abfallen
Fundstelle: Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 36, Z. 68
delabi, decidere, von etwas niederfallen, in allen bei abfall dargelegten bedeutungen. der apfel fällt ab (dem baum), die reife frucht musz abfallen,
du blume deiner zeit wirst in der blüt abfallen.
A. Gryph. 1, 433;
des reiters koller, stück für stück,
fiel ab wie mürber zunder.
Bürger 1, 71;
ein alt weib fiel die stiegen ab, kein wunder bildt euch ein:
die früchte fallen von sich selbst, die überständig sein.
Logau 3, 52, 78;
unter säufern heiszt es, einen zu boden saufen, dasz abfalle wer reif ist. J. Westphal faulteufel Frankf. 1563 B 8ᵇ; der mantel ist ihm ab (von der schulter) gefallen, die krone (vom haupt). der kalk fällt von der mauer ab, der pfad steil von der klippe. alle seine leute sind von ihm abgefallen, ein abgefallener ist ein abtrünniger; ein solcher abgefallener sausewind. Weise erzn. 91. er fällt am ganzen leibe ab, ist vom fleische abgefallen, ist bleich und abgefallen, abgefallen von gram; den jägern heiszt abfallen, mager, schmal werden; (m. s. einfallen). den hals über die treppe abfallen, den hals über ein spindel abfallen. fastn. sp. 267, 11. die erze fallen ab, werden unergibig. diese farbe fällt von der andern sehr ab. der wein fällt ab, steht ab: beifusz in den wein gehenkt, verhütet dasz er nicht abfall. Tabernaemontanus p. 44; den trüben abgefallnen wein wiederum lauter machen. Hohberg 3, 444ᵇ; die weinschenken wann sie wöllen, das inen der weisze wein nicht soll rot werden oder abfallen. Sebiz feldbau 387. die gegend fällt ab, senkt sich vom gebirge nieder: da nun zugleich das land abfällt, so kommt man fort mit unglaublicher schnelle. Göthe 27, 6. es fällt noch etwas für uns davon ab, das wir ergreifen können. abfallen für entfallen, wegkommen:
all freud ist mir gefallen ab
mit einer, die ietzt leit im grab.
J. von Schwarzenberg 151.
gott dienet und liebt ich umb vil gab,
ist mir ietzt als gefallen ab.
derselbe 131, 2.
wie aber und was gestalt er ledig ward, ist mir der langen jahr halber abgefallen (vergessen). Kirchhof mil. disc. 139; in ein kloster, ist mir abgefallen (ich weisz nicht mehr ob), S. Florian oder Steiergärsten. Hohberg 2, 504ᵇ; nu wolt ich euch gern anzeigen die artikel, darauf ich hab antwort geben müssen, halt aber das mir der ein gut teil abgefallen. Luther 3, 411. 413. si meint, sie woll irem man abfallen (ihn verlassen). fastn. sp. 160, 14; ja wenn gleich alle welt unser meinunge (dat. nicht gen.) abfiele. Luther 3, 77ᵇ. vgl. beifallen, zufallen. Auch transitiv: er hat sich den hals abgefallen.
Zitationshilfe
„abfallen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/abfallen>, abgerufen am 19.07.2019.

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