zins m.
Fundstelle: Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1473, Z. 18
das gesimse Lexer Kärnten 266; zins, n., gesims Frommann dt. maa. 6, 347.
zins f.
Fundstelle: Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1473, Z. 20
(jenisch) perücke Castelli Österreich u. d. Enns 281.
zins m
Fundstelle: Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1473, Z. 22
form. lat. census, m., wird ins deutsche übernommen zu einer zeit, als c- vor hellen vokalen bereits affriziert war; den anlaut z- wandelt das nd. sprachgefühl in t- nach dem muster von hd. zît: nd. tît 'zeit'. die von einigen vertretene annahme einer roman. zwischenform *tensus oder *t'ensus ist für die deutsche lautgeschichte unnötig. -e- wird zu -i- vor n mit einem weiteren konsonanten, in der glosse census cens (8. jh.) ahd. gl. 1, 92, 16 (alemann. umschrift eines bair. originals) aber scheint noch das mlat.-roman. -e- weiter zu bestehen. dies ist offenbar der fall beim mndl. cens, tsens, chens, während die vorherrschende lautform cijns durch berührung mit assise, assijns (vgl. sp. 1229 und v. d. Meer hist. gr. d. ndl. spr. [1927] 59) zustandekommt; davon wieder tijns aus voraufgegangenem *tins; nach Frings d. fremdwort b. Heinrich v. Veldeke (1950) 63ᵃ ist c- ost-, t- westmndl. das afries. läszt das as. tins unverändert. aus dem ahd. plur. zinsa ist atschech. cinže erst nach dem 10. jh. übernommen. flektiert im plur. als m. i-stamm: pensitationes zinsi (bair. 9.—11. jh.) ahd. gl. 1, 466, 47; vectigalium zinsi (11./12. jh.) 1, 700, 51; pensationes cinsi (Heinr. summ.) 3, 283, 38; akk. tinsi Heliand 3190; 3810; 5189; gen. tinseo 3207; im ahd. häufiger als a-stamm erscheinend: vectigalia cinsa (bair. 10. jh.) gl. 1, 438, 51; angaria cinsa (bair. 11. jh.) 2, 137, 54; tributa zinsa (gloss. Salom.) 4, 163, 49; 271, 23; akk. vectigalia zinsa Notker ps. 49, 8; dat. vectigalibus scinsun (10. jh.) gl. 2, 70, 18. seit dem 12. jh. in den glossen bezeugt, ist zinse die pluralform des mhd. und bleibt schriftsprachlich im obd. bis ins 19. jh. üblich, greift auch zum teil weiter nördlich, wobei ein unterschied zwischen grund- und kapitalzinsen nicht besteht, vgl.: ihr viel sind dazu fertig, zinse, renthe und anders gar genaw einzufoddern F. Rhot Jesus Sirach (1587) 1, 86ᵃ; rente und czinsse Stolle thür. chron. 4 lit. ver.; dem keyser zinse gebn Ringwaldt evangelia i 2ᵇ; als kapitalzinsen: die zinse und unkosten offtmals das capital ... ubertreffen Moscherosch gesichte (1650) 100; schosz den freygelassenen kapitalien auf zinse vor Heinse s. w. 2, 139 Sch.; die zinse häuften sich, und die kinder wurden gröszer U. Bräker s. schr. (1789) 1, 15; meinen schuldnern verschlägt es nichts, ob sie 3 monat früher oder später bezahlt werden, da die zinse fortlaufen (1782) Schiller br. 1, 78 Jon.; fünfhundert gulden jährige zinse Sonnenfels ges. schr. (1783) 2, 80. mit beginn des 14. jhs. beobachtet man in den obd. weistümern endungslose plurale, s. (Elsasz 1394) weist. 4, 59; (kt. Zürich 1461) 1, 53; (Salzburg 1494) österr. weist. 1, 300; Wickram w. 2, 307 lit. ver.; (Tirol 1744) österr. weist. 2, 206; daher scheiden die obd. mundarten heute sing. und plur. nicht, anderseits ist der schriftsprachliche sing. zins allein noch im obd. recht gebräuchlich, sowohl für kapitalzinsen wie für wohnungsmiete. ein sing. zinse erscheint einigemal bei Luther: darumb ist der zehend der aller feynste zinse 15, 321 W.; ein ziense ..., den 49, 46 W.; auch bei Chr. Weise: den zinse d. grün. jugend überfl. ged. 210 ndr.; ferner im zellischen stadtrecht (1712) 14. in böhmischen und preuszischen denkmälern wird der plur. auf -er gebildet: mit czinsern unde renten fontes rer. Bohem. 3, 398ᵇ; czinsser (1450) acten d. ständet. Preuszens 3, 159; ihre zinser und kirchenkleinodien Hennenberger ercl. d. pr. landtaffel (1595) 21; dt. hofordn. 1, 84 Kern; auch mnd. tinsere bei Schiller-Lübben 4, 546ᵃ. ein f. sing. zinse tritt bei Luther auf, vgl.: die erste fruchte, die sie den priestern ... solten williglich bringen als eyne ierliche zinse ... opffer aber ist keyne zinse 18, 104 W.; im md. raum verbreitet: eine liebe zinse Opitz opera geist- u. weltl. ged. (1690) 2, 32 (zit. III A 3); meist auf den zinsertrag von geld eingeschränkt: von der zinse Chr. Weise polit. redner (1677) 356; zur steten zinse ders., cur. gedanken 2, 190; eine grosze zinse bei Müller-Fraureuth 2, 707ᵃ; eine grosze zinse magnum foenus Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1094 (schles.); ebda einem geld auf zinse geben, es bleibt bei der zinse u. a.; zur zinse (1720) J. Chr. Günther s. w. 3, 99 Krämer; τοκος die zinse Lessing 6, 69 Lachm.; die zinse ist Stosch gleichbed. wörter (1780) 3, 517; zinse, f., zins, mietzins Weinhold schles. wb. 109ᵇ; zinse, f., mietsgeld für wohnungen Frischbier 2, 494ᵃ; nach Vilmar 470 ist das f. zinse in Niederhessen, das m. zins in Oberhessen üblich; belegt noch bei J. Möser s. w. 2, 327; weitere fälle in der verbindung auf zinse (III B 4). in dieser verwendung nennt Adelung² 4, 1721 das f. die zinse geläufiger als das m. der zins, nur bemerkt er, dasz davon eigentlich nur der plur. die zinsen gebraucht werde. es wird zutreffen, dasz diese form aus dem f. sing. des ostmd. hervorgegangen ist, was gelegentliches vorkommen schwacher pluralformen vom maskulinum anderswo nicht ausschlieszt, vgl. syner zinsen und gulten urk., br. u. acten z. gesch. Maximilians I. 428 Chmel; gen. pl. zinsen Zimmer. chron.² 1, 281 Barack; auch für den grundzins begegnet früh der n-plural: aber wie ungelert und nerrisch ir seyth, so fodert ir dannest die verdiente zynsen und detzem, rendte und güld ein mit groszem zwanck des armen mans Carlstadt erkl. d. 10. cap. Kor. 1 (1525) D 2ᵇ; etzliche zinsen der kirche J. Riemer polit. maulaffe (1679) 171; s. noch M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 157; Ranke s. w. (1867) 4, 49. nach schwanken im 18. jh. ist der form die zinsen 'entgelt für ein kapitaldarlehen' der sieg zugefallen, dem sing. der zins sind die bedeutungen grundzins und miete, mietzins, die letzte nur im obd., verblieben. selbst aus nd. mundarten wird in jüngster zeit der plur. tinsen oder gar zinsen gemeldet; in Mecklenburg jedoch ist de tins' am leben, auch Schambach Göttingen 231ᵃ hat den plur. de tinse. der gen. des sing. kommt selten vor: ain phunt haller ... jaerglichs zinses (1345) bei Fischer schwäb. 6, 1219; ores tynses (Harzvorland 1466) weist. 3, 266; wegen schuldigen zinses (mietszinses) theater d. Deutschen (1768) 18, 432. sehr häufig sind dativverbindungen mit präpositionen (s. III B 4). eine wortform zinst, m., ist im Nürnberger schrifttum sehr geläufig; bei Hans Sachs steht sie w. 6, 66 K. im reim auf gottsdienst, fab. 2, 132 G. auf dinst 'dienst', w. 5, 244 K. auf minst, im versinnern ist w. 11, 317 K. zienst geschrieben; ein dat. pl. in zinsten w. 19, 275 G.; Muskatblüt lieder 40, 26 Groote reimt dinst und zinst; zuletzt verwendet die form zinst noch Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 413ᵇ; 547ᵇ; 1104ᵇ; doch auch weiter verbreitet: qu. z. alt. gesch. d. fürstent. Bayreuth (1502) 1, 51; zienst (1537) Luther 47, 467 W.; Huberinus mancherley form zu pred. (1557) 181ᵃ; im zinste Marstaller pfarrteufel in: theatr. diab. 2, 120ᵇ; sogar preuszisch dînst: zinst schon bei Nikolaus v. Jeroschin kron. v. Pruzinlant 22 567. gegenüber dem älteren lehnwort got. mes, ahd. meas, mias tisch, das sich aus vulgärlat. mēsa herleitet, hat das ahd. zins das n vor s bewahrt, da es der offiziellen lat. verwaltungssprache entstammt und diese an dem alten schriftbild festhält. eben diese lautgruppe ns indessen ist bald die ursache eines starken lautwandels in einem teil des deutschen aufnahmegebietes: näselung, längung und zum teil diphthongierung, auch senkung kennzeichnen die alemannischen landschaftssprachen; von süden nach norden folgen aufeinander nasaliertes schweizerisches tsīs und tseis, tsēs, tsē̜s und schwäbisches tsaes, s. Jutz alem. maa. 145; Fischer schwäb. 6, 1219; Martin-Lienhart 2, 909ᵇ; tsiŋs gibt Jutz ebda 244 im Bregenzerwald und am nordufer des Bodensees an. schon akzentzeichen auf glossen des summarium Heinrici und vorher deuten den lautwandel an: vectigal cîns (bair. 10. jh.) gl. 1, 443, 57, census capitis zîns 3, 271, 46, tributa cin̂s, cîns, cìns 3, 120, 16—17; für das 13./14. jh. bezeugt der reim Ferevins (d. i. Feirefiz): zins Reinfried v. Braunschweig 8926 den eintritt des lautvorgangs im Appenzeller gebiet; andere zeugnisse: pfening zeins (Oberelsasz 1429) weist. 4, 140; viele belege dieser art aus dem 16. jh. bei Fischer schwäb. 6, 1219; daher das wortspiel 'zinslein' und 'zeisig', s. III B 6. auf längung deuten auch die verbreiteten ie-schreibungen des md.: zienss plur. (Hunsrück 1539) weist. 2, 173; ziens dat. sing. Luther 28, 520 W., oft; das gut sampt seinen zienssen (1543) stadtr. v. Arnstadt in: A. L. J. Michelsen rechtsdenkm. a. Thür. 69; alle zienser (1575) mon. hist. Warmiensis 8, 271. senkung herrscht im westmd.: von sinen zensen (Untermosel 1409) weist. 2, 311; zens Rovenhagen Aachen 167ᵃ; geschlossenes e in Elberfeld, Siegerland, Niederhessen.
bedeutung. vom lat. census geht auf seinen abkömmling zins nur die bedeutung seiner dritten entwicklungsstufe über; an den beiden ersten, 'schätzung der vermögensumstände des römischen bürgers' und 'vermögen, einkommen', hat zins keinen anteil. im gegensatz zu der ursprünglichen anwendung bildet sich die dritte stufe am provinzialcensus aus, und zwar hat sich dieser vorgang allem anschein nach im sprachgebrauch hellenistischer provinzen vollzogen; hier übernahm die griech. verwaltungssprache das lat. fachwort in der form κῆνσος zunächst in der eigentlichen bedeutung 'ἀπογραφή, schätzung', bald aber wandelt sich diese und κῆνσος bezeichnet die von den römischen statthaltern den provinzialen auferlegten abgaben, vornehmlich das tributum und das vectigal; so schon in der sprache des neuen testaments, wo Matth. 22, 17 κῆνσον διδόναι 'steuer zahlen' und 17, 25 κῆνσον λαμβάνειν 'steuer einziehen' als ausdrücke des steuerwesens vorkommen; vgl. dazu die glosse des Suidas κῆνσος 'ἐτήσιον τέλος' d. i. 'vectigal annuum' und des Hesych 'ἐπικεφάλαιον', d. i. 'tributum capitis'. die neue bedeutung begegnet zuerst im anfang des 3. jhs. bei Tertullian idol. 15: praestandusne esset census Caesari an non, und gilt danach in den lat. übersetzungen des neuen testaments. im 4. jh. übernimmt census auch den begriff des tributum soli, jetzt fundorum genannt, die grundsteuer, woraus in der Merowingerzeit die abgabe wird, die der an die scholle gebundene bauer dem grundherrn zu zahlen hat. das bleibt so während der dauer des lehnswesens, bis sich mit dem aufkommen neuer wirtschaftsformen die bedeutungen 'geldzahlung für eine geliehene geldsumme' und 'haus- oder wohnungsmiete' dazugesellen. in den roman. sprachen macht das wort diese weiterentwicklung nicht mit, vgl. ital. censo, frz. cens 'grundzins'. der gegensatz der wirtschaftsordnungen wird an den beiden erklärenden belegen deutlich: zinss 'ist eine jährliche entrichtung, so dem grund- oder lehnherrn von einem gut gebühret, und an gelde, getreide, flachs, hünern u. d. g. entrichtet wird' compend. u. nutzb. haussh.-lex. (1728) 1078; zinse 'wird genennet die summe geldes, welche man stat des nutzens eines geliehenen capitals zahlet' Wolff mathem. lex. (1747) 1446. beachtung verdient die im begriff zins liegende vorstellung des zwanges auf seiten des zinspflichtigen und anderseits des rechtes der forderung bei dem empfänger. da das urkundenwesen noch jahrhunderte lang nach der aufnahme des lehnwortes zins beim latein verharrt, rechtfertigt sich die heranziehung einiger belege aus lat. urkunden, um die bedeutungsentfaltung und den gebrauch des wortes zins recht aufzuhellen.
I.
zins als öffentlich rechtlicher und wirtschaftsgeschichtlicher fachausdruck des mittelalters.
A.
seine antike vorgeschichte, wie sie sich im deutschen schrifttum spiegelt.
1)
seine lat. entsprechungen. das deutsche zins faszt, die mit dem lat. census selbst begonnene bedeutungsentwicklung fortsetzend, die älteren lat. fachausdrücke tributum (sowohl tributum capitis als auch tributum soli), vectigal als naturalabgabe vom boden und das seltene scriptura zusammen; vgl.: iu uuas sito, so regiones prouintie̜ uuurten, daz man hîez sîe zins keben ... unde nû haben uuir fernomen uueliche uectigalia (glosse zinsa) er uns uuile indicere Notker ps. 49, 8 Sehrt-Starck; sô ih sah tero lantliuto gûot ferôset uuerden umbe frônozins (provincialium fortunas pessumdari ... publicis vectigalibus) Notker Boethius 29 Sehrt-Starck; tributum zins vom lande voc. inc. teut. (Straszb. ca. 1495) E 2ᵃ; voc. primo ponens (Straszb. 1515) m 2ᵃ; ager vectigalis davon man zinse gibt Orsäus nom. method. (1623) 191; ager scripturarius ein acker umb einen gewissen zinss nomencl. lat.-germ. (1634) 359. Mommsen übersetzt das vectigalia seiner quellen durch zins: dasz von da an jede (griechische) gemeinde einen festen zins nach Rom entrichtete röm. gesch. 2 (1865) 48 anm.; schlug der volkstribun Marcus Livius Drusus vor, den gracchischen landempfängern den auferlegten zins zu erlassen ebda 122.
2)
zins im sprachgebrauch der bibel. die erste dt. bibel setzt streng zins an den alttestamentlichen stellen für tributum der vulgata, während sich Luther freier gibt: 5. Mos. 20, 11, 1. Sam. 17, 25 (wil seins vaters haus frey machen Luther), 2. kön. 8, 1 (den dienstzaum Luther), Esra 4, 13, Jes. 14, 4, 1. Makk. 10, 29; auch tributarius wird durch zins wiedergegeben Jos. 16, 10, von Luther Esther 10, 1; reditus übersetzt die erste dt. bibel 1. Sam. 8, 15, Luther Esra 4, 13 mit zins, zinse; auffällig ist bei ihm ebda ἀπὸ τῆς τιμῆς τοῦ ἁλός, pretia salis den zins vom saltz. im neuen testament geht es Matth. 17, 24 um die tempelsteuer der Juden, deren jährlicher betrag für eine person ein δίδραχμον war; diese stelle beziehen die übersetzer unrichtig auf den tribut an den oberherrn; daher hat der Tatian dafür zinsscaz, die erste dt. bibel den zol, Luther den zinsgrosschen; ähnlich auch der Heliand:
thero hobidscatto,   the sie te themu hobe scoldin
tinsi gelden
3190;
vgl. noch: da die zoͤlner des keisers zins an S. Peter fodern Mathesius Sarepta (1571) 174ᵃ. an den übrigen stellen handelt es sich um die provinzialabgabe an die Römer, die seit dem census von 6 n. Chr. (Luk. 2, 1) erhoben wurde und die Luk. 20, 22 φόρος, vulg. tributum, Matth. 22, 17 κῆνσος, vulg. census genannt wird. die übersetzungen und der nachklang in dem frühen schrifttum gebrauchen dafür einheitlich zins, während Luther in schos und zinse scheidet:
huilic reht haƀad
the kêsur fan Rûmu,   the imu te thesumu kunnie herod
tinsi sôkid
Heliand 3810;
fragetun thes sindes   thes keiseres zinses
Otfrid IV 6, 30;
ouh widorot ni wantin,   er siro zins gultin
ebda I 11, 21;
gezimpt den zinss ze geben dem kaiser, oder nit? Matth. 22, 17 (Luk. 20, 22) erste dt. bibel; ists recht das man dem keiser zinse gebe, oder nicht? Matth. 22, 17 (das wir ... den schos geben Luk. 20, 22) Luther; meister sal man demo cheisere zins kebin alde nehein? Notker ps. 34, 20; 57, 7; 108, 3; muoz man demo cheisere zins keltin? ebda 101, 9;
si (die Juden) frâgeten obe ir frîez leben
dem rîche iht zinses solte geben
Walther v. d. Vogelweide 11, 22 L.;
den Jesu vorgezeigten denar mit dem bilde des kaisers Tiberius nennt der griech. text Matth. 22, 19 τὸ νόμισμα τοῦ κήνσου, die vulgata numisma census, der ahd. Tatian 126, 2 then muniz thes zinses, die erste dt. bibel die múntze des zinses und Luther die zinsemüntze; Luk. 23, 2 entsprechen sich φόρους διδόναι und tributa dare; der ahd. Tatian 194, 2 übernimmt das lat. wort als fremdwort then tribuz; die erste dt. bibel gebraucht den zinsse; bei Luther erscheint den schos; die altdeutschen bibelgedichte verwenden zins:
that uui ni motun te themu hobe kesures
tinsi gelden
Heliand 5189;
quadun er ni uuolti,   thaz man zins gulti,
thie liuti furdir mera   in thes keiseres era
Otfrid IV 20, 21;
vgl.:
widder den keiser seczt er sich:
sin zinse hie uns vorboit
Alsfelder passionsspiel 3468 Grein;
das paar τέλη ἢ κῆνσον Matth. 17, 25, worin τέλη auf die von den zöllnern erhobenen zölle, steuern und anderen öffentlichen abgaben geht, wird in der vulgata nur ungenau durch tributum vel censum ausgedrückt (s. einl.); der ahd. Tatian folgt 93, 2 sklavisch mit thribuz odo zins; in der ersten dt. bibel liest man den zins oder den zoll, bei Luther den zol oder zinse. zutreffend erscheint Röm. 13, 7 τῷ τὸν φόρον τὸν φόρον, τῷ τὸ τέλος τὸ τέλος in der vulgata als cui tributum tributum, cui vectigal vectigal und in der ersten dt. bibel in dem wortlaut dem den zins den zins, dem den zol den zol, Luther schreibt schos, dem der schos gebürt, zol, dem der zol gebürt; aus Matth. 9, 9 καθήμενον ἐπὶ τὸ τελώνιον, sedentem in telonio entnimmt der Heliand 1195:
scolda thar te is hêrron   handun antfâhan
tins endi tolna
und eine lat. Essener glosse zu Matth. 5, 46 erklärt: publicani dicuntur qui vectigalia et publica lucra sectantur, was der as. glossator mit the then frono tins escodun endi toln namun wiedergibt Wadstein 49ᵃ. spätere zeugnisse: (Petrus und Christus) die doch sonst nach dem eussern menschen der oberkeit gehorsam zol und zins gaben S. Franck sprichw. (1541) 2, 4ᵇ; dem kaiser zins geben dar' il censo à Cesare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵃ. zins gibt auszerdem in der ersten dt. bibel das lat. stipendium wieder: contenti estote stipendiis vestris und seyt genúgend ewer zinss Luk. 3, 14; stipendia enim peccati, mors wann der zins der súnden ist der tod Röm. 6, 23; wofür in übereinstimmung mit den frühen obd. handschriftlichen übersetzungen seit der Zainer bibel solt erscheint; vgl. Vollmer bibel u. dt. kultur 4, 11; Luther gebraucht sold.
3)
eine gelehrte belebung der ursprünglichen bedeutung des lat. census. die ἀπογραφή und descriptio Luk. 2, 2 findet verschiedene wiedergabe: gilstrameleins Wulfila, thaz giscrib Tatian, beschreibung erste dt. bibel, schatzung Luther, Otfrid allein gebraucht zins, aber in der bedeutung des lat. fachwortes census als actio censendi, als eintragung des namens, alters, standes und des vermögens:
ni si man nihein so veigi,   ni sinan zins eigi
heime, quad, zi ware,   zi sinemo altgilare
I 11, 10.
B.
als staatliche und grundherrliche abgabe.
1)
tribut. als zeichen politischer abhängigkeit und botmäszigkeit, vom oberherrn unterworfenen völkern auferlegt oder von provinzen an die reichskasse, so namentlich im römischen reiche, entrichtet. diese bedeutung überwiegt in der ahd. und mhd. literatur, da solche verhältnisse in ihren quellen, der bibel, den geschichtlichen stoffen der antike und den Artusromanen, vielfach geschildert werden. als tribut kommen vor die lieferung von viehherden, feste abgaben vom bodenertrage, gewöhnlich aber geldzahlungen, vgl. rechtsalt.⁴ 1, 500 f., R. Schröder rechtsgesch.⁶ 206 und die folgenden belege. der Tristanroman kennt gar menschentribut:
und alse der zins uf sine vart
hin wider Irlant geschicket wart
und daz vünfte jar in gie
Gottfried v. Straszburg Tristan 5979 Ranke.
einen räudigen hund schickt Heinrich I. den Ungarn:
seit, den könnich von Ungern vröchte he also harde,
dat he eme dat schöne breckelin to tinse sande
Eberhard v. Gandersheim 1394.
kamele als tribut: doch gebent die selben Arabes dem solldan järlich vil kämel zu zins (1346) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 61. aus der mhd. dichtung:
dâ vant er boten Darios
aines geweltigen chuniges,
der den zins von sînem fater Philippus wolde enfân,
wander Dario was undertân
Vorauer Alexander 471 Kinzel;
mit kraft si undirwundin
sih da des landes in Basan,
das ez in müste undirtan
wesin und sinis zinsis gelt
uf dú nehesten bivelt
Rudolf v. Ems weltchronik 14 468 E.;
und nimet mich imer wunder,   sît er dîn eigen ist,
und du über uns beidiu   sô gewaltic bist,
daz er dir sô lange   den zins versezzen hât.
dîner übermüete   sold ich von rechte haben rât
Nibelungenlied 768, 3 Lachm.;
ich bin Feirefîz Anschevîn,
sô rîche wol, daz mîner hant
mit zinse dienet manec lant
Wolfram v. Eschenbach Parzival 745, 30.
in übertragener verwendung von der zinsherrschaft Luzifers über die welt:
sie weiz daz wol und ist auch war,
daz sie uns ietzund manig jar
gedient hat mit rehte,
sie und ir geslehte.
sie ist in unsern zins geschriben
und manigen dag dar inne bliben
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 1449 Singer.
aus der römischen geschichte: as do die Romer alle die werlt under sich hadden ind eyn yeclich lant yen tzyns ind tribuyt geven moyst pilgerf. d. ritters v. Harff 21 Groote; in was auch schwer der zinss unnd tribut, das mann inen auffgelegt unnd gebotten hett ... zuͦ geben Carbach Livius (1551) 334ᵇ; und nach etlichen iaren ward der zinss von Franckrych ersuͦcht zuͦ geben Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 16 ndr. aus Osteuropa und dem Orient: und daz diu stat Venedig ewigen zins dienen sol dem küng von Ungern (Augsburg) städtechron. 4, 67; in gemeltem reich wirt das volck also mit jerlichem tribut und andren zinssen belestiget S. Franck chron. d. Turckey (1530) C 4ᵇ; undt es musz (in Damaskus) ein jedes häupt, das 17 jahr alt ist, 50 maidin dem kaiser zins zahlen bei Röhricht pilgerreisen (1880) 437. aus der deutschen geschichte: quicquid ... censuali iure a subditis nobis Sclavorum nationibus ... in argento ad publicum nostre maiestatis fiscum persolvitur (urkunde Ottos I. von 965) meckl. urkundenb. 1, 19; census autem Sclavorum ... erit de unco tres mensure siliginis, qui dicitur kuriz, solidus unus, toppus lini unus, pullus unus (urk. Heinrichs d. löwen von 1158) ebda 1, 58; XXVIII solidos Brandenburgenses de tributo, quod dicitur thins, percipere annuatim consuevimus (1303) meckl. urkundenb. 5, 125. vgl. auch die verse des archipoeta:
de tributo cesaris nemo cogitabat
omnes erant cesares, nemo censum dabat
civitas Ambrosii (Mailand) velud Troja stabat
deos parum, homines minus formidabat
11, 11 J. Grimm;
der deutsche kaiser nimmt die weltherrschaft in anspruch, alle könige sollen ihm tribut geben, nur den Franzosen wird ... gestattet, den zins durch waffendienst abzutragen Scherer litt. gesch.⁷ 78; bisz her mehr dan hundert jar solch gelt (den Türkenpfennig) eingenommen und nu einen schuldigen, vorpflichten zinsz und auffsatz darausz gemacht Luther 6, 418 W.; schon 1013 ist der piast Boleslav, der eroberer Schlesiens, verpflichtet, dem papst von seinem lande einen jährlichen zins zu entrichten, den Peterspfennig G. Freytag ges. w. 16 (1887) 448; er (d. papst) erneuerte die belehnung mit Neapel (1529) und hob den dafür herkömmlichen zins auf, die darbringung des zelters war das einzige, was er sich vorbehielt Ranke s. w. (1867) 3, 85; gott Christus spricht zu Bonifaz: darumb wil ich nicht, dasz ein mensch zinse oder zehenden geben soll einem andern menschen, von seinem selbest eigenen leibe Binhardus thür. chron. (1613) 37.
2)
öffentliche abgaben.
die fürsten twingent mit gewalt
velt, stein, wazzer unde walt,
dar zuo beidiu wilt unde zam;
sie tæten lufte gerne alsam,
der muoz uns doch gemeine sîn.
möhten s' uns der sunnen schîn
verbieten, ouch wint unde regen,
man müeste in zins mit golde wegen
Freidank bescheidenheit 76, 12 Bezz.;
er gienc zuo Gawâne,
den zins von dem plâne
den iesch er zühteclîche
Wolfram v. Eschenbach Parzival 544, 20;
preterea absolvimus eos a censu de agris (1253) meckl. urkundenb. 2, 35; und welche provincie den schadin hot geledin, der schonit her (der chan) und let yn den czins des jaris und schickit yn kost unde samen von dem synen md. Marco Polo 27, 31 Tscharner; gebt der obirkeyt, die das schwerdt yn iren henden hat, seyne gebüre, den tzinss, wem der tzinss tzustehet, den tzoll, dem er geburdt (1521) Luther 9, 704 W.; der weltliche gewalt musz mann zynsse und schosz geben ebda 10, 3, 121 W.; denn was ist das, das wir wenen, wenn wir der öbrickeit rent und zins odder erbeit des leibs geben haben, so haben wir sie bezalet? ebda 26, 208; darum werden aber sonst fürsten und herrn tribut, geleite, jahrrente und zinse gegeben, dasz sie umsonst uber den regalien halten sollen (1538) ders., tischr. 3, 610; und Hiram hatte dem könig gesand hundert und zwenzig centner goldes. und das selb ist die summa der zinse, die der könig Salomo auffhub, zu bawen des herrn haus 1. kön. 9, 15; dasz, wo nur immer ein neuer zins und eine neue anlage mit unrecht aufgebracht worden, solche wieder sollen abgethan werden (unter den Merowingern) M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 254; mit zins und steur verschonen dare immunitatem Frisch 2, 219ᵇ.
3)
die mittelalterliche grundherrliche wirtschaftsform stellt sich im lichte des wortes und begriffs zins so dar.
a)
als abgabe aus dem ertrage von grund und boden; diese war nicht ablösbar und wird daher gelegentlich als dauernd, ewig bezeichnet, so im folgenden beleg: ipsi ecclesie Celiporte in censum perpetuum triginta solidos denariorum Brandenburgensium promisimus solituros (1318) meckl. urkundenb. 6, 347;
daz wær allez guot, niwan der ungefüege zins.
des diu kinder solten leben,
daz muoz ich ze stiuwer geben
Neidhart v. Reuental 73, 15 Haupt;
alle die ze Bischoffingen win verkoufent alde koufent, alde gent ze zinse, alde nent, die sun bi einem amezuber gen bi endinger messe (1279) corp. d. altdt. originalurk. 1, 355; der giltet zu zinse 4 malter roggen, 3 malter habern, 10 β Costentzer (13. jh.) bei H. Fischer schwäb. 6, 1220; der hof giltet ze cinse 12 qu. roggen, der koment 10 von der muli, diu giltet och dar zu 1 swin, daz 10 sol. sol wert sin ... der ... hof ze Hirsingen giltet ǒch zu cinse 10 [[undefined:poundsign]] baseler und 40 qu. habern, 6 sthüke flachs, und von 1 guͦte ze Ruͦderbach 4 hünr, von akern 4 hünr und 1 gans, und aber von einem aker 4 hünr (Elsasz 1303) weist. 4, 14; disiu guͦt geltent järlichz ze zinse 10 schilling ..., ain viertel aier und zwai hünre (1341) württ. gesch. qu. 9, 222; wer ouch dem gotzhus die vorgenanten zinse, es sie an pfenningen, an habern, an schulteren (von schweinen), an eigern, an fronern, an wispfenningen (weisgeld) oder an andern rechten ... nüt engit (Südbaden 1397) weist. 1, 341; diser hof hat auch das recht, das die frucht, wein, korn und anders dergl. zins und zehend, uf dem grund er do wächst, in das closter Ittenwiler geben werden soll (Unterelsasz) weist. 1, 688; item aber sagend sie ..., das der kellhof zu Wellhausen zu jährlichem zinss gelten soll 24 mltr. kernen zwey jahr und am driten jahr 21 mltr., und 2 viertel kernen Weiler mäsz, und 7 malter haber, und 2 schwein, die sollen gelten ein pfund pfenning (Thurgau) weist. 1, 252; da erfuhr ich ..., dasz mir dasz wiesslein ein sommerhanen zu zinnss gab Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 97 Bieling; zinss, schosz an die herrschafften cens, taille, tribut Frisch nouv. dict. (1730) 689. hier trifft man auf einen königszins: (die gülte ist belastet mit 101⁄2 sester frucht) in des kuniges zinsun gegen Ceringen (Freiburg 1307) veröff. a. d. archiv v. Freiberg i. Br. 1, 25 Poinsignon; rechtsbestimmung: was aber usstünd elter dann drü jar daz weri nit mer zins sunder ain schuld, uszgenomen herren zins, da ist dhain gewer für, daz ist wes das gericht und die vogtye ist, was nutzung der in den selben gerichten hat, daz ist herren zins (St. Gallen 1469) weist. 1, 197. naturalzins kann auch auf persönlicher zinspflicht, die aus leibeigenschaft hervorgeht, beruhen, so namentlich bei zinshühnern. das wort zins kann prägnant für die naturalabgabe selbst stehen: wer ǒch, daz der huͦber und der forster einander nit gruͦszetent, stet denne ein grendel vor dem hof, so mag der huͦber dargan und mag die zinse in ein tuͦchelin an ein steckel binden und bittet sie in dor in (Elsasz 1382) weist. 4, 74; er ... soll nemen einen sackh off dem wagen, da die zinss ligendt, und soll in tragen zu dem wein, und soll essen und trinckhen (Elsasz 1394) ebda 59; yst der zins goit und den scheffen gevellich, so sall man den yn der herrn vasz thoin und were das nit, so sall der zinsman andern goiten win holen (Untermosel 1446) ebda 2, 443; item den tzins sall men bezalen up die sailstede ader hoifsstede und die sullent den voirt vueren up di tinsbank (Niederrhein 1480) ebda 761; item Ulin Lütolt git von ainem garten hinder sinem huss alle iar 100 fisch ... und so er den zins bringt, so git man im zway brot und ain quart wins (Thurgau 1521) ebda 4, 417; ein maier ... soll ... die zinse ufheben und innemen, uf einen haufen alle schueden, und soll von dem haufen den vogtherrn ... liebern ... 24 hoefemaszen (Hochwald 1537) ebda 6, 476; dise huober sollen disen zinss geben in disem hove und nienen anderschwo. hie soll auch ein bitte stöhn, darein mann den zinss schüttet (Oberelsasz 1551) ebda 4, 246; so dan er nit kompt, soll er andern tags kommen, und in einer hand seine zinss, und in der andern die boesz für den hern (Obermosel) ebda 259. damit deckt sich der gebrauch von gülte, s. teil 4, 1, 6, sp. 1077.
b)
von anfang an bestand ein geldzins zur recognition eines obereigentums (bei lehen): quicunque ex largitione nostra de rebus praefatae ecclesiae beneficia habetis, nonas et decimas vel census annis singulis ... dare non negligatis (um 814) mon. Germ. hist. leg. sectio V 302; mansus annuatim solvit nummum unum pro censu in die sancti Martini (Bremer Hollerländer 1181) brem. urkundenb. 1, 63; die zinss geben sie (die untertanen) pro recognitione der ligenden gründe, die sie besitzen Neumayer von schatzungen u. steuren (1632) 1. dieserart sind die königszinse in Bremen, wovon das brem. wb. 5, 72 sagt: 'königstinse eine geringe jährliche abgabe von einem oder zween schwaren, welche aus einigen häusern unserer stadt, theils dem stadtvogt, theils einigen geistlichen stiftungen, auch wol einigen bürgerlichen familien, um Martini entrichtet werden musz'. der geldzins wurde bisweilen neben dem naturalzins für die nutzung überlassener ländereien ausbedungen; belege s. oben a; andere: und die pfening und kornzinse ... bar bezalen und uszrichten (Elsasz 1508) weist. 1, 165. er tritt als ersatz für viehzins, als entgelt für allmende- und weidenutzung, für holzschlag in einem herrschaftlichen walde oder fischfang auf, und schlieszlich werden vielfach alle dienste, sonstige pflichtigkeiten und grundzinsen in jährliche geldabgaben umgewandelt: tali adiectione apposita, quod quilibet mansus ... pro pensione et censu nobis conferat singulis annis ... II1⁄2 tremodium siliginis et II modios siliginis et XX modios ordei, insuper et XXVI modios avene, IV vero solidos de censu porcorum, quod vulgare suinscult dicitur (1296) meckl. urkundenb. 3, 635; von der wis ... ze zins rihten und gen 34 schilling ... uff sant Michels tag (1372) württ. gesch. qu. 9, 488; item deilen wir und weisen, das unse frauw ... hat die mercker belenet mit den welden, boisch und froinfelden umb sechs schillingh gelts erblichs zins (Breisich 15. jh.) weist. 2, 634; so hat ain hub geben 4 [[undefined:poundsign]] zeinss oder heugeld (1525) bei H. Fischer schwäb. 6, 1219; jahrligs achtzehen fuder weins grundzins, darzu sechs fuder weins, für wasser, weide, berg und filssen (Untermosel 1546) weist. 6, 524; den hürten und uns (sollen die bauern) den gewonlichen zins antwurten (Tirol 16. jh.) österr. weist. 4, 83; es sollen auch die dorfmaister die alben und waiden, da man mit dem hiertenstab nit hinkomen und in gmain nit beschlagen kan, alle jar umb ain zins verlassen (Tirol 1590) ebda 3, 132; 2, 27; 2, 156; wellent sy aber den sew selbs behalten ..., so söllent sy den zins davor geben (Solothurn 1514) G. Franz d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 73. als abgabe aus dem salzbergbau: es sol auch der herr oder wen er besunder darzu schaffet ainen schlussel haben zu der ausferigen puchsen, das er wisse, wann er oder sein richter irr zins gewert werden (Salzburg 1426) österr. weist. 1, 89; so ein herr seinem zinsmann den zins, es sei käs, traid oder anders, in gelt anschlagt, alsdann ist es ain schult und nicht mer zins, darumben soll er pfenten nach lantsrechten, und nicht, wie zinsrecht ist (Tirol 16. jh.) ebda 5, 613. vgl.: ist darnach vertragen iährlich zinnsgeldts für die nachtställungh, 14 alb. rader (Untermosel 1500) weist. 2, 405. städtische baustellen wurden gegen einen erbzins, census arealis, worttins vergeben: de qua area ... dabit annis singulis ... quatuor marcas cum dimidia ad iustum censum arealem (1295) meckl. urkundenb. 3, 582; dieser worttins wird dauernd, ewig genannt: Arnoldus Quast senior locavit Hermanno Corloys hereditatem unam ... ad censum arealem perpetuum, de qua dabit V1⁄2 marcas denariorum quatuor anni temporibus pro censu areali, et sic perpetuo possidebit (1305) ebda 5, 194; wer ein hutten (verkaufsbude) will setzen, der soll geben dem zoller vier pfenning und dem abbt seinen zinss (Oberelsasz 1339) weist. 4, 187; item ob einer ... ein hus uff des gotzhus hoffstat buwen welte, das soll dann stan an einem vogt und gotzhuslüten, was er dem des die hofstat ist darvon ze zins geben sölle (Winterthur 1472) weist. 1, 126. der käufer eines hauses haftet für den arealzins: und sol ouch dasselbe hus hin nanfürder verzinsen und die zinse jerlich rihten und geben (1392) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 14, 15, 23. erbzins für den jüdischen friedhof: alleine die hie seszhaft sint oder wellent sin und har koment, gebent alle jare davon ein pfunt Strazburger pfenninge zuͦ zinse (Straszburg 1383) städtechron. 9, 983.
c)
verträge unter gleichberechtigten; hierbei wird der pachtzins als freier zins vom grundzins unterschieden; ältestes zeugnis der freie zins in Erfurt, der um 1500 erwähnt wird, aber nach der begründeten vermutung des im folgenden genannten herausgebers als ein zins von 'freien gütern' aus den privilegien südniederländischer siedler des 12. jhs. herrührt: darnoch uff den nhesten werktag noch sanct-Mertins tag hebt man ane zu sitzen, die freien zinsse von den freien güttern in zu nemen in: A. L. J. Michelsen rechtsdenkm. a. Thür. 309; schickt man den fribotten ... vor derjenen hewsser, die den freyen zynsse nit geben haben ebda 311. spätere fälle: item wir wissen (weisen), dasz die genen, so fry zinss geben, die sollen, so man zinss, den schoeffen furzubringen frevell, bruch und uberbuw (linksrhein. Pfalz 15. jh.) weist. 4, 621. von freizinsern im Allgäu, die persönlich frei, aber wirtschaftlich und rechtlich stark von ihren herren abhängig waren, ist bei G. Franz dt. bauernkrieg 1, 17 die rede; es ist auch kein freyman schuldig heergewette, baulebung, frauengeräth und andern dergleichen zu geben, sondern freyet sich allein mit dem freyen zins (hochstift Hildesheim) weist. 4, 664; so iemants were, der seinen grundtzins und freie zins nicht uszricht (Untermosel 1532) ebda 2, 352; der gemain man ... mag auch frei ledig eigen guet haben, dient seinem herren, der sunst kain gewalt über in hat, jerliche güld und zins und scharwerk Aventin bayer. chron. 1, 42 Lexer; umb denselbigen zynss, szo eyn ander gybt, wyll ichs (das vorwerk) von hertzen gerne annehmen (1539) bei Luther br. 8, 421 W.; das sein lieber vater seliger vor viertzig jarn zwu laszhufen ... umb einen jerlichen zinss zu bawen und zugebrauchen angenommen (1539) ebda 8, 445; der zinss gibt pensionarius Dasypodius (1536) 465ᵃ; ein acker auf zinse ausgetohn ager scripturarius, vectigalis Stieler stammb. (1691) 2651; der zins überstieg alle jahr die losung Bräker s. schr. (1789) 1, 18; auf kleinen gütchen schlage man den zins nicht heraus J. Gotthelf ausg. w. 2, 348 B.; tins, tinse 'tribut it. die pacht, welche ein meier seinem gutsherrn gibt. wenn dieselbe in naturalien entrichtet wird, so nennet man es tins-eier, tins-höner, tins-koorn, tins-roggen etc.' brem. wb. 5, 71; in den verschreibungen, da einem ein stück landes, für die zinse eines gewissen capitalis zu gebrauchen, eingethan wird Dietrich v. Stade erl. u. erklärung (1711) 27. pacht der jährliche zins von einem landgute Gottsched dt. sprachkunst (1748) 90. verpachtung eines schiffes: sover aber ain haubtman die schefvischer nit in seiner speisung und bsoldung behaltn und das schef nit selbs fuern wolte, so mag er das schef ainem oder zwaien umb zins, wie si das nach gnaden ertragen mag, verlassen (Tirol 1505) österr. weist. 5, 7.
d)
rechtliche bedingungen: swer daz (ein gut) in nut unde in gelde hât unde den tzins dâ ûz nymt ..., de hât de gewere dâ an Sachsenspiegel lehnrecht 14, 1 Eckh.; molen aber unde munte unde allerhande toln unde hûve unde gût zu tzinse oder zu plege ûzgetân ne mût anderweide nieman zu tzinse dûn ebda 60, 2; von den huͤben nimt der brobst wisunge und cins (Breisgau 1301) weist. 4, 479; so daz äcker uff unsern güttern erwachst, darvon wir stur und zins geben, so bedörfen wir sollich äcker nit lesen, besonder vorhin umb die vorstmayster beston (Urach 1514) G. Franz dt. bauernkrieg, aktenbd. 80; so wollen wir ... alle neugewunnen lender bereiten, ausmeszen, gebürlichen zins daruff setzen (Brandenburg 16. jh.) dt. hofordnungen 1, 32 Kern; wurde ein matt ze acker gemacht, die gebe kein zins, und were vellig; also wurde aber ein acker zu einer matte gemacht, die gebe zins und were vellig (Unterelsasz) weist. 1, 681; die vurgen. stade guter seint frey, ledich und loss aller zinsse, burden und beswernuss (Untermosel 1315) ebda 2, 326; wan die aigenschaft des guts ist des buwmanns, und die zins der herrn (Thurgau 1432) ebda 1, 276; wann ein prelat, herr oder landtman einen grundt oder guett einem andern umb ein järlichen zinss oder dienst erblich aufgibt, so hat der zinssman, der das guett oder den grundt sollicher maszen aufnimbt, an dem grundt oder guet das nutzlich aigenthumb (Niederösterr. 1522) Bernhard Walther privatrechtl. traktate 3 Rintelen. abtrag einer schuld: sol mins vatter schuld bezaln ... und dar an soll ich allu jar geben zuͦ dem nüwen zinss an dem alten zinss besunder an der schuld zway pfund, zway malter rocken, zway malter habern, bisz ich genzlich die schuld bezale (1431) württ. gesch. qu. 14, 118; geboten zins eine von der herrschaft auferlegte abgabe, nicht ein nutzungszins: idem 1 sol. uff Walpurgen gebothen zinss (Erfurter gegend 1456) rechtsdenkm. a. Thür. 334 Michelsen; auch: 16 pf. uff Walpurgen erff gebottener zinsse ebda; vorbehaltener zins census reservationis ist der grundzins, welchen sich der eigentümer eines grundstücks bei dessen überlieferung zum zeichen seines gehabten eigentums oder eines beibehaltenen obereigentums oder auch eines wahren grundeigentums vorbehält, vgl. J. Fr. Runde privatrecht (⁵1817) 466. zins und dienste: si villani vel mansionarii debitum censum vel servicium s. Maximino et abbati volunt denegare (Trier 1056) weist. 4, 740; XII mansi, de quibus proveniunt XVIII talenta siliginis et XII talenta ordei pro censu et servitio (1264) meckl. urkundenb. 2, 240; ein groszer teil der unfreien kam auch dadurch in eine bessere stellung, dasz ihnen güter zur selbständigen bewirtschaftung gegen zins und dienstleistung auf dem herrenhof übertragen wurden Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 13. im hörigkeitsverhältnis: qui censum de capite suo persolvit (Prüm 1103) weist. 4, 756; als zins und zeichen, dasz der einziehende der herzogin mann, war ihm gesetzt, alljährlich fünfzig maulwurfsfelle einzuliefern Scheffel ges. w. (1907) 2, 50. übertragen: die fabel von hand und füszen ... die dem müszigen haupt und fressenden bauch ... nimmer zins gaben Schupp schr. (1663) 831.
e)
über das verfahren bei der entrichtung des grundzinses belehren folgende zeugnisse: ist aber der hof niht gewert an dem lehen, fur sine zinse, und fur siniu wette mit dem lehen, so sol im der vogt rihten abe gens libe und abe sinem gute, der den zins da sol (Oberrhein 1279) corp. d. altdt. originalurk. 1, 355 Wilhelm; welicher urbarsman seine zins und dienst aufgesetzter zeit nit gäb, ... spricht man zu recht, das derselb sambt dem zins 1 phunt phening wandl verfallen sei (Tirol 16. jh.) österr. weist. 3, 375; das ieder seine zins und gülten seiner herrschaft inner und auszer lants zu der rechten zinszeit abrichte und bezale (Tirol 17. jh.) ebda 2, 108; nimmt keinem bauer zinsen ab, die er nicht um die bestimmte stunde bringt Göthe III 1, 81 W.; umb zins mag ain ieder angreifen das, das auf dem seinen gewachsen ist (Tirol 1548) österr. weist. 3, 294. bei erbfall: sturbe ǒch ieman der nút vihes hette, der sol als vil ze val geben als er ǒch ze zins git (Luzerner gebiet 14. jh.) weist. 1, 161; die neesten erven sollen (nach einem todesfall) solch gut wieder entfangen mit dubbelen zinsen und einer fleschen weins dem scholtissen (im Bergischen 1505) ebda 3, 8. das einsammeln der zinsen: die zinsen des hoves inzesamelnde (Unterelsasz) weist. 1, 708; damit aber cost müg und arbeit vermitten belib, so ist ... nachgelassen, die schwin, schaff, hüner, win ... und haber alles zu kernen und gellt uff die gütter geschlagen, und zücht es der schaffner mit andern des gotzhus zinsen in (Zürcher gebiet 1464) ebda 1, 123;
dem aber gilt ihr lächeln nicht,
der zins und zehnten einzuholen,
wie du, von dorf zu dörfchen eilt
Jacobi s. w. (1807) 5, 42;
ein schaffner, ..., der die wirthschaft besorgt, die zinsen und zehnten einnimmt, welche man weit und breit hieher zu zahlen hat Göthe I 24, 13 W.; dir (Melina) könnte es also freilich einerlei sein, hinter einem pult über liniirten büchern zu sitzen und die zinsen einzutragen, welche hungrige unterthanen bringen ebda 51, 170; einer der zinsen samlet exactor, collector Stieler stammb. (1691) 2651. ausständiger zins: item 96 m. und 19 scot, die der meister den voyth von der Lype dirlassen hat an hindirstelligem zinse vom 1399. jare (1402) Marienburger tresslerb. 156 Joachim; under denen (schuldnern) dann in obernemptem jar 1430 Wolf vom Stain zu Staineck Hechingen inhett von wegen seiner uszstendigen zinsen Zimmer. chron. (²1881) 1, 281 Barack.
f)
zahlungsversäumnis ist unter strafe gestellt, anfangs strenge, später nach ort und gelegenheit mildere; der geläufige ausdruck ist den zins versitzen 'die zinszahlung versäumen', vgl. Nibelungenlied 768, 3 Lachm. (zit. I B 1): etwenne setzet man den zins uf einen tac; ob man den zins an dem tage versitze, daz daz guͦt verlorn si Schwabenspiegel lehnr. 125 Laszb.; swer sinen tins zu rechten tagen nicht ne gibt, tzwîvalt sol her ene geben des anderen tages, unde alle tage alsô Sachsenspiegel landrecht 1, 54, 2 Eckh.; der sog. rutscherzins; s. weist. 1, 305 (zit. unter zinsleute); wer den tyns nich betalet, wen dat richte wert geholden ... deme scholde de tyns alle dage upstigen (Niedersachsen 1488) weist. 4, 683; weert sake, dat ymant von den lathen synen tyns niet en betailden up den tynsdach als recht is, ... dan so solde oen die here off amptman ... uth doin peinden dobbelen tyns aen den guede, daer men den tyns aff schuldig were (Niederrhein 1400) weist. 4, 784; und wer denne den zins versesze und in des tags nút werte, der sol das beszren mit 3 β D des tags, und dar nach all tag mit 3 β, untz das er den zins gewert (Luzerner gebiet 14. jh.) weist. 1, 162; aller der cins, der in disen hof hoeret, der sol sin bereit ..., oder men sol wetten zwene schillinge (Unterelsasz 1415) weist. 5, 429; wer sinen zins versetzt, das er ine nit engibt s. Truwen vier jar, der hat das gut verloren (Oberelsasz) weist. 5, 405; der sol uns ... verfallen sein dez dritten pfennings mer sins versessen zinses aun alle widerrede (1385) augsburg. urkundenb. 2, 221; ouch sal nymant pfenden in dem gerichte heher dan vur sinen czins (Hessen 1347) weist. 3, 340; item der bodt des hofs sal penden up des hofs leingueden um zins ind pechte buiszen emans virlof (ripuar.) 2, 755; ouch so ist recht, das der hoffherre oder sin meyger mag pfenden fur sinen zins und die phender achttag haben, darnach mag er mit sinen phendern tuͦn als mit sinem zins (Elsasz 1420) ebda 4, 33; und umb zins der herschaft sol man nit phenten pis vierzehen tag nach weinachten, und wil der zinsman mit wert pezalen, so sol mein herre das von im auf nemen und nit weiter phenten (Tirol 15. jh.) österr. weist. 5, 691; wer aber sach, das er denn zins uff selbenn tag nit habenn möcht, so soll er nach dem tag als denn das geding gehaltenn wirt, ein monat zuͦ synem zins zill habenn und nit lenger (Elsasz 15. jh.) weist. 4, 182; man ist auch den huobern alle jar biss uff den dritten mentag nach sanct Marthins tag, damit sie ire zinss gehn hof bringen und zinsen mögen, zuwarthen schuldig (Elsasz 1413) weist. 4, 52; pfecht und zins sollen binnen zweien frauwen missen ... betzalet werden (Untermosel) weist. 2, 481. belege für versäumten, rückständigen, fälligen zins s. III B 2.
II.
zins als ausdruck der kapitalwirtschaft.
A.
vorstufen des kapitalzinses.
1)
das kirchliche zinsverbot und der rentenkauf (s. zinskauf). die kirche verbot zins für darlehen auf grund der bibelstelle Luk. 6, 35 πλὴν ἀγαπᾶτε τοὺς ἐχθροὺς ὑμῶν καὶ ἀγαθοποιεῖτε καὶ δανίζετε μηδὲν ἀπελπίζοντες, wofür die vulgata setzt: verumtamen diligite inimicos vestros, benefacite, et mutuum date, nihil inde sperantes; dabei ist mutuum noch als das zinslose darlehen im sinne der römischen notaushilfe im sippenverbande zu fassen. auch den Juden verbot die thora wucher und zinsnehmen untereinander, erlaubte es aber gegenüber den gojim (den fremden). bis ins 16. jh. hielt die kirche an ihrem zinsverbot fest, vgl.: da erschien im jahre 1180 die päbstliche bulle, welche es für unchristlichen wucher erklärte, zins von einem gelddarleihen zu nehmen W. Riehl d. dt. arbeit (1861) 63; darumb solt nit gestattet werden, das man zinss kaufft mit blossem gelt (1520) Luther 6, 55 W.; zum widerkauff gehoret primo hypotheca, ein unterpfandt, als acker, haus, stadt, landt, auff welchem die zinsz gekaufft werden. denn was nichts treget, das kann nichts zinsen (1543) ders., br. 10, 351 W.;
und da du ihm nach deiner masz
gelt oder sonsten leihest was,
so thus ohn hoffnung des gewins,
und nim von ihm ja keinen zins
Ringwaldt lauter warheit (1597) 26;
ich will vom übernütz nit schriben
den man mit zynsz und gült duͦt triben
S. Brant narrenschiff 89 Z.;
wer sein gelt uff zinss leyhet, der schaft seinen nutzen mehr als dess andern, weil sein gelt blumen trägt Lehmann floril. polit. (1662) 1, 121.
2)
ewiger zins und feste anlagen. ewiger zins, ewigzins, wie ewiges geld, ewiggeld, ewige gülte eine jährliche abgabe an geld, auch naturalien aus liegenschaften, rechtlich begründet als ein kauf dieser abgabe durch ein in der regel 20 faches kapital (gülten- oder rentenkauf), wodurch der grund- oder hausbesitz des verkäufers mit der rente belastet wurde. anfangs für beide teile unablöslich, daher die unbeschränkte dauer (ewigzins); konnte seit dem 14. jh. vom rentenverkäufer gegen rückerstattung des kapitals abgelöst werden. nach unserer modernen wirtschaftsform ein darlehen, für welches zinsen ausbedungen werden. vgl. F. Auer Münchener stadtrecht (1848) CXXIX ff.; J. F. Runde gemein. dt. privatrecht (⁵1817) 182; ain phunt ... haller ewigs zins und gelts (1333) württ. gesch. qu. 9, 181; ain viertal oͤles ewekliches zinses (1377) ebda 9, 521; in der kleynen wysen toufel 142 m. ewigis czinsis, der gekouft ist (1375) Marienb. ämterb. 3, 34 Ziesemer; sy haben auch volle macht, den vorgenanten hamer mit seinen zugehörn ... zu versezen und zu verkauffen, ... doch uns unsern erben und nachkumen an unsern järlichen und ewigen zünss und an der herlichait unschedlich (1464) Lori baier. bergrecht (1764) 91; dasz jeder ... sin jährlich gült und nutzung ..., es sey an pfandschafften, an lehenbriefen, aigen an zehenden, an wyern oder güthern, an ewigen verbrieften zinsen oder libgeding, gülten ... in den gemeinen brief ... anschlahen soll (1488) urkunden z. gesch. d. schwäb. bundes 21 lit. ver.; mit abweichendem wortlaut: er hette nit ... ayn so kostliche kirchen lassen machen, die er so eerlich begabet hatt mit guͦten zinzsen in ewig zeit (1509) Fortunatus 64 ndr.; wird versteuert: man gibt losung von 60 fl. 1 von parschaft, ewigs gelts und zins gibt 6 gulden 1 (Nürnberg 1427) städtechron. 2, 16. auch jährlicher zins, in einem beleg, worin dieser zins aus einer andern abgabe vom boden, dem zehnt, abgezweigt wird: N. N. hat zu kofen geben dem N. N. 10 rh.fl. jerlichs zins ab dry teilen des zechenden zu Stadel (1550) schweiz. id. 2, 289. der gegensatz zu ewig ist ablösig oder wiederkäuflich, der rückkauf der rente (die ablösung des gelddarlehens) war ausbedungen: es sol ouch dhein antwerk uf ir stube ... nit verkoufen oder versetzen dheinerley ablösig zinse ... one meister und rat (1467) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 68; alle gült und zinss, sie syen öwig oder ablösig (1493) Tübinger stadtr. 34; etlich zins, die nit ablösig, sonder ewig (1526) schweiz. id. 3, 1438; wir ... wollen ... unserm chamerschreiber ... aller unser diener verschreiben und jerlich besoldung, auch aller widerkauflicher zinsen ein ordentlich verzeichnus überantworten und zustellen laszen (Meckl. 1524) dt. hofordn. d. 16. u. 17. jhs. 1, 192 Kern; hypothecam ponere et sortem reddere debet esse in manu venditoris, der das gelt nimbt auf widerkeuffliche zins (1542) Luther tischr. 5, 147 W.; wir reden dismal nichts ... vom widerkeufflichem zinse (1540) ders., w. 51, 333 W. die jährlichen zinseinkünfte (gülten) wurden zu den liegenden gütern gerechnet; sie konnten daher verkauft, versetzt und gekauft werden; aus eigenem einkommen oder nach kauf wurden sie für geistliche zwecke festgelegt, gestiftet: er hette es wol gelediget von allen versetzeten zinsen und gebessert, das es das beste lant und smaltzgruͦbe unde kleinötter were worden das in allen landen hie umb were gewesen (Straszb.) städtechron. 9, 680; hewt verkaufft er ainen zinss, den andren tag versatzt er ain gelegen guͦtt (1509) Fortunatus 4 ndr.; das sehen wir fur augen, das kein vigilien on gelt gehalten wird, und ist zu allen sonderliche zinse gestifft Luther 30, 2 W.; da machen sie (die geistlichen) ausz der mess eyn opffer und gutt werck, das sie den leutten vorkeuffen und alle tzinss drauff stifften 10, 1, 1, 706; die selbig (kirche) mit landlüten, zinsen, gülten, wunnen und weiden, zehenden ... begabt Gebweiler beschirmung d. lobs Marie (1523) 19ᵇ; herr Burkhart von Kürnberg ... aus sonderlicher andacht bewegt, solch new closter Reichenbach mit etlichen seinen aignen zinsen und ligenden güetern ... auch zu begaben Zimmer. chron.² 1, 73 Barack; und kauffet dartzu zins, gilt und rendt, das ain thuͦmbrobst solt haben dreühundert ducaten und ain caplan hundert ducaten ain iar (1509) Fortunatus 63 ndr. anlage zu anderen zwecken, namentlich für wiederkehrende verpflichtungen, wie leibgedinge: die barschaft und anders, so er bei dem künde gefunden, ... das legt er mit allem fleis an jhärliche zins und gülten Zimmer. chron.² 1, 197 Barack; gebit und vorreicht eyn man ... syme wybe noch syme tode tzen mark ierliches tzynses uf eynen benumeten tag tzu hebene unde tzu nemene altes kulm. recht 4, 24 Leman.
B.
kapitalzinsen.
1)
sprachliche vorgänger. als ausdruck für die jährliche geldsumme, die für ein darlehen in geld zu zahlen ist, erscheint zins erst spät; vorher waren im gebrauch: ze gesuoche, ze gewinne ûzlîhen an zins legen diutiska 1, 456; vgl.gesuochaere wucherer Haltaus gl. 693; anfränk. prasma usuras ahd. gl. 2, 144, 64; fenus 2, 148, 43; praseme fenus 3, 381, 42; phrasamo Tatian 149, 7; 151, 8; mndl. perseme, ein wort ungedeuteter herkunft; vor allem das gesamtgerm. wucher (got. wokrs, ags. wōcor, anord. okr, n., nschwed. ocker; im ags. ist die bedeutung 'usura, zins' nicht entwickelt, um so kräftiger im anord., über dessen nord. lautform s. D. A. Seip laͦneordstudier 1 [1915] 80); an der bibelstelle Matth. 25, 27 und der parallelfassung Luk. 19, 23 hat für das griech. σὺν τόκω oder das lat. cum usura (usuris) die got. bibel miþ wokra, die erste dt. bibel mit dem gewin, Luther mit wucher, und dessen wortwahl weicht erst seit 1892 in den evangelischen bibelausgaben zögernd dem im allgemeinen sprachgebrauch längst alleingültigen zinsen oder dem selteneren zins; die ausgaben Berlin 1904, Stuttgart und Hamburg 1906, Elberfeld 1908 haben noch mit wucher, erst Stuttgart o. j. kl.-okt. mit zinsen; ebenso steht es mit der stelle 3. Mose 25, 36 ne accipias usuras ab eo, nec amplius quam dedisti, wo die 1. dt. bibel wuͦcher gebraucht, und die Luther -bibel bei wucher verharrt bis zur ausgabe Stuttgart o. j. kl.-okt., die vorsichtig übersetzt: und sollst nicht zinsen von ihm nehmen noch wucher; für das ältere mit wucher und übersatz spr. 28, 8 setzt sie mit wucher und zins; ähnlich Hes. 18, 8; s. auch das fortleben von wucher in den glossaren (unt. III B 8). bevor zins in diesem sinne aufkommt, gilt dafür das seit dem 13. jh. bezeugte mlat. interesse, n., welches ursprünglich den ersatz für den schaden, den der gläubiger durch die nachlässigkeit des schuldners erlitten hat, bedeutet und später die zinszahlung selbst bezeichnet; belege des 13. jhs. bei du Cange 3 (1832) 863; dies auch im deutschen früher gebräuchliche wort ist als franz. intérêt, wovon engl. interest, und als ital. interessi der fachausdruck des roman. geblieben, während sich das gleichfalls dem roman. entstammende rente in den nordischen sprachen durchgesetzt und eine zeitlang auch dem deutschen nicht gefehlt hat. neben interesse gab es die gleichbedeutende bezeichnung damnum und schaden (s. teil 8, sp. 1976), vgl.: quam quidem summam pecunie ipsi et suis heredibus veris cum dampno nobis computando, videlicet pro centum marcis decem (1351) meckl. urkundenb. 13, 107; vor iewelke teyn mark der ... hofftsummen scolen sy iewelkes iares ... upboren eyne Lubesche mark vor den scaden (1371) ebda 18, 80.
2)
zins im singular. zins erscheint in vorläufern schon im 14. jh., wird aber erst im 16. allgemein bekannt; zunächst gebraucht man den singular: wie sulen im auch von dem gelt, dieweil wir daz inn haben, geben ze zins und ze lieb (Südtirol 1371) bei O. Stolz Deutschtum i. Südtirol 2 (1928) 92; item wart gefraget van Michel Herhorst, na deme male dat he den tyns nicht en krege, efte he dan sin gelt nich wedder hebben scholle (Niedersachsen 1530) weist. 4, 682; do (im tempel, bei den Juden) ist eine wechsel banck, do wirdt man dir (der opfern will) wohl geldt leihen umb einen gewin und zienss, auff das je das opffer nicht nachbleibe (1537—40) Luther 47, 380 W.; wer gelt umb zins uslychen wurd und im selbs vorbehalt das houptguet ynzezüchen, es sye über kurz oder lang, soll söllichs ein gült heiszen (1566) schweiz. id. 2, 286; sie liebkoseln ihren fürsten, so auff zinss vil gelts entnummen ... haben J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 3, 200ᵇ; es ist auch abgeredt, da der allmechtig iren fraw muetter zu seinen götlichen gnaden erfordert, das dann die fünfzehenhundert guldin an goldt hauptguets, ... es wer zins oder hauptguet, under sie drei gleich soll gethailt werden Zimmer. chron.² 4, 25 Barack; er ... ihme geld oder anders fürgestrecket ohne zinss Spee güld. tugendb. (1649) 734; wird Crassus ... häuslich ..., so wird er sein geld auf ... zins ausleihen Iselin verm. schr. (1770) 2, 389; er hätte geld am zins (auf zins) J. Gotthelf ausgew. w. 2, 102 B. ergiebige angaben bieten die älteren wörterbücher, besonders heben sich die beiden italienischen des Hulsius und des Kramer heraus, vgl.: zins von dem iar pensale, vulgariter iarlich zinss voc. inc. teut. (Straszb. ca. 1495) E 2ᵃ; quincunces usurae ein zinss da man fünff von hundert gibt Frisius dict. (1556) 1419ᵇ; zinss, fahrgeldt entrata, vendita, interesse Hulsius (1618) 1, 283ᵇ; pensione zinss, wucher, gewinn ebda 2, 288ᵃ; interesse, interess wucher, gewinn, zinss ebda 211ᵃ; pigliar danari ad interesse geld auff zinss oder interess nehmen ebda 211ᵇ; zinss zu fünff auffs hundert interesse à cinque per cento ebda 1, 283ᵇ; zinss, m., censive ou interest de quelque dette et argent presté, la rente de quelque somme prestée ou donnée à interest et de quelque bien loiié pour quelque argent, census Duez germ.-gall.-lat. (1664) 716ᵃ; ein kapital auf zins legen, anlegen investire, applicare un capitale ad interesse, arrenditarlo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵇ; geld auf zins geben, darleyhen, leyhen, ausleyhen dare, prestare, imprestare danari ad interesse ebda; geld auf zins nehmen, entnehmen pigliare, prendere danari à censo, ad interesse ebda; zins von einem kapital einnehmen cavare, godere, toccare interesse, frutto da un capitale ebda; geld um den zinss ausleihen donner de l'argent à interêt Frisch nouv. dict. (1730) 689; tins, tinse die zinsen, interesse von einem ausgeliehenen kapital, foenus brem. wb. 5, 71. ein seltener fall des sing. bei einem norddeutschen schriftsteller: aber ich habe nichts davon, alles ist blosz abschlag und zins. ich stecke tief drin Fontane ges. w. (1905) I 6, 311. dieser ist im obd. die gebräuchliche wortform, wie die volksläufigen wendungen bei Fischer schwäb. 6, 1220 dartun: zins und miete schlafen net; ziel und zins essent mit aus der schüssel; geld in zins tun geld anlegen; wer schulden hat, hat's geld hinterfür im zins; geld am zins haben geld auf zinsen haben. ein zinsfusz, die centesima (usura), der hundertste, spielt in Luthers vermahnung an die pfarrherrn wider den wucher zu predigen (1540) eine rolle: laszt uns lesen Nehemia V (5, 4 und 11), da stehet, wie die Juden nach der heymfart von Babylon inn ihrer not auch haben den hunderten oder centesimas, das ist, den mond wucher, ihren brudern geben müssen ... zwelff gulden ierlich, iglichen mond einen gulden, das ist centesimam, den hunderten 51, 362 W.; denn ich lasse mir sagen, das man itzt ierlich auff einen iglichen Leyptzischen marckt zehen g, das ist dreiszig g auffs hundert nimpt ... pfü dich, wo zum teuffel will denn auch zuletzt das (wuchern) hinaus? das sind nicht mondzinse oder centesime, das ist ierlich zwelffe auffs hundert, sondern trecentesime ..., das ist einen monden drey gulden und 7 grosschen. das heiszen nicht jarzinse, auch nicht mondzinse, sondern wochenzinse, rechter judischer teglicher wucher Luther 51, 364 W. hierher anscheinend die glosse: trecensus ... czyns Diefenbach gl. 594ᵃ; s. dazu Krünitz encycl. 241 (1858) 499; zins von der wochen pensio, uno modo wochenzins voc. inc. teut. a. lat. (Straszb. ca. 1495) E 2ᵃ.
3)
der heute schriftsprachlich vorherrschende plural kommt im md. gebiet auf, zunächst als starke, schlieszlich als schwache form; der hier übliche f. sing. die zinse hat den hauptanteil an deren entstehen: die zinss im concilio zuͦ Costnitz, wie man sagt, nachgelassen auff hundert fünff gulden seinnd wissenlich wuͦcherzinss J. Strausz haubtst. wider den wucher (1523) 2ᵃ; wer aber ... wucher (zinse, rente) fordert, es sey zwölff von 100, oder sechs von 100, oder fünff von 100, der ist kein glaubiger (borger), söndern ein wucherer Comenius (1638) nr. 864; deposito gelder auff zinse geben, oder zu getreuen händen vertrauen Harsdörffer teutsch. secretar. (1656) 1, Ddd 1ᵇ; gelt auf zinse pecunia foenebris, usuraria, foeneraria Stieler stammb. (1691) 2651; doch kann zinse auch eine singularform sein, s. 2. zum wortgebrauch: hütend üch ..., dasz ir nieman beschwerind mit zinsen, wuͦcher oder übernieszen Zwingli dt. schr. (1828) 1, 87; drittens werden bei dem gemeinen mann auch die interesse unter dem namen der zinsen verstanden, ja sogar auch die usurae wuecher B. Lang zinsz scharmützel (1645) 1; von dem interesse oder zinsen thun sie keine meldung, weil es ihnen (den Persern) durch ihr gesetz verbothen ist Olearius königr. Persien (1696) 75; dieser hielt gar bitlich an, wo möglich ihm alle zinsen nachzulassen, dann wolte er den häuptstuel als 20 000 kronen gleich ... baar abtragen Bucholtz Herkuliskus (1665) 701ᵃ;
noch hauptgut, noch die zinsen darff ietzt ein schuldner gelten
Logau sämtl. sinnged. 299 lit. ver.;
ich will ihm vorstellungen thun; ich will ihm von meiner heyrath sagen; ich will ihm zinsen über zinsen versprechen Lessing 2, 64 L.-M.; die vorsicht erfordere, sich bey dem darlehn die zinsen versprechen zu lassen allg. dt. bibl. (1765) 1, 2, 253; wie wird es aber mit den zinsen unseres capitals aussehen? Göthe I 23, 146 W.; mein plan ist dieser — alle 2 monate bezahlte ich von meiner Thalia 50 thaler zurück mit landesüblichen zinsen, bisz die schuld getilgt wäre (1785) Schiller br. 1, 235 Jonas; ich musz zinse geben J. Gotthelf ausg. w. 2, 135 B.; mit schulden zu hohen zinsen muszten wir beginnen Holtei erz. schr. (1861) 3, 219;
und alles wozu? dasz du statt ehrlicher zinsen
fünf von hundert, gierige eilf procente dir ausquälst
Herder 26, 298 S.;
seit dreihundert jahren, fuhr er (d. vorsitzende) fort, ist dieser ehrwürdige brief von geschlecht zu geschlecht gegangen und hat immer fünf von hundert zinsen getragen G. Keller ges. w. (1889) 2, 102. volksläufige redensart: geld an zinsen macht den bettler zum prinzen H. Fischer schwäb. 6, 1220.
4)
zinseszins. noch mehr als das zinsnehmen von einem gelddarlehen bekämpfte die kirchliche wirtschaftstheorie den zinseszins (s. d.), weshalb diese wortbildung erst spät aufkommen konnte. vorher behalf man sich mit umschreibungen, die zugleich die sache beschreiben: der ist aber der allerärgester und boszhafftigster, welcher mit dem wucher, zinse von zinsen (rente auff rente) nimpt Comenius (1638) nr. 864; zins kann nicht zins tragen Graf-Dietherr (1864) 269; so treibt jederman ohn jemandes einreden, die grewlichste schinderey, und unchristlichen partit und wucherhendel, und befleisziget sich tag und nacht desz geitz treibens, ubersetzens und gewalt ubens, schlecht zinss auff zinss, wucher auff wucher, ohn alle masz und barmhertzigkeit Schaller theol. heroldt (1604) 83;
dann ich schewe mich nicht,
jüdisch zu nehmen zinss von zinss
W. Spangenberg ausgew. dicht. 263 m.;
und nehmt an zinsen, was euch nur gefällt.
auch zins vom zins der zinsen
Lessing 3, 22 L.-M.;
schicke mir wenn du kannst von dem deinigen (geld), weil ich nicht zinsen auf zinsen bezahlen mag (1787) Schiller br. 1, 390 Jonas; sich ... mit den zinsen von zinsen behelfen Jean Paul w. 27/29, 263 Hempel; einer ... hat bei seiner rechnung zinsen von zinsen berechnet (1830) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 109 Schulte-K.; so will ich alles, was ich verdiene mit schreiben und auch den ertrag des weinbergs immer sogleich in die stiftungen stecken, wo es dann, zins auf zins, wohl so anwachsen wird, dasz noch ein paar kinder, die ich mit augen gesehn habe, etwas ordentliches davon haben können (1844) ebda 2, 324. buchungen: usura usurarum zinse auff zinse, judenwucher Orsäus nomencl. meth. (1623) 260; usurae usurarum zinss auff zinss nomencl. lat.-germ. (1634) 529; anatocismus angelegte zinss dasz sy auch andere zinss ertragind, zinss von zinsen Frisius dict. (1556) 90ᵇ; Maaler teutsch spr. (1561) 522ᶜ; angelegter zins, der auch einen andern zins trage Schönsleder prompt. (1618) Qq 7ᵃ; zins von zinsen Calepinus XI ling. (1598) 86ᵇ; zinss von zinsen Reyher thes. (1668) 350; zinss von zinss usure d'usure Frisch nouv. dict. (1730) 689; zins über zins anatocismus Dentzler clavis (1716) 364ᵃ. eine zusammensetzung gebraucht als erster Stieler stammb. (1691) 2652 in der form zinsenzins; eine vorstufe dazu ist: sampt deren zinss und zinss zinsen A. Neudörffer kunst- u. ordentl. anweisung i. d. arithmetic (1616) 231.
5)
miete. entgelt für den gebrauch von wohn- oder geschäftsraum in einem hause an dessen eigentümer, miete, mietszins; nach P. Kretschmer wortgeogr. d. hd. umgangsspr. (1918) 335 in Süddeutschland bis zum Thüringerwald und Main gebräuchlich, doch auch noch aus Kassel und dem Siegerland, ferner von Müller-Fr. 2, 707ᵃ, Frischbier pr. 2, 494ᵃ und Weinhold schles. 2, 109ᵇ berichtet. der rechtliche vorgang war ursprünglich die übertragung eines hauses zu lehen: unnser herren vom rate gebieten, das hinfür kain ir burger oder burgerin ... ainicherlay hewser oder gemeche vergonnen oder verleyhen, weder umb zynnss noch umb sunst Nürnberger polizeiordn. 57 lit. ver.; usz iren klöstern soll man machen gemeine wonungen, die ein stat hyn lyhe umb ein jar zinss denen burgern, die kein eygen huss haben Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 112 ndr.; ain phunt haller jaerglichs zinses us minem hus ... der zins soll jaerglich vallen uff sant Michels tag (1345) württ. gesch. qu. 9, 244. vom lehen unterschieden: ain maier, der in ainem hus um ain zins sizt und nit ze lehen hat, der sol ouch guter maier sin (Tirol 15. jh.) österr. weist. 4, 359; (ein) kramer, der mit plahen überzeucht und der stat kainen zins geit (Tirol 15. jh.) ebda 5, 491. ebenso von der gülte: rechte gult soll auf grunden gemacht werden, die sind bleiblich und nit erstörlich, aber heusser sind erstörlich, darauf mag man zinss machen und die höcher und nidrer hinlassen (Salzburg 1565) österr. weist. 1, 217. mietszahlung im modernen sinne: swer ain haus, ain stadel, ain garten oder swelherlay aigen dingt oder bestet und leitchauf daran geit, der sol daz die gedingten zeit haben und niezzen von dem tag, und er sich sein underwand, ain iar, ân als vil swer ainen gemach bestanden hat, den daz recht und fronbot darauz treibt, der sol des nicht en gelten und den verdienten zins sol er geben stadtr. v. München 60 (§ 152) Auer; auch in etlichen enden (civitatibus) der locator pfend (pignorat) durch sich selbs den inwoner umb den zyns des haus (pro censu domus) (bair.-öst. hs. d. 15./16. jhs.) summa legum d. sog. Raymundus 516 Gál; es ist kein bestand on zins (1526) Graf u. Dietherr 268; und die leden, so unter demselben rathaus sind, werden durch einen castner von der herrschaft wegen verlassen umb zinst (1502) qu. z. alten gesch. d. fürstent. Bayreuth 1, 51; also bestalt er ain grosz hauss umb ainen zinss (1509) Fortunatus 63 ndr.; denn kein hurenwirth hätte, auch in dem reichsten muhmenhause, jährlich uber funfzig gülden nicht zu zins (1537) Luther tischr. 3, 401 W.; aber an jhenem (jüngsten) tage werden sie den mund auffthun und sagen: ... jhener ist mein haussherr gewest, hat mich von jar zuͦ jar mit dem zinss gesteigert (1544) ders., w. 52, 429 W.; zohen also auff Paryss zu, bestuͦnden ein hauss mit allem haussrath umb einen zymblichen zynss V. Schumann nachtbüchlein 141 Bolte; und gibt einer meinen herrn ain jar fl. 12 müntz zins (Augsburg 1560) städtechron. 33, 447; Matern Lemans hauss, das er umb ein zinss von Greger Zimmermann gebraucht theatr. diab. (1569) 155ᵃ; welcher ohne unser willen und wissen ainen in- oder herbergsman umb züns in sein haus aufnimbt, ... so ist er uns verfahlen umb ain pfund pfening (Salzburg 17. jh.) österr. weist. 1, 8; auf diejenigen, so sie in zins aufnehmen, gute achtung zu geben (1650) bei Fischer schwäb. 6, 1221; ich bin in eurem hause, und ihr sollt zur rechten zeit euren zins erhalten Göthe I 44, 282 W.; ich glaub nicht, dasz der hausherr von uns schon vier liebenzehner zins bekommen hat Hafner ges. lustsp. (1812) 2, 122; denn immer nur mit wenigem hausen müssen, jeden kreuzer zusammenstecken, damit man am ende des monats den zins geben kann, ist mir durchaus nicht gegeben (1841) G. Keller br. u. tageb. 2, 66 Ermat. in vocabularien und wörterbüchern: locatum daz umb zins gelihen ist, conductum daz umb zins vermietet wird voc. optim. 34ᵃ Wackernagel; zinss dess hauss affitto della casa Hulsius (1618) 1, 283ᵇ; zinss eines gemieteten hauses oder hausszinss louage de maison, pretium conductionis aedium Duez germ.-gall.-lat. (1664) 716ᵃ; zins, den zins (die miethe) anschlagen pendente de aedibus tabula proscribere faciendam locationem Serz teutsche id. 182ᵃ; er wohnt in einem zins in conducto habitat ebda; ausgiebig von Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵇ behandelt: zins, mietzins, pachtzins censo cioè fitto affitto, fio; ein hauss auf zins nehmen pigliare, prendere una casa à fitto ò in affitto ò à pigione; um den zins verlassen lasciare, locare in affitto, affittare, appigionare; prägnant für mietwohnung: zins pigione, cioè casa ò parte di essa affittata ò da affittarsi, casa à pigione, locanda; ein schöner, bequemer, liechter zins una casa a pigione (quarto di essa), una locanda bella, commoda, luminosa; in diesem hause seynd unterschiedliche zinste zu verlassen in questa casa vici sono diverse stanze quarti da appigionare; vici sono diverse locande; ein theurer, hoher zins una locanda cara, alta; einen zinst (zinstwohnung) anschlagen affigere, affittare una locanda 2 (1702) 547ᵇ. als obd. bei Adelung² 4, 1722: in diesem hause sind drey zinse zu verlassen drei wohnungen zu vermieten; in einem theuren zinse sitzen. ladenmiete: die gemeinen eisenkewffel, die in diser stat zinse oder in anndern offenen verzinsten leden sitzen Nürnberger polizeiordn. 141 lit. ver.; man sol auch von dem wathause ze cinse geben ie von dem loden vier haller e man daz zaichen daran lege ebda 163.
III.
besondere fälle.
A.
in der bedeutungsentwicklung.
1)
allein vom empfänger aus betrachtet, ist der zins oder die zinsen eine einnahme, ein teil des einkommens; die vorstellung der abgaben- oder zinspflicht des hörigen oder geldschuldners verschwindet in belegen dieser art, vgl.: den pfaffen wellen wir die zinss vermindern, wir wellen sie zuͦ der meszickeit bringen U. v. Hutten opera 1, 395 B.;
nach zinss und rend
stet mein intent
wenn ich die het
so könd ich stet
in lust und freuden leben
Forster fr. teutsche liedlein 183 ndr.;
ein handwerck ist goldes werth, das ist ein gewisser zinss, unnd wie ein quellbrun, da quillet alle tage etwas heraus Mathesius Jesus Syrach (1586) 3, 21ᵇ; ander sagen priester, die da zins und güldt haben von dem iagen, denen zim es als in Franckreich, wann sie thunt es nit umb lustsz willen Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 147ᵃ; magister Georg Scharff, dem e. k. f. g. des lehens zinse zu Wartberg gnediglich gelihen (1540) Luther br. 9, 106 W.; aber es hat der könig (von Dänemark) ein artikel in brief gesetzet, dasz alle einkommen, rent und zinse der bischofe sollten unter die kron kommen ders., tischr. 6, 314 W.; das einkommen, die gülten, zins, renten, grund und boden, die ein hauss unterhalten Sebiz feldbau (1579) 3; der viel zinss und gülten an sich bringt, der dient einem papirenen und pergamentenen kalb Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 173; ganz wenig (bürger) haben ain auskommen von iren gülden und zinsen und jerlichem einkommen oder aufheben und werden 'die von dem geschlecht' genant Aventin bayer. chron. 1, 43 Lexer; unnd könt ihr eben wohl von zinsen ... neben ewerer besoldung und gewerb reichlich leben Moscherosch insomnis cura par. 124 ndr. der begriff des einkommens steckt auch in der wendung der hof giltet ze zinse, wofür der abschnitt I B 3 a belege bietet; deutlich wird er vielfach in den vocabularen durch das übersetzungswort 'reditus' oder die angabe 'einkommen' bezeichnet: zins von gelehneten gütern reditus, portorium Schönsleder (1618) Qq 7ᵃ; reditus annui rent, gült, zinss, gefell, einkommen Schöpper synonyma 84ᵇ Sch.-K.; zins oder zinsen in plurali, m., jemands jährliche renten oder gefälle und einkommen, rente ou revenu, annuus census, vel reditus Duez germ.-gall.-lat. (1664) 716; von seinen zinsen oder renten leben vivre de ses rentes, ex reditibus vivere ebda; census das einkommen, die renten, zinsen, ein gut vermögen Corvinus fons lat. (1623) 163; obventio das eynkommen der gülten oder der zinsen Frisius dict. (1556) 902ᵃ; zinss und gült, das järlich eynkommen vectigal Maaler teutsch spr. (1561) 522ᶜ; tins, tinse auch überhaupt die jährlichen einkünfte, annui reditus brem. wb. 5, 71; mehr belege in vocabularen (III B 8) und in den bibelübersetzungen (I A 2). jüngere zeugnisse: überhaupt aber jedermann ... sein handelsgeld, zins, und alles sein werbend gut und vermögen versteuern soll Rabener s. schr. (1777) 2, 314; das einkommen des capitalisten ist der zins Gutzkow ges. w. (1872) 10, 19; dasz er in voller manneskraft bereits nichts mehr zu arbeiten braucht und von seinen zinsen leben kann W. Riehl d. dt. arbeit (1861) 21.
2)
zahlreich sind die belege, in denen zins das einkommen der kirche, der klöster und der geistlichen ausdrückt: ich wil dir aber nit bergen meyne grosse muhe, ... auff das, szo du mir etwas geben wilt, meyne muhe recht ansihest und nicht allein ein cardinal titel on tzinss gebest, wie etlichen geschehen Luther 8, 692 W.; wie mann yn (den geistlichen) eynen groschen abtzeucht in den zynsen, so bannen sie und werden wütende ebda 10, 3, 87; unsser frawen tzinss (reditus beatae virginis) 10, 2, 130; darumb (weil sie, die priester, alle tage messe lesen und studieren) sie auch fur andre befreyet seyn von der erbeytt, mit zcinssen vorsorgt unnd haben alle tag feyrtag 9, 269; zu Erfurt und Würzburg haben sie (die Schotten) eigene klöster mit reichem einkommen und zinsen (1538) tischr. 4, 161 W.; das ich mich vilmaln nit gewiszt hab des bittern hungers zuͦ erwern, bitz ich mich dahin schicket, das ich für mich selbs zinss, gült, acker, matten, hauss, hoff ... zuͦ wegen bracht hab J. Frey gartenges. 44 Bolte; es ist kein feiner leben auff erden, dann gewisse zinss haben, von seinem lehen, und ein hübsch hürlein darneben Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) nr. 141; bringst du zinss, bringst du geld, frohnen auch heute die bauren, wie stehts im feld? Pistorius thes. par. (1715) 764; sinen fienden, die im und sinem gottshuss alle zinss und inkommen versparrtend Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 31;
kein prälat,
der seiner pfründe zins in rheinwein vor sich hat
Ramler fabellese (1783) 2, 517;
denen kirchen und bruederschaften sollen getreue ehrbare pröbst gesezet, von ihnen die stüften, zins und capitalien, auch andere kirchengüeter getreulich verwaltet ... werden (Tirol 18. jh.) österr. weist. 2, 43.
3)
der ertrag des bestellten ackers kann als dessen zins angesehen werden: da lohnet das land den leuten, die es gebawet haben, und gibt seine zinse und fruchte fur die muhe des gantzen jares Luther 19, 137 W.; terra nunquam sine usura reddit, quod accipit, sed alias minore, plerunque majore cum foenore die erde (erndte 1646) giebt ihren zinss wol Corvinus fons lat. (1623) 937; die erde giebt nie ohne zinse wieder, was sie bekommen terra nunquam sine usura reddit, quod accepit Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1094;
mein kapital ist arbeit bloss,
das leg' ich in der erde schoos
auf hohe zinsen nieder
Blumauer ged. (1782) 36.
ebenso die frucht des ehebundes, das kind, wie ein acker die ernte einträgt, den zins giltit; doch legt der erste beleg auch den sinn 'geschenk, liebesgeschenk' nahe:
teurer freund, indem du hier
embsig bist der steuer wegen,
hat dir wollen deine zier
eine liebe zinse legen
Opitz opera (1690) 2, 32;
legt euer capital mit solchem wucher an,
auf dasz man übers jahr die zinsen wiegen kan
Neukirch anfangsgründe (1724) 808.
frei dichterisch für eine quelle im felsen:
die munche giengen do hin
und hoften guten gewin
vinden an des berges zins
passional 221, v. 99 Köpke.
4)
aus regelmäszig geübter mildtätigkeit kann ein anrecht hergeleitet werden, zins wird zum almosen; anscheinend hat hier steuer (teil 10, 2, 2, 2595) eingewirkt: (bettler,) wo sie ein statt, flecken und dorff ansehen, da fordern sie ihr zinss und gülten Lehmann floril. polit. (1662) 1, 56; bei allen frommen, die ein gutes herz haben, hole ich mir regelmäszig meine zinsen (bettle ich) H. Ostwald landstreichergesch. (1911) 15; zinsen holen betteln, erpressen, zinsen verbringen geld vertrinken ders., rinnsteinspr. (1906) 171; zins almosen Bischoff wb. d. geheimspr. 93; Mensing 5, 68.
5)
die freiwilligkeit der gabe widerspricht dem begriff des zinses, so sagt Luther: opffer ... ist keyne zinse, war auch nicht geboten wie die zinse 18, 104 W. doch können opfer und geschenke vom geber als dankesschuld oder sonstige verpflichtung benannt und so mit dem wort zins bedacht werden.
(ihr götter) nehmt izt für eure müh die viel geringern gaben,
den kleinen zins (ein lämmchen) gefällig an
Götz verm. ged. (1785) 3, 99;
sol der lippen honigseim,
mir den zins einreichen
Venusgärtlein 17, 5 ndr.;
du regentes in daz himelbrot;
daz was gein in din milder zins
passional 2, v. 85 Köpke.
6)
übertragene bedeutungen.
a)
das menschliche dasein erscheint der mittelalterlichen weltlichen und geistlichen anschauung als ein lehnrechtliches verhältnis zwischen gott und mensch; das leben und seine güter gelten als ein lehen, für das zinsen zu entrichten sind oder eingezogen werden.
diz leit wont mir alles bî
und nimt von mînen froiden zins als ich sîn eigen sî
Hartmann v. Aue in: minnesangs frühling 209, 24;
dem, der nû zins von vreuden gît
Wolfram v. Eschenbach Parzival 248, 8;
dô sagete ir rehte gar
den grôzen jâmer Schêrins,
wie mit tôde gâben zins
ûf Alischanz ir mâge
ders., Willehalm 164, 4;
mit gutten wercken geben wir gott zinsse, fide haereditatem acquirimus Luther tischr. 3, 177 W.; der mensch hatt seel unnd leib von got enpfangen, darumb ist billich, das er im den zyns betzal von yn baiden Keisersberg pred. teütsch (1508) 152ᵈ ; (er) soll auch gedencken, als im die natur das leben, also hat sie im auch geben den tod, und das er schuldig sey, zu bezalen den zynnss des fleysches und die schulde der natur Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 26 Herrmann; der tod ist ain gemaines gesetz, ain zinss und ain ampt aller tötlichen ding ders., spiegel der sitten (1511) 63ᵃ;
ein solche frucht, dess fatums zucht,
uns bringt die parca eben,
dem todt sein zins zu geben,
darwider hilfft kein flucht
Theobald Hock schönes blumenfeld 17 ndr.;
wan ihres ahtems gang und ihres lebens trumb
gespörret auff dein wort und abgebrochen werden,
so fallen sie dahin, und lüfern wiederumb
(als ihrer schulden zinss) der erden ihre erden
Weckherlin ged. 1, 373 Fischer.
in städtisch-bürgerlicher umgebung denkt man sich das leben als ein wohnen zur miete: du meinst, du seiest hie burger, du bist umb ein zins hie, es kumpt bald die zyt, das man dich nackendig ausz dem hauss tragen würt Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 67ᵇ; wofern ... ihnen etwa ein mengel und noth anstehet, so mögen sie sich in ein spital begeben, und daselbst den zinss bezahlen ihrer torheit Albertinus zeitkürtzer (1603) 56ᵇ. ländlich-bäuerliche bilder tauchen noch spät auf:
(der kuckuck spricht:) den zins gib mier
den wil ich han von dier,
der hunger macht lunger
mier den magen schier
Oswald v. Wolkenstein nr. 45, 12 Schatz;
durch den dichter allein zieht gott einen zins von der schöpfung, denn nur dieser giebt sie ihm schöner zurück Hebbel tageb. (1903) 2, 47; es wird ihnen (den herausgebern) angenehm seyn, wenn deutsche leser das weite feld ihrer correspondenz ... einem garten ähnlich finden, zu dem die gesammte grosze natur ihren zins hergegeben hat Gerstenberg schlesw. lit.-br. 3 lit.-denkm. (einl.); unser herr gott ist ein guter kauffman und gnediger händler, der uns leben umb todt, gerechtigkeit umb sünd verkaufft, und dafür ein kranckheit oder zwo eines augenblicks lang zur zinss aufflegt Petri d. Teutschen weiszh. (1605) F 3ᵃ.
b)
in jüngerer zeit herrscht die vorstellung des kapitals, das auf zinsen angelegt wird; darunter fallen erlebnisse, handlungen, leiden, witz:
das glück, das nur auf pfand
uns seine schätze leiht, holt zins und hauptgut wieder,
wenn niemand sichs versieht
Gryphius trauersp. 524 lit. ver.;
nun seh ich das vergangene als ein capital an, zu welchem die interessen immerfort geschlagen worden, und wovon die erhöhten zinsen uns in späterem alter ... zu gute kommen Göthe IV 32, 28 W.; wir erleben abermals hier so einen schönen fall, dasz uneigennütziges wohlthun die höchsten und schönsten zinsen bringt ebda I 23, 285; zeit ist sein (des menschen) capital, ... reelle ergebnisse seine zinsen jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 3, 88;
er ist da
der grosze schöne augenblick, der endlich
des hohen pfundes zinsen von mir fodert
Schiller 5, 1, 76 G.;
der gebrauch seiner fähigkeiten, alle zinsen des capitals seiner kräfte, ... fallen seinem geschlecht anheim Herder 17, 116 S.; die vorsicht, die er an den tag gelegt habe, ... trage jetzt zinsen Feuchtwanger Simone (1950) 61; die mit der religion wuchern, und sie, wie der filzige jude sein kapital, auf zinsen legen Klinger w. (1809) 3, 17; der glaube ist ein häuslich heimlich capital, ... hier nimmt der gläubige sich seine zinsen im stillen selbst Göthe I 42, 2, 125 W.; aber dieser wirt ist ein guter wirt, er greift sein dürftig kapital von guten einfällen durchaus nicht an, sondern leiht hie und da in gesellschaft der reichen nur einen aus auf hohe zinsen E. T. A. Hoffmann s. w. 2, 130 Gr.;
o, seid nicht karg
mit eurem beifall! denn es ist ja nur
ein capital das ihr auf zinsen legt
Göthe I 13, 1, 158 W.;
so wuchs auf allen seiten die entzweiung, die dann später unter Bonaparte wucherischen zins getragen hat Häusser dt. gesch. (1854) 2, 68; der ... das lehrgeld noch schuldig war, und es nun mit schweren rückständigen zinsen abzahlte Göthe I 22, 312 W.
c)
aus dem schuldverhältnis leitet sich die wendung mit zinsen vergelten, heimzahlen her:
ja allenthalb erzaigst dein neid
und dein lust zur unainigkeit.
so muszt ich dem bellenden hund
ja stopfen mit seim prei den mund,
und ine zalen mit der münz
mit der er andern zalt die zins
Fischart glückhaft schiff 58 ndr.;
jetzt, ... da ich meiner familie, was sie bisher entbehrt, mit zinsen zu erstatten gedenke Göthe I 24, 204 W.; die zeit der rache war gekommen und sein (Wallensteins) stolzes herz frohlockte, die erlittene kränkung dem kaiser mit vollen zinsen zu erstatten Schiller 8, 254 G.; möge der himmel der theuren abgeschiedenen (Schillers mutter) alles mit reichen zinsen vergelten, was sie im leben gelitten und für die ihrigen gethan (1802) ders., br. 6, 388 Jonas; dazu kam, dasz ihm schneider und weber seine schadenfreude von vorhin mit zinsen zurückgaben O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 25; dieser schlosz sich ... inniger an seinen lehrer, welcher ihm diese kindliche anhänglichkeit mit zinsen vergalt Holtei erz. schr. (1861) 19, 22; sie hatte die harten worte nicht vergessen, ... und sie dachte sie ihm mit zinsen wieder heimzuzahlen Storm s. w. (1899) 2, 290; er vergalt als volkstribun ... das empfangene mit zinsen Mommsen röm. gesch. 2 (1889) 200; damals (im 16. jh.) stand die zeit der ewigen prügeleien in ... blüte. wer keine püffe und knüffe vertragen oder sie nicht mit zinsen wieder heimzahlen konnte, der war übel beraten W. Raabe s. w. I 3, 22; statt aller antwort faszte Ludwig sie um den hals und drückte einen herzlichen schmatz auf die schönen lippen, die ... gleich darauf das schöne geschenk dankbar mit zinsen zurückgaben M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 25.
d)
früh auf körperliche schläge bezogen:
sus empfienc der künec Gramoflanz
sûren zins für sînen kranz
Wolfram v. Eschenbach Parzival 706, 14;
Paris und sin gevertte
Aiax der sturme hertte
gaben hertte zinsse
Göttweiger Trojanerkrieg 10 667 Koppitz;
Hector vermessenklichen straitt,
er fügtt in do des jomers zinss
ebda 11 111;
si gaben und leisten
herter slege swæren zins
Reinfrid v. Braunschweig 11 309;
da hast du den zinse mit dem capital wieder Chr. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 210 ndr.; ich will dir die zinsen auf den puckel bezahlen Gottsched dt. schaubühne (1740) 4, 494.
e)
in erotischem sinne auf den geschlechtsverkehr bezogen:
nym hin, schanden flins,
meines magtummes zins
Heinrich v. Neustadt Apollonius 15 785 Singer; vgl. 15 791;
ain ellend schid   durch zahers flins
mir pei der wid   verlegt den zins
Oswald v. Wolkenstein 23, 2 Schatz;
von einem einfeltigen bawrenknecht unnd auch eines bawren tochter, welche nichts wuszten von dem nächtlichen zynss V. Schumann nachtbüchlein 244 Bolte; da wüschet der guͦt gesell drüber und gab sein zinss ebda 17; sie kann die zinsen ihrer unschuld nicht mehr haben, sobald sie ihre unschuld selbst verlor Hebbel tageb. (1903) 2, 2. im minnedienst:
myn kranker dinst   si dir ein zinst,
ein wollust in dem hertzen
Muskatblüt lieder 40, 26 Groote.
7)
zins in der zusammensetzung Römer zinss indictio N. Frischlin nomencl. triling. (1603) bei Diefenbach gl. 294ᵇ und Römerzins censo romano, indittione romana Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵃ ist aus zinszale (s. zinszahl) gekürzt.
B.
in anderen grammatischen gebieten.
1)
zins tritt zu verwandten wörtern; stabende formeln sind zins und zoll, zins und zehnt: antfâhan tins endi tolna Heliand 1195; allen zinss und zol ausz Persia und ausz Armenia Schiltberger reisebuch 29 lit. ver.;
losung, fron, stewer, zoll und zinst,
so man denn gibt der obrigkeit
Hans Sachs 9, 212 lit. ver.;
so werden wir thun unser ampt,
dich billich ehren allesampt,
erlegen schatzung, zins und zoll
lieder a. d. winterkönig 10 Wolkan;
frey ... von allem zinns und zoll Stumpf Schweizerchron. (1606) 633ᵇ;
wir wend üch gern geben dnutzung,
zinss, zähenden mit der rantzung,
tribut und was üch ghören thuͦt
schweiz. schauspiele d. 16. jhs. 3, 69 Bächtold;
zins und zehnten gab ich willig
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 127;
zins und zehent gaben sie ... dem grafen Leppa herzenssachen (1923) 23; gült, zinss und zähenden Stumpf Schweizerchron. (1606) 412ᵇ. wie im vorhergehenden scheiden sich obrigkeitliche von grundherrlichen abgaben; für die erste art folgende belege: darumb muͦs man auch der oberkeit rent und zins und schos geben, davon sie sich müg enthalten unnd also yres ampts wartte Luther 10, 1, 2, 245 W.; also feilet itzt den euangelischen baurn auch nichts, allein, das sie auffsehen, wie sie ziens und geschos, auch den zehenden und andere gerechtigkeit der obrigkeit geben sollen ebda 16, 291; ich verstand aber solches von seiner oberngerechtigkeit, bann, gefäll, zinss und gülten Sebiz feldbau (1579) 3; und ward inen und den armen lüten grosse stüren, zinsse und tribut zegeben järlich uffgelegt (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 3;
dann steuer, zins und beth, lehn und geleit und zoll,
berg-, salz- und münzregal euch angehören soll
Göthe I 15, 285 W.;
der fürst läszt sich steuern, zins und schosz, immer mehr, immer mehr Alexis hosen (1846) 1, 182. für die zweite diese:
in clöster schaffen rendt und zynst.
disz alles heyst der bapst gottsdinst
Hans Sachs 6, 372 lit. ver.;
so wöltest inen alle gnad bewysen und zins und gült ablaszen Steinhöwel Äsop 65 lit. ver.; die zwen söne hat er mit bewilligen seiner agnaten und nechsten erben ... mit zinsen und güetern versehen Zimmer. chron.² 3, 442 Barack; es hat dise statt reich burger, die zum guͦthen theil leben von zinss und gült S. Münster cosmogr. (1550) 140;
erstlich bedeut das löwenhaubt,
das aygner nutz die herrschafft taubt,
das sie trucken ir unterthan
mit schwerer stewer, zinst und fron
Hans Sachs 3, 494 lit. ver.;
rent, zinss und gülten (Elsasz 1578) weist. 4, 27. für beide arten zugleich: alle klöster söllen für hin stewr, schatzung und zinss geben wie ander burger Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 135 ndr.; (die) behausten, auch mit zins und steur belegten unterthannen (Tirol 1631) österr. weist. 3, 12; also wird er ... die leibeigenschafften sampt allen zöllen, accisen, zinsen, gülten und umbgelten durch gantz Teutschland auffheben Grimmelshausen Simpl. 212 Scholte. aus der modernen geldwirtschaft: schuld und zins bezahlen Musäus volksmärchen 1, 39 Hempel; zins und kapital ihm wieder zu erstatten ebda 40; und dann die steuern, die versicherungsbeiträge und schlieszlich die zinsen W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 1, 330.
2)
adjektivische attribute. freier zins s. I B 3 c. grosze und kleine zinsen erinnern an den groszen und kleinen zehnten, so dasz man annehmen darf, dasz der zehnt in zins umgewandelt worden ist: fürst Heinrich von Mecklenburg verkauft Rosenow mit tinse grot und smal (1326) meckl. urkundenb. 7, 421. den beweis für diese annahme liefert eine andere urkunde: Rostocker bürger verkaufen Kessin cum censibus annonae vel denariorum, lini, pecorum ac pullorum (1350) ebda 10, 402; weitere belege: desgl. auch die mohle und darzu alle zinse grosz und clein im dorfe Gr. stunde Heusenstein allein zu (Rheinfranken 1413) weist. 1, 497 (vgl.alle zehenden klein und grosz ebda); der hove hatt das recht, das darein gehören 16 huoben, und seind 2 frey der groszen zinsen (Oberelsasz 1551) ebda 4, 244. sonst besagt grosz soviel wie hoch: die werden nicht von gott gebenedeyt werden, di do von grosszen zinssen und guettern leben und hoffartig einher treten und nichs zcw schaffen haben (1519—21) Luther 9, 585 W. andere attribute: dasz myr das gut Booss ... umb eynen gewonlichen zynss ... mochte gelassen werden (1539) in: Luther br. 8, 421 W.; geringer zins census tenuis Stieler stammb. (1691) 2651; schwere zinsen tributa acerbissima ebda. auf den zahlungstermin bezüglich, für versäumten zins: item welche die gült nit berait habent, oder versessen zins, lehenraich, straff oder ander foderung schuldig sein (14. jh.) österr. weist. 2, 96; durch des geldis wille vormag ich meyner frunde nicht solich gelt zu irlossen an iren versessenen zinsen (ca. 1420) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 2, 134; der mensch auf die natürlich schuld noch mer in schulden täglich felt, nemlich umb versessen zinss und verzug der bezalung natürlicher schulden Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 372 Reithm.; s.den zins versitzen III B 3. für verfallenen zins: mitsambt allen verfallen zinsen (Tirol 1505) österr. weist. 5, 8; wollicher ... von irer geselschaft kompt, wil er hernach wider zu in kommen, so soll er alle vergangen zins vor auszrichten, die in der zeit vergangen seind, dweyll er nit bey in gewesen ist (1521) württ. gesch. qu. 19, 581. für fälligen zins: so gy wol vernamen hebben ... wu dat myn bruder, er Symon Werbick, syner jerligken und bedageden tinse sere behufft het (1495) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 2, 121. für geldzinsen gibt es attribute mit freier, beweglicher maszbestimmung, vgl.: schwere zinsen censi it. interessi gravi, esorbitanti Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵃ; geld, welches er auf mehr als jüdische zinsen auslieh Lenz ges. schr. 3, 146 Tieck; (das geld) hat doppelte zinsen getragen ebda 1, 83; das ... geld soll hundertfältige zinsen tragen Göthe I 22, 143 W.; man verwechsle nicht den ehrlichen mann, der von billigen zinsen leben musz, mit dem jüdischen wuchrer Knigge umg. m. menschen (1796) 2, 204; die Ziebolds liehen geld auf hohe zinsen Fontane ges. w. (1905) I 1, 410. angelegter zins s. II B 4.
3)
verbale verbindungen.
a)
von zins als abgabe aus grundbesitz u. ähnl.
α)
das entrichten und abliefern des zinses wird ausgedrückt durch zins gelten: uff allen guttern, die in dem Bruerschen hoff zinss gelten (Untermosel 16. jh.) weist. 2, 343; mehr belege s. I B 3 a. auch beim tribut an den sieger: du, trohtin, lonost fure mih minen fianden, odar du giltist den cins (tributum St. Galler hs.) fure mih Notker ps. 137, 8 Wiener hs. durch zins weren gewähren, liefern: ob dem gottshus vom selben erb sin zins geweret sye (kanton Luzern 1303) weist. 1, 167; die zins an kernen soll man allen weren gen Zürich in die statt (Zürcher gebiet 1461) ebda 53; die zinser von Adelgeswile die sullen an sant Martis tage weren den zins in den hof, und das selbe korn mit der wannon und mit dem phlegel machon, so si erberlichost múgen (landvogtei Habsburg 15. jh.) ebda 163; so bishar zins, zenen ... gewert ist in unser herren spicher zuͦ Ö., hat in den zenden zins füren müssen in unser herren statt (Solothurn 1514) G. Franz dt. bauernkrieg, aktenbd. 64. jünger ist zins geben: wer Wentzelfelder zinss undt Ruderen zinss gibt, das sei korngelt, pfenniggelt oder kappengelt, den soll er geben zwischen den zweyen unser frawen tagen (Kreuznach) weist. 2, 152; zins geben sive abstatten censum dependere, persolvere Stieler stammb. (1691) 2651; den zins von etwas geben, zahlen, abzahlen, liefern dare, pagare, recare il censo etc. di qualche cosa Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵃ. ungewöhnlich im sinne von 'zugestehen, eine zinserleichterung gewähren': daz du dyn huss fertig bestellest, daz du des genyessen mogest; dann wir syn nyt also bedorffen, so wollen wir dir gern yetzunt halben zinss geben bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 76.
β)
für das erheben, einnehmen, fordern stehen die üblichen verben: und heben die von Kronberg und die von Weiller die zinss und güldte uff uff den greffen güttern (unterer Main 1515) weist. 3, 529; zinse heben, erheben, einnehmen levare, toccare, ricevere, scotere censi, affitti, fitti Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵇ; und sonderlich trifft er (Paulus) feyn unser muͦszige iunckern (geistliche und mönche), die zinse nemen, gute tage haben und meynen, sie sollen nicht erbeyten, weyl sie platten und lange röcke tragen (1525) Luther 17, 2, 183 W.; die zinse fordern, einfordern, samlen, einsamlen scotere, riscotere, collettare, raccogliere i censi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵃ.
γ)
das fälligwerden wird bezeichnet durch fallen, gefallen: wan ein thumprobst seine zins fordert zu den zeiten als die zins fallen (Oberelsasz 1450) weist. 5, 368; so ist auch nie keyn kloster nach stifft gebewet, darauff nicht gnug zynse gefallen musten (1523/24) Luther 14, 40 W.; umb S. Martinsfest, dieweil gemeiniglich umb dieselbige zeit die zinss unnd gülden gefallen Tabäus Maynhincklers sack (1612) F 2ᵃ. im rückstand bleiben mit dem zins:
(der kanzler sagt)
het ich mich in der heiligen gschrifft
und was min orden antrifft,
so vil geübt als geuchmats tandt,
man geb mir nit den ersten standt
ich bin so thüer daruff verschriben
und umb den zinss verstanden bliben
Murner geuchmatt 14 Fuchs.
dazu die moderne wendung: i lass da zaiss nit hanga anstehen H. Fischer schwäb. 6, 1220.
δ)
zins legen auf: wer aber dasz indert keiner seine recht (irgend einer seine rechte an gütern) verkauffen wolt, so soll man die (güter) besetzen mit zinssen, daran ein herr von Auw und ein keller ein benügen habind (Thurgau) weist. 1, 254; ob ein guet überteuert wer, wer vil oder wenig züns darauf gelegt, ... da mögen die geschwornen dieselbig güeter betheiern und darauf lögen, was si ertragen mögen (Tirol 1643) österr. weist. 4, 12; zins auf etwas legen, schlagen mettere, imporre censo, tributo sopra qualche effetto Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵃ. auch von zinskauf: hat einer ein 1000 fl., leg ers in kasten. mus ers darumb so bald auff zins legen? kompt ein from man, leie im nach deinem vormugen. das stehet christen zu Luther tischr. 5, 268 W.
ε)
den zins, die rechtzeitige zinszahlung versäumen den zins versitzen u. a. verbindungen s. I B 3 f.
b)
von zins als entgelt für ein darlehen, als zinsen für eine geldschuld sind jungen ursprungs, vgl.: das hayst: pasce oves meas. das sy reych werden, grosze heüsser kauffen, zinss machen bei O. Clemen reform.-flugschr. 1, 349; gelt ist die best wahr, zinss machen alt und jung S. Franck sprüchw. (1541) 2, 6ᵇ; zinsen erhöhen augere censum Stieler stammb. (1691) 2651; zinst tragen portare cioè, importare, rendere censo, interesse Kramer t.-ital. 2 (1702) 1104ᵇ; den zins steigern, erhöhen montare, rincarire il fitto ebda 1467ᵇ; wir müssen blosz immer pünktlich die zinsen bezahlen A. Seghers die toten bl. jung (1950) 207. übertragen: liebe verschenkt, egoismus leyht ... einerlei, ob die zinsen in diesem leben oder im andern fallen Schiller 4, 49 G.
4)
in verbindung mit präpositionen. auf: laszt uns geld entlehnen auff zinse Nehem. 5, 4; gelt auf zinse nehmen foenore pecuniam accipere Stieler stammb. (1691) 2651; einem geld auf zinse geben dare alicui pecuniam foenori, geld auf zinse ausleihen argentum locare Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1094; alle belege bieten den f. sing.; älter obd.: sie ... dencken, das sie solches (geld) hie zeitlich auff zinss legen J. Barth weiberspiegel (1565) g 3ᵇ. zuletzt der schwache plural: auf zinsen legen Schnabel Felsenburg 6, 15 Ullr.; dann soll ein ... theil der geldsumme auf zinsen angelegt werden Stifter s. w. 5, 1 (1908) 137; da sie sonst auf zinsen kein geld auslieh G. Keller ges. w. (1889) 1, 61. gegen: eine geldanleihe gegen mäszige zinsen G. Freytag ges. w. 15 (1887) 49. von: von zinsen frey seyn immunem esse a censu Stieler stammb. (1691) 2651; esser franco di censo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵃ; von zinsen leben vivere de' fitti, di case ebda 1467ᵇ. um: s. die fälle um zins 'zur miete', 'um miete' II B 5. zu: der hof giltet ze cinse 12 qu. roggen (Elsasz 1303) weist. 4, 14; und was man ze zinss geben sölt Ulrich v. Richental chron. d. Constanzer concils 28 lit. ver.
5)
sprichwörter und redewendungen: zinss schlefft nicht Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Nnn 6ᵃ; zinse und häure schlaffen nicht Spanutius dt. lex. (1720) 633; zins hat schnelle füsze Binder sprichwörterschatz 220;
rentten und zinsen laufen,
dieweil wir liegen und schlafen
Wille sittenlehre (1781) 56;
sparsamheit ist ein guter meyer, der seyn zinse gewisz und reichlich gibt Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Ss 8ᵇ;
hastu einen edelman zum meyer,
so bekompstu weder zins, hüner noch eyer
ebda Hh 5ᵇ;
zinss frist ein wie der brand ebda Nnn 6ᵃ; das lauffen halte ich billich für einen kurtzen ausszug, wann das glück einem den zins auffsagt Harsdörffer frauenz.-gesprächspr. (1641) 2, 350; Körte sprichw. (1837) 62; groszer hof wil ... pferd, grosz fron, rent, zinss, gült und abreissens haben sprichw., schöne weise klugr. (1548) 132ᵃ; biss arm im geyst, so bistu mitt eim jeden zinss reich S. Franck sprüchw. (1541) 1, 39ᵃ; wer den armen leihet, dem zahlt gott die zinsen Schulze bibl. sprichw. (1860) 64; zum müsziggang gehören entweder grosze zinse oder hohe galgen Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 164; ziel und zins esseⁿt mit aus der schüssel H. Fischer schwäb. 6, 1220; ist ja kunst ein solicher eintrag, das kein rent unnd zinss auszzeren kan S. Franck sprichw. (1541) 2, 7ᵇ; der hocket 'naⁿ, wie wann er deⁿ zins ᵍᵉbracht hättᵉ H. Fischer schwäb. 6, 1220; schiach wia der zins Schuster altwienerisch 196; der hat uⁿförmᵉ am zins seine bosheit wird immer gröszer H. Fischer schwäb. 6, 1220.
6)
ein diminutiv begegnet nur im alemannischen; erster beleg bereits 1525 aus bauernmundart: sy durfen auch kain dinst tun weder raisen noch sturen, anderst dan die klaine zinsle zu geben (württ. 1525) G. Franz dt. bauernkrieg, aktenbd. 160; das kain heuszlin oder gärtlin in und umb Ulm ware, darauff nit der abt ein zinsslin schlug S. Franck Germ. chron. (1538) 310ᵃ;
hand ir schon ein gellt usz glyhhen,
so ist der bur so hart verschriben:
ob im glych alle frucht verderben,
noch muͦsz üch üwer zinszly werden
schweiz. schauspiele d. 16. jhs. 2, 250 Bächtold;
ich brauch ihm das ding gar nicht zu zahlen, ich könn' ihm ja ein billiges zinslein geben Bräker s. schr. (1789) 1, 42; als die rückstände getilgt waren, allfällige zinslein ausgerichtet, ... da war die tröckene wieder fühlbar an den meisten orten J. Gotthelf ges. schr. (1855) 20, 337; so ein zinschen ist bald gezählt ebda 3, 127; pensiuncula ein kleine besoldung, söldle, zinssle Frisius dict. (1556) 968ᵃ. die heutige mundart liebt es im wortspiel mit zeisle, zeisig: dⁱᵉ zeisle singeⁿ bei ihm er ist vermöglich, leiht auf zinsen aus; an Martini pfeifeⁿ dⁱᵉ zeisle zu Martini musz man zinsen zahlen H. Fischer schwäb. 6, 1102; man nennt zeisige und zinsen zeinsle B. Auerbach schr. (1892) 13, 137. dazu: zinsleinpicker oder rentier G. Keller ges. w. (1889) 5, 67; schweiz. id. 4, 1120.
7)
die masse der zusammensetzungen mit dem grundwort zins spiegelt die vielfalt der grundzinse und der damit verbundenen hörigkeitsverhältnisse wider; diese werden bezeichnet teils nach dem gegenstande des zinses, der zu entrichten ist, u. a. als eier-, fisch-, flachs-, frucht-, hafer-, hühner-, wachszins; bett-, kleider-, schmuckzins, teils nach dem objekt, von welchem sie gegeben werden, als acker-, bach-, boden-, forst-, holz-, huren-, lehen-, salz-, wiesenzins; kopfzins, teils nach der zeit und dem ort, wo sie fällig sind, als michaelis-, walpurgis-, gatterzins, teils nach besonderen rechtsvorschriften als erb-, fahr-, rutscherzins; auszerhalb der grundherrlichen wirtschaftsform sind zu nennen der haus-, miets-, pachtzins, sodann der geld-, kapital-, wucherzins oder in neuer zeit die geld-, kapital-, wucherzinsen. ausführliche aufzählung bei Stieler stammb. (1691) 2651; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵃ und ᵇ; Krünitz öcon. encycl. 241 (1858) 490ff.
8)
in den vocabularen entspricht dem lemma meist eine synonymenreihe, welche teils eine zinsart wiedergeben, teils dessen begriffsumfang erfassen soll: census zinse, tyns, gilt, rente, schacz Diefenbach gl. 112ᵇ; schatz oder zynss gemma gemm. (1508) e 1ᵃ; zinss, rent oder gült Zehner nomencl. (1645) 109; zinsse census oder gulte redditus idem voc. teut. (Nürnb. 1482) pp 8ᵃ; census, reditus zinss, rent, stewr nomencl. lat.-germ. (1634) 500; zinsse oder landtzinsse oder maut oder gewerff oder stewr oder rente tributum voc. teut. (Nürnb. 1482) pp 8ᵃ; tributum rente, gylt oder zyns gemma gemm. (1508) C 6ᵃ; zins vectigal, tributum Dentzler clavis (1716) 364ᵃ; zins tributum, vectigal, den zins erlegen tributum solvere Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1094; pensio, pensiuncula zinss Alberus (1540) ii 4ᵃ; pensio bezalung, sold, zinss, pension Frisius dict. (1556) 968ᵃ; pensio ... ein zinss, ein bezahlung Calepinus XI ling. (1598) 1047ᵃ; zinss oder zinsen pensio, usura Reyher thes. (1686) p 3ᵃ; zins von entlehntem gelt pensio, census Dentzler clavis (1716) 364ᵃ; reditus zinss, gult, gülte, gilte Diefenbach gl. 488ᵇ; tins ders., nov. gl. 315ᵃ; zins census, id est redditus et pensio vel tributum voc. primo ponens (Straszb. 1515) m 2ᵃ; zinss reditus Dasypodius (1537) 466ᵈ; redditus zynss, rent, gylt gemma gemm. (1508) x 3ᵇ; assista i. impositio quedam zynss ebda c 2ᵃ; usuram accipere woker edder rente nemen Chyträus nomencl. lat.-sax. (1613) 533; foenus, usura wucher, rente, zinse, usurae menstruae mondzinse Orsäus nomencl. meth. (1623) 260; sine usuris dare leyhen ohne zinse nomencl. lat.-germ. (1634) 530; usura pension oder zinss, usura menstrua monatlicher zinss Zehner nomencl. (1645) 418; zins von gelt usura, zins und hauptgut usura et sors Dentzler clavis (1716) 364ᵃ; zinss pensio, tributum, reditus, portorium, vectigal Maaler t. spr. (1561) 522ᶜ; zins vectigal, tributum, census, pensio Schönsleder prompt. (1618) Qq 7ᵃ; zins vectigal, tributum, census, reditus Stieler stammb. (1691) 2651; zinss, jahrgelt entrata, vendita, interesse Hulsius teutschit. (1605) 164; zinns zu fünff auffs hundert interesse à cinque per cento ebda; zinss, geldt censo ders. (1618) 1, 283ᵇ; zins censo, cioè utile, frutto, interesse, pensione, rendita Kramer t.-ital. 2 (1702) 1467ᵇ; interesse gewinn, vortheil, nutz, item zinss cur. bauernlex. (1728) 93; zins revenu, rente, cens, entrata Hulsius-Ravellus (1616) 432ᵃ; zinss, m., revenu, interest, reditus, proventus Widerhold (1669) 437ᵃ; zinss, f., censiue ou cens, reuenu, rente, reditus, census Stoer all.-frç.-lat. (1663) 634ᵇ; zins, steuer, schosz oder schatzung, so man der obrigkeit erlegt tribute, gavel, taxes, contribution, scot and lot, payd to your liege-lord Ludwig t.-engl. (1716) 2597; zinss, m., interêt, rente Frisch nouv. dict. (1730) 689.
Zitationshilfe
„Zins“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/Zins>, abgerufen am 26.04.2018.

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