abspeisen
Fundstelle: Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 122, Z. 53
nnl. afspijzen, cibare: den bettler mit brote (urspr. aba demo prôte?) abspeisen; den schwachen mit kräftigem fleische abspeisen; er hat täglich zwölf leute abzuspeisen; hinfurter wolter keinen armen mehr so schmal abspeisen. Kirchhof wendunm. 196ᵇ; mit stro abspeisen. H. Sachs 1, 444ᶜ; dies geschöpfchen, eine nusz eröfnend, besonders aber einen reifen fichtenapfel abspeisend (aba demo munde) ist höchst gracios. Göthe 55, 321. oft figürlich für abfertigen:
die hofnung beszrer zeiten
speist mein verlangen nur mit faulen fischen ab.
Günther;
bis er seine begierden abgespeiset. Simplic. 1, 477; der seinen gegner sehr blutig abgespeiset hatte. Felsenb. 1, 502; anfänglich vermeinten wir einen nach dem andern mit guten worten abzuspeisen. Plesse 1, 8; ihn mit entschuldigungen abzuspeisen. Wieland 9, 253; glauben sie nicht, dasz ich mich mit einer solchen antwort abspeisen lasse. J. E. Schlegel 2, 374; da wollt er mich mit leeren worten abspeisen. Göthe 42, 304; auch wird sich der schüler nicht leicht so frugal, als man ihn sonst bedienen mögen, abspeisen lassen. 52, 11; betrachtungen, die einer näheren prüfung werth sind und sich so nicht abspeisen lassen. Claudius 5, 133; sich durch ein wort abspeisen lassen. Kant 1, 47. einen abspeisen heisz auch unter dem volk das abendmal dem sterbenden auf dem krankenbett reichen. Das intransitive abspeisen scheint, wie in andern fällen, durch ellipse des acc. entsprungen: sie hatten abgespeist. Wieland 12, 218, d. h. alle gerichte abgespeist, transitiv genommen.
Zitationshilfe
„abspeisen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/abspeisen>, abgerufen am 23.01.2019.

Weitere Informationen …