorhänge
er zwängte sich durch die Menschenmenge
er goss den Kaffee durch das Sieb
Fleisch durch den Wolf drehen
saloppab durch die Mitte! (= rasch fort!)
b)
(kreuz und quer) hindurch in seiner ganzen räumlichen Ausdehnung
Beispiele:
er geht durch das Zimmer und besieht sich alle Bilder
er schlendert durch den Saal
wir wandern, reisen durch das Land, die Welt
der Vogel fliegt durch die Luft
der Bach fließt durch das Tal
durch die Straßen, Geschäfte bummeln
durch die Stadt fahren
sprichwörtlichmit dem Hute in der Hand kommt man durch das ganze Land (= mit Höflichkeit kommt man ans Ziel)
Durch die Wälder, durch die Auen [ C. M. v. WeberFreischützI 4]
2.
übertragen
Grammatik: räumlich
a)
entsprechend der Bedeutung von durch¹ (I 1 a)
Beispiele:
der Schreck fuhr, die Kälte drang ihm durch Mark und Bein
ein Schauer, Ruck ging durch ihn
umgangssprachlicher will immer mit dem Kopf durch die Wand (= er will seine Absichten immer gegen größte Hindernisse mit Unvernunft durchsetzen)
umgangssprachlichzusammen durch dick und dünn (= überallhin) gehen
umgangssprachlichjmdm. etw. durch die Finger sehen (= jmdm. gegenüber nachsichtig sein)
salopp durch die Lappen gehen (= entwischen)
saloppjmdn. durch den Kakao ziehen (= jmdn. lächerlich machen)
b)
entsprechend der Bedeutung von durch¹ (I 1 b)
Beispiele:
sich [Dativ] etw. durch den Kopf gehen lassen (= über etw. nachdenken)
ein Gedanke ging ihm durch den Kopf
Hand in Hand durch das Leben gehen
jmdn. durch Not und Gefahr führen
durch die Nacht, Finsternis irren
sich durch Regen und Wind kämpfen
sich durch das Dunkel tasten
das Buch ist schon durch viele Hände gegangen (= hat oft den Besitzer gewechselt)
salopp durch die Bank (= ohne Ausnahme)
Beispiele:
sie sind alle durch die Bank schon halbe Mediziner
wir sind alle durch die Bank hereingefallen
II.
bezeichnet die Mittelsperson, das als Mittler dienende Zwischenglied
Grammatik: modal
1.
mittels
Beispiele:
ich schicke Ihnen das Buch durch einen Boten
ich habe sie durch meinen Freund kennengelernt
durch einen Bekannten erfuhr ich von seinem Unglück
er lässt Sie durch mich grüßen, lässt Ihnen durch mich etw. ausrichten, bestellen
durch Zufall habe ich erfahren, dass ...
etw. durch Tausch, Kauf, Erbschaft erwerben
etw. durch Funk, Lautsprecher bekanntgeben
durch Anwendung neuer Arbeitsmethoden die Produktion steigern
sich von etw. durch Augenschein überzeugen
den Fluss durch Dämme schützen
durch Forschung zu neuen Ergebnissen kommen
durch Fleiß und Aufmerksamkeit emporkommen
jmdn. durch Rufen zum Aufstehen bewegen
jmdn. durch Schmeicheleien für sich zu gewinnen suchen
etw. durch Unterschrift und Siegel beglaubigen
durch Beharrlichkeit kommt man ans Ziel
durch eigene Kraft zu etw. kommen
eine Zahl durch eine andere dividieren
etw. durch etw. ersetzen
lassen sie danken durch ihren Konzertmeister [ Th. Mann10,547]
übertragen
Beispiel:
etw. durch die Blume (= andeutungsweise) sagen
bezeichnet außerdem den Grund
siehe auch durch¹ (III)
Beispiele:
das Land ist durch ihn in die Höhe gekommen
jmdn. durch sein Benehmen vor den Kopf stoßen
durch die Ungunst der Verhältnisse konnte er seinen Plan nicht ausführen
durch übermäßiges Rauchen seine Gesundheit ruinieren
etw. durch eigene Schuld, Dummheit verlieren
sich durch etw. verraten
sich durch etw. auszeichnen
etw. durch etw. hervorrufen
etw. ist durch etw. bedingt
sprichwörtlich durch Schaden wird man klug
2.
Grammatik: steht in passivischen Sätzen statt »von«, wenn das logische Subjekt nicht unmittelbarer Ausgangspunkt des Geschehens ist
Beispiele:
Deutschland wurde durch den Dreißigjährigen Krieg verwüstet
er ist durch mich zugrundegerichtet worden
er wurde durch einen Schuss getötet
er wurde durch den Präsidenten ausgezeichnet
Grammatik: wenn das logische Subjekt ein Naturereignis bezeichnet
Beispiele:
die Stadt wurde durch ein Erdbeben fast völlig zerstört
die Fabrik wurde durch einen Brand vernichtet
Grammatik: steht bei der Substantivierung eines passivischen Satzes
Beispiele:
die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus
die Ermordung Cäsars durch Brutus
die Erfindung der Buchdruckerkunst durch Gutenberg
III.
bezeichnet den Grund   aufgrund
Grammatik: kausal/ist eng mit der modalen Verwendung verbunden
siehe auch durch¹ (II 1)
Beispiel:
durch angestrengte Arbeit ist er krank geworden
IV.
für die Zeit von, hindurch, lang
Grammatik: zeitlich
Beispiele:
österreichisch durch 25 Jahre Dienst tun
österreichisch durch 10 Minuten
österreichisch durch sein ganzes Leben
österreichischBalzac hat den ganzen Tag – und dies oft durch Wochen – keinen Menschen gesehen [ St. ZweigBalzac192]
umgangssprachlich
Grammatik: meist nachgestellt
Synonym zu hindurch (II)
Beispiele:
die Nächte durch wachte er
er weinte die halbe Nacht durch
er war den Winter durch krank
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

durch · durchaus · durchweg · durcheinander
durch Präp. Adv. Ahd. thuruh ‘durch, wegen, über’ (8. Jh.), mhd. durch, dur, asächs. thurh, thuru, mnd. dȫr, dörch, aengl. þurh, engl. through, mnl. dōre, duere, nl. door, (mit Ablaut) aengl. þerh, got. þaírh (germ. *þurh- und *þerh-) führen mit den außergerm. Verwandten lat. trāns ‘hinüber, hindurch, über … hin, hinaus, jenseits’ (s. trans-, Tradition) und aind. tiráḥ ‘durch, über, abseits’ auf ie. *ter(ə)- ‘hinübergelangen, hindurchdringen, überqueren’, adverbial und präpositional ‘hindurch, über … weg’. Der gutturale Auslaut der germ. Formen vergleicht sich mit der suffixalen Verstärkung in aind. tiraścā́, awest. tarasča ‘durch … hin, über … hin’. Als Präposition wird durch räumlich im Sinne von ‘hinein und wieder hinaus’ (heute häufig ergänzt um hindurch) verwendet, kausal steht es für ‘wegen, auf Grund’ (beide Verwendungsweisen bereits ahd.), modal für ‘mittels, von’. Der adverbiale Gebrauch ‘vorbei’ (zeitlich) und ‘entzwei’ ist weitgehend umgangssprachlich. durch- bildet seit ahd. Zeit (trennbare oder untrennbare) Verbalkomposita, vgl. durchbrechen, -bringen, -gehen, -laufen, -stechen. durchaus Adv. anfangs räumlich ‘ganz hinaus, hindurch’ (14. bis 17. Jh.), dann ‘völlig, ganz und gar, unbedingt, überall, fortwährend’ (15. Jh.). durchweg Adv. ‘ganz hindurch’ (17. Jh.), dann ‘ohne Ausnahme’ (18. Jh.). durcheinander Adv. ‘miteinander, nebeneinander, vermischt’ (Anfang 15. Jh.), dann ‘ungeordnet, wirr, verwirrt’ (16. Jh.), Zusammenrückung von durch und einander (s. d.); substantiviert Durcheinander n., älter auch m. ‘Chaos, Wirrwarr, Unordnung’ (16. Jh.).
Zitationshilfe
„durch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/durch#1>, abgerufen am 02.12.2021.

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durch

Grammatik Adverb
Aussprache 
Wortbildung  mit ›durch‹ als Erstglied: durch sein · durchweg  ·  mit ›durch‹ als Letztglied: dadurch · hierdurch · hindurch · mittendurch · wodurch · zwischendurch
 ·  mit ›durch‹ als Grundform: durch-

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich] zeitlich
  2. 2. ...
    1. a) [umgangssprachlich] vorbei, hindurch
    2. b) [umgangssprachlich] ...
    3. c) [salopp] ⟨bei jmdm. unten durch sein⟩ sich bei jmdm. alle Sympathien verscherzt haben
  3. 3. [umgangssprachlich] entzwei
  4. 4. [umgangssprachlich] ...
  5. 5. [umgangssprachlich] ⟨durch und durch⟩
    1. a) völlig, ganz und gar
    2. b) ⟨etw. geht jmdm. durch und durch⟩ etw. tut jmdm. sehr weh, geht jmdm. durch Mark und Bein
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich
Grammatik: zeitlich
Beispiel:
es ist schon 2 Uhr, 7 Uhr durch (= es ist kurz nach 2, 7 Uhr)
2.
a)
umgangssprachlich vorbei, hindurch
Beispiel:
der Zug, unser Bus ist schon durch
Grammatik: in Verbindung mit Modalverben
Beispiele:
darf ich hier bitte mal durch?
er will hier durch
bitte etwas Platz machen, sonst kann ich nicht durch!
b)
umgangssprachlich
Beispiele:
er ist durch (= hat die Prüfung bestanden)
der Kranke ist durch (= hat die Krisis überstanden)
der Antrag ist durch (= genehmigt)
»Ihr Urlaub ist durch«, sagte Rabe [ RemarqueZeit zu leben53]
c)
salopp bei jmdm. unten durch seinsich bei jmdm. alle Sympathien verscherzt haben
Beispiele:
der ist bei mir (völlig) unten durch und braucht sich nicht wieder sehen zu lassen
bei dem bin ich unten durch
3.
umgangssprachlich entzwei
Beispiele:
er hat den Ast durch, der Ast ist durch (= durchgesägt)
meine Hose ist durch (= durchgescheuert)
4.
umgangssprachlich
Beispiele:
der Käse ist gut durch (= durchzogen, weich)
ich habe das Buch durch (= durchgelesen)
5.
umgangssprachlich durch und durch
a)
völlig, ganz und gar
Beispiele:
der Ring ist durch und durch Silber
er ist durch und durch nass
er ist durch und durch ein Egoist, berechnend
den kenne ich durch und durch
b)
etw. geht jmdm. durch und durchetw. tut jmdm. sehr weh, geht jmdm. durch Mark und Bein
Beispiel:
der Schrei, Blick, das Lachen ging ihm durch und durch
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

durch · durchaus · durchweg · durcheinander
durch Präp. Adv. Ahd. thuruh ‘durch, wegen, über’ (8. Jh.), mhd. durch, dur, asächs. thurh, thuru, mnd. dȫr, dörch, aengl. þurh, engl. through, mnl. dōre, duere, nl. door, (mit Ablaut) aengl. þerh, got. þaírh (germ. *þurh- und *þerh-) führen mit den außergerm. Verwandten lat. trāns ‘hinüber, hindurch, über … hin, hinaus, jenseits’ (s. trans-, Tradition) und aind. tiráḥ ‘durch, über, abseits’ auf ie. *ter(ə)- ‘hinübergelangen, hindurchdringen, überqueren’, adverbial und präpositional ‘hindurch, über … weg’. Der gutturale Auslaut der germ. Formen vergleicht sich mit der suffixalen Verstärkung in aind. tiraścā́, awest. tarasča ‘durch … hin, über … hin’. Als Präposition wird durch räumlich im Sinne von ‘hinein und wieder hinaus’ (heute häufig ergänzt um hindurch) verwendet, kausal steht es für ‘wegen, auf Grund’ (beide Verwendungsweisen bereits ahd.), modal für ‘mittels, von’. Der adverbiale Gebrauch ‘vorbei’ (zeitlich) und ‘entzwei’ ist weitgehend umgangssprachlich. durch- bildet seit ahd. Zeit (trennbare oder untrennbare) Verbalkomposita, vgl. durchbrechen, -bringen, -gehen, -laufen, -stechen. durchaus Adv. anfangs räumlich ‘ganz hinaus, hindurch’ (14. bis 17. Jh.), dann ‘völlig, ganz und gar, unbedingt, überall, fortwährend’ (15. Jh.). durchweg Adv. ‘ganz hindurch’ (17. Jh.), dann ‘ohne Ausnahme’ (18. Jh.). durcheinander Adv. ‘miteinander, nebeneinander, vermischt’ (Anfang 15. Jh.), dann ‘ungeordnet, wirr, verwirrt’ (16. Jh.), Zusammenrückung von durch und einander (s. d.); substantiviert Durcheinander n., älter auch m. ‘Chaos, Wirrwarr, Unordnung’ (16. Jh.).
Zitationshilfe
„durch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/durch#2>, abgerufen am 02.12.2021.

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