übertölpeln v.
Fundstelle: Lfg. 4 (1925), Bd. XI,II (1936), Sp. 596, Z. 46
untrennb. verbindung. seit dem 16. jahrh. literarisch bezeugt, im 18. jahrh. als ausdruck der vulgärspr. empfunden (s. Wieland 32, 226). ü. ist von dem synonymen ausdruck über den tölpel werfen (th. 11ᴵ, sp. 663) keinesfalls zu trennen, da gleichbedeutendem übers hölzel werfen (schwäb.) ebenfalls ein verbum überhölzeln 'übervortheilen' zur seite geht (s. Staub-Tobler 2, 1268). die beziehung auf tölpel (mhd. dörper), wie sie z. b. Schmidt westerwäld. idiot. 277 für unser verbum vermuthet ('jem. wie einen ungeschickten, einfältigen menschen behandeln'), mag sich volksetymologisch früh ergeben haben (s. u. den beleg aus Holberg), sie ist aber gewisz ebenso secundär wie die fusion mit überdoppeln (s. d.). die deutungen von tölpel (truncus nach Heyne), bzw. dorpel (schwelle nach Kralik) geben für übertölpeln, wie auch für die wendung über den tölpel werfen keine zureichende erklärung. vielleicht handelt es sich bei übertölpeln wie bei schweiz. überhölzeln um ausdrücke aus der sphäre einer handwerkerspr. (zimmerleute? holzfäller?). bedeutung: übervortheilen, betrügen. decipere, circumvenire Steinbach 2, 822;
wo hast
nur disen guten rhat genommen,
darmit du mir zu hilff bist kommen,
dasz ich hab überdölpelt ihn?
Hans Sachs 17, 78 K.-G.;
Albertinus zeitkürzer 71; mit list und trug einen ehrlichen mann überdölplen Moscherosch ges. (1650) 1, 607; es braucht nicht viel kunst einen tölpel zu übertölpeln Holberg dän. schaubühne (1743/55) 1, 522. sich ü. lassen Dapper Africa (1671) 251ᵃ; Lenz ges. schr. 1, 48 Tieck. verengt für verführen: ein frauenzimmer ü. Nicolai an Lessing 20, 158 M.; U. Bräker sämtl. schr. 1, 241; coire: anthropophyteia 1, 269.
Zitationshilfe
„übertölpeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%BCbert%C3%B6lpeln>, abgerufen am 16.12.2019.

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