farbe f
Fundstelle: Lfg. 6 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1321, Z. 26
color, ahd. farawa, mhd. varwe, nnl. verf, verw, verwe, ags. färbu (Älfr. Boeth. 197ᵇ), dän. farve und danach isl. farvi, norw. fargje, schw. färg, poln. farba und barwa, böhm. barva, slov. und illyr. farba, lett. pehrwe, lit. párbas und daneben kvárba, finn. karva. von wichtigkeit wäre das goth. wort zu vernehmen, im neuen test. begegnet es nicht, aus dem alten würde man es lernen, namentlich aus Ez. 23, 14. weish. Sal. 13, 14. Sir. 43, 12. 50, 8. wahrscheinlich ist unser farawa, varwe gegen norden und osten vorgedrungen, denn die altn. sprache hat dafür litr = goth. vlits und der altsl. russ. serbischen mangelt jenes südsl. farba, barva, das lit. párbas steht in rechter verschiebung, kvarba für farba zeigt kv = f (sp. 1209), wonach selbst lat. varius, bunt, finn. väri, färi und skr. varna, color erwogen werden müssen. finn. karva verhielte sich zu parva, wie k zu p in vielen wörtern. manche zweifel hätte der goth. ausdruck gelöst. bei allen diesen einstimmungen schwebt noch dunkel über der wurzel; nähme man farawa zu faran (sp. 1248), so würde die bedeutung des thuns im goth. taujan geradezu an ahd. zouwan, zawan parare, tingere reichen, denn das eintauchen, βάπτειν ist ein färben (sp. 320). da die vorstellung farbe vielseitig bald von dem färbestof, bald vom aussehen des gesichts, der haut, des haars oder gefieders entspringt, so ergeben sich manigfalte namen in allen sprachen. das altn. litr bezieht sich auf den natürlichen glanz des antlitzes, ebenso das norw. lit, dän. löd, wogegen farvi, farve, fargje die künstliche, gemachte farbe bezeichnen. nicht anders verhält sich das schw. hy und färg. ags. stehen bleoh, alts. bli, altengl. blee, fries. blie oder auch ags. hiv, engl. hew gegenüber dem deáh, engl. die, der tünche oder schminke, gr. βάμμα. bleoh wurde 2, 81 zu blau, blühen, blank und blinken gehalten. vielleicht lassen sich auch χροιά χρόα χρῶμα χρῶς, die alle haut und farbe besagen, dem altn. grôa virescere, florere und grœnn, χλωρός, viridis, unserm grün vergleichen, zumal das russ. tzvjet blume und farbe bedeutet; das lat. color = colos = coros könnte dem russ. kraska farbe, krasiti färben, schmücken, krasnyi, altsl. kras'n'' schön und roth begegnen. nichts natürlicher als dasz die abstracte benennung auf einzelne concrete farben zurückgeht.
1)
das alterthum und auch unser mittelalter nahm sechs hauptfarben an: weisz schwarz gelb roth grün blau, welche oft angegeben werden (tr. kr. 2992. 20188. gute frau 2535. MS. 1, 175ᵃ und in dem besondern gedicht davon fragm. xxv); für schwarz heiszt es gewöhnlich brûn, wie wir braun noch später gleichbedeutig sahen mit schwarz (2, 325). nicht anders beginnt die gr. aufzählung mit χρῶμα λευκόν und μέλαν. der allgemeinen volksansicht und sprache zum trotz scheiden aber die heutigen physiker, nach prisma und regenbogen sieben grundfarben setzend, weisz und schwarz, die keine farbe sein sollen, aus und schalten zwischen gelb, roth, blau, grün die mischungen oder steigerungen orange, violet, indigo ein. im regenbogen erkannte man ehmals nur drei farben (Megenberg 98, 26. 32). sihe den regenbogen an und lobe den, der in gemacht hat, denn er hat ser schöne farben. Sir. 43, 12. zahllose arten, abarten, stufen der farben vermag unsre sprache in treffender zusammensetzung zu bezeichnen. wir unterscheiden helle und dunkle, reine und trübe (schmutzige), grelle und milde, schreiende und stille (sanfte), matte und satte (gesättigte) farbe. altn. fastr litr, laus litr, color satur, fugax. eine farbe fällt oder spielt in die andere, z. b. das blaue ins grüne, das gelbe ins rothe, das weisze ins graue:
der stein war ein
opal, der hundert schöne farben spielte.
Lessing 2, 276;
bunt ist varius, versicolor (2, 525), früher fêch, vêch, vgl.manch getheilte farbe: die küw seind fast all schwarz und weisz, oder aus den farben getheilt. Frank weltb. 216ᵇ. ihre farbe war milch und blut; einigemal bedeutet roth das farbige, gefärbte, wie weidmännisch farbe blut, das schw. färg röthe ist, farbe bekommen erröthen ausdrückt, jenes russ. krasnyi roth und schön zu kraska farbe gehört:
ja milch und farb ist gleich geflossen,
da man ihr zart blut hat vergossen.
Ringwald ev. E 4ᵇ.
2)
natürliche farbe der haut, des gesichts, teint, altn. litr, gr. χρόα. schöne, gute, lebendige, blühende, heitere, hohe, lichte, zarte, frische, lebfrische, gesunde, liebliche farbe, color suavis; üble, kranke, matte, bleiche, fahle, erloschene. wüste farben, tetri colores. Maaler 131ᶜ. dies confect gibt eine gute lebliche farb. Tabernaemont. 1342. der genesende bekommt, 'kriegt wieder farbe', der kranke verliert sie. er hat farbe, keine farbe, sie hat viel farbe, rubore suffusa est. 'ich hab noch ein frisch herz, ich hab noch ein iserin (eiserne, dauerhafte) farb, was möcht ich noch sterben?' Keisersberg bilger 36ᵇ. 'die farbe bekümmern' 1, 1433 angeführt, es scheint sollicitare, agitare, excitare; doch ist die phrase erst vom umarbeiter, denn Steinhöwels 'sich was du nun zemal redest' 12, 22 folgt dem guarda ciò che tu dichi des originals. die farbe tritt vor, tritt ins gesicht, erblüht, entzündet sich oder tritt zurück, weicht, schwindet. die farbe wenden, wandeln, wechseln, ändern heiszt den umständen nach erröthen wie erbleichen, vgl. sich entfärben, verfärben: mhd.
diu Sîfrides varwe wart dô bleich unde rôt.
Nib. 154, 4;
ahd. ër irbleichêta ouh farawûn ër wanta.
O. I. 4, 25;
ni brutti thih muates noh thînes antluzzes,
farawa ni wenti, fol bistu gotes ensti.
I. 5, 18.
gimûʒôta farwa antluttes sînes (Graff 3, 703). altn. skipta litum, schw. skifte färg, mutare colorem, in Völsungasaga cap. 27 aber überhaupt die gestalt wechseln, tauschen, wie unter freunden und blutbrüdern geschah, wo also litr die ganze haut bezeichnet.
3)
farbe aufstreichen, anmahlen, trockne oder nasse farbe.
a)
am gesicht, schminke, meistens röthe: je mehr farb, je minder fleisch. Philand. 1, 44; mhd.
gestrichen varwe ûfeʒ vël
ist sëlten worden lobes hël.
Parz. 551, 27;
gevelschet vrouwen varwe vil lützel man dâ vant.
Nib. 1594, 1;
nhd. Iesabel streich sich varben voll,
do si meint Jehu gfallen wol.
Brant 92, 55,
schminket sie ir angesicht, schmücket ir heubt und kucket zum fenster aus, vulg. depinxit oculos suos stibio et ornavit caput suum. 2 kön. 9, 30. von solcher schminke verschieden ist badstubenfarbe, die im bad geriebene, schnell verfliegende:
obs ir wengelîn nœte
von geribener varwe rœte.
Helbl. 1, 1150,
nach Pfeiffers herstellung bei Haupt 5, 471;
geribeniu varwe, valscher list,
dar an gelît kein stætekeit.
Bon. 39, 40;
geribniu varw niht lange wërt.
67, 49.
in gutem sinn:
got hât ir wengel hôhen flîʒ,
ër streich sô tiure varwe dar,
sô reine rôt, sô reine wîʒ.
Walth. 53, 36.
b)
an wand, holz, stein, leinwand: gemalete menner an der wand in roter farbe. Ez. 23, 14; und ferbets (das holz) mit roter und weiszer farb, rot und schön, und wo ein flecke daran ist, streicht er zu. weish. Sal. 13, 14; ein bund bilde mit mancherlei farbe. 15, 4; es war eben nicht das beste gemählde, nicht gut zusammengesetzt, von keiner sonderlichen farbe. Göthe 18, 106. der mahler reibt, mischt, verdickt, verdünnt, streicht, trägt die farbe auf. dem porzellan oder thon wird die farbe aufgebrennt, damit sie haltbar werde.
4)
farbe des gewandes. mhd.
in hêrlîcher varwe was sîn wîcgewant.
Nib. 1535, 2.
vor alters unterschied und bestimmte man die farben für alle anlässe genauer als heute, in den geschlechtern, im gefolge diente oft gleiche farbe zur bezeichnung der echten sippe, brüderschaft, hausgenossenschaft: gleiche brüder gleiche kappen. stiefkinder, bastarte trugen andere und getheilte, halbierte farben.
nur wërdent halpedel knëhte
von Gëppen und von Ruprëhte
geborn, die tuont vil rëhte
nâch gikelvêhem geslëhte.
Renner 1701.
später klagt Frank von den Deutschen: all ir kleidung seind zerstückelt, darzu etwan von mancherlei farben geteilt. weltb. 42ᵇ. Sidonius Apollinaris 4, 20 einen burgundischen, königlichen brautwerber mit seinem gefolge schildernd: praecursoribus suis sive pedisequis pedes et ipse medius incessit, flammeus cocco, rutilus auro, lacteus serico, tum cultui tanto coma, rubore, cute concolor (ahd. ëpanfaro);
ëʒ wâren ahzic frouwen
alle glîche gekleit.
Er. 8226;
nachvolgære, schüler, gelîch gekleidet. myst. 346, 1. 3. im decameron 6, 9 bei Steinhöwel 398, 16 von ehrbaren, adlichen gesellen: zuͦ dem minsten einest in dem jare sich alle in éin farb kleideten und zuͦ hochzeitlichen tagen mit einander in éiner farb spazieren ritten in der stat umb (si vestivano insieme = tutti ad una assisa). fürsten und herren gaben ihren hofleuten, ihrem gesinde dieselbe kleidung, d. i. farbe und was heute uniform, bei bedienten livrée, hiesz die farbe, böhm. noch jetzt barva.
wiltu ich gib dir ein kleit,
daʒ ist halb grüen, andersît rôt.
Altswert 79, 30;
ich tët an diu kleider geswind.
ëʒ sprach 'nun bistu hofgesind.
81, 30. vgl. 88, 28—32;
es ist ein übles ding, dasz wir uns christen nennen,
und tragen doch die farb, daran man uns soll kennen,
die hoffarb, Christus kreuz, so ungern allzeit an.
Rompler 150.
leute, die sich die farbe zu ihrem rocke nicht selbst wählen = bedienten. Lessing 10, 295. gebildete menschen scheuen sich vor hoher farbe und ziehen graue, gemischte vor. schwarz ist reisefarbe und brautfarbe und gallafarbe und in Rom fürstenkinderfarbe. J. P. Tit. 2, 78.
5)
farbe der stoffe: der wein ist gut in der farbe, gutfarbig; hauptsächlich von garn und zeug: das zeug durch die farbe gehen lassen, es hält die farbe, läszt sie fahren, verliert sie, schieszt ab; die farbe steht nicht, verändert sich; die farbe dringt ein, das zeug saugt die farbe ein, nimmt sie an, will sie nicht annehmen. eine dauerhafte, stäte, bleibende, eine halbe, gebrochene farbe, eine schwindende farbe. wa etlich perlin veralteten und die recht weisz farb nicht meh hielten, vernewerten sies bald durch ein newe kunst, das sie die eim schönen hanen zu fressen gaben und im durch den magen laufen lieszen. Garg. 282ᵇ; was farb halten solle, musz man etliche mal einstoszen. Jac. Meier adagia s. 58; dies farbe halten sehr häufig angewandt auf wort und treue halten: derselbig Hans Wagenbach, der ist bei dem herzogen blieben, hat sich auch mit ime verjagen lassen, das haben sie nit alle gethan, sondern ir (eorum) wenig farb gehalten. Götz von B. lebensb. 141; éin tag oder etlich hielt er farb. Kirchhof wendunm. 67ᵃ;
pferde kennt man an den haaren,
kleider künnen offenbaren,
wie des menschen sinn bestellt
und wie weit er farbe hält.
Logau 2, 56, 12;
nichts ist, das auf der welt,
wie schön es immer sei, bestand und farbe hält.
Gryphius 2, 310;
kein vöglein ist im singen,
so dir die farben halt.
Spee trutzn. 98 (107),
das es dir gleich thue, wie du aushalte; beständigkeit hält farb (hält stich). Lehmann 102; die vertreulichkeit meines sonst ganz unvermöglichen manns verursachte, dasz ich ihm gleichwol farb hielte, ob sich schon höhere als hauptleute bei mir anmeldeten. Simpl. courage 6; und wenn es wahr ist, dasz sie ihrem manne allein farbe gehalten, so ist es gewis von einer soldatenfrau etwas rares. irrg. d. l. 470; glaubte an ihr ein weibsbild zu haben, von welcher zu vermuthen stehe, sie werde ihm farbe halten und getreu verbleiben. Leipz. avant. 2, 131; weil du mein gar sehr lieber freund, der allzeit farbe gehalten. Butschky kanzl. 25; und Schnabel hielt auch farbe und wort. J. P. doppelheerschau 196;
und hat sich keinen freund damit, nicht éinen
erkauft, der in der noth ihm farbe hielt.
Schiller 388ᵃ.
6)
das kartenspiel hat zwei farben, roth und schwarz, aber vier reihen, die man gleichfalls farben nennt. es heiszt: die farbe ausspielen, die farbe bekennen, mit der farbe nicht heraus wollen, böhm. barvu ponésti, vydavati, lenovati; vier farben im spiel. Frischlin nomencl. 476; wenn die besten farben im spiele verworfen, so ist der stich verloren. Lehmann 166. figürlich: sie wollte gar nicht mit der farbe heraus, sich nicht über die sache aussprechen, kein bekenntnis ablegen. nord. Robins. 1, 109; aber ich wollte nicht mit der farbe heraus und gar nichts gestehen. 1, 126; deutsch von der farb zu reden. Abele 5, 36; gleich mit der farbe heraus! böhm. ale hned s barvau ven!
7)
farbe, schein: ist aber solchs nur zur farbe und schein von inen erbotten. Luther 3, 113ᵇ; also gehets den unfürsichtigen geistern, welche meinen, wo sie an einem ort irem dünkel können eine farbe machen, so sei es allenthalben wolgemacht. 3, 495ᵃ; wer ein solch herz sehen kan, der kan eine farbe (vorstellung) haben, was ein fromer engel sei. 5, 337ᵃ; auf das den unruhigen und ehrsüchtigen köpfen alle farbe und schein einiger gravierung werde entzogen. Butschky Patm. 901; gnug sei dieses, um die göttliche poesei, die sonst keiner farben bedarf, nicht auszustreichen (herauszustreichen), sondern nur anzumelden. Brandt bericht von Taubmann s. 32; etwas mit der farbe, unter dem schein, vorwand thun (vgl.färbel); eine so milde farbe fällt auf das ganze. J. P. bücherschau 1, 150.
8)
farbe, form, gestalt: das familienwesen jedes handwerks, das gestalt und farbe von der beschäftigung erhielt. Göthe 24, 239; ich, der ich nicht wuste, was die furcht für eine farbe hatte, achtete ihre drohungen nicht. 34, 45; die farbe eines jahrhunderts. Klinger 10, 259; Baldurs und Nannas liebe trägt die farbe der nordischen menschheit. Dahlmann dän. gesch. 1, 166. einer sache farbe geben, sie beleben und gestalten; jetzt hat die sache eine andere farbe, sich anders gestaltet.
9)
dem jäger ist farbe bald das haar des hirsches, bald cruor, blut, schweisz, dem buchdrucker schwärze.
10)
auch der ort, wo gefärbt wird, officina infectoris, infectorium heiszt die farbe, besser wäre färbe, s. das folgende. der zusammensetzungen, besonders der uneigentlichen ist eine unzahl, namentlich bei J. P.
färbe f
Fundstelle: Lfg. 6 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1324, Z. 38
tauche, taufe, βαφή. Göthe 52, 184. man kann schon ahd. farawa von farawî, mhd. varwe von verwe scheiden, obschon beide vermischt werden. bei Kero steht cap. 55 farawî colore für farawa,
in wîʒes snêwen farawî sô was al sîn gigarawi.
O. V. 4, 32.
Zitationshilfe
„Farbe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/Farbe>, abgerufen am 22.01.2018.

Weitere Informationen …