Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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änkel

änkel,
s.enkel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 379, Z. 35.

enkel, m.

enkel, m.
talus, fuszknöchel, ahd. anchal m., anchala f., später enchil, enchila, mhd. enkel m., nnl. anklaauw, enklaauw, enkel m., ags. ancleov, engl. ancle, altn. ökull und ökli, beide m., schw. dän. ankel. nhd. gar nicht bei Dasypodius, Frisius, Maaler, welche dafür knode oder fersine setzen, Henisch 882, 51 hat es. jenes anklaauw sieht wie zusammengesetzt aus mit klaauw klaue, doch scheiden sich ags. clav, engl. claw von cleov engl. clew glomus, sonst liegt auch lat. ungula, unguis dem anchal nahe. aus ökull liesze sich ein goth. agklus, gen. pl. agklivê folgern. man halte altn. vödvi zu ahd. wado, goth. sparva zu ahd. sparo. verwandt dem anchal, enchil sein könnte selbst ancha occiput, doch ahd. engi, goth. aggvus müssen aus dem spiel bleiben. zwu adern inwendig unter den knorren oder enkelen an beiden füszen sein gut zu lassen den frauen nach der gepurt. versehung eines menschen. Nürnb. 1489. 39ᵇ; lasz ir zu adern auf dem rechten arm, zu der lebern oder an dem enkel innen an dem fusz. 84ᵇ;
nach mir zeuch ich ein dorenstrauch,
das mich blutrüstig machet auch
mit scharfen doren meine schenkel,
füsz, soln, fersen und den enkel.
H. Sachs I. 540ᶜ;
auch ewr schenkel
werden aufbrechen umb den enkel.
III. 1, 178ᵈ;
der löwe sprach, heb auf den schenkel,
wie grosz ist dir geschwoln der enkel?
Waldis 1, 32 s. 25ᵃ;
eilends hinab in keller lief,
da stund ein pfütz zum enkel tief.
3, 94 s. 192ᵇ,
was ihm Wolgemut 2, 368 entwendet;
er stund in seinen geschnürten schuhen
bisz an den enkel im blute.
Hildebrand volksl. s. 9.
s. auch das folgende.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 485, Z. 38.

enkel, m.

enkel, m.
nepos, gleicht sichtbar dem lit. anukas bei Nesselmann 7ᵇ und dem sl. vnouk, vnuk, altpoln. wnęk (sprich wnenk). Miklosich löst vnuk in unuk auf und hält dazu skr. ûna minor, debilis. nah liegt der gedanke ans vorhergehende enkel talus, da verwandtschaftsgrade überhaupt nach gliedern des leibs bemessen zu werden pflegen und gerade ein andrer name des enkels diehter auf diech, ahd. dioh hüfte zu weisen scheint. RA. 170. der sohn ist dem ahnen gleichsam aus der brust entsprossen, der enkel aus schenkel oder knöchel. nun fordert auch die oben aufgestellte form enenkel betracht, die nicht allein nepos, sondern wiederum talus ausdrückt, wenn letztere bedeutung nicht ein leicht erklärlicher misverstand ist. man hat dem enenkel ano und ene zum grund gelegt und dann in -enkel die ahd. diminutivbildung inchili (gramm. 3, 681) gesehen, wie aus lêwo lêwinchili (leunculus) entspränge aus ano eninchili; doch der enkel ist kein kleiner vorfahre, sondern ein nachkomme, erst der urenkel ein kleiner enkel, aber enenkel hat völlig den sinn von enkel, nicht den von urenkel. die nordische sprache hat für nepos kein unserm enkel entsprechendes wort und verwendet ökull nicht so, wol aber braucht sie eckill für viduus, eckja für vidua, schw. enka, dän. enke, und dieser allein stehende witwer gemahnt an unsern enke famulus, tiro, woraus sich ein bezug von enkel nepos auf enke famulus ergäbe. hiermit schwände wieder der schein jener diminutivbildung inchili, welcher ohnehin auch die verwandtschaft mit anukas und vnuk widerstreitet. die sprache der sette communi 106ᵇ gewährt freilich anecho nepos, unterscheidet es jedoch von enkel talus. Wie das lat. nepos, it. nipote zuweilen den brudersohn bezeichnet, ist dies bei dem buchstäblich entsprechenden franz. neveu und unserm neffe stets der fall: sie drücken niemals enkel aus. enkel und neffe, enkelin und nichte stehn beide in der absteigenden reihe, an verschiedner stelle. enkel aber kann uns nicht den brudersohn, nur den sohnessohn bezeichnen: doch wöllen etlich, das die selben zwen junge knaben nit Tarquinius kind, sondern seins süns kind, sein enkel gewesen sein. Livius von Schöfferlin 17. dagegen steht enkel sowol für nepos als für neptis, man sehe die oben sp. 483 unter enikel aus Chmels Max angezogne stelle;
ich bin es selbst, bin Iphigenie,
des Atreus enkel, Agamemnons tochter.
Göthe 9, 20;
überhaupt für nachkomme:
das musz die chronik einst den enkeln noch erzählen.
Gellert 1, 117;
vernunft wird unsinn, wolthat plage,
weh dir, dasz du ein enkel bist!
Göthe 12, 97;
nur selten finden auf des enkels brauen
der ahnen grosze züge sich geschrieben.
Schiller ...
die enkel werden ihnen helfer und vielleicht
der enkel enkel einst ihr starker herr.
Freytag Fabier 24.
bildlich: der gute Albano zeichnete auch dieses entweichen in sein sündenregister ein, gleichsam als enkel seiner teufelskinder (als die folge seiner eignen schuld). J. P. Tit. 3, 135.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 485, Z. 70.

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Zitationshilfe
„änkel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%A4nkel>, abgerufen am 18.06.2021.

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