anhang m
Fundstelle: Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 366, Z. 59
appendix, nnl. aanhang, was sich anhängt. mhd. häufig für den sich ansetzenden reif und thau oder schnee: rîfe und anehanc, snê und anehanc, des touwes anehanc, heute nur noch weidmännisch, es ist heute viel anhang, die sträuche, büsche hängen voll reif oder schnee, in Baiern auch abhang, bihang (Schm. 2, 212). persönlich, meist in üblem sinn, pellex, concubine: nun er (pabst Alexander VI) het ein anhang, die sahe ein schönen jüngling. Frank chron. 313ᵇ; Karl der grosze hat auch auszerhalb der ehe vil kinder gehabt, nemlich bei frauw Gartwind, seinem anhang, einer Sächsin. Aventin 335; könig Karl nahm Richild, seinen anhang, zu der ehe. 354; daher schilt ein mann die frau:
du anhank, du schelmigs asz!
fastn. sp. 255, 13;
dann ein anhang von bösen buben und gesellen: er zog in die stadt mit einem anhang (einer rotte) von schlechtem gesindel; sein ganzer anhang solcher gesellen folgte ihm nach; und alle, die umb in sind, seine gehülfen und alle seinen anhang wil ich unter alle winde zerstrewen und das schwert hinter ihnen her ausziehen. Ezech. 12, 14; Jonathas und sein anhang sitzen still. 1 Macc. 9, 58; da nun der hasz und neid so grosz war, dasz des Simonis anhang etliche darob erwürgeten. 2 Macc. 4, 3; mlat. adhaerentia. doch kann auch in guter meinung gesagt werden: die feinde sind stark und unser anhang ist klein, wir haben nur wenig anhänger und nachfolger; sich einen anhang machen oder verschaffen; besucht in einmal mit einer stattlichen reuterei und groszem anhang (geleit) von hofgesind. Garg. 133ᵃ. Häufig von sachen. der anhang eines wortes, einer wurzel, was ihr angebildet, zugefügt wird. der anhang eines buchs, die im anhang beigegebnen urkunden und belege; die kleine schrift hat drei wichtige anhänge. anhang der rede, die ihr angefügte bedingung oder clausel: die zehende ist conditio, anhang. Luther 2, 166ᵇ; solch natürlichen orden und anhang der rede. 3, 66; wenn ein conditio, anhang oder auszug dabei gesetzt würde. 5, 241ᵃ; das stipendium noch ein jahr zu lassen, doch mit dem anhang, wo er bei der theologie wolt bleiben. Luthers br. 5, 27; das musz man mit einem sondern anhang und nit auf unser zeit verstehen. Fischart bienenk. 37ᵇ; mit dem anhang. Garg. 219ᵃ; bischof Wernher schlug Rudolfen von Habsburg vor, mit diesem anhang. Zinkgr. 3, 11. mit anhang läszt sich statt des gen. auch noch die praep. verbinden: ein anhang des buchs oder an das buch, zu dem buch; der unglaub ein anhang des herzens an den satan ist. Frank parad. 167ᵃ.
Zitationshilfe
„anhang“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/anhang>, abgerufen am 19.10.2019.

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