buch npl
Fundstelle: Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 466, Z. 79
auch schon ahd. häufig puoh n. pl. puoh, mhd. buoch n., pl. buoch, nnl. boek n. pl. boeken; in den übrigen sprachen f. goth. bôka pl. bôkôs, ahd. auch noch hin und wieder, pl. puochî und puoh (Graff 3, 32), alts. buok, pl. buoki, ags. bôc pl. bêc (wie gôs pl. gês), engl. book, altn. bôk pl. bœkr, schw. bok böker, dän. bög böger. ohne zweifel ist das f. organischer. Dies wort führt unmittelbar in die heidnische zeit. wie den Griechen βύβλος, βίβλος bast, rinde und dann, weil sie bemahlt, beschrieben wurde, schrift, brief und buch, den Römern liber bast und buch bedeutete; so gieng unsern vorfahren, die ihre schrift auf steine und zum gewöhnlichen gebrauch auf büchene breter ritzten, die vorstellung des eingeritzten über auf buche, den namen des baums, aus dessen holz breter und tafeln am leichtesten geschnitten werden konnten; noch im heutigen buchstab weist stab auf den hölzernen deutlich hin. nicht anders bezeichnete auch codex und tabula sowol das beschriebene holz als hernach das buch. Venantius Fortunatus, in der bekannten stelle 7, 18 redet von eschenen tafeln:
barbara fraxineis pingatur runa tabellis,
und die esche könnte, gleich der buche, zum auftragen der schrift verwandt worden sein; es ist nicht einmal ausgemacht, ob fraxinus nicht auch buche ausdrückt und mit eingeschobnem R ganz nahe an fagus reicht. hätten die Deutschen nicht schon vor ihrer bekehrung die schrift gekannt, und erst von den christlichen priestern gelernt, so würden sie alle lateinischen ausdrücke des schreibens beibehalten haben. unsere nachbarn, die Slaven, begegnen uns auch hier, ihnen hiesz wiederum buk'' die buche, bukva f. buch und brief, buki pl. f. buchstaben; späterhin als das einritzen der schrift ab, das mahlen der zeichen auf kam, begann kniga, böhm. kniha, poln. ksie̜ga, litt. knyga und selbst ungr. könyv für buch (auf pergament oder papier) zu gelten, wobei Miklosich ans skr. knas flecti denkt; wie wenn kniga von knjaz, poln. ksia̜dz zu leiten wäre und priester oder herrenschrift bezeichnete? die Letten haben grahmata, die Esten ramat nach dem russ. grammata, gramota, gr. γράμματα. alle keltischen sprachen bequemten sich dem lat. liber, gleich den romanischen, ir. gal. leabhar, welsch levr, armor. leor. Den ursprung von buch aus buche bestärkt noch zweierlei. einmal die unverkennbare neigung der alten sprachen, das wort im pl. zu setzen, was auf die einzelnen stäbe und blätter, aus welchen es besteht, hinweist, s. hernach buchstab. Ulfilas, wo ihm ἐν τῇ βίβλω, ἐν βίβλω, vulg. in libro vorlag, verdeutscht dennoch ana bôkôm, in bôkôm; den ahd. mhd. pl. belegen Graff 3, 32. Ben. 1, 278, und gleichen anlasz hatte der pl. βιβλία, biblia, woraus sich wieder unser bibel f. entfaltete. dann zeigt in der älteren sprache auch die fügung gakunnan ana bôkôm, lësan ana puochum, lësen an den buochen, dasz man sich ursprünglich ein lesen der runen an steinen und stäben dachte, nicht ein lesen in entrollten, entfalteten blättern (gramm. 4, 773). es hiesz ana puochum, an tabellôn scrîban, an dero rindun scrîban, und noch die carmina burana nᵒ 138 gewähren
scripsit amorem an eime loube.
der hirtenbrauch, namen in birken (sp. 39) oder buchen zu schneiden, in blätter zu stechen, dauert bis auf uns. in der that, da einzelne runen nach bäumen benannt sind, da die bücher blätter haben, erscheint die verwandtschaft zwischen buch und buche begründet und höchst passend. schon Mathesius erreichte die richtige deutung, obwol er ohne noth die breter des einbands statt der buchstaben selbst ins auge faszt: wie sichs auch ansehen lesset, als habe unser teutsch wort buch den namen von buchbaum, wie man noch die bücher pfleget in büchenbretter zu binden und mit leder oder seiden, sammet und güldentuch zu überziehen. 105ᵃ. an biegen, flectere, plicare zu denken verbietet sowol die uralte beschaffenheit der schrift, als die abweichung der diphthonge und kehllaute in beiden wörtern
Bedeutungen.
1)
mehrere blätter machen ein buch; ich habe mir ein buch geheftet, in das ich alle ausgaben eintrage; schreibe das zum gedechtnis in ein buch. 2 Mos. 17, 14; ein buch schreiben, abfassen, machen, er hat davon ein schönes buch gemacht; soll ich dann immer von im lernen und nicht auch selbst einmal bücher machen? Alberus wider Witzel K 2ᵇ; alle bücher, so wider den Luther gemacht werden. K 6ᵇ; ein trefliches, mittelmäsziges, schlechtes buch. ein buch ausgeben, ans licht, in druck, in die presse geben, das buch eines andern herausgeben; auf ein buch antworten, erwidern:
buͦch umb buͦch! ich wil mich rechen
und sie mit büchlin überstechen.
Murner luth. narr 523.
das buch abschreiben, drucken, verlegen, in verlag nehmen, auflegen, neu auflegen, verkaufen, absetzen, mit alten büchern handeln, bücher versenden, verpacken, das buch ist gut gegangen, ist gar nicht abgegangen, schon vergriffen, es liegt wie blei im laden, ist ein ladenhüter, kommt zurück, ist ein krebs. das buch heften, durchs leimwasser ziehen, binden, einbinden, verbinden; durch unmäsziges schlagen und beschneiden werden viel bücher zu schanden. bücher kaufen, sammeln, aufstellen, schichten, ordnen, verzeichnen, abstäuben, ausklopfen.
2)
bücher lesen, einsehen, aufschlagen, aufthun, öfnen; und Esra thet das buch auf fur dem ganzen volk, und da ers aufthet, stund alles volk. Neh. 8, 5; das buch zumachen; suchet nu in dem buch des herrn und leset. Es. 34, 16; das buch aus oder fertig lesen. es stehet in büchern; bücher fälchen, verbieten, wegnehmen; er nimmt kein buch in die hand; er liegt immer über den büchern. Felsenb. 2, 425; vergräbt sich in seine bücher;
ob den büchern natzen
recht wie die klosterkatzen.
H. Sachs I, 533ᵇ,
wo natzen bedeutet naffitzen, schlummern, einschlafen, vgl.
ob dem rocken natzen.
I, 533ᵈ
von der spinnerin; du kannst die nase ins buch stecken;
und sein geselle wolbedächtig
steckt in den büchern übernächtig.
Göthe 4, 54.
er hat seine weisheit aus den büchern; er ist ein lebendiges buch; redet wie ein buch; ich will reden, wie ein buch, wenn ich mich vorbereitet habe, und wie ein thor, wenn ich bei guter laune bin. Göthe 19, 177.
3)
das buch der psalmen, der lieder; das buch von Troja; das ist das buch von des menschen geschlecht. 1 Mos. 5, 1; gebot und rechte, die geschrieben stehn im buch dieses gesetzes. 5 Mos. 30, 10; wie es geschrieben steht im buch dieses bunds. 2 kön. 23, 21; dies ist das buch von der geburt Jesu Christi. Matth. 1, 1.
4)
ein einzelnes werk zerfällt in bücher, wenn sie schon zusammengeschrieben, gedruckt und gebunden sind, das buch zerfällt in capitel. es gibt fünf bücher Mose, zwei oder vier bücher der könige; die Ilias hat 24 bücher, Herodot neun bücher. ursprünglich waren solche bücher für sich geheftet oder gebunden:
doch zu verjüngen gibts auch ein natürlich mittel,
allein es steht in einem andern buch
und ist ein wunderlich capitel.
Göthe 12, 120.
5)
die heilige schrift heiszt, wie biblia, die bücher, das buch der bücher:
ich kann die hand nicht auf die bücher legen,
so schwör ich droben bei den ewigen sternen.
Schiller 528ᵇ.
6)
bei kaufleuten und in der geschäftsführung gibt es bestimmte bücher zum eintrag, namentlich der geldsummen, man sagt buch halten, zu buche tragen, bringen, im buche löschen; er steht bei mir im buche, ist mir schuldig.
7)
papier wird nach büchern oder buchen gezählt: ein buch schreibpapier hat 24 bogen, ein buch druckpapier 25; 20 buch machen ein ries. auch ein buch gold oder silber für goldblätter, silberblätter.
8)
figürlich, das buch des lebens, schicksals, der welt: und so jemand nicht ward erfunden geschrieben in dem buch des lebens. offenb. 20, 15; buͦch der brösamlin. Keisersb. s. d. m. 31ᵃ (vgl. sp. 398);
die augen, die du mir der welt buch zu beschawen
verlihen.
Weckherlin 318;
da im buche
des schicksals ich vielleicht zum fluche
der menschheit ausersehen bin?
Gotter 1, 355;
man glaubt vor den aufgeschlagnen ungeheuren büchern des schicksals zu stehen. Göthe 18, 309;
nicht sinn ist in dem buche der natur,
die traumkunst träumt und alle zeichen trügen.
Schiller ...
9)
buch heiszt der dritte mage wiederkauender thiere, omasus, blättermage, psalter, manigfalt, tausendfach, franz. feuillet, psautier, engl. manyplies.
10)
eine menge zusammensetzungen, eigentlich wie uneigentlich: flurbuch, geschichtbuch, gebetbuch, hausbuch, jahrbuch, kochbuch, lagerbuch, rechenbuch, reisebuch, salbuch, schreibbuch, stammbuch, tagebuch, zeitbuch, bilderbuch, handelsbuch, heldenbuch, liederbuch u. s. w.
11)
sprichwörter: viel bücher, wenig leser; harnisch und bücher soll man oft gebrauchen; in schönen büchern blättert man gern; viel bücher, viel irrthum; erfahrung regiert die welt, nicht die bücher; es wird kein buch gemacht, der Neidhart musz es durchfahren; ohne bücher ist bös studieren; ohne bücher studieren heiszt wasser ins sieb führen; todte räthe sind die besten, das sind weiser leute bücher; alte bücher und freunde soll man werth halten; bücher geben keine handgriffe. Simrock 1376; er hat ein buch durch ein nachbarloch gesehen. 1377.
buch f
Fundstelle: Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 466, Z. 76
buk, backte:
buch semeln und die weiszen wecken.
Wolgemut 2, 464.
auch Steinbach stellt noch dies richtige buch auf.
Zitationshilfe
„Buch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/Buch>, abgerufen am 16.11.2018.

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