ameise f
Fundstelle: Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 277, Z. 41
formica, ein behendes, schöngelenkes thier, ahd. ameiʒâ, mhd. ameiʒe (Bon. 41, 3 anbeiʒe), quantität der vocale und ursprung des wortes unsicher, spr. Sal. 6, 6 und 30, 25 hätte die uns entgehende goth. form vorgelegen, der ahd. gleich würde sie amaitô, vielleicht amaitei gelautet haben, wo sie nicht ganz abwich. gehört nun ameiʒâ zu ëmaʒ, ëmaʒîc, nhd. emsig und zum altn. ami labor, molestia, so erklärte sich nach der formel iman am êmun das abspringen der vocale in emeisz, emes bei Alberus, wetterauisch imes, und schwäb. aumeis, bei Keisersb. omeis, aumeise Fischart Garg. 105ᵇ, 195ᵇ, 222ᵇ und ameise bliebe das emsige, arbeitsame thier, ags. ämette, engl. emmet und ant (für amt), daneben ags. ämetta quies, ämetian quiescere, weil die begriffe der musze und unmusze ineinander flieszen, das dem ämetian entsprechende ahd. emaʒigôn, mhd. emʒegen ist continuare, laborare. seltsam schweiz. humbeisze und lombeisze (Stald. 2, 523. 524), luxenburgisch sêchomes, d. h. seichameise, anderwärts saichmotze, seichamse, wie niederd. migamke, migemke, migemerke, von migen pissen, seichen, weil man den juckenden stich oder bisz des insects seinem urin beimasz. amke, emke, emerke enthalten mit andrer ableilung wieder die wurzel von ameise und emmet. Das abweichende nl. mier, altn. maur, schw. myra, dän. myre und wiederum pissemyre, engl. pismire, isl. mîgamaur, hat groszen anklang: ir. moirb, welsch mor, armor. merienen, finn. muurainen, altsl. mrav', russ. muravei, poln. mrowka, böhm. mrawenec, gr. μύρμηξ und reicht nach Asien, folglich ins höchste alterthum. jene herleitung des ameiʒa von der wurzel am, im könnte triegen und berührung mit dem verbreiteten mur auf irgend eine weise stattfinden.
geh fauler, gehe zur ameisen du,
und lerne sammeln für des winters noth.
Stolberg 3, 34,
welche oblique endung der nhd., ameise fordernden regel zuwider lauft. geld und gut wie ameisen, es wimmelt wie ameisen. s.ämse.
Zitationshilfe
„ameise“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ameise>, abgerufen am 14.10.2019.

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