Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

auffassen

auffassen
recipere, retinere, nnl. opvatten, von auffangen verschieden, worte auffangen heiszt sie schnell und heimlich wegnehmen, auffassen sie mit bedacht aufnehmen und ergreifen; das schwert auffangen, den hieb schnell abwehren, das schwert auffassen, es in die hand nehmen. im einzelnen fall können beide dennoch dasselbe aussagen.
1)
fassen, greifen und aufheben:
so faszt der Jahn die flaschen auf.
Ayrer 444ᵇ;
und jeder faszt bei ihren runden waden
zwo nymphen auf.
Wieland;
'faszt alle schwerter auf!' alle stürzen sich auf die waffen. Schiller 169ᵃ; ich will auffassen für dich jeden tropfen aus dem becher der freude, dir ihn bringen in der schale der liebe. 184ᵇ; ich habe den faden wiederum aufgefaszt, den dein vater angelegt hatte, raubbegierige und unwissende diener hatten ihn zerrissen. Klinger 5, 195.
2)
er weisz den manigfaltigen historischen stof deutlichst aufzufassen.
Göthe 46, 226;
der verstand kann nicht vereinigt denken, was die sinnlichkeit ihm gesondert überlieferte und so bleibt der widerstreit zwischen aufgefasztem und ideiertem immerfort unaufgelöst.
Göthe 50, 60;
fasse die kraft auf, die ich dir eingeboren und eingelehrt habe.
Klinger 2, 51;
Faust, der alle häusliche und innige verbindung zerrissen hatte, in dem laufe seines ferneren lebens keine mehr aufzufassen strebte; blickte düster in die welt.
Klinger 3, 258;
es war freilich leichter die feder nach aufgefaszten oder aus büchern gezogenen meinungen zu führen.
11, 143.
es auffassen.
Garg. 26ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 644, Z. 55.
Zitationshilfe
„auffassen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/auffassen>, abgerufen am 18.02.2020.

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