Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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asch, m.

asch, m.
fraxinus, die esche. den buchstaben nach stimmt aber das lat. esculus, aesculus, im festen sc war der laut vor verschiebung bewahrt. ahd. asc, mhd. asch, ags. äsc, altn. askr, schw. dän. ask. da sich nun das holz dieses schönen baums treflich schnitzen und drechseln liesz, lagen schon dem hohen alterthum lebhafte und poetische übergänge des wortes auf das gefertigte gerät unmittelbar nah. das ags. äsc bedeutet zugleich hasta, den eschenschaft, und ein krieger heiszt äscberend, hastifer, im salischen gesetz aber 21 ist ascus navigium, der aus eschenholz gezimmerte nachen, vgl.aschmann; in Baiern hat sich asch, hallasch für salzschif bis auf heute erhalten (Schm. 1, 122) und auch das ags. äsc (engl. ash) steht für navigium. darf man an den lederschlauch ἀσκός denken? er müste hölzern und lederbezogen gewesen sein. das altn. askr ist vasculum ligneum insgemein, zugleich gilt dafür askja, eskja f., dän. äske; im passional 351, 67 drückt asch den teller aus, auf welchen Johannis haupt gelegt wird. bei uns dauert asch m. pl. äsche in den zusammensetzungen blumenasch, blumengefäsz, topf, milchasch milchgefäsz, milchnapf, reibasch u. a. m., was alles ursprünglich holzgedrehte meint, dann auf andere übertragen wurde: ich bitte dich um einen von den kleinen blumenäschen, ich will etwas säen. Göthe an fr. von Stein 3, 140. Steinbach schreibt aasch pl. äsche, sinum, vas ventricosum, und in Schlesien soll heute ein groszes irdenes gefäsz mit zwei henkeln so heiszen, aber auch aschach in Östreich, Kärnten scheint ein holzgefäsz, s.assach. schade, dasz uns das einfache asch m. für den baum selbst fast erlosch und esche f. an seine stelle getreten ist. wenn Göthe schreibt: der wind spielt gar schön in meinen äschen. an fr. von Stein 1, 312, steht das wol = eschen, und geht auf kein m. asch zurück.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 578, Z. 15.

asch, m.

asch, m.
salmo thymallus, ahd. asco (Graff 1, 492), mhd. asche (Ben. 1, 65ᵃ), heute auch äsche, ascher, vgl äschling. soll nach der aschgrauen farbe benannt sein. in Schmelzls lobspruch 92 wird aschn als nom. angesetzt, bei Hohberg 2, 465ᵇ. 468ᵃ äschen. kaufen vorhen und äschen. H. Sachs III. 1, 198ᵇ. 238ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 578, Z. 45.

äsch, n.

äsch, n.
feldflur, verderbt aus ahd. eʒʒisc, und richtiger geschrieben esch (Schm. 1, 123. 124): in dem äsch ein haust heues machen. weisth. 2, 571.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 578, Z. 51.

asche, f.

asche, f.
cinis, goth. azgô, ahd. ascâ, mhd. asche, esche, auch im 16. 17 jh. oft noch äsche, esche, ags. axe, nnl. asch, altn. aska, schw. aska, dän. aske. bei H. Sachs steht asche männlich, z. b. 1, 501ᵇ, wie auch mhd. mitunter (Lachm. zu Nib. 900, 4). jenes äsche ist analog dem gleichfalls üblichen fläsche und täsche für flasche, tasche, alle umlautenden formen setzen ein ahd. askia, taskia, flaskia voraus. ags. axe stellt asce um in acse. die gröszte aufmerksamkeit verdient aber das goth. zg in azgô. sk sagt dem goth. organ anderwärts zu (gaþrask, fisks, hruskan); es musz ein wesentlicher grund vorhanden sein, dasz der Gothe nicht askô schrieb und sprach. goth z ist so weich oder blöde, dasz es nur vocal, liquida oder media, keine tenuis hinter sich duldet, zg, zd (folglich auch zb) sind möglich, nicht aber zk, zt, zp, sondern nur sk, st, sp. die ahd. mundart sehen wir goth. sk, st, sp festhalten, hingegen goth. zd in rt wandeln, folglich hätte sie auch zg in rk (und, wenn es vorkäme zb in rp) umzusetzen. Wohin zielen diese nachweise? sie sollen einen aufschlusz heranführen, der oben bei dem worte arg noch aufgespart wurde. die goth. sprachreste gewähren uns dies adj. nirgend, wie wenn es den Gothen azgs gelautet und bleich bedeutet hätte? azgô cinis wurde ganz ruhig zu ahd. ascâ, aber azgs zu arac, arc; in ascâ und arac ständen sich s und r zur seite wie in was und wârun, chôs und churun. Dem worte arg sahen wir die vorstellung der feigheit wesentlich ankleben, der feige, sowol der furchtsame als dem tode nahe, erbleicht, in der edda heiszt er neffölr (nasenfahl) und gefragt wird: hvî ertu svâ fölr um nasar? (wie bist du so fahl um die nase?) wenn nun azgs oder arg schon dem wortbegrif nach fahl, blasz, bleich ausdrückt, musz jener vorwurf desto bedeutsamer scheinen. einen feigen können wir ebenso gut aschbleich, aschfahl nennen. Sichtbar aber wäre arg und azgs zugleich das gr. ἀργής und ἀργός, man hätte nicht weiter nöthig, davon ein ἀργός träg und feige abgesondert aus ἀεργός zu deuten, da sich der feige von selbst als einen bleichen und fahlen darstellt. Wir lassen diese kühne etymologie des wortes arg liegen und kehren uns zu der von asche. Dasz auch azgô die fahle, weisze, bleiche ausdrückt, folgt aus allem analogien. mit einem andern ahd. worte heiszt sie falawisga, mhd. valwische, altn. fölski, was wiederum zu falo, fahl gehört und dem litt. pélenai, lat. pallere begegnet, aber auf die wurzel des sl. paliti brennen zurückführbar scheint, wie das reduplicierende sl. pepel′′, böhm. popel, poln. popiól selbst: asche ist die brennende, glimmende, glühende oder die abgebrannte, verglommene, graue. nicht anders läszt sich cinis deuten aus cio, cieo ignem und καίω brenne, wozu καινός funkelneu und goth. haiza lampas wie unser heisz, ahd. heiʒ calidus fallen. ein dritter ausdruck, ags. ysele favilla, mhd. üsele, altn. usli ignis, eysa cinis verbindet sich mit lat. uro = uso, praet. ussi, part. ustus und skr. ôs͑a ardor, ja das abstracte goth. iusila ἄνεσις darf man wagen als ein verglimmen aufzufassen, usilvar ist wiederum gilvus, fahl. für azgô selbst endlich wäre, nicht jenes ôs͑a, vielmehr das skr. radschata albus und argentum, gr. ἄργυρος, zend. erezatam, sirjän. eszys zu vergleichen, immer also die vorstellung des weiszen, glänzenden zu entnehmen, und lat. ardere (ard = arg) könnte unmittelbar hinzu treten. Alle unsere sprichwörter bezeugen, wie nahe der glut die asche liegt: es glimmt noch unter der asche; von der aschen in die glut; du bläsest so lange in die asche, bis dir die funken unter das auge stieben. so eben vernehme ich, dasz jemand von meiner bekanntschaft nach Weimar geht, das bläst die asche von der glut (erregt die sehnsucht). Bettine briefe 2, 79. die asche ist noch warm, heisz;
dieses raumt seckel und täschen,
dasz uns kaum bleibt die warme äschen.
Garg. 97ᵃ;
derwegen solchen mut nicht under der aschen erstöcket ligen zu lassen, sondern mit dem blasbalg strenger anmanung aufzublasen. 173ᵃ; das stille entzücken Albanos glühte unter der asche des schlafes noch fort. J. Paul Tit. 2, 223. In asche, in die asche legen heiszt holz, bäume, häuser anzünden und in asche verwandeln: und hat die städte Sodoma und Gomorra zu aschen gemacht. 2 Petr. 2, 6; und wollen schlecht gottes haus zu boden und zu aschen haben. Luther 3, 389; manche feste, wehrliche stadt in die aschen gelegt. Kirchhof disc. mil. 1;
eh als gott Zeboim liesz in die aschen legen.
Gryphius 2, 303;
und laszt euch nicht mit geld bewegen,
das gewissen in die asch zu legen.
Ringwald tr. Eck. H 7ᵃ;
heute nacht brach heftiges feuer aus und legte das ganze schlosz in asche; der feind warf bomben und nach einer stunde lag die prächtige kirche schon in asche. die leichte, weisze, bei der geringsten bewegung auffliegende asche heiszt loderasche oder flockasche. Zumal bezeichnet asche die des leichenbrandes, und τέφρα (von θάπτω, was ursprünglich verbrenne), cinis, pl. cineres haben denselben sinn: und das ganze tal der leichen und der aschen wird dem herren heilig sein. Jer. 31, 40; umb drei oder vier laster willen Moab wil ich ir nicht schonen, darumb das sie die gebeine des königs zu Edom haben zu aschen verbrannt. Amos 2, 1. aus seiner asche erhebt sich der phoenix zu neuem leben; kriechet nit aus des phönichs äschen ein anderer phönichs? Garg. 105ᵇ. die vorstellung der asche wurde aber leicht übertragen auf den verwesenden staub auch unverbrannter leichen, wir reden von der asche unsrer vorfahren, vom zerfallen des leibs, des herzens in asche, seitdem längst das begraben der todten an die stelle des verbrennens getreten ist: die asche der freundin ruhe sanft, wir wollen blumen auf ihr grab streuen. Göthe 20, 80; doch liegt den dichtern dabei der gedanke an das feuer immer nah:
es rufet noch natur aus unsrer gruft, es lodert
ihr feuer unverlöscht, wenn unsre asche modert
Gotter 1, 141.
sonst aber sind asche und staub beinahe gleichviel und schon Helbling 1, 1201 sagt: wie stiubet der asche? Den brauch des alterthums sich in tiefer trauer das haupt und gewand mit staub und asche zu bestreuen, darf man am natürlichsten von diesem leichenbrand herleiten; die umstehenden verwandten gaben dadurch ihre gemeinschaft mit dem todten zu erkennen. zwar könnte blosz an die heilige erde gedacht werden und Achilleus auf die kunde von Patroklos tod greift alsbald den staub von der erde; doch steht gerade das bedeutsame τέφρη (Il. 18, 25) und dichter wie sitte gestatteten statt der asche leicht den staub, und die anwendung des symbols auf andere anlässe der trauer: warf Thamar aschen auf ir heubt und zureisz den bunten rock, den sie anhatte und legt ire hand auf das heubt und gieng daher und schrei. 2 Sam. 13, 19; o tochter meines volks, zeuch secke an und lege dich in die aschen. Jer. 6, 26; fasteten und zogen secke an, streueten asche auf ire heubter und zerrissen ire kleider. 1 Macc. 3, 47; bestreueten sie sich mit aschen und riefen gott an. 2 Macc. 14, 15. Wenn es aber von Hiob heiszt 2, 8 sasz in der aschen, und buszfertige sich auf asche legen, ist das nur ein zeichen der reue und demut, ohne bezug auf verbrannte leichen oder opfer. Die catholische kirche hat einen solchen busztag als jahresfest eingeführt, den dies cineris et cilicii, aschermitwoch, aschentag, an dem sich die gläubigen mit geweihter asche bestreuen lieszen oder selbst bewarfen: es ist euwer gewonheit (oder potius corruptela) am haubt der fasten, am eschermitwochen, so die heilig kirch uns ermant mit andacht zuͦ der kirchen die eschen zu empfahen und der priester dir die auf dein haubt legt und spricht 'mensch gedenke, das du eschen bist und wider zu eschen wirst', darzuͦ so man die altar verhengt und dich zuͦ hohen dingen ermant, so seind wir (d. i. seid ihr, die erste person für die zweite gesetzt) am allerverruͦchtesten, sie laufen darafter und seind so nerrisch, machen usz der ordnung gots und der heiligen kirchen ein gespöt und verachtens. die hübschen frawen und die edlen berümen sich und werfen einander mit eschen, und sol gar ein hübsch ding sein. Keisersb. omeisz 9ᵈ;
brechen das houbt der vasten ab,
domit sie minder kreften hab,
wenig sich zuͦ der äschen nahen,
das sie mit andacht die entpfahen,
förchten die äsch die werd sie biszen.
Brant narrensch. 294;
bei der heiligen äschen. Fischart Garg. 164ᵃ; wiewol er (der pabst) dem erzbischof, als er für ihme am eschermitwoch um anstreichung der äschen nider kniete, die äschen ins gesicht warf. bienenk. 129ᵇ; secht da, der ist genug gestäubt, als käm er vom eschermitwoch. Garg. 253ᵇ. in Sachsen haftet noch der brauch, dasz die kinder auf diesen tag mit einem tannenreis die asche den eltern abkehren, welche sich dann mit einer gabe lösen. In ganz anderm, weltlichen sinn steht asche mit bezug auf herd und küche: kartoffel, äpfel in der asche braten (öpfel in der asch. Garg. 154ᵇ); den deckel des topfs mit heiszer asche belegen; in die asche blasen; in die gemartert äschen blasen. Garg. 247ᵇ; der topf stürzt um und die speise fällt in die asche, geht verloren. das leidet häufig bildliche anwendung: ich bin der hofnung, gott werde je euer etliche erwecken, das mein treuer rat nicht gar in die aschen falle. Luther 2, 478ᵇ; ja, ich habe dennoch etwa gesehen, das der gerechte hat müssen unterliegen und ist seine sache gar in die aschen gefallen für den gottlosen. 3, 293ᵇ; also ligt der Zwingel mit seiner deutelei in der aschen. 3, 344ᵇ; Davids geschlecht lag gar unter und in der aschen. 3, 427; der hofnung immer stehet, es solle sich verziehen und zuletzt dadurch in die aschen fallen. br. 5, 197; insumma, alles fieng an in die äschen zu fallen. Fischart bienenk. 4ᵇ. Wiewol das liegen in der asche, statt von dem verschütteten essen, sich auch verstehen läszt vom liegen in schmutz und verachtung, sei nun ein armer küchenjunge (aschenbrödel) oder ein büszender gemeint: mich verachteten und gar in der asche gelegenen. Schweinichen 2, 275;
durch frumbkait bleibst dein leben lang
in dem aschen under der bank.
H. Sachs 1, 259ᶜ.
wie viel haben sie nur sind der zeit, da das evangelium ist angangen, ratschleg fürgenomen und noch heutigs tags für und für, einen über den andern, die alle zurück sind gangen und zu aschen worden. Luther 5, 314ᵃ; wer nu mit im disputieren wil, den stöszet er gewislich in die aschen (zu boden), er sei denn sehr wol gerüst. 5, 335ᵇ. unter alten namen des biers führt Fischart Garg. 59ᵇ auch einen an, der stampf in die äschen lautete, neben störz den kerl, also bedeutete, dasz die stärke des getränks den trinker zu boden stürzte. Ein prügel wird volksmäszig umschrieben durch ungebrannte asche: man soll ihm den vogt von Eichenstett mit seiner ungebrenten eschen ubers leder schicken. Spangenbergs lustgarten 453; mein buckel hat bisher brache gelegen, nun wird er mit ungebrannter asche gedünget werden. causenmacher 144. dichterischer heiszt es: mit einem ast klopfen, auf dem schon fünf jahre der vogel gesungen hat.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 578, Z. 62.

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Zitationshilfe
„äsch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%A4sch>, abgerufen am 18.06.2021.

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