durchsichtig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungdurch-sich-tig
Wortbildung mit ›durchsichtig‹ als Erstglied: ↗Durchsichtigkeit  ·  mit ›durchsichtig‹ als Letztglied: ↗undurchsichtig
eWDG, 1967

Bedeutung

siehe auch sehen
1.
so glasklar, dass man hindurchsehen kann
Beispiele:
eine durchsichtige Fensterscheibe
ein Insekt mit durchsichtigen Flügeln
eine durchsichtige Flüssigkeit
die Luft war durchsichtig fein
übertragen überaus zart
Beispiele:
sie hat eine durchsichtige Stirn, ein durchsichtiges Antlitz
die Schläfen waren durchsichtig, blaugeädert [ViebigErde179]
2.
leicht durchschaubar
Beispiele:
durchsichtige Absichten, Beweggründe, Vorwände
ein durchsichtiges Manöver
der Zweck des Antrags ist ja ganz durchsichtig
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sicht · sichtbar · sichtig · durchsichtig · kurzsichtig · umsichtig · weitsichtig · sichtlich · sichten1 · besichtigen · Besichtigung
Sicht f. ‘Fähigkeit zu sehen, Sehweite, Ausblick’, auch ‘Betrachtungsweise’, ahd. (9. Jh.), mhd. siht ‘das Sehen, Ansehen, Anblick’, mnd. mnl. sicht, nl. zicht, aengl. -siht, sihþ, engl. sight sind westgerm. Abstraktbildungen (germ. *sihwti-) zu dem unter ↗sehen (s. d.) behandelten Verb. Als Übersetzung von ital. a vista begegnen in der mnd. Handelssprache der Hanse Wendungen wie na gesichtes myns weselbreyffs (‘nach Vorlage meines Wechsels’) betalen (15. Jh.), (Wechsel) up sichtt (bezahlen), 8 dage nae sichtte der handtt schryfft (16. Jh.), dann auch im Hd. nach Sicht des Wechselbrieffs (16. Jh.). Daraus entwickelt sich im 17. Jh. die Bedeutung ‘Laufzeit (eines Wechsels)’, und es entsteht formelhaftes auf lange, auf kurze Sicht ‘für lange, für kurze Zeit’ (17. Jh.). In der Seemannssprache gilt mnd. sicht m. für ‘Sehweite’; es geht in diesem Sinne im 19. Jh. in die Literatursprache ein, vgl. in, außer, ohne Sicht (ohne erkennbares Genus, aber als Fem. aufgefaßt). S. ↗Gesicht; für -sicht in Abstraktbildungen zu Verbalkomposita (An-, Aufsicht usw.) s. ↗sehen. sichtbar Adj. ‘was zu sehen ist’ (16. Jh.). sichtig Adj. ‘hell, klar’ vom Wetter (um 1800 aus der nd. Seemannssprache); vgl. ahd. gisihtīg (um 1000), mhd. sihtec, sihtic, nhd. (bis ins 17. Jh.) sichtig ‘sichtbar, wahrnehmbar, deutlich’; heute nur noch in Zusammensetzungen wie durchsichtig Adj. ‘so beschaffen, daß man hindurchsehen kann’, übertragen ‘zart, blaß, leicht durchschaubar’, ahd. thuruhsihtīg (um 1000), mhd. durchsihtec; kurzsichtig Adj. ‘Sehschärfe nur für die Nähe besitzend, nicht vorausdenkend’ (18. Jh.); umsichtig Adj. ‘bedachtsam, überlegt’, mhd. umbesihtic; weitsichtig Adj. ‘weit sichtbar, weitblickend’ (16. Jh.), ‘Sehschärfe nur für die Ferne besitzend’ (18. Jh.). sichtlich Adj. ‘offenkundig, deutlich’, mhd. sihtlich ‘was gesehen werden kann, sichtbar, leibhaftig’. sichten1 Vb. ‘erblicken’ (19. Jh.), Übernahme aus der nd. Seemannssprache. besichtigen Vb. ‘in Augenschein nehmen, genau ansehen’ (15. Jh.), älter besichten (Anfang 15. Jh.); Besichtigung f. ‘das genaue Ansehen, Inspizieren’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
durchscheinend · durchsichtig · ↗klar · ↗transparent · ↗ungetrübt
Unterbegriffe
Synonymgruppe
durchsichtig · ↗dünn · ↗gehaltlos · ↗inhaltsleer · ↗oberflächlich · ohne Tiefgang · ↗vordergründig
Assoziationen
Synonymgruppe
(leicht) durchschaubar · schlecht kaschiert  ●  durchsichtig  fig. · ↗fadenscheinig  fig. · (etwas) merkt ein Blinder (doch) mit dem Krückstock  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ablenkungsmanöver Behälter Bluse Flüssigkeit Folie Folio Gaze Hornhaut Klangbild Kleid Kunststoff Manöver Oberteil Plastik Plastikbecher Plastikbehälter Plastikbeutel Plastikfolie Plastikhülle Plastiksack Plastiktüte Schlauch Schleier Tüte Vorhang Wahlkampfmanöver durchscheinend farblos hauchdünn undurchsichtig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›durchsichtig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ähnlich schnörkellos wie die durchsichtigen Wände sind auch die Möbel.
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2000
Dieser Film ist, wagen wir das Bild, durchsichtig wie ein finnischer See.
Der Tagesspiegel, 08.07.1998
Für eine wirklich transparente Malerei auf durchsichtigen Materialien sind sie ungeeignet.
o. A.: Lexikon der Kunst - L. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 32971
Bittend legt sie ihre durchsichtigen Finger über seine gebräunte Hand.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 229
Während die vorchristliche Welt im Glas vor allem den farbigen Reiz schätzte, entstand mit der Renaissance ein allgemeineres Verlangen nach möglichst durchsichtigem, farblosen Glas.
Popp, Joseph: Zur Einführung. In: Bräuer, Hasso (Hg.) Archiv des deutschen Alltagsdesigns, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1915], S. 260
Zitationshilfe
„durchsichtig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/durchsichtig>, abgerufen am 21.05.2019.

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