auffangen
Fundstelle: Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 644, Z. 4
intercipere, excipere, nnl. opvangen, haschen.
1)
den flüchtling, den dieb, den boten auffangen; das pferd, das wilde thier, den hund auffangen; die flöhe im bett auffangen; der fuchs sagt:
aus rache fiel mir ein
ein überflüssigs huhn zu zeiten abzulangen,
untreue hennen aufzufangen,
und in das taubenfleisch grausam verliebt zu sein.
Hagedorn 2, 136;
einen fallenden mit den armen auffangen; als mich Ännchen eines tags auf der strasze auffieng. der arme mann im T. 72; zu tisch komm ich, wenn mich nichts auffängt. Göthe an fr. v. St. 1, 100; zimmer, auf dessen schwelle sie der von Albano kommende Schoppe auffieng und anhielt. J. Paul Tit. 2, 77.
2)
die niederfallenden tropfen mit dem regenschirm auffangen;
das aus dem arm strömende blut mit dem becken auffangen;
die sonnenstrahlen mit dem brennglas auffangen;
mit dem auge der erinnerung.
Bettine tageb. 51;
die schwankenden strahlen der wahrheit auffangen.
Klinger 10, 225;
der zunder fängt den funken auf;
die vorhänge fiengen das licht auf;
die nase fieng den duft auf.
3)
den ball mit der hand, den hieb mit dem stock auffangen;
der stosz gieng fehl, der mantel fieng ihn auf.
Schiller 431ᵃ;
nach und nach leitete ich dich zum gehen. das war freude, als du das erstemal mit furcht und ungewisheit drei schritte taumeltest, ich fieng den fall auf, drückte dich ängstlich an mein herz. Klingers th. 3, 350; die wand hatte den schusz aufgefangen; die mahlerischen ansichten des parks in einer tragbaren dunkeln kammer aufzufangen und zu zeichnen. Göthe 17, 316.
4)
er fieng alle meine worte auf;
dasz du das wort so aufgefangen hast.
Göthe 16, 155;
solche predigte sind durch andere gelerte aufgefangen und allhie zusammen bracht.
Luther 4, 1ᵃ,
wir sagen heute aufnehmen, in die feder aufnehmen, früher hiesz es auch anschreiben; nichts von unsern reden auffangen. Lessing 3, 39; da fieng nun einer die erste anfangssilbe ohne zusammenhang, vor- und nachsinn auf. Herder; die abgesandten briefe wurden aufgefangen; jede von mir aufgefangne silbe.
5)
er fieng zween seufzer auf, die aus der brust verirrten
Zachariä;
zweifel und sorgen, die er aufgefangen. J. Paul Tit. 2, 152; dasz mein vorschlag nicht flugs von einem sammler aufgefangen werde. Herder 2, 266; eine ansteckende krankheit, die blattern auffangen.
Zitationshilfe
„auffangen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/auffangen>, abgerufen am 09.12.2019.

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