kabel f. und n.
Fundstelle: Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 7, Z. 40
tau, seil, das mlat. capulum, caplum Isid. (vgl. Diez 87), auch mgr. καπλίον, durch roman. und nl. vermittelung ins nd. gekommen, wie es scheint durchs schiffswesen; frz. câble m., span. cable, engl. cable (alt auch gable), haupts. das ankertau, dann mnl. cabel, nrh. im Teuthon. 'des scheeps kabel, scapha' (Diefenb. gl. 516ᶜ), nnl. kabel m., nd. kabel f., kabeltau brem. wb. 'dickes und langes seil, schiffseil', bes. ankertau; dän. schw. kabel m. von hd. wbb. zuerst bei Denzler Basel 1647, cabel remulcus, zum remorquieren; Frisch gibt aus Bünting braunschw. chr.: sie machten etlich kabel an den thurn, den die feind in den graben schieszen wolten, und seileten ihn, dasz er in die stadt fallen muste, bei der belagerung von Peine 1522, s. Lüntzel stiftsfehde 131 (ein damals gewöhnliches verfahren, vgl. u. kette). auch oberd. schon im 16. jh., s.kabelein. im schiff bei Gryphius im Stuardus:
das ruder ist entzwei ... die anker sind gesunken,
die kabell ganz zuschleift.
1, 280 (1663 1, 362);
playten (schiffe) ... mit kabeln und ketten aneinander gebunden. Schiller 872ᵃ; hatten das kabel bereits laufen lassen, um den günstigen wind ohne allen aufschub zu nutzen. Forster reise 1, 199, ankertau. diesz n. (nach kabeltau) gibt schon Adelung mit an, jetzt ist es vorherschend. neuerdings, nach engl. vorgang, telegraphenkabel, unterseeisch.
kabel f. und m.
Fundstelle: Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 7, Z. 63
loos, loostheil, im praktischen rechtsleben, nd. und theilweis mitteld., doch im aussterben begriffen; gern in nd. form: kavel, sors, sortitio, rata portio, inprimis in divisione bonorum. Frisch 1, 503ᵇ nach Kilian. eine eingehende erörterung von wort und sache gab Homeyer, über das germ. loosen, aus den monatsb. der akad. d. wiss. zu Berl., 1853. mnd. (f.?) nl. kavel m., nnd. kâwel f. loos Danneil 98ᵃ, schwed. kafvel m.; entlehnt wend. kabl.
1)
eig. zugerichtetes stück holz zum loosen, gewöhnlich mit einem runenartigen zeichen versehen, bes. dem namenszug des mitloosenden, so noch kavel auf Rügen, schott. kavil, altschwed. kafli; s. Homeyer s. 29 fg. 23. das schott. wort bedeutete auch orakelspruch (wie mhd. lôʒ, und lat. sors) und das loosen ist ja eig. ein orakeln, an die von Tacitus beschriebene sitte erinnernd. vgl. altn. kefli n. rundes geglättetes holz (cylinder Egilsson 457ᵇ), kafli m. stock überhaupt, holzstück, rûnkefli runenstab, dän. kavle holz am fischnetze, kjävle welgerholz, schwed. kafle rundes holzstück, mandelholz zum wäscheglätten u. a., käfling zugeschnittnes glattes stöckchen. vom ursprung s.kafeln.
2)
der ausgelooste theil, antheil der einem zufällt, bes. an arbeit, die in der gemeinde auf mehrere zu vertheilen ist, so dasz durch das kabeln auch die reihenfolge bestimmt wird: 'in Obersachsen musz jeder frohnbarer bauer in der ernte seine kabel abbringen, seine ihm zugehörigen kabeln an zäunen und gehägen in gutem stand erhalten'. Adelung, vgl. kabeldienst; 'auch die gemeindewiesen und andere gemeindestücke werden in kabeln getheilt und unter die nachbarn nach dem loose vertheilet'. ders.; das land war durch offene furchen in gleich grosze kaveln getheilt. landwirthsch. zeitung 1856 246ᵃ. vgl. gr. κλῆρος, mlat. sors, ahd. hluʒ, luʒ antheil an einem gebiet, grundstück (rechtsalt. 534, vgl. 247), die neugewonnenen länder wurden bei den Germanen verloost. so ist noch engl. allotment, verloosung, zugleich antheil, abtheilung in einem garten, feldstück, lot baustelle, grundstück. auch noch engl. dial. cavel a part or share Halliwell 236ᵇ, kievel lot, quantity 494ᵃ. vgl. ags. 'caflice viritim' Mones anz. 8, 241 ? auch altn. kafli theil, stück, abschnitt. vgl.kabelland. märk. auch portion (essen), s. Danneil 98ᵇ.
3)
daher auch reihenfolge: braukabel, die ordnung in der die brauberechtigten nach einander zu brauen hatten. Frisch 1, 503ᵇ. vgl. kabelregister, kabelzeddel.
4)
mit verwischung des begriffes loos: 'ein kabel holz, eine gewisse anzahl noch stehender stämme, die da sollen verkaufet und nach dem platz, auf welchem sie stehn, in parteien vertheilet werden'. brem. wb.; kabel, ein platz, darauf man das holz mit einander verkauft, 'z. ex. in Sachsen, zu Hänichen'. Coler hausb 6, 25 bei Frisch 1, 495ᵃ; man musz auf jedem kabel 31 sambäume stehen lassen. das.; wann das gehägte holz so grosz ist, dasz es haurecht, so soll es in gewisse schläge und caveln vertheilt, und was zur feurung dienet, zu faden geschlagen werden. pommer. holzordn. v. 1717 Frisch; körkâwel die beste ausgesuchte holzkawel. Danneil 98ᵃ. vgl.kabelung, ↗kabelweise.
5)
nach Frisch auch das masz, mit dem man die holzkabeln bestimmt; es wird dazu ein seil gebraucht, vgl.kabel tau.
kabel
Fundstelle: Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 7, Z. 38
an der wagenwinde der haken der den wagen faszt, in halbmondform. Adelung, er meint, es sei vielmehr gabel.
Zitationshilfe
„Kabel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/Kabel>, abgerufen am 20.04.2018.

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