Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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atzen

atzen,
in doppelter bedeutung,
1)
vesci, comedere, abweiden: so aber die gersten erwachsen, haben die vier dorf der mark, nemlich groszen Carben, klein Carben, Burggrevenrod und Kaichen samphaft mit ihrem vehe, kühen und pferten dieselbige frucht geatzet. Carber markbuch von 1643.
2)
cibare, speisen, beköstigen, nach gesetzlicher auflage: die nach Aquitanien und Septimanien entflohene Spanier wurden nicht härter als andere freie leute tractiret, sie durften nur die wachen auf den grenzen thun, die königl. commissarios atzen und beherbergen, mit vorspann oder andern nothwendigkeiten dienen, davor sie von allen übrigen dienstlasten exempt waren. Hahn 1, 101; Henricus wurde auf seinen reisen von herzogen, grafen und bischöfen aufgenommen, bedienet und nach seinem höchsten königl. stande geatzet oder bewirtet. 2, 36. s. das folgende.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 596, Z. 27.

ätzen

ätzen,
goth. atjan aus itan, ahd. ezan aus ëʒʒan gebildet, das z und tz durch das nachstehende i geschützt, wie in setzen, goth. satjan. zwei hauptbedeutungen,
1)
pascere, cibare, allicere, füttern, durch speise locken. gilt zumal von vögeln, wofür wir s. 279 schon ammen kennen lernten: vögel lock machen und ätzen. Garg. 249ᵇ; dasz Christus uns, da wir noch nicht flück waren, geätzet habe. bienenk. 99ᵃ;
die wachtel liesz sich
aus den lippen der trauten wirtin ätzen.
Ramler 1, 19;
tödtet ihr die vögel die ihr fangt? wies kommt, die meisten ätz ich auf meiner kammer. Fr. Müller 3, 65; unter und neben ihm riefen und flatterten die kanarienvögel, singdrosseln, finken und nachtigallen und die geätzte brut schlief gedeckt unter der brücke. J. Paul Tit. 2, 50; gepaarte tauben ätzten sich vor liebe. 2, 219. vgl.anätzen, ↗aufätzen. Dann auch von menschen: lieber, lasz meine schwester Thamar komen, das sie mich etze. 2 Sam. 13, 5; gott hett die juden geätzt, gespiset und getrenkt. Keisersb. post. 2, 25; gott etzete den Jacob mit dem einkommen des ackers. Agricola spr. 80; den leib etzen und trenken. 130;
es hett ein weib ein kleines kind,
wie man derselben noch wol findt,
das kundts mit etzen oder seugen
von seinem weinen nimmer schweigen.
B. Waldis Esop 1, 86;
der städter, der den gast auf purpur hingesetzet,
und alles sucht und wählt, was tellerlecker ätzet.
Hagedorn 1, 26;
(der knabe), wenn er nicht immer geätzt wird, sich erbost. Wieland 24, 251;
und uns mit näschereien ätzen,
bis uns der sinn für sie gebricht.
Stolberg 9, 335;
den herzpolypen er so gut wie ich den meinigen mit kaltem kaffee grosz geätzet. J. Paul uns. loge 3, 40; dasz die edle menschliche seele den körper warten und ätzen soll. teufelspap. 1, 35.
2)
mordere, rodere, sculpere, beizen, d. i. beiszen machen: dem Petrus waren löcher in den backen, das die zäher im also auf atzten. Keisersb. sch. der penit. 86; ein hauptmannsfluch etzt durch neun harnisch. Garg. 244ᵇ;
ich will zwar ihr gemüt aus dem geschenke schätzen,
dies wort doch, das sie liesz auf dieses silber etzen,
ist was den kranz recht ziert und mich allein erquickt.
Gryphius 2, 386;
insonderheit sind in Frankreich
beid alt und neu krieger zugleich
oftmals so geätzt und gefangen,
wenn ihn die proviant entgangen.
froschm. 3, 1, 14;
und dieses alles mahlte sich
so unverkennbar in geberden, mienen, zügen,
als hätt ihm auf die stirne sichtbarlich
natur geätzt: kehr ein mit deinem trosz vergnügen!
Gotter 1, 321;
verwünschung dessen, der gefühl und recht verletzt
hat weise die natur in jede brust geätzt.
2, 112;
ich kenne meine pflicht,
und ewig hat natur sie mir ins herz geätzt.
2, 343;
es ätzte sich in dein herz am tiefsten, dasz gerade dein treuer Emanuel noch glaubte, du würdest von seiner freundin geliebt. J. Paul Tit. 2, 241; das ätzende sublimat seines spottes. Tit. 1, 39. dies ätzen gilt heute zumal vom einfressenlassen durch säure und scheidewasser in kupfer, glas u. s. w. die platte ist sorgsam geätzt, nur halb geätzt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 596, Z. 43.

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Zitationshilfe
„ätzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%A4tzen>, abgerufen am 09.08.2020.

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