Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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anders

anders,
aliud, mhd. anderʒ, gewöhnlich aber ander, nom. acc. n., von dem folgenden genitivischen anders unterschieden: das ist ein anders, eine andere sache, ein ander ding; was anders ist gemeint? anders ist versprechen, anders halten; machen ist ein anders denn anbeten. Luther 3, 38ᵇ; es wird doch in zehn jaren wol ein anders werden. 3, 90ᵇ; sein wesen ist gar ein anders. weish. Sal. 2, 15; trotz der prillen, die sie für anders ansicht. Fischart bienenk. 183ᵃ. heute sagen wir voll: ein anderes, andres, zum unterschied von dem stets gekürzten genitivischen anders.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 311, Z. 66.

anders

anders,
gen. von ander, mhd. anders, in mehrfacher anwendung.
1)
adv. aliter, auf andre weise: es verhält sich damit nicht so, sondern anders; ich will es anders ausdrücken; es lautet ganz, etwas anders; es soll anders werden; wie konnt es anders sein?; anders spricht man mit einem bekannten, anders mit einem fremden; aber sein herz dacht gar vil anders. 1 Mos. 45, 26; nachdem man das haus anders beworfen hat. 3 Mos. 14, 43; wenn nothwendig die eine die andere verfinstert, wenn es kaum anders sein kann, als dasz nicht die königin unter der liebhaberin, oder diese unter jener leiden sollte. Lessing 7, 113; das opfer kann mir nicht anders als zur ehre gereichen. Klinger 8, 110; ich bitt euch um gottes willen, seid anders. 1, 49; das kleid wird anders gemacht, geändert.
2)
adv. alias, alioquin, wo die ahd. sprache alles (Graff 1, 223), die mhd. schon anders (Ben. 1, 36ᵇ), die heutige gleichbedeutend mit anders auch sonst ceterum, ceteroquin verwendet. dies anders verbindet sich gern mit dem interrogativum und allen daraus flieszenden partikeln, mit etwas und nicht: wer anders, wem anders, wen anders, was anders, wo anders, wohin anders, wie anders, wenn anders, etwas anders, nicht anders, nichts anders = wer sonst u. s. w., welches sonst in den drei letzten fällen vorauszugehen pflegt: sonst etwas, sonst nicht, sonst nichts (vgl.sonst). aber auch anders kann, nach wendung der rede vorantreten: anders wer, anders wen, anders was, anders wo (engl. else where) oder abgetrennt stehn:
wer redlich anders buhlt.
Logau 2, 3, 67;
um sieben ohngefehr
musz ich wo anders sein.
Fleming 173;
wo anders etwas kan ein guter wunsch vermügen.
43;
und wen anders als die natur können wir fragen? Wieland 1, 112; wer anders ist des mitleidens fähig als diese empfindlichen seelen? 1, 119; sein selbstbetrug, wofern es anders einer war. 1, 213; von was anders! Göthe 8, 39;
hier ist ein kästchen leidlich schwer,
ich habs wo anders her genommen.
12, 140,
anders wo her; reden wir von was anders (von sonst was, von was sonst). Klingers th. 4, 203; wozu vernunft nöthig war, wo anders (wenn sonst) die natur in austheilung ihrer gaben zweckmäszig zu werke gegangen ist. Kant 4, 14; wenn die handlung blosz wozu anders (zu sonst etwas anderm) als mittel gut sein würde, so ist der imperativ hypothetisch. 4, 35; hie ist nichts anders (sonst nichts) denn gottes haus. 1 Mos. 28, 17; hüte dich, das du mit Jacob nicht anders redest denn freundlich. 31, 24; da nemlich die reinigung in nichts anders (sonst nichts) beruhet. Lessing 7, 352; nirgend anders als in der metaphysik. 3, 186; das sittliche gesetz ist nirgend anders, als in einer reinen philosophie zu suchen. 4, 6. jemand anders, niemand anders f. ein andrer, kein andrer, keiner sonst; von jemand anders. Opitz 4, 308. Die lat. sprache gebraucht in vielen dieser beispiele das adj., nicht adv.: quis alius, quem alium, cui alii, wie wir auch mit welcher verbinden: welcher andere, welchen anderen, welchem anderen; die gehemmte flexion unseres wer nöthigte zum adv. zu greifen. doch läszt sich noch was anderes, wessen anderes, wem anderem, wen anderen sagen, und es besteht ein feiner unterschied: was anderes soll ich aussprechen? quid aliud eloquar? und was anders? quid alioquin? welchen anderen meinst du? quem alium dicis? und wen anders? quem alioquin? Luther scheint das wo oder wohin zuweilen auslassend sich mit bloszem anders zu begnügen: hat er sich aufgemacht und weggezogen gen Wittenberg und anders (wohin). 3, 410.
3)
ein solches anders kann aber auch verschiedentlich allein und unabhängig stehend alioquin, ceteroquin, ja bloszes modo ausdrücken: glaubst du mir anders, ist es anders deine meinung, bin ich dir anders lieb, wird er anders sein versprechen halten; solls anders gelingen; ich wil anders dismal alle meine plage über dich senden. 2 Mos. 9, 14; habe ich anders gnade fur deinen augen funden. 4 Mos. 11, 15;
sechsmal, zähl ich anders recht.
Fleming 215;
wie ist ihm zu thun, dasz ich dereinsten nicht auch erlösche, sollts anders dahin kommen, dasz der funken, so etwa in mir ist, noch fienge? Klopstock 12, 118. Nachdrücklich aber tritt anders gleich in den eingang des nachsatzes: ich erwarte, dasz du gehorchst, anders wird es nicht gut sein, alioquin male; man fasset auch nicht most in alte schläuche, an ders die schläuche zureiszen. Matth. 9, 17;
frauenzimmer soll man ehren, anders sind es grobe sitten
Logau 3, 6, 1;
nu thu mich, helt, hie fragen mer,
anders es get dir an dein er.
fastn. sp. 558, 14;
anders zwar. 586, 30; oder anders es würde kein würkung haben. Fischart bienenk. 245ᵃ; ruthen, die ein rechter bergmann, anders (si modo) er etwas gedeiliches will ausrichten, haben musz. unw. doct. 8. gerade so franz. autrement, wir aber ziehen heute sonst vor. s.anderst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 311, Z. 76.

anderst

anderst
für anders, gleichsam ein superlativ von ander, erscheint im 15. 16. 17 jh. häufig und wurde sogar von Luther geschrieben, der es doch in der ausgabe letzter hand wieder mit anders vertauscht:
anderst ich fall euch in das har.
fastn. sp. 488, 29;
es ist nit anderst. Keisersberg; mit niemant anderst; imer einer anderst denn der ander. Luther 8, 176ᵇ; dennoch wil ichs also haben und nicht anderst. 8, 279ᵇ; anderst dann ihne gott geschaffen hat. Luthers br. 2, 676; anderst hie, anderst da. 3, 6; es stehet doch zu deiner wahl, so du anderst im leben bist. Galmy 200; hat er, als ich nicht zweifel, anderst ein herz im leib, er solches nimmermehr vergessen wird. 286; nit zu fast, anderst es wirt zu träg. Fronsp. kriegsb. 2, 191ᵃ; dem flachs wirds fast ubel gehn, wird er anderst nicht gar geradbrecht. Fischart groszm. 119; hat er anderst nicht das ganz maul voll. Garg. 70ᵃ; waferr er anderst will von gleicher straf und pein frei sein. Weckherlin 723;
nu ist es mit mir anderst worden.
521;
wann sie anderst auch geschickt dazu weren. Zinkgr. ap. 2, 10; wann er anderst mehr als gemeine bauren gelten will. Simplic. 1, 5; dasz man nicht anderst kan zuletzt als seine wunderschickung loben. 1, 17;
in dieser zeitlichkeit kann es nicht anderst werden.
Canitz 51.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 313, Z. 24.

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Zitationshilfe
„anders“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/anders>, abgerufen am 05.03.2021.

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