Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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ahnden

ahnden
ulcisci, punire, ahd. anadôn, antôn (Graff 1, 268), mhd. anden (Ben. 1, 35ᵇ), ags. andian zelari, invidere, von dem vorausgehenden abgeleitet; ahd. unreht andôn, punire injustitiam, das mhd. anden ist gleichviel mit sînen anden rechen; eʒ andet ein hundelîn. myst. 1, 323 gleichviel mit dem späteren tuot im ant; lasset euch mein red nicht anden. fastn. sp. 338, 7 bedeutet nicht leid sein, nicht verdrieszen. nhd. erscheint es aber im sinne des strafens, rächens anfangs sehr selten und Luther kennt es überhaupt nicht, Dasypodius, Henisch, Schottel, Stieler wissen von keinem ahnden, anden vindicare, Joh. Doman im lied von den hansestädten bei Wackernagel 2, 255 hat es:
wer hat ein schwert in handen,
dem thut kein degen leid,
damit pflegt mans zu anden,
helts ander in der scheid;
zank und händel kriegen,
die man auch nicht ahnden darf.
Günther 80.
doch im laufe des 18 jh. wird es ganz gewöhnlich zu sagen: das böse, den frevel, den schimpf ahnden, das soll nicht ungeahndet bleiben; dem schuldigen ahndende gerechtigkeit. Göthe 21, 65; that ich dir doch wenig, was willst dus so schwer ahnden?
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 192, Z. 76.

ahnden

ahnden
mente praesagire. diese bedeutung hat das ahd. anadôn, so viel wir wissen, nie, das mhd. anden kaum; man dürfte sie aber selbst als die ursprüngliche aufstellen und wiederum von anado mens ableiten; wenn ahnden rächen doch eigentlich meint, seinen unmut, sein gemüt äuszern, warum sollte es nicht auch ausdrücken können im gemüt empfinden? wir unterscheiden heute vortheilhaft zwischen ahnden vindicare und ahnen praesagire; ob sich der unterschied historisch rechtfertigen lasse, soll bei ahnen erörtert werden, hierher gehören vorerst die belege für ahnden praesagire. der frühste bietet sich aus Tristan 236, 1 dar, wo HO. mich andet, F. mich anet, MB. mich dunchet lesen.
mein herz versinken wil von leid,
mich antet keines guten nit.
H. Sachs V, 233ᵇ;
das hat mein herz wol gandet heut.
I, 233ᵈ;
unglück mich anten thut.
Ayrer fastn. 87ᵃ;
Klopstock setzt immer ahnden, mich ahndet:
und dich ahndet bei dem hinschaun
nicht von blendung? mich ahndet.
1, 267;
o es ahndet dich auch, dasz es ihr nicht gelingt.
2, 241;
schrecket euch dieses nicht, so ahndet mich, dichter, der lorber,
welchem ihr auch nur naht ihn zu berühren, verwelkt.
7, 331;
und mich ahndets, dasz du mich wiedersehn wirst.
8, 107.
so auch Voss: ihm ahndete, dasz es ein gott sei. Od. 1, 324; ich weisz nicht was mir ahndet. Lessing 1, 384; neue prüfung, von der ihm nichts geahndet hatte. Wieland 8, 338; ein ahnden von dem ewgen leben duft um sein grab. Claudius 1, 139; ahndend, welch ein wunder werde. Bürger 1ᵇ;
von hoffen und ahnden
war trunken sein sinn.
33ᵃ;
in den älteren schriften und ausgaben Göthes scheint überall ahnden, ahndung u. s. w. zu stehn, wo die späteren dafür ahnen, ahnung setzen, z. b. 6, 205. 25, 362. 26, 11. 14. 78. 105. 323. 45, 297. 310. 49, 92. wir sahen schon, dasz es der form ahnden nicht an begründung fehlt. Kant schreibt sogar 10, 195 (im j. 1798): man hat neuerlich zwischen etwas ahnen und ahnden einen unterschied machen wollen, allein das erstere ist kein deutsches wort und es bleibt nur das letztere; ahnden heiszt soviel als gedenken, es ahndet mir heiszt es schwebt etwas meiner erinnerung dunkel vor, etwas ahnden bedeutet jemandes that ihm im bösen gedenken, es ist immer derselbe begrif, aber anders gewandt. ahnden ist nicht eigentlich denken, auch vom goth. aha mens, ahjan cogitare nicht abstammend, doch mente praesagire, animadvertere kann allerdings übergehen in animadvertere, reprehendere, punire. dennoch wird auch für ahnen sich einiges sagen lassen und undeutsch scheint es in keinem fall. da die unterscheidung zwischen ahnden und ahnen jetzt fast durchgedrungen ist, verdient sie beibehaltung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 193, Z. 19.

anden

anden,
mente praesagire, s.ahnden, ↗ahnen. hier noch belege aus Ayrer:
vor angst ich nicht zu bleiben weisz,
dann mich gwis etwas anden thut.
41ᵃ;
dann wenn mich etwas anden thut,
so geht es mir gwis in die hend.
181ᵃ;
dann mich andet fürwahr nichts guts.
364ᵃ
ach wie hat das geant mein herz.
415ᵃ
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 304, Z. 72.

anden

anden,
vindicare, reprehendere. s.ahnden. Thales fiel in ein gruben, da er das andet, sprach das alte weib lachend zu ihm. Frank chronica 24ᵃ; als dis sein freund gegen im andten. 135ᵃ; es grauste mir vor so vielfältigen fehlern, dasz ich es anthen muste. Schmelzel 280.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 305, Z. 1.

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Zitationshilfe
„anden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/anden>, abgerufen am 25.11.2020.

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