Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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eule, f.

eule, f.
ulula, ahd. iuwilâ, mhd. iule, ags. eovle (denn in einer urk. bei Kemble 6, 216 steht eovlangelâd, eulenweg), später ûle, engl. owl, nnl. uil, altn. ugla, schw. uggla, dän. ugle. den goth. namen würden uns mehrere stellen des A. T. kennen lehren. es ist klar, dasz alle diese formen diminutiva sind, wie sie sich für das kleinere weibchen ulula oder noctua schicken, im gegensatz zum männlichen ûwo, uhu, bubo. da nun aber für ûwo gewöhnlich hûvo, hûo (Graff 4, 835) erscheint, neben iuwilâ hiuwilâ, hûwelâ, so läszt sich das verbum hiuwilôn, mhd. hiulen, nhd. heulen heranziehen, folgern dasz auch eule ursprünglich heule, lat. ulula vielleicht culula, quulula lauten und der kehllaut abgelegt wurde, wie in ubi, uter für cubi, cuter; ululare stimmt zu ulula und die gelegenste deutung des namens ist aus dem klagenden wehruf des vogels. volle bestätigung bringt das sl. sova, dessen s sich zum h von hiuwo verhält, wie in osm zu ahtau u. a. m. die diminution sovka gleicht der von hiuwila, und bei N. sind sich huwo m. und huwela f. zur seite stehend. lit. heiszt das männchen yvas, gen. -o, das weibchen yva, gen. -os, wiederum mit aphärese eines kehllauts, für welchen auch das fr. chouant (= huant) und chouette, huette, hibou und hulotte zeugen, wie neben unserm uhu schuhu, schufut, nnl. schuifuit vorkommt, mehr hierüber und über den verhalt von huvo zu bubo unter uhu. selbst das jüngere kauz musz verwandt sein.
1)
wie diesen tagscheuen, schöngebildeten und klugen vogel alles andere gevögel meidet und höhnt, galt er auch den menschen von jeher für gespenstig und unheilweissagend. jäger und bauern nageln sein haupt, gleich dem anderer raubvögel an thorweg und scheune. am hellen tage blinzt die eule. eulen hecken nicht sperber aus. Mathesius 10ᵇ; wer nicht sperber hat, musz mit eulen beiszen. Nasus Nasenesel 25ᵃ; so eins falken nit hat, musz es mit eulen beiszen. Wirsung Calist. f 2, das heiszt wer das rechte oder bessere nicht hat, musz das geringere gebrauchen. 'darum hat der teufel seine eule auch hierher setzen wollen', Mathesius 1562, 302ᵃ, hier auch jagd halten wollen; nd. 'dar het ene ule seten', 'ast klappen schol, so hadder ene ule seten', am ende lief die sache auf nichts hinaus. Brem. wb. 5, 146; 'et is beter bi der ulen to sitten, as bi der exter to wippen'. Strodtmann s. 262; wann aber einer eine alte eule in der tasche hätte, und wolte die auf diesem löblichen bauertage ausfliegen lassen, demselben will ich auf befehl der ganzen bauerschaft verboten haben. weisth. 3, 307; es ist mir eine eule aufgesessen, res nova accidit. Serz 39ᵇ;
ich glaub nit das ein euwel jetzt hat
solch weisheit wie in alten jaren.
Waldis 2, 27. bl. 93ᵃ;
mein fromsein machte mich zum phönix in dem lande,
nachdem ich aber mich in böser glut verbrennt,
so gibt die asche nichts als eulen voller schande.
pol. stockf. 357;
weisz nicht die welt, wie auch ihr eulen raubt und stehlet?
Willamov dialogische fabeln. Berlin 1765 s. 43;
es heulen eulen durch die luft
und Varus wird dreimal geruft.
Kretschmann Rhingulph 58;
geh in tausend grüfte, du eule, wer hiesz dich hieher kommen? (sagt Franz Moor zu Moser). Schiller 139ᵇ;
ich ward um sechs uhr zu ihr hin beschieden,
der tag brach eben an. sie hatte nicht
geschlafen und sah aus wie eine eule.
606ᵃ,
struppig, mit federn im haar; eine eule fangen, nnl. een uiltje vangen, ein mittagschläfchen halten; er sieht wie eine eule aus, horridus aspectu. mhd.
rëht alsam diu iuwel
ist der vogel griuwel.
Martina 116, 64.
2)
der eingang eines mhd. gedichts bei Haupt 7, 333, vielmehr der ihm zum grund liegenden thierfabel:
eins tages dô saʒ eine
iule ûf einem steine,
sie hete sich wol bestrichen,
dô kom dar zuo geslichen
ein adelar wol gezogen,
klingt wieder in fortlebenden sprüchen des niederdeutschen volks: de ule sat up de berwerdör un platfusete sik, do quam de plinder, de plander, de pluntenschlärger u. s. w. altd. wäld. 2, 192; en ülken sat up de achterdöre un plattfusede sik. da quam de pliter, de plater, de plinkenschläger u. s. w. münstersche sagen 1825 s. 237; da sêt en ol ül in de eck un klabüster sik. da kêm son lirumlarumpimpensläger un sloeg de ül op ären plattfoet u. s. w. Müllenhoff sagen 503.
3)
eule heiszt auch ein langer haarbesen, die wände und decken zu reinigen, kehreule:
es kommt mit der eul und feget.
Klopstock ...
4)
eule, mitella infantum, kinderhaube, weil federn in ihr hängen bleiben? Frisch 234ᶜ. vgl.eulennest 3. viele zusammensetzungen: baumeule, horneule, nachteule, ohreule, schleiereule, steineule, thurmeule, waldeule, weineule.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1193, Z. 8.

uhle, uhlen, ulen, m.

uhle, uhlen ulen, m.,
bair.-österr. name für neunauge petromyzon branchialis, s. Nemnich (1793) 3, 608; Dombrowski 8, 43ᵃ; bei Brehm thierl. ² 8, 401 als name für ammocoetes branchialis, wofür in anderen gegenden die namen querder, kieferwurm, leinaal im schwange sind. dialektische form für aal? —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1932), Bd. XI,II (1936), Sp. 731, Z. 33.

ülen, v.

ülen, v.,
im schmutz herumwühlen, im nd. vereinzelt als ölen vom wühlen der schweine Strodtmann id. Osnabr. 148:
teller und häffen ligen ungespült,
sam hab ein saw darinn geült
Hans Sachs 20, 529 K.-G.
in weiterer bedeutung uolen, üelen 'sich abplagen, bes. auf dem feld herumwühlen' Martin-Lienhart 1, 32. — mit diesem verb spielt anscheinend die gelegenheitsbildung ulisieren, v.: sie brachten der zeit ain manier uf, so man nampt maislen ... das war, so man ... ainanderen mit kuchenfetzen warf, mit unsauberm wasser beschütt ... von ime (dem zimmerischen obervogt Joh. Ul) konte man zu Strasburg das maislen auch lernen, es wardt nit maislen sonder ulisirt genant zimm. chr. 2, 359 Barack.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1932), Bd. XI,II (1936), Sp. 752, Z. 73.

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überölen
Zitationshilfe
„ülen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/%C3%BClen>, abgerufen am 05.12.2020.

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