Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

ausüben

ausüben,
exercere, patrare, ein erst in den letzten jhh. häufig werdendes verbum, statt dessen die mhd. sprache einfaches uoben, üeben verwendet, die nnl. oefenen und beoefenen. Keisersberg, Luther, Dasypodius, Henisch kennen nur üben, kein ausüben, verüben.
1)
ausüben, verrichten, in gutem wie bösem sinn: was sie nur wollen thun und ausüben. Schuppius 415; was gott ausgeübet und verrichtet hat. 538;
soldate kümmt von sold, die ausgeübten thaten,
die sie auf freier strasz in hof und haus verübet,
verdienten schlechten sold.
Logau 1, 10, 47;
Baldus führet alle sachen, die er führet, aufs verschieben,
wil sie bei dem weltgerichte denn auf einen tag ausüben.
3, 8, 5;
etwas edles ausüben; unfug ausüben, anrichten.
2)
darlegen, äuszern, walten lassen: dasz er nach gelegenheit sein feindliches gemüte desto heftiger wider dich ausübe. pers. rosenth. 8, 14; gegen Cellini hat er seinen bösen willen ausgeübt. Schiller an Göthe 123;
der immer wider ihn viel feindschaft ausgeübt.
Gökingk 3, 275.
3)
fortüben, was man gewohnt ist, ferner ausüben, exercere: freundschaft, gerechtigkeit, erbarmen, tugend ausüben;
und ohne gleisznerei, aus neigung, nicht aus pflicht,
ist schöner seelen lust sie fröhlich auszuüben.
Wieland 9, 228;
ein recht, sein recht, eine gewalt, ein amt, sein amt ausüben;
das recht des herschers üb ich aus zum letzten mal.
Schiller;
man unterscheidet die zuständigkeit und ausübung eines rechts, im staat aber gesetzgebende und ausübende gewalt (pouvoir exécutif), doch heiszt es, die gesetze werden ausgeführt, geübt (statt ausgeübt). eine kunst erlernen und ausüben; ausübender (practischer) arzt. ich habe kein gröszeres glück gekannt als das vertrauen gegen dich, das von jeher unbegrenzt war; sobald ich es nicht mehr ausüben kann, bin ich ein andrer mensch. Göthe an fr. von Stein 3, 330; nach wie vor übten sie eine unbeschreibliche anziehungskraft gegen einander aus. Göthe 17, 395;
der jugend glückliches gefühl ergreift
das rechte leicht, und eine freude ists,
das eigne urtheil prüfend auszuüben.
Schiller 367:
grausamkeiten, rache, schandthaten ausüben (vgl. 1); ein verbrechen, eine unthat ausüben, was doch gewöhnlicher heiszt verüben, begehen, so wie wir heute lieber sagen, tugend, gerechtigkeit, erbarmen üben, als ausüben; nur bei recht, gewalt, amt, pflicht wird ausüben dem üben vorgezogen. s.üben.
4)
sich ausüben statt des heutigen sich üben:
des Ephraims geschlecht im bogenschieszen
wol ausgeübt.
Opitz ps. 149;
wil singen von der treu beherzter, werther helden,
die mehr ihr vaterland als ihre haut geliebt,
und mit beständigkeit sich haben ausgeübt,
die jetzt hoch nöthig ist.
2, 31.
doch wird gesagt: ein recht übt sich nicht von selbst aus, übt sich leicht aus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1006, Z. 34.

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Zitationshilfe
„ausüben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/aus%C3%BCben>, abgerufen am 17.05.2021.

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