Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

úrbaren, úrbern, órbern, v.

úrbaren, úrbern, órbern, v.
zum subst. urbar. mhd. urborn, urbern; mnd. orbaren; mnl. orbaren, orboren, orbueren, orberen, nl. orberen. zu den formen s.urbar. alemannische und schwäb. mundarten scheinen es nicht zu kennen, aber auszer dem bayer. (Schmeller 1, 255) ost- und südostd.; Knothe Markersdorf 121; obers. wb. 2, 307ᵇ; Weinhold schles. 102ᵃ; Bernd Posen 332. in heutiger schriftspr. ist u. nur in bed. 4 gebraucht, bed. 7 erscheint bei schriftstellern, die der mundart nahestehen.
1)
nutzen ziehen, ausnutzen (urbar, subst., 1) wie mhd. urborn, mnd. orbaren: das si ir gut ... uff solche were und bezalunge, die in landen unde stetin ganghaftig were, furen unde orbern mochtin (1447) cod. dipl. Lus. super. 452; wohl nach alter quelle: damals war das kloster eine propstei des stifts auf dem Sande und urbarte ... 156 wuͤste huben J. J. Dittrich bemerkungen auf einer reise (1816) 52; als gewinnbringend ausnutzen: dasz niemand im lande fleischwerk, backwerk, schuhmachen, gewandtschneiden, schneiderwerk und andere handthierung treiben noch urbern soll, die es nicht zu recht haben J. A. v. Friedenberg abhandlung von denen in Schlesien üblichen rechten (1741) 2, 172.
2)
zinspflichtig machen (urbar, subst. 1) in beurbaren: das zu unserm casztenambt beurbarte zapfenrecht monum. boica 17, 92.
3)
land durch bearbeitung ertragbringend machen; mnl. orbaren, nl. orberen; colere agrum, exercere tellurem, ut fructus reddat Kilian (s. urbar, adj. 3); in beurbaren: die getreideländer ... unbeurbart liegen W. Scherffer ged. zuschr. 4; übertragen:
sie hat ein flekklein noch vor ihn, das sonst doch braache ligt,
vor andern er vielleicht es zu beurbern kriegt
W. Scherffer ged. 658; Drechsler 266;
brach und unbeurbart Gödeke elf bücher d. dicht. 1, 205ᵃ.
4)
urbarmachen (urbar, adj., 3):
sie heiratheten und urbarten wüste räume,
zeugten fleiszig kinder und pflanzten bäume
Kortum Jobsiade 3, 20;
die einziehenden völkergruppen (hatten) sich womöglich schon geurbartes land angeeignet hwb. d. staatswiss. 4², 827.
5)
schaffen, thun, negotiari Steinbach 2, 907; vgl.urbar, subst., 5. mhd. gebrauchen, üben; nl. orberen (wb. 11, 1452, 5) thun, verrichten, betreiben. die entwicklung kann vom mhd. urborn oder von bed. 3 ausgehen: vermaledeit ist ein iglich regiment einer iglichen stat, das uf dem predigstul und nicht auf dem rathause ... regirt und georbert wird Eschenloer gesch. d. st. Breslau 2, 49; zum andern mal sie beschlossen, die sache mit den Preuszen geistlich und weltlich zu urbaren, und so denne die Preuszen nit wolten, mit im zue kriegen mit gewalt S. Grunau preusz. chron. 2, 157; befahl derowegen abermals meinem bruder G. die ganze sachen; was er macht und urbart, das sollte mir auch gefallen Schweinichen denkwürdigk. 233 Ö.
6)
'urbern, besser urbeln, verschwenden' verzeichnet Kövi aus der Zips. die entwicklung dieser bed. liegt im nl. orberen 4 aufessen, auftrinken zu tage.
7)
geräuschvoll arbeiten, mit geräthen groszes geräusch machen, lärmen, rumoren u. dgl. aus bed. 3/4 hervorgegangen. obers. wb. 2, 307ᵇ; Weinhold schles. 102ᵃ; Knothe Markersdorf 121; Bernd Posen 332: auch musz ich noch von etwas reden, was in mir rum urbert Holtei Lammfell 3, 158; die züge urbern wie siedige dunnerwater Rother schles. sprichw. 164ᵇ; ebenso von der arbeit 327ᵇ; jetzund, scheint mir, in unserer gegenwärtigen zeit musz gar eine grosze kette geplatzt sein, weils gar so grausam urbert, und will doch nicht recht vom flecke Holtei erz. schr. 17, 180. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1933), Bd. XI,III (1936), Sp. 2378, Z. 25.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
ordonanz
Zitationshilfe
„órbern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%B3rbern>, abgerufen am 14.08.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch (¹DWB)