Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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all

all,
integer, totus, omnis, universus, cunctus, quilibet. goth. alls, ahd. mhd. al, gen. alles, alts. mnl. nnl. al, ags. eal, gen. ealles, engl. all, altn. allr, schw. dän. all; ir. uil, welsch oll, armor. holl, gr. ὅλος, osk. sollus, lat. salvus, skr. sarva. wie sollus aus solvus, ὅλος aus ὅλϜος entsprungen scheinen und eins waren mit sarva, darf auch unser all hinleiten auf ein früheres sall, salv, sarv. anfänglich muste es gleich ὅλος und sarva nur die vorstellung der ganzheit enthalten haben, aus welcher allmälich die der allheit sich entfaltete. das unversehrte, unzerstückte ist, weil ein ganzes, zugleich ein all; nicht anders hat den romanischen zungen, nachdem omnis beinahe ausstarb (nur das it. ogni = onni, omni dauert) aus totus der ausdruck für die allheit müssen entnommen werden und auch unser ganz und heil pflegen im gebrauche des volks schon die bedeutung von all zu überkommen. wie heute unser sinnliches ganz zum abgezognen all sich verhält, war auch der begrif von sarva, ὅλος, totus ein sinnlicher, der von vis͗va, ἅπας, omnis mehr ein abstracter. Es ist bei diesem wichtigen wort, das in unsere sprache und rede tief eingreift, auf die form, bedeutung, stellung und zusammensetzung zu achten.
I.
Form.
1)
die abstraction und unbestimmtheit des wortes all ist zu grosz, als dasz es einen bestimmenden artikel vor sich litte, darum auch versagt es sich der schwachen flexion, man kann sagen der ganze, der gesamte, nie aber der alle, so wenig als der jede; es heiszt: gott, vater unser aller (omnium nostrum), ein freund dieser aller (horum omnium). Opitz sündigte wider die sprache, wenn er dem reim zu liebe setzte:
Homerus der hat recht, der vater unsrer allen,
er läszt den klaren wein ihm treflich wol gefallen,
wo doch nahe lag: der vater ist uns allen. Auch wenn ein strengeres demonstrativum vor all tritt, behauptet es starke form: das alles, dies alles, alles das, alles dies:
jagen sich, ängsten sich, beiszen sich,
und das all um ein stückchen brot.
Göthe 2, 91;
in ihrem sinn das all in ihren schränken aufbewahrend, ... hier, sieh das alles! 10, 190. In allenfalls sehe man keinen schwachen gen. (s. dies wort.) tadelhaft ist zu schreiben, wie z. b. Lessing thut, in allen (1, 236) für in allem, mit dem allen, bei dem allen für mit dem allem, mit allem dem, mit alle dem. Aus gleichem grund leidet auch all keine steigerung, noch kann ein adverb aus ihm gebildet werden, so wenig als aus omnis ein adv. omne, denn omnino und ahd. allîcho, mhd. allîche sind neue bildungen für die bedeutung gänzlich und diesen sinnlichen begrif haben ὅλως, πάντως.
2)
schon mhd. durfte vor artikel und possessiva unflectiertes al treten: al der lîp, al daʒ lant, al des landes, in al der wîle, al der rîter omnium equitum, al der frowen omnium feminarum, in al den landen (gramm. 4, 484). dies flexionslose all ist heute im nom. acc. sg. m. und n. ganz gewöhnlich: all der jammer, all der eifer, all das leid; was soll ich euch all den jammer, all das leid erzählen? was soll all der schmerz und lust? Göthe 1, 109. im f. und pl. überhaupt seltner, doch statthaft: all die qual, all seine sorgen; und all die sinne dir vergehn. Göthe 23, 261. im gen. und dat. bleibt den dichtern gestattet: all des leides, all der sorgen, all den qualen; wie lach ich all der trödelwaare? Göthe 1, 48; der schauplatz all meiner glückseligkeit. 10, 137;
und so tritt sie vor den spiegel
all in ihrer (in aller ihrer) munterkeit.
1, 82;
das hatt ich all in meinen besten stunden
in ihr entdeckt und es für mich gefunden.
3, 49,
in allen meinen besten stunden, obwol die all der beiden letzten stellen andre auffassung leiden. Die prosa zieht vor: alles des leides, allem dem leide, aller der seligkeit, aller der sorgen, allen den sorgen und auch die dichter bedienen sich, den umständen nach, für alle casus der vollen flexion:
du armer kriegesmann, du magst wol niederlegen
nun alles dein gewehr.
Werders Ariost 11, 25;
ich grubs mit allen
den würzlein aus.
Göthe 1, 27;
alle die weisesten aller der zeiten.
1, 143;
doch in aller dieser weite
wirk ich rasch und nur für dich.
1, 61.
die verkürzung kann aber auch vor dem demonstrativen pronomen erfolgen: all die, all diese, all jene, all solche:
all denen, die in nöthen sein,
mit rettung, hilf und trost erschein!
geistl. lied;
all denen, die drum bitten dich;
die bewunderung all dieser annehmlichkeiten. Klinger 1, 178.
3)
Luther setzt statt des unflectierten all in derselben lage ein unveränderliches alle: so wil ich alle den orten vergeben, omnibus locis. 1 Mos. 18, 26; alle dis volk. 2 Mos. 18, 23; das ich alle diesem volk gebe, omni huic populo. 4 Mos. 11, 13; ihn und alle sein volk. 5 Mos. 8, 2; alle das gerechte blut. Matth. 23, 35; zu gläuben alle dem (dem allen). Luc. 24, 25. aus dem 17 jh., namentlich den schlesischen dichtern sind keine beispiele vermerkt, im 18 häufen sie sich: öfnet mir die binden, dasz alle mein blut dahin fliesze. E. von Kleist 1, 189; fast alle sein geld. 2, 149; wenn ein trunk faules wasser damals nicht oft mehr werth war, als alle der quark. Lessing 1, 555; soll ich denn alle das lumpengesindel kennen? 1, 233; sie wird sie um alle das ihrige bringen. 1, 260; alle das ungemach, dem man sich dabei aussetzt. Wieland 11, 179; mir entsinket alle mein vertrauen. Bürger 5ᵃ; thut hier mehr als alle sein mammon. Schiller 310; alle das neigen von herzen zu herzen. Göthe 1, 93; ist sie auch wie alle das volk? dachte ich, 16, 104; mich über alle das entbehren auszuweinen. 21, 12; dasz er alle sein wissen und können manchmal nur für ängstlich tastendes versuchen erklären möchte. 23, 207; indem er uns dabei die übersicht gab der lage alle der merkwürdigkeiten, die wir sehen sollten. 28, 163; denn wozu dient alle der aufwand von sonnen und planeten? 37, 20; alle die klagen habt ihr sämtlich gehört. 40, 45; alle das gewölk jedoch verzog sich. 51, 220; du hast mir nun alle deinen kummer vertraut. Klinger 6, 242. fürs f. und den pl. sind natürlich die beispiele unsicher, weil alle auch die wahre flexion sein kann: sie kommen durch alle die zimmer. Göthe 1, 195; alle die ladung. 1, 301. So gute gewähr das unveränderliche alle hat, ist es dennoch zu verwerfen und auch heute dem unveränderlichen all oder der flexion gewichen, schon Lessing mied es im obliquen casus: hätte ich nur erst die hälfte von allen den schlägen. 1, 509; in allen den landen. Göthe 40, 243. Dasz dies alle als schwache form undenkbar ist, lehrt deren abwesenheit überhaupt wie der oblique gebrauch; vielleicht gibt über seinen ursprung die nächste anmerkung aufschlusz.
4)
nach den praepositionen mit, samt, von, aus, in und noch andern scheint alle vor artikel oder possessiv überrest des männlichen und neutralen instrumentalis, dem ahd. allû, mhd. alle entsprechend: sampt alle dem volk. 1 Mos. 35, 6; sampt alle dem. 2 Mos. 10, 12; mit alle seinem gerete. II. 30, 27; zu alle seinem dienst. II. 35, 21; über alle seinem hause. V. 6, 22; mit alle seinem thun und lan. H. Sachs I, 447ᵃ; der willigste, die glückseligkeit Roms mit alle seinem blute zu erkaufen. E. von Kleist 1, 185; ich bin mit alledem doch ein geplagter mann. Gellert 1, 144; aus alle dem. Lessing 1, 334; von alle dem. 2, 296; nach alle dem. Klinger 1, 174; mir wird von alle dem so dumm. Göthe 12, 96; Ottilie von alle dem nichts ahnend. 17, 218; wie er denn in alle dem, weshalb ihn die Franzosen tadeln, ein wahrer Deutscher ist. 26, 62; von alle dem trübsal und jammer. 30, 329; doch mit alle dem war das paar nicht unangesehn auf der oberwelt. 33, 267. wo die ausgabe von 1774 schreibt mit all dem, heiszt es 10, 97: wenn ich denn mit allem dem fertig war. selten, und es scheint tadelhaft, für den dat. f.: mit alle der pein. Göthe 40, 25, oder für den dat. pl. mit alle den leuten, wo es aber auch ein unveränderliches all ersetzen kann. geht dem voraus, so musz allem folgen: von dem allem weisz ich nichts, mit dem allem habe ich nichts zu schaffen. im dat. sg. und n. entspricht alle unverkennbar der mhd. flexion alle, folglich mit alle dem, bei alle dem dem mhd. mitalle, betalle (Ben. 1, 19ᵇ. 20ᵃ), möglicherweise war eben dies von der praep. abhängige alle schuld, dasz man auch für das unveränderliche all, in den fällen der vorigen anmerkung, ein unorganisches alle einführte.
5)
im gegensatz zu jenem abgeschnittnen, unflectierten all erscheinen nom. sg. m. und n., aller und alles, wenn ganz (totus) ausdrückend, gern in voller flexion, ja aller sogar für den acc. und andere geschlechter, analog dem halber, voller, stiller, nasser (gramm. 4, 494. 498) und diese analogie hindert aller für einen adverbial stehenden gen. pl. zu nehmen, so sehr dies der bedeutung zusagen würde: des künigs hausrat ist aller von silber und gold. Frank weltb. 188ᵃ; da hat sich der adel aller verkrochen, den künig Ferdinandum um hilf angeschrawen. Frank chron. 235ᵇ; ein frei volk, deren gotsdienst aller in der freiheit des geists stehet. Frank paradoxa 55ᵃ; wann gleich der erdboden aller mein were. Agricola spr. 150ᵃ; er ist aller blasz und erkaltet. Siegm. v. Birken 103; ligen blieb und entschlief, darzu sich aller (se totum) bespeiet und kotzet. Kirchhof wendunm. 146ᵃ; die heilige dreiknöticht kron (des pabstes) aller von gold und edelstein gemacht. 375ᵃ; und ich Friderichen gegen mir aller schamrot kommen sehe. Galmy 33; mit solchen gedanken aufstund, seine kleider anzoch, sich aller frisch und gesund befinden thet. 39; da die nacht die erd aller (totam) bedeckt hat. Aimon bogen X.; die köchin aller (tota) zerschlagen in die stube kam. wegkürzer 29;
er stan nasser und aller trof.
H. Sachs I, 499ᵇ;
ich halt eine schlang bei der kehl,
bis ich sie aller todt hinquel.
froschm. D bᵇ;
es sprang das satvrvolk, Silenus aller trunken
kam auf dem esel her fein langsam nachgehunken.
Opitz 1, 436;
es heulet, dasz die berg und aller wald erschallt.
2, 172;
zu mir trat aller nah.
Spee trutzn. 47;
nun bin ich aller matt.
176,
und bei diesem schriftsteller zumal häufig;
ein seidner unterrock
war aller ihr putz.
Wieland 4, 44,
nach der alten ausg., die jüngern setzen all ihr putz, wie die heutige sprache diesem aller ausweicht. Dagegen dauert alles fort: das kind steht da, alles zerlumpt, ganz zerlumpt; alles das haus bebte; alles mein geld. Felsenb. 1, 118; alles mein vermögen. 1, 80; das ganze bild war alles licht (ganz glanz). Göthe 17, 274; ihr guter wille ist alles pfand das wir haben. 8, 258; ob das obst alles verzehrt werden könne. 21, 96; alles unser bemühen. 29, 149.
6)
volle flexion wird verwandt, wenn das subst. ohne artikel folgt: aller mangel rührt daher, alle sorge schwindet, alles unheil ist eingetreten. auch bei den praep. über und um musz alles, darf nicht all stehn, wenn es den inbegrif aller dinge meint: er liebt ihn über alles (franz. sur tout, sur toutes choses); es geht ihm über alles; das wirst du nicht thun, nein, um alles nicht. Schiller 369; ihr spürtet ihn aus und hättet um alles gern von der waare gegessen. Göthe 40, 9. verschieden von jenem über alles ist das adv. über all (partout).
7)
von al, wenn es jedes, jede art bedeutete, liesz die ahd. sprache gern den gen. abhängen (gramm. 4, 740), welche fügung doch schon mhd. erloschen schien, heute noch weniger erwartet werden darf. indessen vergleiche man: al daʒ vrumes was. kaiserchr. 10 808 und wil in lân als (= alleʒ) ungelücks hân. fastn. sp. 257, 6.
8)
das auf all und alle folgende adj. pflegt heute gern schwache form anzunehmen: alles frische wasser ist heilsam; aller grüne rasen thut dem auge wol; alle guten geister loben ihren meister; alle bösen, im spielverz. bei Fischart nᵒ 484;
lockt freundlich sie
durch alle gefälligen töne.
Bürger 82ᵇ;
aller guten dinge sind drei. Lessing 1, 511; aller übrigen. 1, 271; doch ist auch starke form zulässig: alles frisches wasser; aller dürrer strauch. Logau 1, 5, 61; alle gute geister; alle übrige. Lessing 1, 271; alle junge mädchen. 2, 456; und ehmals überwog sie sogar (gramm. 4, 556. 557).
II.
Bedeutung. der allheit, weil sie eine mehrheit umfaszt, ist num. pl. angemessen, der sinnlichen ganzheit vorzugsweise sg.; aus zerstückung des ganzen giengen die einzelnen theile hervor, die in der allheit wieder zusammengedacht werden.
1)
dem pl. alle steht ein sg. jeder zur seite. den thaler bilden alle dreiszig groschen, jeder groschen ist des thalers dreiszigster theil. alle menschen müssen sterben, jeder mensch ist sterblich. alle leben sagt was jeder lebt, nur dasz alle zusammenfaszt, jeder die einzelnen theile ausdrückt. alle augenblicke, alle stunden, tage, jahre; jeden augenblick, jede stunde, jeden tag, jedes jahr. aller worte, die du mir sagtest, gedenke ich und jedes einzelnen. Obschon jeder sonst nur im sg. üblich ist, pflegen wir doch alle und jede, omnes et singuli zu verbinden: es sei allen und jeden gesagt, komme zu aller und jeder kunde. genauer wäre: allen und jedem, aller und jedes kunde, oder beide wörter in den sg. gestellt: alles und jedes. Göthe 40, 247. 43, 328.
2)
oft kann auch der sg. von all im sinne von jeder stehn: alle nacht, allen abend ergreift mich fieber; ich komme auf allen fall; das diene statt alles beweises; aller wein erhitzt, alles wasser kühlt; alles reden, trösten hilft nichts;
und so schläft nun aller vogel
in dem grosz und kleinen neste.
Göthe 5, 225;
aller zustand ist gut, der natürlich ist und vernünftig. 40, 277; aller knochen, der blosz nothdürftig seine bestimmung erfüllt, hat auch eine bestimmtere form. 55, 233; aller fremder in Israel soll in hütten sitzen. Reiszner Jerusalem 2, 40ᵃ; aller mensch wird thorecht ausz der kunst. 2, 68ᵇ; all der kitzel stumpfer sinne. Wieland 10, 324; aller anfang ist schwer; alle mühe ist umsonst; alle ausrede kann dabei nichts helfen; von dieser seite sei all ihre hofnung verloren. Schiller 870; der satz, durch welchen alles ding bestand und form empfangen. 97; das hauptsächlichste bei allem irdischen ding ist ort und stunde. 337; alles dieses bedenken ist unnöthig. Kant 6, 52; es blüht an allem orte. Logau 3, 103; vielleicht, dasz ihm die Ägypter allen gott, alle götter ausdrücklich untersagt hatten. Lessing 10, 310;
Mars suchet alles aus, er weiset allen grif,
zu nähren sich bei tag und wann man sonsten schlief.
Logau 1, 5, 11;
(philosophei,) die allen fluch und schwur
dem wasser und der luft heiszt geben in die spur.
3, 215.
allen augenblick. pers. baumg. 6, 8; und da setzts allen augenblick verdrusz und händel. Göthe 8, 175; die frauen alles standes. 18, 321; der antrag ist aller überlegung werth. 20, 236; alle achtung vor seinem wissen; einem alle ehre erweisen. In solchen fällen musz das subst. leicht in die vorstellung der mehrheit übertreten können, alle nacht, allen fall meint was alle nächte, alle fälle; alles ding was alle dinge; alles standes was aller stände. Sobald das einzelne unter vielem ausgedrückt werden soll, schiene all unstatthaft, z. b. in den sätzen: jedes kind zieht an durch seine unschuld, jede blume will frisch gepflückt sein, jeden mann erkenne ich an seiner stimme.
3)
in den unter 2. 3. 4 der form behandelten verbindungen des all mit dem artikel verbleibt ihm im sg. wie pl. die vorstellung der allheit, doch nähert es sich durch die zusammenfassung dem begriffe der ganzheit. du weist nun all mein leid hält gleichsam mitte zwischen jedes meiner leiden und mein ganzes leid. von alle dem, mit alle dem ist gedrungner, als es die ausführung von jedem dieser dinge, mit jedem dieser worte sein würde.
4)
die bedeutung der ganzheit behauptet sich oft noch im sg. von all, zumal bei abstracten vorstellungen: alle lust, alle freude ist nun dahin, das will mehr sagen als jede lust und beinahe die ganze lust; ich nehme alle seine sorge von ihm ab; noch ist nicht alle hofnung verschwunden; um alles sein vermögen ist er gekommen; all das geld reicht nicht hin, ihn zufrieden zu stellen; verfolgten sich aus aller macht. Gellert 1, 147; er machte sich in aller stille davon. Göthe 19, 117; kam in aller eile, en toute hâte; in aller frühe (ganz in der frühe). Göthe 25, 284; ein palast, der alle gegend (die ganze gegend) überschaut. 13, 48; und den fröhlichen tanz, den alle (die ganze) jugend begehrt. 40, 243;
weiland hielten unter häuten allen winter krieger aus.
Logau 2, 7, 92,
d. i. den ganzen winter; dise (magi oder caldei) philosophierten durch alles leben (ihr ganzes leben lang). Frank weltb. 141ᵃ. Bald würde man jeder setzen können, bald ganz setzen müssen. Häufig steht bei Luther alles volk für das ganze volk und zumal hergebracht ist all bei welt (vgl.allerwelts): alle welt (tout le monde) weisz es, redet davon, alle welt flieht ihn; er thäte es um aller welt reichthümer nicht, es freut ihn, wenn es aller welt wol geht; das begreife ich in aller welt nicht; du kannst alle welt auslachen;
er ist schon lang mit einem fremden schiffe
in alle welt, und lebt vielleicht nicht mehr.
Göthe 10, 215;
die samlung ist leider in alle welt zerstreut. 43, 348, d. h. in die ganze welt. jede welt wäre jede einzelne. so er ist durch all das land bekannt, durch das ganze; jedes land wäre ein einzelnes der vielen länder. war das nicht all mein trost? Göthe 8, 29; mein ganzer trost 42, 270.
der herr, der alles fleisch erhält,
wird mir so viel ich brauche geben.
Gellert 1, 212.
in allem, im ganzen, in summa: in allem drei gulden; wie viel sinds in allem? Göthe 8, 102; alles in allem, summa summarum; er hatte die hand über den ganzen erdboden und war euch alles in allem. 8, 171; mein vater hatte einen jungen menschen erzogen, der bei ihm bedienter, kammerdiener, secretär, genug alles in allem gewesen war. 24, 189; sie sind ehrgeizig und wollen alles in allem sein. pers. rosenth. 7, 20. so sind die schöffen lebendige archive, chroniken, gesetzbücher, alles in einem. Göthe 42, 45.
5)
bei sinnlichen begriffen wird heute ganz vorgezogen: das ganze dorf versammelt sich, die ganze gesellschaft war damit einverstanden, den ganzen haufen konnte man vom berge her übersehn; das ganze haus, die ganze stadt ist niedergebrannt; er fällt am ganzen leib sichtbar ab; das ganze kleid ist befleckt; er arbeitet den ganzen tag, schläft die ganze nacht nicht; ich liebe dich von ganzem herzen. Hier liesze sich niemals jeder, wol aber an die stelle des articulierten und schwachformigen ganz auch ein vorgeschobnes all mit nachfolgendem artikel anwenden: all das dorf, all die nacht = das ganze dorf, die ganze nacht. Die ahd. und mhd. sprache bedienen sich des all für ganz noch ungleich häufiger, ihr all war noch lebendiger, sinnlicher; wenn Luther Matth. 22, 37 verdeutscht: du solt lieben gott von ganzem herzen, von ganzer seelen, von ganzem gemüte hiesz es ahd. fon allemo thînemo herzen, fon allero thînero sêlu, fon allemo thînemo muote. bei Luther Marc. 12, 30: von ganzem herzen, von ganzer seelen, von ganzem gemüte und von allen deinen kräften; goth. us allamma hairtin þeinamma, us allai saivalai þeinai, us allai gahugdai þeinai, us allai mahtai þeinai. all war also vormals mehr totus als omnis, Luther behält es vor dem dat. pl. kräften, ἐξ ὅλης τῆς ἰσχύος σου, vulg. ex tota virtute tua, weil er insgemein für den sg. ganz, für den pl. alle verwendet. heute ist uns auch der pl. ganze verstattet, doch abweichend von alle in der bedeutung: ich schlafe ganze nächte nicht heiszt durchwache alle stunden der nacht; ich schlafe alle nächte eine stunde nicht, wache allnächtlich stundenlang. er verschleudert ganze summen, ganze capitale, bringt sie vollständig durch; er verschleudert alle summen, die vorräthig lagen, alle capitale, die man ihm geliehen hatte. ganze heere des feindes wurden vertilgt unterscheidet sich von alle heere wurden vertilgt.
6)
praedicativ in der bedeutung der allheit steht all kaum, doch kann man sagen: es ist nicht einer, sondern alle; die da kamen, waren alle. nie für die ganzheit, unsagbar wäre: der rock ist all, meine freude ist all, im sinne von unversehrt, unverletzt. Wol aber musz als merkwürdige, dem anschein nach uralte eigenheit unsrer sprache hervorgehoben werden, dasz sie praedicatives all im sinne von erschöpft und beendigt kennt: das geld ist all will sagen verthan, durchgebracht; der wein ist all, rein ausgetrunken; die freude ist nun all, zu ende; es ist all all, antwortet man begehrenden kindern; es ist alles all, tout est fini, wo das wort hintereinander verschiednes ausdrückt; und damit ists noch nicht alle. Schiller 646; meine hyacinthen sind alle. 310; dasz ich wieder was habe, wenn der all ist. Göthe bei Merck 2, 85; die kugeln sind alle, wir wollen neue gieszen. 8, 107; denn die missethat der Amoriter ist noch nicht alle. 1 Mos. 15, 16, necdum completae sunt. all werden = perire, finiri: das geld wird bald all; der wein wird all, es musz neu gezapft werden; der vorrat konnte dennoch mit der zeit theils verderben, theils alle werden. Felsenb. 2, 77; meine sechs thaler waren bei dem auflegen vor die musikanten und durch das unglückliche spielen alle worden. Leipz. avanturier 1, 196; das gröszte vergnügen wird alle, wenn die frau keine wirtin ist. Gellert; nun schieszt nur hin, dasz es alle wird. Göthe 8, 169; dennoch müssen sie untergehen, ja vergehen und alle werden. Luthers br. 2, 72; bis das ewre leibe alle werden in der wüsten. 4 Mos. 14, 33; es sol das dritte theil von dir durch hunger all werden. Ezech. 5, 12. all machen = perdere, verthun, durchbringen: er wird sein bischen geld bald alle machen; dieser mensch hatte einen reichen vater, dem er 12 000 thaler auf universitäten und 6000 thaler auf dieser zweijährigen reise alle gemacht hatte. Leipz. avant. 2, 17;
natürlich ists, das stetigs klagen
uns endlich alle macht.
Fleming 487;
der kömpt vom berg herab und der kömpt durch das thal,
dasz sie den tollen mann da wollen machen all.
Werders Ariost 24, 8,
et altretanti andar da basso ad alto,
per fare al pazzo un villanesco assalto;
hat in derselbige ins weiche gestochen und also in gar alle gemacht und jämmerlich erwürget. Spangenbergs jagteufel 1560 bl. S iiᵇ. Adelung erklärt dies seltsame all für gemein und für ein adverb. adverb sein kann es aber nicht, da, wie wir sahen, der begrif all das adv. ausschlieszt und die verbindung mit sein, werden, machen nothwendig ein adj. fordert. auch ellipsen lassen sich nicht wol annehmen, wer das geld ist all und das geld ist hin (gegangen) vergleichen wollte, würde all machen nicht erklären können. Erwägt man nun, dasz all ein verwandter begrif von ganz ist, ganz aber sich an gar und fertig reiht; so musz auch all aus der vorstellung der bereitschaft übergehn in die des abschlusses und endes. der fertige steht gerüstet zur fahrt und zum abgang, fertig sein heiszt uns zwar bereit sein, aber auch ermatten, erliegen. gerade so zweideutig erscheint gar, die speise ist gar bedeutet sie ist fertig gekocht, in Östreich hingegen, sie ist erschöpft, ausgegessen, nicht mehr vorrätig. man sagt dort mit mir ists gar = mit mir ists aus. in diesem sinn kann auch das ist all beides ausgedrückt haben, das steht bereit und ist nicht mehr zu haben. einen all machen heiszt was ihn expedieren, ihm den garaus machen; etwas gar haben, gar kriegen bedeutet in Baiern es klein, fertig kriegen. Schmeller 2, 60; hundert thaler klein oder all machen wäre dasselbe. wir verknüpfen ganz und gar, die altn. sprache setzt zusammen giörvallr, omnino omnis, wie Spangenberg in der angezognen stelle sagt einen gar alle machen. hinter dem praedicat es ist all = erschöpft musz ein älteres es ist all = vollständig, ganz, bereit gelegen haben, das zwar in den sprachdenkmälern noch nicht aufzufinden steht; doch die redensart es ist all zeigt sich gegründet und für die geschichte des wortes all bedeutsam. wo auch hier alle für all erscheint, musz es wie in alle der und alle mein unorganisch genannt werden. Ob nun zwar das eben geschilderte praedicative all = erschöpft, zu ende gegangen aus ahd. und mhd. denkmälern noch nicht aufzuweisen steht; so darf doch kaum bezweifelt werden, dasz es damals schon in der sprache lebte. dafür läszt sich ein wichtiger grund aus der altnordischen schöpfen, in welcher nicht nur das vorhin angezogne giörvallr vorkommt, sondern auch allr, nach Biörn, bedeutet: qui vivere desiit, nil praeterea valens; hann varđ þar allr, ibi mortuus est. nicht anders heiszt es schwedisch: det är allt paͦ fatet; malen är slut paͦ fatet; tortan är all; mina penningar äro alla; min häst blef all i gaͦr; nu är det allt med oss; han gaf mig en riksdaler, och dermed allt. dänische beispiele gibt Molbech unter al nicht an, doch sind sie ohne zweifel auch in dieser sprache begründet. Vergleichbar scheint endlich das böhm. po wšem, buchstäblich nach allem, dann zu ende, giž gest po wšem, es ist all, ist vorbei, giž gest po wšem weta, actum est de illo, weta gest, es ist all (wett), zu ende, giž gest po wjně, es ist post vinum, der wein ist all. Jungmann 5, 80ᵇ. 204ᵃ.
III.
Stellung.
1)
unabhängig vom artikel, immer starkformig, pflegt all voraus zu gehn. das ganze volk, die ganze welt, die gesamten leute setzt sich um in: all das volk, all die welt, all die leute, oder ohne artikel: alles volk, alle welt, alle leute. alle guten, alle die guten, alle die besten. Göthe 40, 5. mit einem pronomen dazwischen: fragen alle sich die brüder. 3, 72.
2)
nachdrucksam folgt es aber hinter dem nomen: die besten alle, die besseren alle; was kümmert uns das volk all?
und das landvolk all herbei lief.
Göthe 8, 111;
jeder sann nur und schwur, die beleidigung alle zu rächen.
40, 291;
er wandte sich von seinen freunden allen ab; den mädchen allen. Gökingk 2, 169;
von des lebens gütern allen
ist der ruhm das höchste doch.
Schiller 2, 44;
wie hat dieser frevler die blumen alle zerstört; die stimme wird gelassener, die glieder alle gerathen in einen stand der ruhe;
die rothen backen alle.
Göthe 8, 111;
seinem weibe verschwätzte der thor die heimlichkeit alle.
40, 76;
und wie das zeug alle hiesz. 44, 2; und wie sonst der narrentand all heiszen mag. Gökingk 2, 186; komm, ich leite dich zum quell des lebens all. Göthe 33, 251. In noch weiterem abstande, durch ein verbum getrennt: die schuldigen verstummten alle; einer starb, die andern genasen alle; einen strafte er, den andern verzieh er allen;
nein nein, die weiber siechten alle,
wenn dieses übel schädlich wär.
Gellert 1, 91.
Kühner tritt all, wenn ein verbum dazwischen steht, voraus:
alle blinken die sterne mit zitterndem schein.
Göthe 40, 377;
es beben alle mir die glieder.
11, 88.
3)
auf ein demonstratives das und dies folgt all unmittelbar oder läszt sich durch andere wörter abtrennen: das alles ist wahr, das ist alles wahr; diese alle liebe ich, diese liebe ich alle; das alles war, das war alles verlorne arbeit.
4)
auf dieselbe weise verbindet es sich mit was oder trennt sich davon: was alles meinst du damit? was meinst du alles? was alles soll das? was soll das alles? es ist erstaunend, was er alles weisz; was könnte ich nicht alles dir zu liebe thun? was alles weissagte ihm nicht sein herz?; könnt ihr mir sagen, was das all bedeutet? Schiller 353. Und gleich dem neutrum was ist auch alles, wenn es zu was für = welch gefügt steht, auf substantiva jedes geschlechts und numerus beziehbar: was alles für leute sind das? was ist das alles für ein schreien und toben? was sind das nicht alles für ausflüchte? was du dir doch alles für sorgen machst; was alles für schlüsse daraus herzuleiten wären; was sah sie nicht alles für prüfungen vor sich schweben. Göthe 17, 284; und was für bemerkungen noch alles den genusz der bilder störten. 38, 123; ja man weisz nicht, was man ihnen alles für hörner und klauen andichten soll. 48, 11;
ihr mustet über
den Euphrat, Tigris, Jordan, über wer
weisz was für wasser all?
Lessing 2, 198,
wo auch stehn dürfte: was für wasser alles. Sogar wagt man solch ein alles mit wer zu verknüpfen: wer alles war zugegen? wen erblicktest du alles in dem hause? wem alles gabst du das geld? ich hatte den philosophen, den physiker, mathematiker, mahler, mechaniker und gott weisz wen alles in anspruch genommen. Göthe 30, 328. doch ein pluralverbum fordert auch alle: und wer sind denn alle diese feinen buben?
5)
hinter alles, wenn es jedermann bedeutet, könnte ein neutrum wie volk ausgefallen gedacht werden: alles rennt und läuft auf den straszen; alles freut sich der frühlingszeit; alles kommt mir entgegen; wenn alles schlief. Gotter 1, 43; wie alles augen macht. Gökingk 2, 202. richtiger aber sieht man darin die ins neutrum überhaupt gelegte unbestimmtheit, aus der sich das verschiedenartigste entfalten kann; in dem mhd.
alleʒ daʒ ich gerne schouwe,
dast ein wîp, diu mich ungerne siht.
MS. 1, 30ᵇ,
wird doch niemand auf alleʒ ein subst. folgen lassen.
6)
den zahlen pflegt all gern voran zu treten: alle zwei, alle drei, alle zehen; wir müssen jetzt alle fünf jahre umlernen, wenn wir nicht ganz aus der mode kommen wollen. Göthe 17, 48. alle zwei stunden einen löffel voll einzunehmen. alle viere strecken meint hände und füsze, mhd. alliu vieriu; alle neune werfen, die neun kegel. Lessing läszt nach dem gen. pl. aller die unflectierte zahl folgen: man sieht ja nicht aller zwei meilen einen galgen; ich richte mich so ein, dasz ich aller sechs wochen eine neue herschaft habe; für alle zwei meilen, alle sechs wochen. die ältere sprache erreichte das heutige in allem behend durch den bloszen gen. pl.: nu wurden aller ahte. Er. 3441; zwelve ir aller wâren. Mai 114, 23; altn. siö hundruđ allra. Sœm. 135ᵃ, siebenhundert in allem. vgl.aller adv.
7)
die sprache des 16. 17 jh. gebraucht bei fluch und schelte häufig genitive jedes geschlechts und numerus, welchen immer noch ein gleichfalls genitivisches alles und aller voransteht. belege und erläuterung dieser elliptischen, merkwürdigen ausdrucksweise folgen unter aller, allers und alles.
IV.
Zusammensetzung.
1)
des alten unterschieds zwischen all und ala in zusammensetzungen (gramm. 2, 627. 650) läszt unsre sprache längst nicht mehr gewahren. insofern all, alla dem gr. ὁλο-, ala dem παντο- gleicht, scheint sich daraus eine wichtige bestätigung des über den ursprung des wortes voraus geschickten zu ergeben. da die bedeutung der ganzheit früher als die der allheit ist, musz auch die form alla älter sein als ala, was zur deutung des alla aus alva salva sarva stimmt. in ala hat sich die consonanz verdünnt wie in ὅλος, obschon dies den begrif der ganzheit festhielt. welche unsrer heutigen zusammensetzungen mit all die eine oder andere bedeutung hegen, wird bei den einzelnen wörtern angegeben.
2)
hervorzuheben ist die entschiedne neigung der deutschen, zumal hochdeutschen sprache auch partikeln mit all zusammenzusetzen. dahin gehört besonders also, welches seit seiner verkürzung in als eine grosze rolle spielt. in den räumlichen pronominalpartikeln allda, allwo, allher, allhier, alldort soll das vorangestellte all den raumbegrif verstärken wie das nachgesandte selbst in daselbst, woselbst, hierselbst, dortselbst. zu stärkt sich in allzu, zuhand, zumal in allzuhand, allzumal, bereits, sogleich, sobald in allbereits, allsogleich, allsobald. alle solche zusammensetzungen enthalten den räumlichen begrif des all, gleichen griechischen mit παντο-, sollten demnach mit l, nicht mit ll geschrieben werden.
3)
einige zusammensetzungen sind uneigentliche und haben blosz den adjectivischen casus an ein subst. geschoben, wie den acc. sg. fem. alle in allezeit, verkürzt allzeit, zumal häufig den gen. pl. aller, ahd. allerô, goth. allaizê vor superlativen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 206, Z. 35.

all, adv.

all, adv.,
ein von dem adj. all in gewöhnlicher weise geleitetes adv. wurde vorhin, wie ein ahd. allo, mhd. alle geleugnet. etwas anders ist, dasz das neutrum des adj. adverbialisch gesetzt und aufgefaszt werden könne, in manchen der nachher angeführten zusammensetzungen liesze sich das all ablösen und wie ein adverb betrachten. umgekehrt, wenn Bürger 86ᵇ sagt:
die schönste maid, die du ersiehst
all säuberlich und nett,
von fusz zu haupt, von haupt zu fusz,
wäre auch ein verbundnes allsäuberlich annehmbar. anderemal kann man zwischen adj. und adv. schwanken: laszt mich so, es ist all eins. Göthe 8, 24, darf bedeuten ganz eins, gänzlich eins oder alles eins. mir ists all eins. Schiller Wallenst. 4, 3.
Nathan: geh sag, ich lasz ihn bitten,
ihn herzlich bitten.
Daja: allumsonst. er kömmt euch nicht.
Lessing 2, 213;
all überall: Lenz will all und überall nach shakspearescher weise gehandelt haben. Göthe 26, 75;
wenn überall, all überall
im stillen wir uns vermehren.
3, 74;
und überall, all überall
auf wegen und auf stegen.
Bürger 13ᵃ.
Nicht selten scheint auch all, wie das mhd. al in die bedeutung von obgleich, obschon, in die von schon überzugehn: du kommst mir all eben recht; das ist all recht gut; ich will es all bedenken, wiewol adjectivisches all hier gleiches recht hätte: das ist all gut, im ganzen magst du recht haben. Göthe 10, 105; es ist ganz gut, dasz man edel denkt. 10, 87 (ausg. von 1774 s. 52 es ist all gut); alle wol, ganz wol. Ettners unw. doct. 93. 467.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 213, Z. 52.

all, n.

all, n.
universum, τὸ πᾶν, welches einige im gen. unverändert lassen, andere flectieren: dasz wie ein kreisz nur einen mittelpunct, die welt nur eine sonne also das grosze all nur einen einigen gott habe. Lohenst. Arm. 2, 274;
o wunderbares all, eröfne mir die augen.
Brockes 1, 474;
wie hast du groszes all auch mich .. gewähret.
3, 687;
zur geburt des weiten all uns führen.
3, 145;
dank dir, schöpfer dieses all,
dasz ich für den mond ein auge habe
und ein ohr für deine nachtigall.
Gökingk 1, 51;
begeistert reiszt euch durch die nächsten zonen
ins all und füllt es aus.
Göthe 1, 141;
und so empfangt mit dank das schönste leben
vom all ins all zurück.
1, 142;
doch meine blicke sollten
in einen punct verdichtet des schönen all (das all des schönen) entdecken.
Platen 83;
sich selbst zu schaun erschuf der schöpfer einst das all,
das ist der schmerz des alls, ein spiegel nur zu sein.
84;
während allein er das all klardenkend wägt.
127;
die idee von einem all der realität (omnitudo realitatis). Kant 2, 245. vgl.alles.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 214, Z. 6.

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Zitationshilfe
„all“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/all>, abgerufen am 31.10.2020.

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