Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

ausreiben

ausreiben,
exterere, nnl. uitwrijven,
1)
ähren ausreiben, exterere spicas, die körner aus den ähren reiben und essen, goth. raupidêdun ahsa jah matidêdun bnauandans handum, ἔτιλλον ψώχοντες, Luc. 6, 1, ags. ear pluccedon and mid heora handum gnidon, vgl. Matth. 12, 1. Marc. 2, 23 und 5 Mos. 23, 25; im Schwabensp. 172 s. 168 Wack. unde gêt ein man in einen esch, er sol der eher brechen mit sîner hant und rîbe die und eʒʒe des kornes; du solt in diu korn gân und solt des roggen rîben. MS. 2, 101ᵃ; und sättigte mich mit ausgeriebenen waizen. Simplic. 1, 67.
2)
kleider ausreiben, exterere maculas, die flecken aus den röcken reiben, den koth ausreiben:
habt ihr viel kleider sampt den weiben,
habn die magd dest mehr auszureiben
und die schaben dest mehr zu fressen.
H. Sachs I, 471ᵈ.
3)
die augen ausreiben, sich die augen ausreiben, den schlaf ausreiben, den schlaf aus den augen reiben:
kaum die augen ausgerieben, kinder, langeweilt ihr schon?
Göthe 41, 207.
4)
einem beim bad die haut ausreiben, einen ausreiben (vgl. abreiben), defricare, hart ausreiben, aspere tractare: so hett ich es gut im sinn, ich wolt ihm das bad gesegnet und ihne ausgerieben haben. lebensb. Götz von Berl. 103;
si hand einander wüst usgriben,
sind doch bi alten eren bliben.
fastn. sp. 896, 7;
du hast uns trocken ausgeriben. Garg. 135ᵃ, im trocknen prügelbad; mich vor aller welt also uszriben! mich so öffentlich mishandeln!
5)
die schuster reiben, mit einem eignen ausreibholz, die nähte an den schuhen aus, machen sie eben. auch fehlerhafte zeichnungen werden ausgerieben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1852), Bd. I (1854), Sp. 931, Z. 44.

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Zitationshilfe
„ausreiben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ausreiben>, abgerufen am 21.10.2020.

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