aufräumen
Fundstelle: Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 704, Z. 26
vacuare, amovere, purgare, nnl. opruimen, nahverwandt dem bloszen räumen, abräumen, ausräumen, einräumen.
1)
scheinbar intransitiv, wenn der, leicht verständliche, acc. fehlt:
ich wil mich ein weil nider secken,
pisz man auf raumt in allen ecken.
fastn. sp. 561, 17;
man raumbt vor mir auf wie vor rabn und wolfen.
H. Sachs I, 232ᶜ;
so geh, raum du auf in dem gmach.
Ayrer 300ᵃ;
ich habe noch nicht aufräumen können, alles liegt untereinander; zurüsten, aufraumen und behobeln. Garg. 281ᵃ; herrn Kant gebührt gewis das nicht geringe verdienst, in der physiologie unsers gemüts aufgeräumt zu haben. Lichtenberg 1, 101; Anna sang, indem sie ein wenig da aufräumte. Arnim kronenw. 1, 249. ebenso im passiven ausdruck: es wird erst aufgeräumt, ist schon aufgeräumt. der kaufmann räumt mit einer waare auf, verkauft sie wolfeiler als sonst, um sie schnell los zu werden.
2)
mit ausgedrücktem acc. der sache: alle ecken und winkel aufräumen; tische, stüle, bänke aufräumen, dasz es platz im zimmer gibt, wegstellen; ungebeten dem wirt die bänk aufräumen (d. i. stelen). Wickram rollw. 83; alle zimmer im ganzen hause aufgeräumet. Schweinichen 1, 260; haus fein aufgeraumet. Garg. 89ᵇ; wenn als getreid nu aufgeraumpt. Rebhuns arm. mann 8; er hat das land ufgerumpt von der rouberei. Keisersb. post. 2, 55; brachen ab die höhen und altar aus dem ganzen Juda, bis sie sie gar aufreumeten. 2 chron. 31, 1; meine zeit ist dahin und von mir aufgereumet, wie eins hirten hütte. Es. 38, 12; machet ban, machet ban, reumet die steine auf. 62, 10; denn es wird nicht allen groszen und reichen gefallen haben, das er (David) alle abgötterei und ergernis hat aufgereumet. Luther 6, 144ᵃ. den winzern heiszt aufräumen, die erde um die weinstöcke auflockern, ehe der saft in die wurzel tritt.
3)
mit acc. der person, aus dem weg schaffen, tilgen, tödten: das deine seele und deines hauses seele nicht aufgereumet werde. richt. 18, 25; gehet hin, weichet, das ich euch nicht mit im aufreume. 1 Sam. 15, 6; hiemit wirstu die Syrer stoszen, bis du sie aufreumst. 1 kön. 22, 11; sie haben Jacob aufgefressen und verschlungen, sie haben in aufgereumet und seine wonung verwüstet. Jer. 10, 25; und wenn ich böse thiere in das land bringen würde, die die leute aufreumeten. Ez. 14, 5; und wolten beide Christen und Römer aus der welt aufreumen. Luther 8, 81ᵇ; denn so die mörder nicht aufgereumet würden, were niemand sicher. Melanchth. hauptart. im corp. doctr. chr. 498. in diesem sinn ist aufräumen heute ungebräuchlich, obgleich man noch wegräumen, wegschaffen verwendet. aus dem wege räumen. Opitz Arg. 143.
4)
einen aufräumen für frei machen, erheitern sagt man nicht, sondern nur im part. praet. aufgeräumt: ein mensch, der sich nicht überisset und immer nüchtern und mäszig bleibet, ist allezeit fertiger, seinem lieben gott zu dienen, ja er bleibet in dem gedechtnüs und capacität besser aufgeräumet und wird also zu allen werken munterer und fähiger als so ein angefüllter fresznarr sein. Simpl. 1, 42. hier ist aufgeräumt frei von speisen, warum sollte es nicht auch frei von sorgen, vergnügt und heiter ausdrücken? mein meister, ein vernünftiger und stets aufgeräumter mann. der arme mann im Tockenb. 58;
dort blüht bei aufgeräumten sinnen
noch alte treu und redlichkeit.
Lessing 1, 83;
wenn du mehr dazu aufgeräumt bist. Leisewitz Jul. v. T. 3, 2; aus neugier eilte er hin und traf sie alle sehr aufgeräumt und getröstet. Göthe 19, 82; er fand den könig sehr aufgeräumt, weil er eine grosze und gute jagd gemacht hatte. 37, 262; aufgeräumter, gesprächiger, toller war niemand in Rom als er. J. Paul komet 1, 2; ein aufgeräumter kopf, ein heller, klarer.
Zitationshilfe
„aufräumen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/aufr%C3%A4umen>, abgerufen am 08.12.2019.

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