ausreden
Fundstelle: Lfg. 4 (1852), Bd. I (1854), Sp. 930, Z. 33
eloqui, pronuntiare, loquendi finem facere, excusare, dissuadere.
1)
eloqui, aussprechen, ausdrücken: er ist so heiser, dasz er kaum ausreden (ein wort hervor bringen, reden) kann; wer kan die thaten des herrn ausreden? ps. 106, 2; wer wil seines lebens lenge ausreden? Es. 53, 8; ich wil euch geben einen mund, das ist ein ausreden und sprechen, und weisheit, dem nicht mügen sollen widersprechen alle euer feinde. Luther 1, 466ᵇ; nu ist bei allen schriftkündigen ungezweivelt, das Gabriel hie rede nicht von tagwochen, da sieben tag ein wochen machen, sondern von jarwochen, da sieben jar ein wochen machen, wie die schrift pflegt auszureden. 2, 247ᵃ; welche sprache hat die art, das sie die stücke das ist mein leib u. s. w. also verstehe oder ausrede? 3, 78; welchs die andern evangelisten also ausreden. 3, 88ᵇ; Carlstad kan nichts ordentliches fassen oder begreifen, vielweniger ausreden oder schreiben. 3, 89ᵇ; das ein Deudscher möcht s. Lucas text bei sich also ausreden, dieser becher ist das newe testament des bluts Christi halben? 3, 494ᵇ; und würde gott geben, das es auch frucht schaffete, mehr denn jemand ausreden möcht. 6, 35ᵃ; welches kein mensch ausreden noch mit gedanken erlangen kan. 6, 203ᵇ; des bapstes büberei kan man mit worten nicht ausreden. Luthers tischr. 241. 242; und ist nicht wol mit worten auszureden. Melanchth. im corp. doctr. christ. 165; allerlei latine auszureden. Mich. Neander bedenken 28; ein prediger hoher kunst und treflichs ausredens (vortrags). Kirchhof wendunm. 461; weil sie (die Rugianer) rauhe, oder wie wirs Pommern ausreden, ruge lüde an kopf und bärten gewesen sein. Micrälius 1, 87; es musz ein mensch ihm erstlich etwas in seinem gemüte fassen, hernach das, was er gefaszt hat, ausreden. Opitz poeterei 29; Seneca, als er das wort ἀπάθεια wil lateinisch geben, sagt er, so ers wolte mit einem worte ausreden, möchte es in eine vieldeutung gezogen werden. Hanmann zur poeterei s. 127; wenn ich in Persien ein wort nach unserer pronunciation ausreden und etwas fragen wollen, hat kein Perser gewust, was ich gewolt. Olearius vorr. zur pers. reiseb.; sie haben kein r, daher sie auch wörter, so diesen buchstaben haben, nicht ausreden können. das.;
welcher der gröszere sei, redet die parze nur aus.
Göthe 1, 380;
er kommt von Rom und holt mich ab. wir haben
viel auszureden, abzuthun. entschlüsse
sind nun zu fassen.
9, 115;
denn er redet gar manches in seiner heftigen art aus,
das er doch nicht vollbringt.
40, 275.
in einzelnen dieser stellen kann auch zu ende reden, durchsprechen gemeint sein.
2)
perorare, finem dicendi facere, fertig reden: und der herr gieng hin, da er mit Abraham ausgeredt hatte. 1 Mos. 18, 33; und ehe er ausgeredt hatte. 24, 15; un da der herr ausgeredt hatte mit Mose. 2 Mos. 31, 18; nachdem er aber vor dem volk ausgeredt hatte. Luc. 7, 1; er mocht dise wort kaum ausgereden. Garg. 263ᵇ; wenn wir unser herz ausgeredet haben. Gellert; kaum ausgeredt. Uhland 619; als er das wort kaum ausgeredet. Lokman fab. 14; aber er musz mich ausreden lassen. Schiller 207ᵃ; weiter! reden sie aus, eher kommen sie nicht von der stelle. Göthe 14, 183; hast du bald ausgeredet? lasz mich nur ausreden.
3)
excusare, was gefaszt werden darf: sich oder einen heraus, aus der sache reden; niemand ist damit entschüldiget, das im seine oberkeit so hart den kelch verbeut, als solt hie der gehorsam und furcht der strafe uns ausreden mögen. Luther 5, 263ᵃ; doch ist das urteil noch nicht gangen, das er noch mag raum haben sich auszureden. 5, 375ᵇ; ich will sie nit ausreden und entschuldigen von sünden Frank trunkenh. H 2ᵃ; ob du schon auf meine wort dich ausreden und beschönen kanst. Kirchhof wendunm. 51ᵃ; welcher, da er für den fürsten kam, wenig hette, darmit er sich ausreden mochte, ward derhalben in gefengnis gezogen. 450ᵇ; da sich der mann ausgeredet hatte. wegkürzer 7; das vergnügen zu hören, wie ein solcher mann sich ausredt. Lessing; es redt sich immer einer mit dem andern aus; so gehts mit dem ausreden! Göthe 14, 298.
4)
einem ausreden, dissuadere: einem den aberglauben, den hasz ausreden, ihn davon abbringen. Stieler 1545; und hättest d tausend zungen, du solltest mir meinen vorsatz nicht ausreden. Göthe 18, 5; die er sich vom aufgeklärten stadtbewohner niemals wird ausreden lassen. Tieck ges. nov. 1, 36; er läszt sich nichts ausreden. diese ausdrucksweise, welche Adelung nur dem gemeinen leben zueignen will, scheint erst im 18 jh geläufig zu werden und auf ein volleres einem etwas aus dem sinn, aus den gedanken reden zurückführbar: als sie Eckarthen so bestürzt sahen, wolten sie ihm alles aus dem sinne reden. unw. doct. 652. beides aber klingt edel und unanstöszig.
Zitationshilfe
„ausreden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ausreden>, abgerufen am 20.09.2019.

Weitere Informationen …