Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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letzt, adj. und adv.

letzt, adj. und adv.
ultimus, ultimum.
I.
Die form.
1)
zu dem adj. ahd. mhd. laʒ, spät, träge, nhd. lasz (sp. 268) hat schon das ahd. den superl. leʒʒist, leʒʒisto in der veränderten bedeutung ultimus (ohne umlaut in za laʒʒôst, aʒ laʒôst tandem, demum) gebildet, wie sich ebenso im altsächs. zum gleichen adjectiv lat der superlativ letist, zusammengezogen letst, latst und last, im angels. zu lät der superl. latost, latest, später (schon altengl.) last, und im fries. zu let der superl. letast, zusammengezogen lest, ergaben. das mhd. behält diesen superlativ nur in den ältesten quellen in der form leʒʒist bei:
vile harte er si chlagete,
ze leʒʒist er gedagete.
genes. in den fundgr. 2, 33, 32;
durchgedrungen ist vielmehr bald die verkürzung lest (wie best aus beʒʒist, grœst aus grœʒist); und wie diese form zum theil im mnl., und durchaus im mnd. waltet, und noch heute nd. gebräuchlich ist (brem. wb. 3, 18. 56. Schambach 119ᵃ u. s. w.), so findet sie sich auch hochdeutsch, in den schriftquellen wenigstens noch bis ende des 15. jahrh.: ultimus der leste Dief. 625ᵇ; ultimare lest machen, ultimatio die lest ł hochst volkummenhait, ultimum terre das lest ende ł tail des ertrichs ebenda; lest, ultimus, extremus. voc. inc. theut. m 3ᵇ;
was die welt acht uffs aller best
das würt verbittert doch zuͦ lest.
Brant narrensch. 56, 79;
die erste stund die lest ouch braht,
und der den ersten hat gemacht,
der wust ouch, wie der lest würd sterben.
85, 19;
mundartlich, im bairischen sprachgebiete, aber bis heute, bair. lest und lescht letzt Schm. 1, 1524 Fromm. (neben letzt 1550), kärnthn. lest Lexer 178; tirol. lescht Fromm. 6, 447; ebenso vorarlbergisch z'lescht zuletzt 3, 218, 13.
2)
unsere heutige form, die seit dem 15. jahrh. die oberhand gewonnen hat, beruht auf der entwickelung eines t vor dem superlativsuffixe, welches sonst wenig vorkommt, vielleicht in den älteren quellen auch nur wenig beobachtet ist, aber doch ähnlich sich findet in der form mintst der wenigste für minst (mindest verhält sich anders, vergl. an alphabet. stelle): von der mintsten mechnus zweier eegemechten. Basler rechtsqu. 1, 421 (v. 1557); die dialektische form für gröst ist im Mansfeldischen grêtst: den gretzten und schennsten kopp (krautkopf). Giebelhausen hack un mack 1 (1865) s. 9. jener entwickelung gemäsz ist die schreibung auch durch das 15. jahrh. und bis ins 16. hinein letst (mit verbreiterung des s-lautes auch ultimus letscht Dief. 625ᵇ): ze letst sprach er zu der binen. Steinhöwel (1487) 70ᵇ; die letst predig. Keisersberg seelenpar. (1510) titel; der letst novissimus Dasyp.; letst, der aller letst, postremus Maaler 268ᵈ; zuͦ letst. Wickram rollw. 88, 24;
doch werden sie zuͦ letst zuͦ spott.
Brant narrensch. 72, 95.
wie man sieht, vertreten zumal alemannische quellen diese schreibung so lange, da ihnen ein s vor t niemals einen z-ähnlichen laut haben kann. die schreibung letzt musz daher in gegenden aufgekommen sein, wo das ohr zwischen tst und zt keinen unterschied empfand; sie ist zufrühest in mitteldeutschen handschriften bezeugt, die auf der grenze des 14. und 15. jahrh. liegen: daʒ su zu allen ziten di ersten waren zu kore und die letzten heruʒ. chronik des st. Klarenklosters in Weiszenfels, in den neuen mittheil. des dür.-sächs. alterthumsvereins bd. 11, 397; zu lezt bleib iʒ undir deme rade. Ködiz 73, 14; novissimus allerleczte Dief. 383ᶜ; und seit dem 16. zur alleinherrschaft gelangt; Brant schreibt auch letzste, wie er ja überhaupt in den formen des wortes schwankt:
kumen jnns schiff zuͦm letzsten doch.
Brant narrensch. 108, 20.
3)
zu diesem superlativ letzt gewähren mitteldeutsche quellen des 14. und 15. jahrh. einen comparativ letzer, der an stelle des mhd. berechtigten laʒʒer getreten ist und die zeitliche bedeutung später hat: an dem achtin tage unsir lieben frouwen der letzern. Ködiz 76, 26 (gemeint ist Mariae geburt im gegensatze zu dem früheren Marientage, der himmelfahrt); an dem neestin sunnabinde vor unser lieben frouwen tage der letzern. 90, 25; unser l. frauen leczer tag. Haltaus jahrzeitb. s. 134 (von 1421). im bairischen noch jetzt: du bist der letzer, du kümst am letzern, als der letzte oder hinten nach. Schm. 1, 1545 Fromm., wo aber glaublich das adj. letz 4 (sp. 795 unten) einspielt.
4)
das schwindende bewustsein der superlativform von letzt liesz später aus derselben einen neuen comparativ sich entwickeln, der letztere (wie aus erst der erstere theil 3, 1012). sein entstehen musz wol noch ins 16. jahrh. fallen, da er bereits in den ersten jahrzehenden des 17. gewöhnlich ist: von der Teutschen vielen tagsatzungen und reichsversammlungen, bei denen gemeinlich die vorigen abschied durch die letztere umbgestoszen und aufgehaben wurden. Zinkgref apophth. 1 (1626) s. 92; es steht in zweigliedrigen gegensätzen, um den zu zweit genannten zu bezeichnen, gegenüber einem ersteren, das aber auch nur verstanden sein kann: sagen sie mir, ist die liebe unter der freundschaft, oder die freundschaft unter der liebe begriffen? nothwendig das letztere. Lessing 1, 391; es sind viele die meine raritäten besehn, aber wenige, die sie kaufen wollen. ich wollte wünschen, mein herr, dasz sie von der letztern sorte sein möchten. 2, 448; sagen sie mir doch, geben sie ihm diese benennungen, weil sie seine aufführung untersucht haben, oder weil sie ihm von andern gegeben werden? ich befürchte das letztere. 3, 274; das erstere ist wahr, und also auch das letztre. 4, 41; es ist offenbar, dasz der eine punct den andern hier nicht nach sich zieht; und es ist eben so offenbar, dasz ich mich eigentlich nur des letztern wegen in sicherheit setzen dürfte. 218; lieber ein paar verkehrte worte, als einen verkehrten sinn! verschiedene ausleger scheinen den letztern gemerkt zu haben. 36;
da müssen herz und kopf sich lange zanken,
ob menschenhasz, ob schwermuth siegen soll.
oft siegt auch keines; und die phantasie,
die in den streit sich mengt, macht schwärmer,
bei welchen bald der kopf das herz, und bald
das herz den kopf musz spielen. schlimmer tausch!
das letztere, verkenn ich Recha nicht,
ist Rechas fall: sie schwärmt.
2, 197;
aber auch, auszerhalb eines solchen gegensatzes, nur um ein unter mehreren vorher zuletztgenanntes ausdrücklich zu kennzeichnen: wenn der zweig noch an dem stamme sitzt, welcher letzterer gesund ist und bleibt, da jener nur alleine vergehet. 3, 111; ich wende mich vielmehr sogleich zu dem letzteren punkte. 4, 45; er steht nicht einen augenblick länger an, ihr (einer vermeintlichen nichte) die aufsicht über Claricen anzuvertrauen, und verspricht dieser letztern eine völlige freiheit. 360, ein mann, der von den gesetzen und von seinem amte sehr verfeinerte begriffe hatte, und sich der vortheile, die ihm das letztere gab, fertig zu bedienen wuszte. Wieland 19, 101; Demokrit, der sich gewisz nicht einfallen liesz weiser sein zu wollen als Solon, Anaxagoras, Sokrates, hatte auch vonnöthen zu einem solchen mittel seine zuflucht zu nehmen! wahr ists, der rath des letzteren .. verfängt sehr wenig gegen die gewalt der liebe. 181; kontrast in den karakteren des oberpriesters Strobylus und des erzpriesters Agathyrsus. Strobylus erklärt sich für die gegenpartey des letztern. 20, 43; ein ... blumengärtchen, das durch eine lücke in der mauer des schloszgartens hindurch an den schattigsten und verborgensten theil des letzteren stiesz. Eichendorff taugenichts (1874) s. 16; in ungenauer fügung:
kaum hat von heitren gewölken der blumichte lenz seine rosen
auf die erde geschüttet, und mit den letzteren kränzen
felder und wiesen umzogen.
Zachariä tagesz. (1757) s. 10 (für mit den kränzen der letzteren, der rosen).
selten steht letztere wie einfaches letzt in bezug auf zeit, jüngst vergangen: noch mit der letztern post ist folgendes schreiben eingegangen. Sturz 2, 80; unter den Franzosen haben sich besonders in diesem und zum ausgange des letztern seculi vier federn bemüht diesen vater aller comödienschreiber (Plautus) ihren landsleuten in ihrer muttersprache vorzulegen. Lessing 3, 19;
wenn eure hoheit sich des letzteren
turniers zu Saragossa noch entsinnen.
Schiller don Carlos 1, 1;
auch für letzt, der folge nach: diese entdeckung würde ich (in einem fünfaktigen trauerspiele) zu ende des dritten aufzuges vor sich gehen lassen, so dasz sich die charaktere der gegenparthey erst in den beiden letztern entwickelten. Lessing 3, 344.
5)
einen neuen superlativ der letzteste hat Göthe gewagt für das gewöhnliche allerletzt (theil 1, 225):
wie zum empfang sie an den pforten weilte
und mich von dannauf stufenweis beglückte;
selbst nach dem letzten kuss mich noch ereilte,
den letztesten mir auf die lippen drückte.
3, 26;
wir reichen nicht hinauf zu ihren tagen,
die letztesten hat Herkules erschlagen.
41, 122.
II.
Bedeutung.
1)
wie der erste eine reihenfolge beginnt, so schlieszt der letzte eine solche ab, und es finden sich beide superlative oft formelhaft verbunden: was aber mehr von Salomo zu sagen ist, beide sein erstes und sein letztes. 2 chron. 9, 29; und ward im gesetzbuch gottes gelesen alle tage, vom ersten tag an bis auf den letzten. Neh. 8, 18; ich bin der erst und der letzt, und auszer mir ist kein gott. Jes. 44, 6; aber viel die da sind die ersten, werden die letzten, und die letzten werden die ersten sein. Matth. 19, 30; einer ieden hure trost ist, dasz sie die erste und letzte nicht seie. Pistorius thes. par. 5, 68; ich bin nicht der erste und werde nicht der letzte sein, der seine grillen zu orakelsprüchen einer göttlichen erscheinung macht. Lessing 1, 130; nein, alsdann möcht ich doch wohl lieber dein letzter, als dein erster mann sein. 2, 557;
er sprach, ihr seit mein erste
und auch mein letzte pein,
sie sprach: ihr seit der letste
und doch der liebste mein.
J. G. Zinkgref bei Opitz Aristarch s. 174;
er ist der erst, den feind zu schlagen:
und der letzt ausz der grösten schlacht.
Weckherlin ebenda 197;
dann mag er danken! denn ihm hat ein gott
des lebens erste, letzte lust gegönnt.
Göthe 9, 33;
der erste sang ist gesungen,
so folget gleich der letzt.
Uhland ged. 230;
lasz keine thräne sie vergieszen,
die dich genannt ihr einzig glück;
lasz deinen letzten sie begrüszen,
wie deinen ersten augenblick.
Freiligrath dicht. 2, 14.
als anfang und ende einer reihenfolge braucht nicht das einzelne wesen oder ding, sondern es können beliebig viel zusammenstehende geducht werden, es heiszt die ersten zehn, die letzten zwanzig einer compagnie, einer classe u. s. w.; sieben engel, die hatten die letzten sieben plagen. offenb. 15, 1; diese letzten haben nur eine stunde gearbeitet. Matth. 20, 12; die geschicht aber des königs David, beide die ersten und letzten. 1 chron. 30, 29; von den letzten fünf versen (einer Horazischen ode) gestehet Dacier selbst, dasz sie mit seiner auslegung schon etwas schwerer zu vereinigen sind. Lessing 4, 38.
2)
dasz letzt einen zahlenbegriff bildet, ersieht man auch an seiner verbindung mit dem unbestimmten artikel, wie er in der neuern sprache bei den ordinalzahlen gebräuchlich ist; wie ein erster, ein zweiter, ein dritter u. s. w., heiszt es auch ein. letzter; nun ist aber von der dritten religion zu sprechen, gegründet auf die ehrfurcht vor dem was unter uns ist, ... es ist ein letztes, wozu die menschheit gelangen konnte und muszte. Göthe 22, 15;
dein name sei vergessen, in ewge nacht getaucht,
sei wie ein letztes röcheln in leere luft verhaucht!
Uhland ged. 392;
bei deines blutes mäligem verströmen
ein letzter ruf an Karl, den groszen öhmen!
Freiligrath dicht. 1, 32;
ein letztes beichten und ein letztes dräun.
ebenda.
3)
letzt bezieht sich auf eine räumliche folge: die letzten häuser einer stadt, eines dorfes; die letzten äcker des weichbildes; die truppen waren nach dem flusse hin so aufgestellt, dasz die letzten hart am ufer standen; der letzte haufen, postremum agmen. Steinbach 4, 1045;
als er nun hinausgegangen,
wo die letzten häuser sind.
Göthe 1, 251;
bis an den letzten herd im königreich
empfände man des vaters warme sorge.
9, 268;
weltgeistl. in welche gegend habt ihr sie geschickt?
secr. zu dieses reiches letzten hafenplatz.
304;
vor wenig jahren waren Hennegau
und Flandern flämisch; Lothringen war deutsch,
und jetzt ist bis zur letzten station
alles französisch.
Herder z. litt. 3, 197;
und drauszen am allerletzten haus
da gucket ein mägdlein zum fenster heraus.
Uhland ged. 212;
das letzte (äuszerste) ende, die letzte grenze;
die letzten enden aller dinge will
sein geist zusammen fassen.
Göthe 9, 190;
in substantiver verwendung, das letzte, äuszerste, am weitesten vorgeschobene: und sie stelleten das volk des ganzen lagers, das gegen mitternacht der stad war, das sein letztes reichet gegen den abend der stad. Jos. 8, 13; (die grenze) gehet uber den berg Baala, und kompt eraus gen Jabneel, das jr letzts ist das meer. 15, 11; das letzte eines weges, seine endstrecke: manchem gefelt ein weg wol, aber sein letztes reicht zum tode. spr. Sal. 16, 25; die letzte sprosse einer leiter kann die oberste oder unterste sein: sie schwebte noch auf der letzten sprosse des gebets — sie hatte die erde noch nicht berührt. Schiller 742ᵇ; ebenso er stand auf der letzten treppe, der untersten oder der obersten; die letzte stufe, auch bildlich: er ist noch auf der letzten stufe, und er hat schon die letzte stufe erreicht.
4)
so bei dingen, die in irgend einer art geordnet sind, z. b. bei theilen von schrift-, dichtwerken u. ähnl.: der letzte band, die letzten seiten eines buches; bei dem letsten titul dieses ersten theils. Frankf. reform. 1, 17 § 1; der letzte theil des briefes, extrema pars epistolae. Steinbach 1, 1045; das letzte stück einer rede, orationis pars extrema. ebenda; der letzte band enthält die fragmente. Lessing 3, 22; die andre stelle die ich nun zu entschuldigen habe, ist in dem zweiten auftritte des letzten aufzugs. 122; ich weis wahrhaftig bei dieser letzten ode des ersten buchs nichts zu erinnern. 441; letzte scene (des 5. actes). Schiller 213ᵃ; (wir) stimmten jedesmal jauchzend in den letzten vers mit ein. Eichendorff taugenichts (1874) 133; die letzte bitte (des vaterunsers); sprichwörtlich in die letzte bitte gehören, vom übel sein (da dort um erlösung von solchem gebeten wird):
Serrantens klapperwerk gehört zur letzten bitte.
Günther 451.
auch bei dingen, die ohne solche bewuste ordnung auf einander folgen (wo indes auch zeitliche vorstellung einspielt, vgl. unten 9): ich sage dir warlich, du wirst nicht von dannen eraus komen, bis du auch den letzten heller bezallest. Matth. 5, 26; fechten, streiten bis auf den letzten mann; lasz uns den nektarkelch, den uns die liebe kredenzt, bis auf den letzten tropfen leeren. H. Heine 2, 249;
doch meinen letzten tropfen blut
weih ich hiermit, dein elend zu wenden.
Wieland 18, 254;
dasz ich am linken hinterhuf
dir noch den letzten nagel feile!
Stolberg 2, 54;
er schlug, dasz weit der wald erklang
und alles eisen in stücke sprang.
und von der letzten eisenstang
macht er ein schwert so breit und lang.
Uhland ged. 333;
bei theilungen: es soll das dritte teil von dir an der pestilenz sterben, .. und das ander dritte teil durchs schwert fallen, .. und das letzte dritte teil wil ich in alle winde zerstrewen. Hes. 5, 12.
5)
substantivisch der letzte einer räumlichen reihe oder folge (vergl. aber dazu unten 12): und sollen die letzten sein im ausziehen mit jrem panier. 4 Mos. 2, 31; der teufel hol dann den letzten. Garg. 190ᵇ; es ist nimmer gut der letzt sein. 227ᵃ; den letzten fressen die hund. Lehmann 196; doch machte er sich an den letzten vom zug (bei einem begräbnisse). Hebel 2, 92; als letzter blieb Gottlieb mit dem knaben im hause zurück; beim heraustreten schlosz er die thür und die pforte des zaunes. Freytag ahnen 5, 195;
noch sind die letzten nicht an uns vorbeigezogen.
Freiligrath dicht. 1, 154;
allein solche lange reden, als hier im zweiten auftritte des ersten aufzuges, im zweiten auftritte des zweiten aufzuges, im zweiten auftritte des vierten aufzuges anzutreffen, haben auch nicht die geringste spur des natürlichen an sich. die letzte von den angezeigten stellen ist am allerunnatürlichsten. Lessing 3, 94; das letzte:
doch weil du nun im vortheil bist,
lasz immer noch das letzte hören (einer reihe guter lehren).
Wieland 18, 377;
das letzte unter zwei oder mehreren nach der reihe aufgeführten, wofür häufiger das letztere (oben I, 4) gebraucht wird: ob sie frauenzimmers genug oder zu viel sind, kann ich nicht sagen. wenn ich zwar aus ihrem gesprächigen munde schlieszen sollte, so dürfte ich beinahe das letzte behaupten. Lessing 1, 319; Riccaut. gnug, morgen entweder sehn mik wieder ihro gnad mit hundert pistol, oder seh mik wieder gar nit ... das fräulein. ich wünsche das letzte, mein herr, das letzte! 570; Betty. lady musz ein sehr angenehmer besuch, oder der alte mann ein sehr angenehmer bote gewesen sein. Sara. das letzte, Betty, das letzte. 2, 49; wie ich knoten, auflösung und charaktere eingerichtet habe, glaube ich die wahrheit nirgends beleidiget, und hin und wieder nur verschönert zu haben. lassen sie uns das letzte zuerst betrachten. 3, 343; 'sie wissen, dasz ich seiner güte viel verdanke, und dasz ich von hause weit gröszeren zuschusz habe, als ich bedarf'. das letzte war eine fromme lüge. Freytag ahnen 5, 312.
6)
für vorletzt hiesz es früher auch letzt ohne einen: lest on einen, penultimus. voc. inc. theut. m 3ᵇ; in der letzten ohne einen zeile tadle ich das 'geschlachtet'. Lessing 3, 437; bei dem alten scholiasten, der in der lezten ohn einen zeile anstatt fulgentis, venientis gefunden. 6, 423 anm.; erinnern sie sich wohl, bei einem von unsern neuern dichtern, die letzte ohne eine zeile, fast von wort zu wort bereits gelesen zu haben. 8, 268; auch engl. last but one; vgl. auch eine andere bezeichnung für drittletzt: aber in dem verse des Ion ist ja die vorletzte sylbe kurz, und die dritte von der letzten ist lang. 6, 366; der obervorletzte, sive ohn zwei der letzte, antepenultimus. Stieler 1058.
7)
letzt, in bezug auf eine zeitliche folge; zunächst von der zeit oder einem zeitabschnitte selbst.
a)
die letzten zeiten, die nach der vergangenheit entlegensten, ältesten: es sind auch andere noch, die sich an den alten zeiten gar zu sehr vergaffen, ... denen alle worte gleichsam ein eckel sind, da ferne sie nicht von den letzten und vergessenen zeiten hergeholet werden. Schuppius 849; ähnlich, nur in bezug auf ein menschenleben: unser das aller letst denken, das lengst und verrest das wir mögend denken, memoria ultima Maaler 268ᵈ.
b)
die nach der zukunft entlegensten, fernsten, die zeiten unmittelbar vor dem weltuntergange: so sind wir denn, nach einer unzehligen menge von sterblichen, die, welche man für würdig erkannt hat, von den trümmern der welt zerschmettert zu werden? so sind wir es, die auf die lezten zeiten verspart wurden? Lessing 4, 277; nach biblischer anschauung: was dis volk deinem volk thun wird zur letzten zeit. 4 Mos. 24, 14; wenn du (volk Israel) geengstet sein wirst, und dich treffen werden alle diese ding in den letzten tagen. 5 Mos. 4, 30; des herrn grimmiger zorn wird nicht nachlassen, bis er thu und ausrichte, was er im sinn hat, zur letzten zeit werdet jr solchs erfaren. Jer. 30, 24; in den letzten tagen aber, wird der berg, dar auf des herrn haus stehet, gewis sein, höher denn alle berge und uber die hügel erhaben sein. Micha 4, 1; der geist aber saget deutlich, das in den letzten zeiten werden etliche von dem glauben abtretten. 1 Tim. 4, 2; der letzte tag, des jüngsten gerichts:
der letzte tag nu komen wird,
daran der herr, wie Petrus lehrt,
verbrennen wird himel und erd.
Wackernagel kirchenlied 5, 54ᵃ;
ich weisz, dasz mein erlöser lebet,
und dasz er erweckt
an dem letzten tage
meinen staub.
Herder z. litt. 4, 220;
die zeit unmittelbar vor dem jüngsten gericht heiszt die zeit der letzten posaunen. 1 Cor. 15, 52.
c)
endlich die der gegenwart am nächsten, die vergangenheit abschlieszenden: wobei ich mich, besonders die letzten jahre, nicht übel befand. Göthe 30, 190;
diesz land, mylady, hat in letzten zeiten
der königlichen frauen mehr vom thron
herab aufs blutgerüste steigen sehn.
Schiller Maria Stuart 1, 6;
die letzte welt, die in die gegenwart hinein reichende:
mein gott, die letzte welt wie kindisch wird sie doch!
rühmt jhre lapperey für alle weiszheit hoch.
Logau 3, 252, 199, überschr.: die letzte zeit.
8)
daher (nach 7, c) letzt, jüngst vergangen, was zu spätest vor der gegenwart oder vor einem als gegenwart genommenen zeitpunkte liegt: als ich ihn das letzte mal sah, kam er mir blässer vor; die letzte nachricht empfieng ich von ihm gestern; du besinnst dich doch wohl auf den letzten feiertag, da dich meine schwester mit in die nachmittagspredigt schleppte? Lessing 1, 402; er erzehlt .. die kleinen verliebten abentheuer, die ihn in den letzten winterquartieren beschäftiget haben. 3, 187; sie hatten ihrem letzten briefe des herrn Walchs geschichte der Catharina von Bora beigelegt. 293; die in meinem letzten schreiben erwähnten übersetzer des messias. 324; seit den letzten jahrhunderten vor Jesu geburt. Herder zur rel. u. theol. 9, 65; man begriff nicht, dasz die letzten worte Demokrits (der eben gesprochen hatte) die ursache einer solchen wirkung gewesen sein konnten. Wieland 19, 45; da er die niedergeschlagenheit bemerkte, die der inhalt der letzten periode seines gegners unter dem gemeinen volk hervorgebracht zu haben schien. 20, 165; während der letzten reden hatte der verdrieszliche pferdehändler sacht in die geldkatze gegriffen. Immermann Münchh. 1, 132;
ich kam erst mit der letzten
verstärkung unsers ordens.
Lessing 2, 358;
meine liebe Christel, heuer kriegst du zwar
keine festepistel, wie die letzte war,
die ich dir vorm jahre aus der see gesandt.
Göthe 47, 105;
9)
letzt aber auch von dem, was eine zeitliche folge gänzlich abschlieszt: am letzten tage des festes, der am herrlichsten war. Joh. 7, 37; an den feiertag will ich denken! er war der letzte in unsrer ordnung. Lessing 1, 402; den dritten und letzten termin gegen Bertholden. 2, 533;
gefangen, bei Tebnin,
der burg, die mit des stillstands (waffenstillstands) letzter stunde
wir gern erstiegen hätten.
216;
des jahres letzte stunde
ertönt mit ernstem schlag.
Voss 4, 95.
von menschen die die spätesten in einer reihe sind: den einen erhascht er beim bein, den andern bei der pilgertaschen, den dritten bei der muschelhaft, ... und den letzten armen Jacobsbruder, der mit dem stecken hat anackern wölln, ergrapt er durch den latz. Garg. 238ᵇ; von menschen, die als die spätesten ihrer art leben: und wie der letzte Mohikan ist auch er allein übrig geblieben von einer ganzen thatkräftigen horde, er, der letzte demagoge. H. Heine 2, 22; es will uns da manchmal bedünken, als sei der kriegsruhm ein veraltetes vergnügen, ... und Napoleon sei vielleicht der letzte eroberer. 131;
des groszen stammes letzter sohn.
Göthe 9, 45;
von dem, was nicht wieder geschah oder geschieht: zum letsten mal, postremum. Maaler 268ᵈ; thuͦst du das, so wirst du mich heüt zum letsten mal sähen, si id facis, hodie postremum me vides. ebenda;
ihr brüder allzumal,
heut seht ihr mich zum letzten mal.
volkslied: zu Straszburg auf der schanz;
die andern acht tage wirst du nur gelegentlich an diese liebe denken. die dritten wirst du dich daran erinnern lassen: und wann du dieses erinnern satt hast, so wirst du dich zu der äuszersten gleichgültigkeit so schnell gebracht sehen, dasz ich kaum die vierten acht tage auf diese letzte veränderung rechnen darf. Lessing 2, 21; das letzte abendmal der jünger mit Jesu. 3, 209; zu dem letzten entscheidenden schritt. Göthe 30, 85; sanft und dringend fordert die natur ihren letzten zoll (noch einmal schlaf, worte Egmonts in der kerkerscene). 8, 296; es wird mein letztes lied sein. H. Heine 1, 214; er würde diese aristokratie regeneriert haben, statt dasz sie jetzt darnieder liegt durch alterschwäche, blutverlust und ermüdung von ihrem letzten, gewisz allerletzten sieg. 2, 130;
man legt zu ihm in schmucken rollen
die letzten lieder, die er sang.
Uhland ged. 243;
oder von dem es eine fortsetzung nicht gibt: also kürzlich, mein herr Fauste, hastu den vierdten und letzten bericht. volksb. von dr. Faust s. 39 Braune; welches das 24. und letzte jahr seiner versprechung war. 107; das letzte gericht bei der mahlzeit, epidipnis. Stieler 1057; das letzte mondsviertel, luna gibbosa. 1058;
als nun der abend kam, kam mit den letzten strahlen
auch, wie gewohnt, mein vögelein.
Wieland 18, 371;
entdeckt man nicht die spuren ihrer flucht,
bevor die letzten sterne schwinden.
187;
die weiten, stillen wälder, wo der mensch,
des schöpfers letztes werk, noch fehlt.
Uhland ged. 161;
die sänger, schon in träumen,
rührten die saiten bang,
bis in des schlosses räumen
der letzte laut verklang.
406;
ich sonne mich im letzten abendstrahle.
Freiligrath 1, 181;
auch vom besitze, der am verschwinden ist: es geht nun in die zehnte woche, da ritt er mit des herrn einzigem und letztem reitpferde — nach der schwimme. Lessing 1, 546;
ein armer mann, gedrückt von mancher noth,
nahm in die hand sein letztes brot.
Gleim 3, 390;
wenn ein mädchen auch die mutter liebt,
dasz es der mutter in der noth
den letzten bissen brodt
aus seinem munde giebt.
Lessing 1, 118;
frau Magdalis weint auf ihr letztes stück brot.
Bürger 65ᵃ
ach, ihr erblassen
raubt mir den letzten hoffnungsschein.
Wieland 18, 274;
dein einzger schatz, den wir mit müh gerettet,
der letzte rest von deinem brautgeschmeide
aus Frankreich ist in seiner hand.
Schiller M. Stuart 1, 2;
substantivisch:
sie kommen! tragen meine habe fort,
das letzte was von köstlichem besitz
mir übrig blieb.
Göthe 9, 371.
in bezug auf gerichtliches verfahren und urtheil: die letzte instanz;
zuͦ der zyt,
so gott syn letzstes urteil gyt.
Brant narrensch. 106, 2;
beklagten gehört der letzte satz. Pistorius thes. par. 2, 72; das letzte wort hat aber nicht blosz im rechtsstreite, auch bei zank und beim handel eine statt: er waicht auch nieman mit worten .. er wil ewiglich das letst wort haben und unüberwunden sein. Keisersberg siben schwerter f 3ᵈ; das letzte wort haben wollen, contentiosum esse, nolle tacere Frisch 1, 610ᶜ; der sammler fragte ihn heftig, ob das sein letztes wort sei? welche frage der hofschulze bejahte, mit dem hinzufügen: handel ist handel. Immermann Münchh. 4, 17; sagt eurem marschall auf seinen grusz die letzte antwort. Freytag ahnen 5, 17;
es ist so viel schon unterhandelt,
es ist gesprochen fort und fort,
es ist geschrieben und gesandelt:
so sprecht nun euer letztes wort!
Uhland ged. 98.
10)
besonders gern steht letzt in bezug auf die zeit, auf thaten und functionen des menschen unmittelbar vor dem sterben: in seinem letsten alter, in seinen letsten jaren, supremis suis annis Maaler 268ᵈ; die letzte stunde, der letzte tag, der letzte augenblick; sollte er (gott) mir eine tochter wiedergeben, damit ich über seine abforderung aus diesem leben murren müsse? nein, nein; er schenkt mir sie wieder, um in der letzten stunde nur um mich selbst besorgt sein zu dürfen. Lessing 2, 50;
wer täglich seinen tag verlor,
ist bis zum letzten tag ein thor.
herr, hilf mir, dasz ich werde bald,
was je ich werden sollte,
und eh die letzte stunde schallt,
dasz ich es ernstlich wollte.
Herder z. litt. 4, 157;
noch in den letzten augenblicken
vergiszt er seiner todesqual.
197;
Buttler. er darf nicht leben. Gordon. ihr vermöchtets?
Buttler. er oder ich. er sah den letzten morgen.
Schiller Wallensteins tod 4, 6;
der mensch erfährt, er sei auch wer er mag,
ein letztes glück und einen letzten tag.
Göthe 2, 248. 11, 376;
der letzte athemzug, seufzer, blick; das er dem Heliodoro, der jtzt in den letzten zügen lag, das leben wolt schenken. 2 Macc. 3, 31; und sprach, meine tochter ist in den letzten zügen (ἐσχάτως ἔχει, goth. aftumist habaiþ, vulg. in extremis est). Marc. 5, 23; der letst athem oder seüfzen, der letst ruck oder zug, halitus extremus. Maaler 268ᵈ; in letsten zügen, in extremo spiritu. ebenda; als sie aber der guten wartung ungeacht sterben muste, und nunmehr in den letzten zügen lag. Chr. Weise erzn. 208 Braune; mein auge bricht! diesz war der letzte seufzer! Lessing 2, 87; sein letzter seufzer war Amalia! Schiller räuber 2, 2;
und eh der Türke schlägt, so riecht sie schon von weitem,
wie viel soldaten jetzt im letzten athem streiten.
Günther 451;
o nähre dich, erwünschter tod!
benimm mir leben, schmerz und noth;
entführ mir dieser wunsch doch mit dem letzten hauche!
Lessing 1, 125;
da risz sich sein letzter blick gen himmel.
Herder zur litt. 3, 88;
du hast sie (die sterbende tochter) noch gesehn, den letzten blick,
den sehnsuchtsvollen, dir ins herz gefaszt,
das letzte wort bedächtig aufgenommen,
dem letzten seufzer mitgefühl erwiedert.
Göthe 9, 315;
die glieder schienen schon in todes macht,
im herzen fühlt ich letztes leben schlagen.
Uhland ged. 131;
die letzte noth, pein, der letzte todesstosz; das letzte verlangen, flehen; wer den herrn fürchtet, dem wirds wolgehen in der letzten not. Sir. 1, 13; der vierdte grund, wer ablas löset, thut besser denn wer almosen gibt einem armen, der nicht in der letzten not ist. Luther 1, 49ᵇ; sol nicht ehe ein christen mensch dem andern helfen, denn in letzten nöten, so wird nimer mehr, oder in vielen jaren nicht einmal dem andern geholfen. ebenda; Waitwell. wünschen sie wirklich, misz, ihn zu sehen (den vater, vorm sterben)? Sara. endlich sprichst du, um an meinem sehnlichsten verlangen, an meinem letzten verlangen zu zweifeln. Lessing 2, 83; schwester, aus barmherzigkeit den letzten schnellen todesstosz! Göthe 10, 114;
hilf mir, herr, in der letsten not,
wann mich begreift der bitter tod.
Wackernagel kirchenl. 5, 14ᵃ;
(ich) sah, was lebet, mit dem tode
in schwarzen fluthen ringen, hörete
ihr letztes angstgewimmer.
Herder zur litt. 4, 81;
laszt eine hütt auf seinem grab uns bauen.
sein haupt liegt westwärts, denn sein letztes flehen
war: krieger, o nach morgen laszt mich schauen!
Freiligrath dicht. 1, 183;
die letzten laute, worte, gebete, der letzte segen des sterbenden;
sie starb am dritten tage,
und Gerons nahme war ihr letzter laut.
Wieland 18, 68;
hier ist des herren tempel,
den viele wünschten, hofften und nicht sahn,
den sterbende noch in brünstigen letzten gebeten
für kinder und enkel zum erbtheil erflehten.
Herder zur litt. 4, 177;
gerührt zu lauschen seinen letzten worten.
Freiligrath 1, 77;
die letzten dinge (wie es beim sterben steht), das letzte auftreten, die letzte kraft, die letzten gedanken, die letzte that u. s. w.: gedenk dein letzte ding, so sündest du nit mehr. Pauli schimpf 52 (considera novissima, et non peccabis); so gedenk dein elend und dein vier letzten sachen, den tod und das urteil und die seligkeit und auch die helle. Keisersberg narrensch. 192ᵃ; du bist ein alter mann, Waitwell, und kannst von deinem letzten auftritte nicht weit mehr entfernt sein. Lessing 2, 82;
und ich begleitet ihn auf mancher fahrt,
und war der zeuge seiner letzten thaten.
Wieland 18, 31;
und so in enger stets und engerm kreis
beweg ich mich dem engesten und letzten,
wo alles leben still steht, langsam zu.
Schiller Tell 2, 1;
und als funkensaat entsprühn
ihm (dem pflaster) der sterbenden gedanken!
ihre letzten!
Freiligrath 1, 131;
vor sein sterbend hirn noch trat ihr bild,
als er fiel des tapfern fall;
ihren namen mit der letzten kraft
rief er aus.
2, 71;
der letzte kuss, dank, trunk u. s. w.: ihm ist sein letztes brot gebacken (sprichwörtlich);
ach, du lechzest nach
dem letzten labetrank
vom quelle dieser erden,
und dir wird gallentrank
und essig werden
zum letzten dank!
Herder zur litt. 4, 198;
nimm, o welt, die letzten abschiedsküsse!
Schiller die kindesmörderin;
das letzte sacrament; die letzte oelung; einem kranken die letzte wegzehrung reichen; es lag einist ein hirt siech an schwerer krankheit, also das er den priester hiesz kommen mit dem letzten öle. Steinhöwel Esop (1569) 135ᵇ;
das letzte sacrament empfingen wir,
und fertig sind wir zu der letzten reise.
Schiller Maria Stuart 3, 6;
der letzte wille, die bestimmung für den todesfall: seinen letsten willen in ein testament oder gemächt stellen, suprema sua ordinare. Maaler 268ᵈ; letster wille in geschrift verfaszt, nuncupata voluntas 269ᵃ; er (mein vater) war vor acht wochen gestorben, und hatte mich meines ungehorsams halben ausgeerbet bis auf hundert gülden, was solte ich thun, der letzte willen war nicht umbzustoszen. Chr. Weise erzn. 41 Braune;
(ein dieb spricht) erlaubet mir vor meinem end,
dasz ich mach ein kurz testament,
der richter sprach: dein letste bitt,
will ich dir hie abschlagen nit,
sag an, was ist dein letster will?
L. Sandrub kurzweil (1618) 136;
auch schreiber und notarien verlang ich,
um meinen letzten willen aufzusetzen.
Schiller Maria Stuart 1, 2;
der gang zum tode ist der letzte gang:
wir aber schreiten zitternd (ich und du,
der du dies liesest!) jenem hügel zu,
auf dem ein gott am holze sich verblutet!
wir gehn ihm nach auf seinem letzten gang.
Freiligrath 2, 126;
der tod selbst der letzte weg, die letzte hinfahrt, das letzte ende: (einen eid leisten) uff ire leste hinfart, die ire arme selen faren muszen. weisth. 3, 335 (Hessen, von 1462); den letsten wäg zehanden nemmen, das ist sterben, iter supremum capere Maaler 268ᵈ;
mein seel an meinem letzten end
befehl ich dir in deine hend.
Wackernagel kirchenl. 3, s. 1211ᵃ;
es nahet ewer letztes endt.
H. Sachs 3, 1, 178ᵈ;
weil es vor seinem letsten end (war).
L. Sandrub kurzweil 127;
auch der letzte tod:
so soll auch mich von euch kein andre liebe führen,
bisz mich der letzte todt hier unversehens kriegt,
und Venus mich begräbt, wo ihr Adonis liegt.
Opitz 2, 177;
die letzte gestalt des menschen ist seine leiche: du siehst in die zeit hinaus, wo dein kleiner sarg steht, an welchem ein grausamer engel die schönen um ihn herumlaufenden, noch frischen blumenstücke der liebe wegwischt, damit er ganz weisz, so rosenweisz wie deine seele oder deine letzte gestalt herübergetragen werde! J. Paul Tit. 3, 79; beim begräbnis wird ihm die letzte ehre angethan, erwiesen: einem die letzte ehre geben, suprema alicui solvere Steinbach 1, 1045; und wo der tote mensch geborgen wird, ist sein letzter ort:
wir schwimmen in dem strom der zeit
auf welle welle fort,
das meer der allvergessenheit
ist unser letzter ort.
Herder z. litt. 3, 39.
11)
der tod des menschen ist sein letztes: dat was ein mane, die (der) lach an synem lesten. seelentrost 94ᵇ; er hat ein testament gesetzet an seinem letzten. Steinhöwel (1487) 111; wenn sie an das letzt kommen und sterben wöllen. Keisersberg narrensch. 198ᵃ; der da gott förchtet, dem würt wol sein an seinem letzten. irrig schaf a 6ᵇ; darum so sol ein mensch lugen, das er sein sache nit setze uf die zeit uf das letzt (bis unmittelbar vor dem sterben hinausschiebe). brösaml. 1, 58ᵃ; erlasz mir meine grosze schuld, umb deines heiligen namens willen, auf dasz sie mir nicht im letzten, auch am jüngsten tage aufgerückt ... werde. Schuppius 436; dasz mich ja die schwere last meiner sünde im letzten nicht gar verdrücke. ebenda; ob der selige mann mich wohl in seinem letzten würde haben zu sich bitten .. lassen. Liscov 460; weh! ich fühls. es ist das letzte. Göthe 10, 114; nun ists vorbei und das ist mein letztes. 11, 299;
so wöltest doch bisz an das lest
gott dien und lieben auf das pest.
Schwarzenberg 155ᵈ;
er sieht aus furcht, die stets gespenster sah,
bei zugeschlosznem aug, ein gräszlich ungeheuer
mit offnem schlund ihm dräun, und glaubt sein letztes nah.
Wieland 10, 209.
12)
substantivisch der letzte, der späteste; die zeitliche folge läszt sich indes von der räumlichen (II, 5 oben) nicht immer scharf auseinander halten: letst, der aller letst, postremus, novissimus, ultimus, extremus Maaler 268ᵈ; warum wolt jr die letzten sein, den könig wider zu holen in sein haus? 2 Sam. 19, 11; stehe auch bei zeit auf, und sei nicht der letzte. Sir. 32, 15; ich bin der letzt auferwachet. 33, 17; er ist .. vielleicht auch der letzte, der auf dieser erde malen wird. H. Heine 2, 154;
und welcher ist im trunk der letzt (am spätesten kommt),
wann da nun ist der tisch besetzt,
der hab das heimlich leiden.
Garg. 86ᵇ;
Rosine, die (vielleicht der möglichkeit zu lieb
den flüchtling irgend aufzuspâhen)
von allem volk beinah die letzte blieb (am längster in der kirche verweilte).
Wieland 21, 176;
glaube,
sie haben es auf Tantals haus gerichtet,
und ich, der letzte, soll nicht schuldlos, soll
nicht ehrenvoll vergehn.
Göthe 9, 33;
ich bin der letzte meines stamms. mein name
endet mit mir.
Schiller Tell 2, 1.
als redensart nicht der letzte sein, von einem der bald zu dem kommt was er will oder was ihm bestimmt ist: Salabanda war zu sehr gewohnt ihre hand in allen abderitischen händeln zu haben, als dasz sie unter den letzten gewesen sein sollte, die in dem gegenwärtigen partei nahmen. Wieland 20, 52; Wilhelm war nicht der letzte, mit dem man sich beschäftigte. Göthe 18, 302;
Alphons hat mich zuerst begeistert, wird
gewisz der letzte sein, der mich belehrt.
9, 212;
sprichwörtlich: den letzten beiszen die hunde. der letzte macht die thür zu. Simrock sprichw. 337; der letzte hat den sack gestohlen. schelm und dieb der letzte. es hat der letzte noch nicht geschossen. er ist nicht der letzte, wenn er vorangeht. 338; zudem so hat der letzte auch noch nicht geschossen. Wieland 11, 183; bairisch es hat der lescht no net geschibm. Schm. 1, 1524 Fromm.; der lescht hat no net gschossn in Tirol Fromm. 6, 447.
13)
letzt, dem grade nach, kann sowol die niedrigste als die höchste stufe bezeichnen.
a)
letzt, kleinst, niedrigst, geringst: unter den fürnehmsten früchten der freundschaft, ist nicht die letzte die linderung und auszriechung der angst und geschwulsten des herzens. Schuppius 755; wir können zwar nicht läugnen, dasz .. manche erfindungen noch natürlicher hätten gerathen können, indessen gehöret doch diese schrift nicht zu der letzten classe ihrer art. Lessing 3, 143;
dasz du in das geheimnis deiner ankunft
vor mir wie vor dem letzten stets dich hüllest,
wär unter keinem volke recht und gut (Thoas zu Iphigenie).
Göthe 9, 14;
selbst der letzte knecht,
der an den herd der vatergötter streifte,
ist uns in fremdem lande hoch willkommen.
44;
auch so keuchten die weiber und kinder mit bündeln sich schleppend,
unter körben und butten voll sachen keines gebrauches;
denn es verläszt der mensch so ungern das letzte der habe.
40, 239;
ein muster bürgern und bauern,
und im rathe gewisz, ich seh es voraus, nicht der letzte.
261;
stolze thörin, wenn der tapfre Behram
deinem dünkel misbehagt, so werde
dein gemahl der letzte meiner sklaven!
Platen 325.
b)
die letzte spur, die abgeschwächteste, die man kaum noch sieht:
stiller garten, eile nur,
dich mit jungem grün zu decken,
und des bodens letzte spur
birg mit dichten rosenhecken!
Uhland ged. 34;
das letzte andenken: so soll euch die strafe eurer gräuel bis auf das letzte andenken erlassen werden. Schiller räub. 2, 3.
c)
umgekehrt letzt, höchst: er hat geläbt bisz auf das letst alter auszhin, vixit ad summam senectutem. Maaler 268ᵈ; um so ganz von ganzem herzen geliebt zu werden, musz man leidend sein. das mitleid ist die letzte weihe der liebe, vielleicht die liebe selbst. H. Heine 2, 348; die letzte gunst einer geliebten:
o! die geliebte sehn, sich neben ihr befinden,
den athem in sich ziehn, der ihrer brust entflohn,
ist eine gröszre lust für seelen die empfinden!
die letzte gunst entzückt den faun nicht so.
Wieland 17, 180 (Idris 3, 90);
der letzte zweck: so wurden die dichter genöthiget in ihre stücke auch gute und ernsthafte charaktere zu mischen, weil sie sonst unmöglich ihren letzten zweck, die besserung der zuschauer, würden erhalten haben. Lessing 3, 128;
euch zu gefallen war mein höchster wunsch,
euch zu ergötzen war mein letzter zweck.
Göthe 9, 119;
die tragödie endlich vereinigt alle diese eigenschaften, um den mitleidigen affect zu erregen. mehrere von den anstalten, welche der tragische dichter macht, lieszen sich ganz füglich zu einem andern zweck ... benutzen; dasz er aber gerade diesen und keinen andern sich vorsetzt, befreit ihn von allen forderungen, die mit diesem zweck nicht zusammenhängen, verpflichtet ihn aber auch zugleich, bei jeder besondern anwendung der bisher aufgestellten regeln sich nach diesem letzten zwecke zu richten. der letzte grund, auf den sich alle regeln für eine bestimmte dichtungsart beziehen, heiszt der zweck dieser dichtungsart. Schiller 1144ᵇ.
d)
letzt aber auch wie äuszerst, höchst, nach der schlimmen seite hin:
denn wenn im kampf die muthigsten verzagen,
wenn Frankreichs letztes schicksal nun sich naht,
dann wirst du meine oriflamme tragen.
Schiller jungfr. v. Orl., prol., 4. auftr.;
ferner äuszerst, in bezug auf dinge nach deren vergeblicher anwendung es nichts zweckentsprechendes mehr gibt: den letzten versuch machen; er hat seinen letzten trumpf ausgespielt; das letst versuͦchen, die letst arzney brauchen, ultima experiri. Maaler 268ᵈ; die letst arzney und mittel brauchen dieweil und kein hoffnung mer ist, ad extrema descendere. ebenda; not ist die letst und gröst notweer, not bricht eisen, ultimum ac maximum telum necessitas. ebenda;
die dichtkunst, die ein gott zum letzten anker gab.
Lessing 1, 192;
und sollt ich sie, des friedens theures pfand,
den letzten heilgen anker meiner hoffnung,
an eures hasses wuth unzeitig wagen?
Schiller braut v. Messina v. 1380;
zum letzten mittel, wenn kein andres mehr
verfangen will, ist ihm das schwert gegeben.
Tell 2, 2;
substantivisch das letzte, das äuszerste:
es wer der weiszheit widerzem,
wart wir (wollten wir warten), bisz es am letsten kem.
Soltau volksl. 239;
hast du der kinder liebes haupt vertheidigt?
des herdes heiligthum beschützt? das schrecklichste,
das letzte von den deinen abgewehrt?
Schiller Tell 5, 2;
denn die männer sind heftig, und denken nur immer das letzte.
Göthe 40, 271;
(Isegrim) hatte mich fast in seiner gewalt, da riefen die andern
kreuzige! klagten mit ihm, nur mich aufs letzte zu bringen.
223,
nach: Isegrim hêlt jegen mi partie,
dar umme repen se ok: crucifie!
dat mi ein islik to schaden brochte.
Reinecke fuchs 6609;
bis aufs letzte, bis aufs äuszerste, von etwas hartnäckig festgehaltenem: diese verschwuren sich zusammen bei einander bis aufs letzte zu stehn. Schütz Preuszen 122; ihn zwang sein system nicht im geringsten, sich für eines von beiden zu erklären; es bleibt unter beiden voraussetzungen eben dasselbe; und von beiden äuszerte er bis auf das letzte, dasz er noch nicht einsehe, welche er schlechterdings annehmen müsse. Lessing 9, 164; so beharrt jeder ort auf seiner art und weise und treibt seine charakteristischen eigenheiten bis aufs letzte. Göthe 25, 58.
e)
letzt, mit dem beisinne des vollendeten, vollkommenen: die letzte hand, vgl. theil 4², sp. 353. 354; da ich das ganze gut bronzirt hatte und im begriffe war den kopf zu vollenden und man ihm schon ein wenig die letzte hand ansah. Göthe 35, 277 (e volevo cominciare a finire la testa, che di già io gli avevo dato un poco di prima mano Benven. Cellini 4, 10); in heutigen zeitungsberichten und anzeigen liest man nach dem letzten geschmacke gekleidet sein, ein anzug nach dem letzten geschmacke, franz. un habit du dernier goût.
14)
adverbiale verwendungen von letzt; meist im zeitlichen sinne.
a)
der neutrale accusativ letzt, in dem sinne jüngst vergangen (vgl. dazu oben 8): nuper lest, leest Dief. 385ᶜ; d. Carlstad, als er letzt zu Wittemberg war, gab er sich williglich drein, von der pfarre zu tretten. Luther 49ᵃ; was ich letzt ew. durchlaucht vertraut habe. Pierot 1, 360; was mich das letzt geärgert hat! Lenz 1, 155; wär ich letzt dabei gewesen, ihr hättet die armbrust nicht verloren. Göthe 8, 10 (wofür neulich 42, 246); den ich letzt nicht gleich fand. S. La Roche in Mercks briefs. 1, 91; letzt war sie im concert und freute sich sehr über ein violoncell. Bettine briefe 1, 266; ich war in einer damengesellschaft letzt. Tieck ges. nov. 1, 111; das wort letzt (in Reichardts briefen) liesze sich gleichfalls öfter entbehren, und durch neulich, letztens, letzthin, ersetzen und variiren. Göthe 33, 128.
b)
auch im sinne schlieszlich, am ende; bei einer reihenfolge, vgl. unten letztgenannt; ohne solche: er erinnerte sich der zeit, in der sein geist durch ein unbedingtes hoffnungsreiches streben empor gehoben wurde, wo er in dem lebhaftesten genusse aller art, wie in einem elemente schwamm. es ward ihm deutlich, wie er letzt in ein unbestimmtes schlendern gerathen war, in welchem er nur noch schlürfend kostete, was er sonst mit vollen zügen eingesogen hatte. Göthe 18, 226;
bis dasz sie fanden letzt damit den rechten brauch.
D. v. d. Werder Ariost 11, 23, 8;
wanns gott gefällt, so kanns nicht sein,
er wird dich letzt erfreun.
P. Gerhard 85, 58 Gödeke;
denn in der kirche spricht erst und letzt
der, den man hat hinaufgesetzt.
Göthe 56, 21.
c)
für dieses letzt (b) steht zu letzt: bis zu letzt Daniel fur mich kam. Dan. 4, 5; wie es die gerechten zu letzt gut haben werden. weish. Sal. 2, 16; und jr alter wird doch zu letzt on ehre sein. 3, 17; das erbe darnach man zu erst seer eilet, wird zu letzt nicht gesegnet sein. spr. Sal. 20, 21; welches jm der geist zu letzt zusagte. volksb. von dr. Faust s. 15 Braune;
stigt stätes uff, ye basz und basz
und fellt zuͦ letst zuͦ boden doch.
Brant narrensch. 92, 87;
dardurch verlürst du deinen pracht,
und würdst zu letst für nichts geacht.
grobian. (1568) C 2ᵃ (b. 1, cap. 5);
weicht die jhr führt die braut, sie musz ein andern reyen,
nun tröst sie noch zu letzt, gebt jhr den letzten kusz.
Caspar Kirchner bei Opitz Aristarch 188;
heute zusammengerückt zuletzt geschrieben, s. d.
d)
auch zu letzten und zum letzten: da hettestu ein ernsten streit gesehen, keiner gab dem andern bevor. zu letzten lief Pelorus also grimmiglich mit streichen den Theagenem an, dasz zu besorgen war ... buch d. liebe 203ᶜ;
mancher der will gar freidig syn,
wogt sich an löwen, beren, schwyn,
oder stygt sunst den gämpsen noch,
dem würt der lon zuͦ letsten doch.
Brant narrensch. 74, 22;
nüt dunkt ein narren hie so hoch,
es felt mit jm zuͦ letzsten doch.
92, 100;
zum letzten ward er vor dem kaiser vermeldet und litt die marter darum bis in den tod. Keisersberg seelenpar. 64ᵃ; zum letzten ward die mutter auch hin gerichtet. 2 Macc. 7, 41; der wind war kaum so stark, dasz er die segel bewegen kondte. zum letzten ward es gar windtstille. buch d. liebe 202ᵃ; zum letzten jammerte ihn doch seiner hauszfrauwen. Kirchhof wendunm. 333ᵃ; zum vierdten und letzten. volksb. von dr. Faust s. 34 Braune;
ein wuchrer het bei seinen tagen
viel gelt und gut zusamen gschlagen.
da er zum letsten sterben solt,
liesz er ein groszen sack mit golt .. (vor sich bringen).
B. Waldis Esop 3, 26, 3;
als er zum letzten sich mit seinen jüngern setzte.
P. Fleming 6;
und, als sich ihr leben zum letzten ermannt,
da streckte sie nach dem gefäsze die hand.
Bürger 35ᵇ;
aber euch wünsch ich zum letzten
milden spruch des ewgen richters.
Uhland ged. 275;
zum letzten bei einer gradbezeichnung (vgl.letzt oben no. 13): wir haben uns alle verwöhnt, sagte Charlotte, und du nicht zum letzten. Göthe 17, 165.
e)
am letzten, am spätesten: ein widder stund fur dem wasser, der hatte zwei hohe hörner, doch eins höher denn das ander, und das höhest wuchs am letzten. Dan. 8, 3; am letzten nach allem (goth. spêdistamma allaizê) ist er auch von mir, als einer unzeitigen geburt gesehen worden. 1 Cor. 15, 8; nach dem vor zeiten gott manchmal und mancherlei weise geredt hat zu den vetern durch die propheten, hat er am letzten in diesen tagen zu uns geredt, durch den son. Ebr. 1, 2; under den storken, welcher am letzten inn Asia ankompt, den zerreiszen die andern. Garg. 227ᵃ; die sich am letzten wegbegaben, und über die zerrissene versammlung am meisten murreten, waren der affe und der esel. Lessing 1, 158; im sinne von schlieszlich:
ein bilgrim gieng durch einen wald ..
vom morgen fruͤ bisz auf mittag,
das er am letzten schier erlag.
B. Waldis Esop 4, 64, 4;
damit ich aber nit verschreit
der alten frummen haiden zeit,
am letsten wider rügkling kumm.
Schwarzenberg 156ᵈ;
am letzten zur bezeichnung des endes, im sprichworte: es ist Matthäi am letzten (die letzten worte des evangeliums Matthäi lauten der welt ende); er dachte: jetzt habe ich hohe zeit, sonst ists Matthä am letzten. Hebel 2, 75;
doch wenns Matthä am letzten ist,
trotz rathen, thun und beten,
so rettet oft noch weiberlist
aus ängsten und aus nöthen.
Bürger 25ᵇ.
f)
aufs letzte, zuletzt, schlieszlich: man sahe aufs letzte nicht auf gottes ordnung oder qualität, sondern wer bei ihnen am meisten geld brachte, der ward hoherpriester. Schuppius 643.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 809, Z. 58.

letzte, letzt, f.

letzte, letzt, f.,
in denselben bedeutungen wie letze sp. 797 fg.
1)
wie letze 1, ende, ausgang: denn das jtzt dasselbige römische reich, unter unserm keiser Carolo ein wenig aufsteiget, und mechtiger wird, denn es lange zeit her gewesen ist, dünkt mich, es sei die letzte, und für gott eben ein ding, als wenn ein liecht oder strohalm gar ausgebrand, jtzt verlesschen wil, so gibts eine flamme von sich, als wolts allererst recht anbrennen, und eben mit demselbigen gehets aus, gleich wie die christenheit jtzt auch thut mit so hellem evangelio. Luther 5, 1ᵃ;
was wohl ansetzt,
läszt gute letzt.
Simrock sprichw. s. 20.
2)
wie letze 3, was zum abschiede gethan oder gegeben wird; abschiedsessen (das abendmahl Christi): so hilft auch das dazu, das Lucas (bei dessen beschreibung) mit vleis die ordnung halten wölle, das er nicht allein den letztrunk, sondern auch des ganzen osterlambs letzte vorher schreibt. Luther 3, 493ᵃ; wie sie einen bund machen, und einander die letzte geben (Laban und Jacob, vergl. 1 Mos. 31, 54. 55). 4, 172ᵇ; abschiedsgeschenk, andenken:
fehrstu dahin und lest mich hir,
was lestu denn zur letzte mir,
damit ich mich mag trösten?
die rechte lieb und stetigkeit,
las ich dir feins lieb zur letzte.
Ambras. liederb. no. 27, 21 (zur letze Uhlands volksl. 137, vgl. oben sp. 799);
gar weit wird uber meer der nort ewrn buhlen führen,
inner desz fensters jhr nun euch müst erlustieren
mit seinem bildnusz, das voran ins buch gesetzt
in sehr köstlichem bund verlassen euch zur letzt.
J. G. Zinkgref in Opitz' Aristarch 211;
er liesz uns noch zur letzte,
als er zum letzten sich mit seinen jüngern setzte
und asz das osterlamb, ein hohes liebespfandt,
ein rechtes ostermahl, das er selbst wird genandt.
P. Fleming 6;
verändert zu dem sinne einer schlieszlichen, endlichen gabe: wie sichs denn gebürt am ende der welt, das der teufel unserm herrn Christo eine gute reiche letzte gebe. Luther 4, 478ᵃ.
3)
die formel zur letzte, zur letzt, noch einmal vor dem abschiede oder dem aufhören, indem sie an das adj. letzt und dessen verbindung zu letzt anlehnt (vgl.zur letze sp. 799): es hat uns e. churf. g. in diesem jar etwas von korn lassen durch den schösser werden, nu manet uns der schösser teglich strenge, und wir doch dasselbe nicht mügen bezalen, weil unsere zinse nicht fallen, .. bitte derhalben untertheniglich, e. churf. g. wolt uns desselben korns bei genanntem schösser lossprechen zur letzte, denn ich acht und hoffe, es sol nicht mehr not sein. Luther 2, 514ᵃ; die schöne leichpredig, so der dieb schwanenmässig zur letzt auf der leiter .. thut. Garg. 4; ich bitte dich, thu das uns zu der letzte, und schick ein opfer in Ithacam dem Ulyssi. buch d. liebe 201ᵈ; nachdem die kummerhaftige mutter mit tödtlicher angst und seufzen es (das kind) noch zur letzte einmal geküszt. Amadis 29; im gegensatz zu dem fem. erste principium (theil 3, 1004):
die bäumlein, die man fortgesetzt
in wolbestalten garten,
die pfleget man zur erst und letzt
vor allen wol zu warten.
P. Gerhard 11, 31 Gödeke.
4)
mehr noch den hintergrund eines ergötzlichen abschiedsschmauses weist zu guter letzte, zu guter letzt in dem gleichen sinn, eine formel, die sich wie die folgende, bis in die heutige sprache hält: weil es dann je mus gescheiden sein, so wil ich euch zu guter letzte in meine arme umbfangen. H. Jul. v. Braunschweig 193; nun noch ein küsschen. ach noch eins. ach noch eins zu guter letzte ... zu guter letzt meine liebe mutter. 195; zu guter letzt noch einmahl hand geben. Claudius 7, 173; dehne dich zu guter letzt noch einmal recht in deinem bette. Leisewitz poet. gespräche 3; so kann ich noch zu guter letzt des vergangenen gedenken. Göthe 27, 195; indem ich mir Neapel und seine umgebungen noch recht zu guter letzt vergegenwärtigen .. möchte. 28, 253;
mann gönn, indem mein grab, die flamme wird bereit,
dasz ich zu guter letzt an meine kinder schreibe.
A. Gryphius 1698 1, 35;
drum hab ich noch zu guter letzt
reimweis dies an ihn aufgesetzt.
Rost teufelsepistel (neue Berl. monatschrift 1805 13, 37).
5)
auf die letzte, auf die letzt: auf die letzt trat mich zwar die schwarze kuh, aber zu spät (empfand ich gewissensbisse). Chr. Weise erzn. 45 Braune; ich pflege sonst die italiänischen händel mehrentheils auf die letzte zu verspahren. Hahn hist. 2 (1721), 231; dasz mir auf die letzt die armen menschen nur noch als entfernte freunde vorschwebten. Thümmel 6, 221;
auf die letzt fieng der eine an,
ich seh wol wie es sei gethan.
L. Sandrub kurzweil (1618) 84;
das beste kommt wohl auf die letzt.
A. Gryphius 1698 1, 224;
lasz mich nicht auf die letzt in solche nacht verfallen,
die mich auf ewiglich von deinen augen stöszt.
Caniz 48;
doch, wer am meisten mir erstaunen abgedrungen,
hab ich bis auf die letzt verspart.
Thümmel 4, 490;
und auf die letzte
wirds wieder werth,
das schlechtgeschätzte
hölzerne pferd.
Overbeck ged. 211.
6)
auch auf der letzte: und solt inen (den juden) auf der letzt wol ihr messias gerahten, wie den esopischen fröschen ir könig, der stork. Ayrer proc. 2, 10.
7)
endlich im genitiv der letzten, als schluszgabe, zugabe:
und von welhem baursman
das pest wirt getan an alls gefer (beim hahnentanze),
es sei diser oder der,
dem wirt der han gegeben
und der letzten ain pruch darneben.
fastn. sp. 580, 13.
Es läge nahe, wie von erst das fem. erste, ahd. êristî, mhd. diu êrste principium gebildet wurde, so auch in dem fem. letzte eine gleiche bildung zum adj. letzt zu sehen, und in der that hat der bairische dialekt zu seinem leszt, lescht ultimus ein solches femininum die leszt, lescht aufzuweisen (Schm. 1, 1524 Fromm.; kärntn. lest f. ende Lexer 178, nur in den formeln auf die leszt, zi guoter lest). indessen zeigt die vorstehend dargelegte anwendung des wortes, die mit der von letze bis aufs kleinste stimmt, dasz wol nur eine nebenform des letzteren vorliegt, auf ein früheres, nicht belegbares letzede hindeutend; letze und letzte stehen zum verbum letzen, etwa wie egge occa und egde, ahd. egida zu eggen occare, oder wie ahd. leitî und leitida ductus zu leitan ducere u. ähnl. dasz aber letzte später, als sein eigentlicher sinn nicht mehr verstanden ward, unter anlehnung an das adj. letzt umgedeutet worden ist, kann nicht zweifelhaft sein, weil, abgesehen von der naheliegenden umdeutung, gerade die form des bairischen, wo das adj. noch in der alten, vom schriftdeutschen abweichenden weise erklingt, auf diesen übergang hinweist.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 821, Z. 56.

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Zitationshilfe
„Letzt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/Letzt>, abgerufen am 20.06.2021.

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