Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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ocker, ockers, ockert, adv.

ocker, ockers, ockert, adv.
nur, blosz, halt. ahd. ekordi, ekrôdi, ein adverbial gesetzter accusativ des adjectivs ekordi, ekrôdi, eccherôde, dünn, zart, schwach (von Wackernagel im handwb. 66ᵇ zu lat. aeger, aegrotus gestellt); davon ist abgeleitet das adv. ekkorôdo, echerôdo, ekrôd, ecchert, echert und ockeret, ockert, okker; mhd. ockert, ocker und genetivisch ockers (noch im voc. 1482 x 7ᵇ; ockers, solummodo, tantummodo); md. ecker, eckers, ockert, ockers. das wort ist dann weiter mhd. zu oht, ôt (ot) und eht, êt (et), md. zu oc, og, ok verstümmelt worden, s. gramm. 3, 113. Weinhold mhd. gramm.² § 319. Lexer handwb. 1, 515. 2, 139. 140, nachtr. 136; frühnhd. ocht:
die kirchen musten sie wol decken,
wolten sie ocht nit werden nasz.
Kalenberg 295 Bobert.
Nur mundartlich noch erhalten: götting. ocker (eben, so eben) Schambach 147ᵇ; kurhess. ockert, gewöhnlich ockers, ockerst und ackerst (nur) Vilmar 290, westerwäldisch ackers Schmidt 3, nassauisch ackers, eckersch Kehrein 1, 37; schles. ock, ocke, ack, och Weinhold 66ᵇ; nordböhm. ock, ocka, im kuhländchen ocker und ock Peters beitr. (1864) 7; schweiz. ächter, ächters, ächterst, echt, acht u. s. w. (in fragesätzen im sinne von 'wol, etwa, vielleicht'). Staub-Tobler 1, 82 (s. auch oben th. 3, 20. 21).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1140, Z. 73.

ocker, ocher, m.

ocker, ocher, m.
aus griech.-lat. ochra, das berggelb (vergl.ockergelb). mhd. ogger, oger m. n., mnd. mnl. oker, ocker, nnl. ooker; nhd. ogger Lonicerus kräuterbuch 364ᵇ, oker G. Agricola bei Weigand, ocher Brockes 9, 80, ocker und ocher Frisch 2, 27ᶜ. Schedel waarenlexik. 2, 107ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1140, Z. 68.

ocker, öcker, m.

ocker, öcker, m.
penis. ein nur in den fastnachtsspielen vorkommendes, also wol nürnbergisches wort, das aber die heutige Nürnberger mundart nicht mehr kennt (vgl. auch öcker im liederbuch der Cl. Hätzlerin 231ᵃ, 89):
ich pulet ein freuelein, das ist war,
das sie mir tet mein ocker ein.
fastn. sp. 122, 9;
bis ir der öker wirt gehenkt ein.
640, 25;
habt ir nicht maid, die am maigthum tragen schwer,
und zu der vasnacht sind über pliben,
und sich mit dem öker nit haben lassen erschieben?
641, 6;
und mocht doch noch eine ergreifen,
die im auch sein ocker kund schleifen.
249, 3;
(sie möchten haben) siben pulen in einer wochen
und öker schleifen an dem rück.
727, 8;
ir last in ein weil an eim ocker sleiffen.
1343;
so wirt er wol des nachts vergessen
in dem nachtgraben mer zu fegen,
so im sein ocker ist gelegen.
243, 18;
oder man geb in do in ein mül
sein ocker zu einem rurstecken.
101, 7;
man solt im sein ocker herab picken
und solt in an ein haus zwicken.
101, 27;
nur einmal kommt das wort im reime vor und zeigt langes e:
das urteil wil ich fellen ân gevêr:
man sol des Molkenfrasz ockêr
zu gutem nutz noch auszerlesen,
man sol darausz machen ein seupesen
und damit den seuen auszkeren,
wenn sie iren mist auf der gassen reren.
101, 15;
es erscheint auch als fingierter eigenname:
her Ocker und Lullzapf, tret her.
259, 13.
Nach dem reime könnte man als zweiten bestandtheil das wort gêr vermuten und (worauf mich Frommann aufmerksam macht) das ganze für eine corruption des alten und seltenen atigêr, atgêr, etgêr (spiesz, lanze) ansehen, das sich mundartlich in agger ogger ocker, egger ögger öcker zusammengezogen haben könnte wie Odgêr in Ogger (Ocker. Hug Villinger chron. 152), Ruodgêr in Ruocker, Rucker, Rücker (s. Förstemann 1, 169. 728 f., das sog. Rückermaingebäude in Würzburg ist eine alte curia Rutgeri ad Mogum) und nabegêr in naber, neber, nepper (sp. 8). dazu würden auszer den obigen ausdrücken (den ocker, an dem ocker schleifen) auch passen die synonymen ausdrücke daʒ meʒʒer in die scheide schieben. Neidhart xliv, 17; den meiʒel einschieben. Keller altd. erz. 430, 6; den mansdegen schleifen. fastn. sp. 748, 15. aber ocker erinnert auch an das gleichbedeutende, von Rosenblut gebrauchte unker:
er reck sein unker aus der pruchen
und pruntzt auch gen dem vogel dar.
Schm.² 1, 112,
das ist unker, basiliscus (Dief. 69ᵇ), eine weiterbildung von unc, schlange (Lexer 2, 1773), womit sich die verwendung von wurm in obscönem sinne vergleichen läszt: do sî aber dem kerle der wurm unrûbig worden. Zimm. chron. 3, 436, 31, vergl. 4, 108, 16.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1140, Z. 15.

ocker, öcker, m.

ocker, öcker, m.
penis. ein nur in den fastnachtsspielen vorkommendes, also wol nürnbergisches wort, das aber die heutige Nürnberger mundart nicht mehr kennt (vgl. auch öcker im liederbuch der Cl. Hätzlerin 231ᵃ, 89):
ich pulet ein freuelein, das ist war,
das sie mir tet mein ocker ein.
fastn. sp. 122, 9;
bis ir der öker wirt gehenkt ein.
640, 25;
habt ir nicht maid, die am maigthum tragen schwer,
und zu der vasnacht sind über pliben,
und sich mit dem öker nit haben lassen erschieben?
641, 6;
und mocht doch noch eine ergreifen,
die im auch sein ocker kund schleifen.
249, 3;
(sie möchten haben) siben pulen in einer wochen
und öker schleifen an dem rück.
727, 8;
ir last in ein weil an eim ocker sleiffen.
1343;
so wirt er wol des nachts vergessen
in dem nachtgraben mer zu fegen,
so im sein ocker ist gelegen.
243, 18;
oder man geb in do in ein mül
sein ocker zu einem rurstecken.
101, 7;
man solt im sein ocker herab picken
und solt in an ein haus zwicken.
101, 27;
nur einmal kommt das wort im reime vor und zeigt langes e:
das urteil wil ich fellen ân gevêr:
man sol des Molkenfrasz ockêr
zu gutem nutz noch auszerlesen,
man sol darausz machen ein seupesen
und damit den seuen auszkeren,
wenn sie iren mist auf der gassen reren.
101, 15;
es erscheint auch als fingierter eigenname:
her Ocker und Lullzapf, tret her.
259, 13.
Nach dem reime könnte man als zweiten bestandtheil das wort gêr vermuten und (worauf mich Frommann aufmerksam macht) das ganze für eine corruption des alten und seltenen atigêr, atgêr, etgêr (spiesz, lanze) ansehen, das sich mundartlich in agger ogger ocker, egger ögger öcker zusammengezogen haben könnte wie Odgêr in Ogger (Ocker. Hug Villinger chron. 152), Ruodgêr in Ruocker, Rucker, Rücker (s. Förstemann 1, 169. 728 f., das sog. Rückermaingebäude in Würzburg ist eine alte curia Rutgeri ad Mogum) und nabegêr in naber, neber, nepper (sp. 8). dazu würden auszer den obigen ausdrücken (den ocker, an dem ocker schleifen) auch passen die synonymen ausdrücke daʒ meʒʒer in die scheide schieben. Neidhart xliv, 17; den meiʒel einschieben. Keller altd. erz. 430, 6; den mansdegen schleifen. fastn. sp. 748, 15. aber ocker erinnert auch an das gleichbedeutende, von Rosenblut gebrauchte unker:
er reck sein unker aus der pruchen
und pruntzt auch gen dem vogel dar.
Schm.² 1, 112,
das ist unker, basiliscus (Dief. 69ᵇ), eine weiterbildung von unc, schlange (Lexer 2, 1773), womit sich die verwendung von wurm in obscönem sinne vergleichen läszt: do sî aber dem kerle der wurm unrûbig worden. Zimm. chron. 3, 436, 31, vergl. 4, 108, 16.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1140, Z. 15.

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Zitationshilfe
„öcker“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%B6cker>, abgerufen am 06.08.2020.

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