Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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alt

alt,
vetus, goth. alþeis, ahd. alt, alts. ald, ags. eald, engl. old, nnl. oud, den nord. sprachen als einfaches adj. mangelnd, die dafür altn. gamall, schw. gammal, dän. gammel haben. alt stammt von alan, aljan, lat. alere, dessen part. altus nutritus, adultus, sursum erectus, hoch aufgewachsen und hoch dem neuen und jungen schosz entgegensteht. wie in altus hoch, wird in unserm alt vetus das participialverhältnis nicht nachgefühlt. der lautverschiebung nach ist dem lat. altus goth. alþeis und das part. usalþans γραώδης gemäsz, wie sich aber aldrs und aldômo fortbildete, tritt auch alts. ald für alth, mithin ahd. alt für ald ein. wahrscheinlich ist dies alt dem skr. vriddha adultus, auctus, senex von der wurzel vridh crescere, florere entsprechend, aus vriddha konnte arddha und alddha werden. Wir unterscheiden das junge vom neuen, stellen aber beiden das alte entgegen. der Gothe setzt genauer juggs dem alþeis ἀρχαῖος, niujis dem fairnis παλαιός gegenüber, das erwachsene ist alþi, das lange bereitete und gemachte fairni. auch ahd. scheint noch junc dem alt, niuwi dem firni entgegengesetzt und selbst heute heiszt ein greiser alt, der langgekelterte wein firnewein. Doch mischen sich, auf beiden seiten, frühe schon die bedeutüngen. das gr. νέος ist neu und jung und Ulfilas schwankt zwischen vein niujata und vein juggata, der gewachsne edle rebensaft verdient auch jung, folglich alt zu heiszen, und für vein fairnijata würde gothischem munde auch gerecht gewesen sein alþjata, nicht aber hätte etwa bei snaga, dem kleide, oder beist, dem sauerteig fairni durch alþi vertreten werden können. Früher war auch das nord. gamall unter uns bekannt, wie die ahd. eigennamen Kamalo (altn. Gamli), Gamalheri, Gamalberaht, Gamaldrût, und ein alts. gamalôn senescere lehren. altn. erscheint es nur von alten menschen, für sachen aber forn = goth. fairni, ahd. firni; weil aber forn erlosch, erstreckte sich das schw. gammal, dän. gammel auch auf sachen, z. b. det gamla testamentet, dän. det gamle testament, ἡ παλαιὰ διαθήκη, altn. hit forna sâttmâli. Allein auch schon ahd. und mhd. scheinen alt und firni nicht ganz in der lage des goth. alþeis und fairnis, alt von gröszerem, firni von minderem umfang. niuwi und firni, niuwe und virne erscheinen zwar immer noch als gegensatz, doch so, dasz auch alt an die stelle des firni treten kann. manche mhd. dichter enthalten sich des virne gänzlich, Conrad, der es am häufigsten verwendet, setzt richtig ein kleit swach und virne. Troj. 3860, virne missetât MS. 2, 200ᵇ, name virne schm. 409, aber auch: er was alt und virne. Troj. 4500, wie Notker ps. 32, 2 firnen und alten, senescere und veterascere verknüpft. Nhd. ist firne noch beschränkter (m. s. das wort) und alt dient für beide bedeutungen, es ist
1)
gegensatz des jungen und wird dann noch steigerbar in uralt, steinalt; alt werden, nicht blosz senescere, alten, sondern überhaupt an alter zunchmen: das neugeborne kind ist drei tage alt; eins tags alt. Keisersb. post. 2, 98; ein sechs wochen altes kind; ein jahr und drei wochen alt; nicht me dan über nacht alt; wenn der mei acht tag alt ist. fastn. sp. 761, 20;
die mütter brachten sie eines
frühlinges alt, der ersten umarmung des segnenden vaters.
Klopst. Mess. 5, 172;
er wird nicht alt; er wird vor der zeit alt; du machst dich älter als du bist; von zwein brüdern der ältere, unter dreien der älteste; auch mit auslassung des alt: sie ist noch nicht sechzehn jahre, ja blosz: noch nicht sechzehn, er ist schon funfzig.
böses soll man bald vergessen, doch vergiszt sichs schwerlich bald,
gutes stirbet in der jugend, böses wird gemeinlich alt.
Logau 2, 9, 30.
alte leute, alte verständige leute; so ein naseweis musz nicht darein reden, wenn alte leute schwatzen; alter mann, alte frau, wofür auch substantivisch der alte, senex, die alte, anus (s. diese wörter); die alten, die eltern, voreltern (s. hernach). alte, erlebte leut. Fronsp. kriegsb. 3, 16ᵇ; der alte Cato, Cato priscus sive major; der alte Moor, Moor der vater. Schiller 3, 11; keiner ist zu alt etwas zu lernen; jung gewohnt, alt gethan; in meinen alten tagen, er ist zu seinen alten tagen gekommen; in seinen alten tagen. Hagedorn 2, 104; auf meine alten tage wollen sie mir noch eine freude machen? Vertraulich redet man alte und befreundete leute an alter und alte: alter schone dich! alter nimm dich in acht! da hast du was alte!; ach alter! wären wir beide geblieben, wie wir waren, du ein fröhlicher witwer und ich ein wilder junggeselle. Gotter 3, 244; heda alte! komm einmal heraus. Arnim schaubühne 1, 1; mein alter (mein ehmann). J. Paul Fibel 33;
gott grüsz euch, alter, schmeckt das pfeifchen?
Pfeffel;
sprichst du, während mein weib schenket den süszduftenden sinathee,
seelenvolles gespräch, alter, und singst deinen Anakreon.
Voss an Overbeck;
und kinder drücken sich von vater und mutter aus: mein alter ist krank, mein alter hat mich gescholten; mein alter versetzte. Göthe 40, 175; meine alte siehts nicht gern;
und zog hinweg zu folgen seinem alten
im reich und in der kron.
Werders Ariost 11, 62.
lehrlingen heiszt der meister der alte, unser alter. bergmännisch: den alten mann bauen, eine verschüttete zugestürzte grube wieder aufräumen, vgl.altmann. Häufig die alten und die jungen oder auch im unflectierten neutr. alt und jung für alle und jede: wir wollen ziehen mit jung und alt. 2 Mos. 10, 9; mann und weib, jung und alt. Jos. 6, 21; die alten mit den jungen. ps. 148, 12; ich wil die alten und jungen zerschmeiszen. Jerem. 51, 22;
dir unterwirft sich jung und alt.
Hagedorn;
das ist hier im lande die meinung von alt und jung; ihr habt, wie ich, von dem zurufe gehört, den im j. 1769 alt und jung bei einer brüderlichen zusammenkunft beschlossen haben. Klopst. 12, 409;
und überall, all überall,
auf wegen und auf stegen
zog alt und jung dem jubelschall
der kommenden entgegen.
Bürger 13ᵃ.
so verbinden sich auch alt und krank, alt und arm im sinne von alter und krankheit, alter und armut:
und schön hat alt und krank auch leichtlich hingericht.
Logau 2, 3, 10;
Canus geht gar krum gebückt
weil ihn arm und alt so drückt.
2, 9, 20.
So nun auch von thieren und pflanzen: der alte stier, entgegen dem jungen (juvencus); die alte kuh und das kalb; eine alte schindmähre; der alte, graue wolf; ein alter schlauer fuchs; sieben küchlein mit der alten henne, und so von allen thieren. ein alter baum, eine ehrwürdige eiche, dreihundert jahre alt; alte weinstöcke, im gegensatz zu jungen reben.
2)
gegensatz des neuen. das alte jahr, die alte zeit, von den ältesten zeiten her; der alte gott lebt noch; die alte welt, die längst bekannte im gegensatz zur neu entdeckten; das alte testament, die alte ehe; eine neue creatur, das alte ist vergangen. 2 Cor. 5, 17 (goth. niuja gaskafts, þô alþjôna usliþun); alte sitten, bräuche und gesetze, alte mode oder wie dies sonst hiesz, die alte hand; alte kleider, alte schuhe, alter hut, abgetragen und abgenutzt; altes geld, alte thaler, alte münze: welche münze, so si bofel und alt werden, wechslen sis ab in des kunigs münz. Frank weltb. 195ᵃ; ir handtierung ist nit wie vor altem (ehmals). 53ᵃ; es war von altem her sitt und gewonheit; alter wein, firnewein; alte früchte, firnefrüchte; alte butter, altes ranziges öl, fett. ein altes wort, eine alte art zu reden, alte aus dem gang gekommne sprache; altes, verfallenes haus, die älteste kirche im lande; alte kirchen haben dunkle gläser, wie kirschen und beeren schmecken musz man kinder und sperlinge fragen, dies waren unsere lust- und leibworte. Göthe 26, 69. eine alte stadt, die alte landstrasze, der alte weg. alte, eingenistete krankheit, altes übel, alter schade, alte wunde. auf menschen angewandt heiszt der alte nicht sowol der bejahrte, als der langjährige, treue, standhafte, auch der ehmalige, gewesene: ein alter freund; ein alte, ehrliche haut; ein alter haudegen, alter krieger: an treue und gehorsam bin ich der alte. Göthe 8, 248; ich danke dir, du bist die alte. 10, 123; du bist der alte noch, so viel ich sehe. Klinger 6, 284; das ist mir der alte! dem musz man so was an die nase heften. Schiller 183; man möchte oft lieber ein gespenst, als einen alten liebhaber vor augen sehen. 19, 234, ein solcher liebhaber kann jünger sein als der neue. komm her, alter kerl! altes, fideles haus! ein altes handwerk oder gewerk, wie becker, fischer, schmied gegenüber den neuaufgebrachten; die alten fürsten und edelleute gegenüber den neubackenen; alter adel, altes geschlecht. es bleibt beim alten, wird beim alten gelassen, nichts neues eingeführt:
ruhig war er nicht dabei,
liesz es nicht beim alten.
Göthe 1, 102;
wir aber lassen es wol beim alten. 3, 264;
mag alles durcheinander gehn,
doch nur zu hause bleibts beim alten.
12, 51;
wenn alles beim alten blieb, wenn man in das gleis des gesetzmäszigen lebens zurückkehrte. 17, 181; der oheim mochte reden was er wollte, so blieb es mit mir doch immer beim alten. 19, 348. alte liebe rostet nicht; der alte hasz, das alte vorurtheil dauern noch fort; da befiel ihn sein alter durst nach einem einzigen, erschütternden gusz aus dem füllhorn der natur. J. Paul Tit. 1, 10; wie fürchte ich mich diesen angenehmen traum zu verlieren und wieder in meinem alten jammer zu erwachen. Lessing; er hat seine alte würde wieder erlangt; diese stadt behauptet ihre alte freiheit. Einigemal mag zweifelhaft sein, ob das alte dem neuen oder jungen entgegen stehe, oder die ungenauigkeit gerade in absicht liegen, wie bei dem ausspruch: ich bin jung, habe doch alte bücher gelesen; sie haben da lauter alte tröster. Lenz 1, 220; (mehr freude) als mein altes herz wird tragen können. J. Paul jubels. 175, entweder das altgewordne oder das alte, treue.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 262, Z. 66.

alt, m.

alt, m.
der fisch alant, alet.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 265, Z. 10.

alt, m.

alt, m.
in der musik, die hohe mittelstimme, nach dem it. alto: er singt alt, singt den alt:
der alt, so itzt noch ruht,
wird schon zu rechter zeit sich ins concert aufmachen.
Gryphius 2, 342.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 265, Z. 11.

ältist

ältist,
für ältest, noch bei einzelnen, späteren schriftstellern: unter den ältisten hochteutschen poeten ist der fromme mönch Otfried von Weiszenburg. Hoffmannswaldau vorr.; die ältisten rechte. Hohberg 1, 355ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 273, Z. 3.

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Zitationshilfe
„ältist“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%A4ltist>, abgerufen am 08.05.2021.

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