anfang m
Fundstelle: Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 324, Z. 29
principium, initium, nnl. aanvang. anfang und beginn, anbeginn drücken dasselbe aus, so verschieden die sinnliche vorstellung der wörter anfangen und beginnen war, der hochdeutschen mundart ist anfang, der niederdeutschen beginn zusagender, Luther hebt das alte test. an mit am anfang, das ev. Joh. mit im anfang, auch dort wäre im anfang, das mehrere ausgaben haben, vorzuziehen. die niederländische bibel gewährt beidemal in den beginne, die schwedische beidemal i begynnelsen, dän. i begyndelsen. ob Ulfilas in beiden stellen, die uns bei ihm entgehn, schrieb in anastôdeinai oder in frumistin, steht dahin. Luther verwendet auch sonst in der bibel niemals beginn, einigemal anbeginn, meistentheils anfang. Anfang bezeichnet nun das erste (goth. frumistô) der zeit, dem orte, dem geschehenden nach: der anfang (eingang, initium) des jahres, frühlings, sommers, winters, monates, während es vom tag lieber anbruch, von der nacht einbruch heiszt; im anfang, da das grumet aufgieng. Amos 7, 1; anfang der welt; die anfänge (ἀρχαί, elementa) der natur. der verzucket Pasquinus, 1543 8ᶜ. C. der anfang des berges, thales, weges, waldes, feldes. der anfang des krieges, kampfes, spieles; überall entgegenstehend dem ende und ausgang. Wie ende pflegt unsere sprache anfang gern hinter den abhängigen gen. zu stellen: seines leidens ein ende. Luther 3, 540ᵇ; höret der red ein ende. Uhland volksl. 247. 261; der welt ein ende (vgl. Haupts zeitschr. 2, 275); die furcht des herrn ist der weisheit anfang. ps. 111, 10. spr. Sal. 4, 7. 9, 10; das ist der noth anfang. Marc. 13, 8; wer soll nun des vertrauens anfang machen? Schiller;
machten ihr lieb ein anefang.
H. Sachs I, 163ᶜ;
so ist lieb leides anefang.
I, 164ᵃ;
das war irer lieb anefang.
II. 4, 30ᵃ.
Wie bei anfangen und beginnen, schwanken auch bei anfang machen die praepositionen mit, zu, bei, von: der anfang soll mit dir gemacht werden; den anfang zu ihrer andacht und gebet machen. pers. rosenth. 1, 6; es kann ebenso gen. und dat. stehn: des dings einen anfang machen; diesem fürschlag ein anfang machen. Ayrer proc. 3, 1.
der anfang seh auf den ausgang,
der ausgang macht gut den anfang.
Logau 1, 7, 100;
das letzte von der hitze gibt anfang auf den frost,
den anfang auf das trauren das letzte von der lust.
1, 10, 91.
aus geringen anfängen gehn oft grosze dinge hervor; der anfang ist an allen sachen schwer. Göthe 11, 351; aller anfang ist heiter, die schwelle ist der platz der erwartung. 20, 125; aller anfang ist schwer, das mag in einem gewissen sinne wahr sein, allgemeiner aber kann man sagen, aller anfang ist leicht. 21, 50; aller anfang ist schwer, am schwersten der anfang der wirtschaft. 40, 252. dasz man die anfänge nicht ohne noth vervielfältigen müsse (entia praeter necessitatem non esse multiplicanda). Kant 11, 497. Adverbia: initio anfangs, im anfang, am anfang, zu anfang; wie am anfang. Schiller 589. ab initio, von anfang, von anfang an. mit dem gen. anfangs bilden sich auch uneigentliche zusammensetzungen wie anfangsgründe, anfangssilbe, anfangszeit, anfangswort, deren aufzählung unnütz wäre.
Zitationshilfe
„anfang“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/anfang>, abgerufen am 26.06.2019.

Weitere Informationen …