Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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achten

achten,
putare, opinari, existimare, aestimare, reputare, pendere, curare, custodire, attendere. ahd. ahtôn (Graff 1, 106), nhd. ahten (Ben. 1, 16), nnl. achten; das schw. akta, dän. agte erst nach uns, weder altn. noch gothisch. zwei (auch im subst. acht vortretende) hauptbedeutungen, des erachtens, dafür haltens und des beachtens, bewahrens, in acht nehmens. achten = putare, denken scheint dem goth. aha mens und ahjan cogitare (nur einmal Matth. 10, 34) nahverwandt, etwa wie sich slahta slahtôn aus slahan entfalteten, ahtôn ist im sinn, in gedanken haben, bei sich erwägen. oft steht gar kein casus dabei, sondern ein abhängiger satz folgt: ich achte, du lässest dich bereden. Esaias 36, 5; ich achte, dem er am meisten geschenket hat. Luc. 7, 43; denn ich achte, ihm sei der keines nicht verborgen. apostelgesch. 26, 26; denn ich achte, ich sei nicht weniger. 2 Cor. 11, 5; ich achte, die Jüden würden leicht zu bekeren sein. Luther 3, 36; ich achte auch, das das gold der dreien könige sei mit bilden gemünzt gewesen. 3, 46; ich achte ja, er halte mich dennoch für der gelertesten einen zu Wittenberg. 3, 46; ich acht wol, sie möchten lieber leiden. 8, 63ᵃ; nun aber acht ich nicht, das solches gesetzet sei. 4, 1ᵇ; soltu nicht achten, dasz durchaus sin volk, glaub, land sei. Frank weltb. vorr.; so acht ich wol, gott würd euch nicht verlassen. Schiller 519. doch setzt die heutige sprache für solches achte lieber erachte; die alte liesz statt dasz auch den inf. darauf folgen: ich achte es billich sein. 2 Petr. 1, 13; derhalben ichs für unnötig geacht, auf solch sein büchlein antworten. Luther 4, 319ᵃ; sie zürnen, das ich den teufel durch sie reden achte (glaube, dasz der t. durch sie redet). 3, 444ᵇ; wir achten auch nicht noth sein, die andern praedicanten diesmal zu erfodern. Melanchth. 3, 920; man achtet das thier ein grosze menge wassers geworfen haben. Forer fischb. 92ᵃ; dis achten sie viel seliger und besser sein. Tacitus übers. von Micyllus 452ᵇ. achten, aestimare, pendere mit doppeltem acc., das prädicat sowol adjectivisch als substantivisch: er schluckt in sich den strom und achtet es nicht grosz. Hiob 40, 18; entziehe dich deines freundes nicht, weil dein feind deiner nicht grosz achten wird. pers. baumg. 9, 13; achtete sie (Hagar) ihre frau geringe gegen sich. 1 Mos. 16, 4; dasz man die, so regieren sollen, in der welt geringe und leicht achte. Luther br. 4, 152; weil ich E. G. nicht so leichte achte. 5, 513;
man sagt von geld und groszem gut,
das thu ich als (alles) ring achten.
Garg. 92ᵇ;
und solt sie unrein achten. 3 Mos. 11, 24; ein zug, den man so gefährlich achtete. Göthe 8, 248; die krone, der mein fürst mich würdig achtete. 9, 156; ich acht ihn heilig und das höchste gut. 9, 155; ich achte mich, wie sie, zum thron geboren. Schiller 593; ich achte dies alles tand und spielwerk; ob sie ihre gerechtigkeit nichts achten. Luther 3, 27; ihr habt den landmann nichts geachtet. Schiller 543. beim passivum wandelt sich der acc. in den nom.: weil dise welt (America) ein unbewonet ort von iederman ist geacht worden. Frank weltb. 225ᵇ;
weiland waren wir geacht,
dasz wir rühmlich gastfrei waren.
Logau 3, 4, 24;
nun sind etliche, den dise wort der gnaden also leicht geachtet sind. Luther 3, 27; welche von den göttern würdig geachtet würden. Wieland 2, 15;
abwesend ist kein freund zu achten,
der immer für uns denkt und strebt.
Göthe 4, 152.
Es kann aber statt des acc. auch die praep. für gesetzt, oder vor den casus die partikel wie (ceu) und als geschoben werden, oft mit leise abweichender bedeutung: er achtet mich für seinen feind. Hiob 19, 11; andere menschen für blind und eineugig achtende. Frank weltb. 195ᵃ; für puppenwerk achten. Wieland 9, 95; so sind sie billig für ketzer zu achten. Tieck 15, 334; du wollest deine magd nicht achten wie ein lose weib. 1 Sam. 1, 16; werden ihr gold als einen unflat achten. Ezech. 7, 19;
ist das chaos doch, beim himmel,
wie ein maskenball zu achten.
Göthe 47, 63;
welche gegen die andere kraft wie nichts zu achten ist. Kant 8, 167. es heiszt also: ich achte mich dir verbunden oder für verbunden; ich achte dich glücklich, einen helden, oder für glücklich, für einen helden; ich achte dies nichts, wie nichts, für nichts. ich achte dich wie, als einen held würde aber aussagen: wie man einen held achten soll, da du ein held bist. Die andere hauptbedeutung gründet sich nicht sowol auf die vorstellung des denkens, als des sehens, wahrnehmens, beobachtens, bemerkens, hütens. achte vor allem, siehe zu, dasz du gott zum freunde habest; achte nicht, noli curare, ob dich die hunde anbellen; geh dem feind entgegen und achte nicht, wie die kugeln fliegen. achten mit dem gen. ist curare, curam habere: was sollte der höchste ihrer achten? ps. 73, 11; sie achten keines rechten. Amos 3, 10; der mietling achtet der schafe nicht. Joh. 10, 13; ihr achtet seiner worte nicht; dasz ich der geringen sachen nicht acht. Er. Alberus 6; er acht keines glanzs. Agricola 89ᵃ; der sich vernügen läszt und wol sein acht. 156ᵇ; man achtet der orten, in welchen sie stehn. Forer fischb. 14ᵃ; ich acht nicht seidener häsz. Garg. 90ᵃ;
ein jeder ticht und tracht,
sich also zu geberden, dasz seiner wird geacht.
Logau 1, 10, 21;
dasz ihr des schöpfers noch nicht achtet. Gotter 1, 402; er achtete seiner mutter. Klinger 3, 232; traurig sehen wir uns an, achten nicht des weines. Millers ged. 303. doch steht auch der acc.: du achtest nicht das ansehen der menschen, non respicis personam hominum. Matth. 22, 16; du achtest keines menschen ansehen. Luc. 20, 21; gott achtet das ansehen der menschen nicht. Gal. 2, 6; so wir eine solche seligkeit nicht achten. Ebr. 2, 3; während dessen unterhielt sich der russische officier mit den frauenzimmern und schien das ganze gespräch nicht zu achten. Schiller 719; das darf ein braver mann nicht achten; sie haben ihren sohn nie geachtet, der entfernteste verwandte ist ihnen lieber als er. Gotter 3, 8; achten mit der praep. auf: ihr sollt nicht auf vogelgeschrei achten. 3 Mos. 19, 26; der auf vogelgeschrei achte. 5 Mos. 18, 10; achtete auf vogelgeschrei und zeichen. 2 kön. 21, 6; ich habe einen bund gemacht mit meinen augen, dasz ich nicht achtete auf eine jungfrau. Hiob 31, 1; wer auf den wind achtet, der säet nicht. pred. Sal. 11, 4; und nicht achten auf die jüdischen fabeln und menschengebote. Tit. 1, 14;
und hat er die stadt sich als wandrer betrachtet,
die groszen betrauert, auf kleine geachtet.
Göthe 1, 251.
auch sich achten mit gen.: der sich der hofsitte wenig achtete. Zinkgr. ap. 19, 28; wer sich seines weibes nicht achtet. Schmelzel 78; dessen sie sich aber wenig geachtet. Spee 439. sich achten mit praep.: sich darnach achten wird. pers. rosenth. 8, 36;
wer gar zu eigensinnig ist,
nach diesem münzcours sich zu achten,
der dauert mich.
Gökingk 1, 15;
wonach männiglich, jedermann sich zu achten. gegensatz des achtens ist verachten, misachten, gering achten. Doch laufen beide bedeutungen des erachtens und beachtens in einander über. wer auf geld nicht achtet, geld nicht achtet, der achtet es gering; wer auf einen achtet, einen achtet, der achtet ihn hoch; einen mann achten respicere und hochachten magni facere gilt uns heute gleichviel. wenn es 1 kön. 10, 21 heiszt: des goldes acht man zun zeiten Salomo nichts, so drückt das sowol geringschätzung als unbeachtung aus, wie ein nicht bedenken vernachlässigen zur folge hat. Schwierig ist der sinn der worte: die vögte sind wachtens und achtens frei, sonder wan man gemeinlich acht, dan sind sie nicht frei. weisth. 2, 452; vgl. aichten und frönen 3, 744 und pflüge, die achtung thun, hernach bei achtung. auch scheint achten zuweilen ein geschäft des richters, vgl. achtsmann schöffe und acht am schlusz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 167, Z. 55.

achten, n.

achten, n.,
das substantivisch verwandte verbum, sowol im sinn von ansehen, würde: weil ich solches standes und achtens bin. Luthers br. 3, 38; als von ermessen: meins achtens. Luther 3, 239, heute meines erachtens;
das meins achtens nicht unbequem ist.
P. Rebhuhn klag des armen manns 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 169, Z. 37.

ächten

ächten,
persequi in judicio, proscribere, ahd. âhtan praet. âhta (Graff 1, 108), mhd. âhten, æhten, verschieden von dem vorausgehenden ahtôn ahtôta, doch scheinen beide wörter nah verwandt, wie schon die bei acht und achten hervorgehobne beziehung auf ein gerichtsverfahren darthut. ächten ist etwa ein gesteigertes hüten und bewachen, ein verfolgen des bewachten gefangnen, endlich verbannen des entflohnen. hat sich das â in âhtan nicht allmälich vor dem h eingefunden, wie im mhd. vâhen, bei N. noch fahen, goth. fahan, und dürfte es wie in fâhtun, flâhtun von fëhtan, flëhtan erfaszt werden; so gelangten wir auf eine dunkle verlorne wurzel ëhtan, aus welcher ahtôn und âhtan entsprängen, die gleichwol mit aha mens in berührung bleiben könnte. ächten bezeichnet uns heute nur verbannen, schwer bestrafen: einen friedbrüchigen ächten, landes verweisen;
er möchte vielleicht eroberergrösze
anders ächten als wir.
Klopst. 2, 66;
ein in der guten gesellschaft geächteter mann; Alwine winkte mit einem sanften gesicht den geächteten (aus des vaters augen gewiesenen) liebling ins nähzimmer. J. Paul Tit. 1, 99. doch war bei Logau das mhd. durchæhten nicht ganz verschollen, s. durchächten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 169, Z. 43.

ächtigen

ächtigen,
bannire, ächten: so man die andern würde ächtigen und verfolgen. Melanchth. 3, 690; die stadt Constantia ist geächtiget. 6, 729.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 170, Z. 41.

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Zitationshilfe
„ächtigen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%A4chtigen>, abgerufen am 27.07.2021.

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