Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

alter, n.

alter, n.
aevum, aetas. gleich dem weiblichen goth. alþs, altn. öld aevum, seculum musz es auch ein ahd. ald und alt f. von gleicher bedeutung gegeben haben, wie das zusammengesetzte weralt, worolt, nhd. welt lehrt, das wir noch heute weiblich gebrauchen. für das einfache alt kam aber allmälich das neutr. altar, unser alter auf, so dasz in unserm weltalter der pleonasmus weraltaltar steckt. alter bedeutet uns nun
1)
aevum, zeitalter, weltalter:
o that, die (quam) welt in erzt und cedern billich schreibt,
und wie sie immer kan, dem alter einverleibt.
Logau 1, 4, 47;
ja du bist unsers alters preis
und taugenlich zu wort und werken.
Weckherlin 372;
das goldne alter wieder zurückrufen. Schiller 109; der schöpfer eines neuen goldnen alters in Spanien zu werden. 245; Italien, dem Cosmus jüngst sein goldnes alter wiedergegeben. 783; eine wolthätige gottheit nähre ihn mit der milch eines bessern alters. 1158. doch ohne ein solches beiwort wagen wirs kaum zu gebrauchen und ziehen zeitalter, weltalter vor, nur in den adverbien von alters, vor alters hat es sich einfach erhalten: es war aber von alters her (von je her) eine gewonheit in Israel. Ruth 4, 7; diese waren die einwohner von alters her dieses landes. 1 Sam. 27, 8; deine gemeine, die du vor alters erworben. ps. 74, 2; gott ist mein könig von alters her. 74, 12; sie ist der ehbrecherei gewohnet von alters her. Ezech. 23, 43; darumb die stadt Sarepta von alters denen von Sydon zustendig gewesen. Mathesius 1ᵇ; in allen künsten ist von alter her ein löblicher gebrauch gewest. Fronsp. kriegsb. 1, 137ᵃ; vor alters gieng es nicht. Fleming 109;
was für alters tugend hiesz.
Logau 1, 8, 61;
heute geht ein altes abe, gehet ein ein neues jahr,
gebe gott, dasz deutsches wesen sei wie es vor alters war.
2, 8, 83;
wo käme lieb und hasz denn her,
wenn er nicht schon von alters wär!
Göthe 3, 286;
wie es scheint bist du noch immer so lehrreich und geschwätzig wie vor alters. 10, 162; die kunstbemühungen, wodurch diese stadt von alters her so berühmt ist. 33, 171. vgl. altersallein.
2)
weit häufiger aetas, lebensalter, auf jeder stufe, zumal aber das höhere alter, senectus, welches bei Keisersberg einmal männlich gebraucht wird: der alter pfetzt si und lit in ir zu nagen und macht si so wunderlich. chr. bilg. 32; doch sonst steht es nur neutral. das kind ist seines alters im zweiten jahr gestorben, hat sein alter nur auf sieben jahre gebracht; die jungfrau steht in ihrem blühenden alter, der mann in der kraft seines alters; das kind ist seines alters ein stab; wir sind gleiches alters; alter hilft für, schützt vor thorheit nicht; der greis hat das höchste alter erreicht; sonst warest du jung, jetzt stehst du im alter; das alter naht, schleicht heran, beschleicht (mhd. sîget vaste zuo), ist eine grosze bürde; er ist alters schwach; das alter hat ihm die sinne benommen; drei (menschen-) alter bilden ein jahrhundert. das alter kommt über die menschen, greift sie an: wenn das alter wird mit uns ringen. fastn. sp. 612, 8; bis mich das alter ab wird treiben. 737, 12. 738, 10; du solt fahren zu deinen vätern und in gutem alter begraben werden. 1 Mos. 15, 15; und Sara ward schwanger und gebar Abraham einen sohn in seinem alter. 21, 2; und nahm ab und starb in einem ruhigen alter. 25, 8; denn die augen Israel waren dunkel worden für alter. 48, 10; er bedachte sich also, wie es denn seinem groszen alter und eisgrauen kopf gemäsz war. 2 Macc. 6, 23; also so si (die nationen und reiche) auf ihr fürgestelt alter und zil kummen, haben si auch wider iren undergang und abnemen. Frank weltb. 31ᵇ; er hat sein alter, traget in. Schmelzel blindg. sohn 8ᵃ; wenn ich manchmal dachte, wie wird es mit dir aufs alter werden? Lessing 1, 557; weil in dem jahre, da Aphepsion archon gewesen, Sophokles alters wegen noch kein trauerspiel aufführen können. 6, 318;
und die mauer die vermorschte
alters halben ist gefallen.
Göthe 5, 274;
dies röschen, in der knospe noch verhüllt,
der unschuld deines alters bild.
Göthe 1, 182;
so gehts, wenn die rasche jugend den rath des bedächtigen alters verwirft. 3, 112;
ihr wart so zarten alters noch.
Schiller 408;
das alter hört sich gern,
und wenn es auch nicht viel zu sagen hat.
Göthe 4, 66;
nun wurden mir alle stände, alter und charaktere zur last. 19, 98. Zuweilen bezeichnet alter auch ein mit dem alter verbundnes vorrecht: das alter vor einem haben, länger im besitze sein; sein alter augenscheinlich machen, sein älteres recht darthun.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 268, Z. 56.

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Zitationshilfe
„alter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/alter>, abgerufen am 26.05.2020.

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