gründonnerstag m.
Fundstelle: Lfg. 6 (1932), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 877, Z. 34
in adject. form der grüne donnerstag bereits im hohen mittelalter, vgl. th. 2, 1252f. und grün II A 1 b (sp. 646), dazu noch:
(Christus) an den grunen dunresdag
sin cleit ouch hine zu dune plag
nach dem abentdisse
Elisabeth 2921 vgl. 2940 Rieger;
das was diu grœste fröude, die er bewîsede ûf ertrîch ûf deme grüenen dunrestage, do er sînen heiligen vrônen lîchamen gap sînen jüngeren pred. u. spr. dtsch. myst., zs. f. d. a. 8, 218 (bischof Albreht, Albertus Magnus); an deme gruͦnen duͤnresten tage zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 432 (urk. v. j. 1327); seit dem ende des 15. jhs. daneben in fester composition gründonnerstag (s. u.), wohl synkopierte dativform mit anlehnung an subst. grün, die in neuerer sprache schriftsprachlich vorherscht, mdal. nicht überall aufgenommen ist vgl. Fischer schwäb. 2, 263; Jos. Müller rhein. wb. 1, 1402; Crecelius oberhess. 441; Müller-Fraureuth 1, 447; siebenbürg.-sächs. wb. 2, 59; als compositum in erstarrtem dativ (bzw. acc.) auch grünendonnerstag: wenn sie nicht ... am grünendonnerstage ein grün kraut ... fressen Chr. Weise erznarren 126 ndr.; das brodt ... wird theils auf den grünendonnerstag ... gesegnet Olearius pers. reisebeschr. (1696) 163; folgt eine grünendonnerstagespredigt allg. dtsche bibl., anh. 53-86, 46; d. grünendonnerstag 1780 Göthe IV 4, 196 W. (briefdatum), vgl.gräunendonnerstag, m. Woeste-Nörr. 84ᵇ; als zusammensetzung gr. Schmidt-Petersen 53ᵇ; Mensing schlesw.-holst. 2, 495; Flemes Kalenberg 97; Staub-Tobler 2, 751; umgedeutet grüntimmelstag Unger-Khull 311ᵃ. gr. ist allgemein der 'donnerstag der karwoche', nur in Westfalen zu älterer zeit der donnerstag nach ostern, vgl. Grotefend zeitrechn. 1, 77ᵇ aus urk. v. 1393 und 1542; für die sonst, besonders obd. gebräuchlichen namen s. th. 2, 1252; die deutung von gr. bleibt umstritten, doch ist der name sichtlich eher volksthümlichen als kirchlichen gepräges, vgl.den nehsten donnerstags vor dem heil. ostertage, den man nennet der grune donnerstag Wenck hess. urkundenbuch (v. j. 1372) nach Grotefend a. a. o., und seine herleitung aus der verbreiteten sitte, am gr. grüne kräuter zu essen (vgl. Bächthold-Stäubli hwb. d. dtsch. aberglaubens 3, 1187f.) noch immer die wahrscheinlichste; auf einen alten brauch dieser art deutet: ad album panem in cena domini cum herbis ad capitolium Seibertz quellen d. westf. gesch. 3, 286 (v. j. 1380) und das genieszen von groine pankoken am westf. grünen donnerstage nach ostern bei den Freckenhorster nonnen s. Grotefend a. a. o., vgl. Rollenhagen froschmeuseler k 2; die th. 2, 1253 (nach Weigand syn.² 1198) versuchte und gewöhnlich angenommene erklärung des grünen donnerstages als übersetzung von dies viridium 'tag der sündlosen, der büszer' scheitert wohl daran, dasz mlat. ein dies viridium nicht nachzuweisen ist, sondern im gegentheil erst eine jüngere latinisierung von gr. darstellt: viridis dies Jovis D. Macer hierolexicon (1677) 120; gr., dies viridium Duez nomenclatura (1652) 9, Stieler 2247 und J. C. Zeumer de die viridium (1700) § 3: 'notamus, festum hoc apud nos ut plurimum diem viridium (germ. der grüne donnerstag) vocari'; in kirchlichem gebrauch stehende benennungen sind seit alters: cena domini, feria bona quinta, dies absolutionis u. a. vgl. Herzog realencycl. 21, 421; auch die von H. Kellner heortologie¹ 51f. gegebene anknüpfung an die vereinzelt genannten grünen paramente bei der messe am gr. macht sachlich und überlieferungsmäszig schwierigkeiten. das reich und vielfältig entwickelte brauchthum am gr., der genusz heilbringender kräuter, das gründonnerstagsei (antlaszei), der gr. als termin der säens und pflanzens u. s. w., s. Bächthold-Stäubli a. a. o., läszt wie bei ostern an einen nachhall vorchristlicher übung denken; ob ihm, wie Holtzmann dtsche mythol. 68 vermutet, ein Donarsfest im mai zugrunde liegt, bleibt unerweislich; vgl. L. v. Schröder arische religion 2, 636 ff. seit dem ausgang des 15. jhs. als festes compositum bezeugt: auff dysen grundonerstag hast zweyerley vorgebung Steinhausen privatbriefe 1, 275 (v. j. 1487?); den ablas ..., den denn die romischen pebst an dem grundonerstag geprauchen gnedicklich ausz zu geben ('indulgentias, quas in urbe Romani pontifices in die coenae domini concedere consueverunt' hat die lat. quelle) chron. d. dtsch. städte 3, 285; an dem grün dunrstag hat der doctor gepredigt Keisersberg sünden d. munds (1518) 66ᵃ; es sollen auch die feyer yn der carwochen, gruͦndornstag und carfreytag ... gehalten werden Luther 26, 232 W. (v. j. 1528), aber: am heyligen grunen dornstage 8, 706 (v. j. 1522); als aber der gruͤndornstag kam E. Alberus Eulenspiegel (1542) f 1ᵇ; item ... am grondonerstag Knebel chron. v. Kaisheim 155 lit. ver.; wer ihme das vor gr. nicht gibt, so stehets darnach auf ritzschart rechtsalthertümer⁴ 1, 536; ich verliesz am gründonnerstage ... Amsterdam Hamann schr. 1, 197 R.; heute, gr. (wird) ... der grosze holzmarkt gefeiert Göthe IV 29, 92 W.; wer am gr. sechzig ist gewest O. Ludwig ges. schr. 2, 44; es war am gr. Ranke s. w. 35, 147; —
Zitationshilfe
„Gründonnerstag“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/Gr%C3%BCndonnerstag>, abgerufen am 21.04.2018.

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