Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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ausstankern

ausstankern,
odorari, auswittern, in dem frühern sinn von stinken riechen, gestank geruch: wollet ihr auch gleich über meer fliehen, so werden doch nur diese räuber der welt euch nachziehen, und nachdem ihnen nunmehr länder gebrechen wollen, alle winkel der meere auszustankern anfangen. Lohenst. Arm. 2, 1191; wie verwunderte ich mich, dasz sie mich flugs ausgestankert hatten. Schelmufsky 1, 139. später mit umlaut, ausstänkern: ich lege noch eine rarität bei, die ich hier auf einer öffentlichen bibliothek ausgestänkert habe. Lessing 12, 148. auch mit gestank verpesten: er stänkert mit seinem tabak das ganze haus aus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 983, Z. 20.

stankern, stänkern, verb.

stankern, stänkern, verb.

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wittern, spüren, wühlen, suchen. das wort ist ausschlieszlich nhd. und seit dem 17. jahrh., in zusammensetzungen seit dem 16. jahrh. (Luther, s. unten 2) bekannt. es von dem voranstehenden worte abzutrennen, empfiehlt der durchgängige mangel des umlauts in den ältesten belegen. gleichwol liegt auch ihm stinken bezw. stank in der subjectiven bedeutung des geruchsinnes (vgl.stank 1) zu grunde. so schon richtig Stieler (s. 1) und Adelung (1): 'als das iterativum oder intensivum des activi stinken, sofern es ehedem auch riechen, den geruch zu empfinden suchen, bedeutete, ist stänkern eigentlich den geruch mit mehrmahliger und heftiger einziehung in die nase zu empfinden, und dadurch zu entdecken suchen, wofür im gemeinen leben auch schnobbern üblich ist. man braucht es nur figürlich in der niedrigen sprechart, für, aus vorwitz durchsuchen. in Meissen lautet es in dieser bedeutung, und vielleicht richtiger, stankern'. vgl. auch Wachter 1586: 'a stenc (ags. = stank) posteritas fecit stenkern et durchstenkern olfactu explorare, quod proprie quidem convenit canibus, metaphorice vero iis, qui omnia curiose perquirunt'. ihm stimmt zu Höfer 3, 179, während Schmid 507 das wort von stange ableiten will und auch Adelung in der anm. an staken, stöchern erinnert. s. ferner Anton 4, 12 (von stank). 12, 6 (von stange). Weinhold 93ᵇ (weiterb. von stangen im abl. zu stingen). vgl. auch stänker 3, stänkerei 3 und stänken 4, c.
1)
das einfache wort ist in der umlautslosen form mehrfach bei schlesischen autoren des 17. jahrh. bezeugt: nur dasz hierbei dies in acht zu nehmen, dasz wenn man solche umfliegende, stankernde und summende bienen aus den stöcken fliegen sieht, es ein gewisz zeichen sei, dass die bienen kürzlich auszuziehen in vorhaben sein. M. C. Höfler bienenkunst (1614) 133;
die mutter schnurrt und purrt,
in allen winkeln geht sie stankern rum und murrt.
W. Scherffer ged. 608;
man stanckert in dem grab
nach einer schwangern faust.
A. Gryphius (1698) 1, 214 (Card. u. Cel. 2, 204);
dazu: ich stanckere, curiose aliquid perscrutor. Steinbach 2, 667. schon vorher ist das wort in der umgelauteten form gebucht: stänkern, sive ausstänkern, etiam est odorari, pervestigare, persentiscere, subolere, olfacere aliquid. Stieler 2170. so in der litteratur: denn ich besorgte es möchte mir meine neugierigkeit fur ein verdrusz machendes stänkern ausgelegt werden. avant. 1, 158; nimm sie (deine mädchen) um gottes willen vor den domherren, ... und vor den — mönchen in acht ... lasz ihnen weder schreiben lernen, noch lesen; denn sonst stänkern sie in allen legenden. Thümmel reise 7, 44. diese form beruht wol auf vermischung mit (dem ersten) stänkern, wie sie auch in der bedeutung deutlich ist, vgl. den ersten beleg und z. b.: 'stänkern seine nase in alles stecken, wohin sie nicht gehört, um dann die so erworbenen kenntnisse in unliebsamer weise weiter zu verbreiten, auch soviel wie: kritteln, nörgeln'. Hetzel wie der Deutsche spricht 298. (weiteres unter 3.) — jetzt ist stankern in der schriftsprache durch schnüffeln verdrängt, s. theil 9, 1385 f.
2)
neben dem simplex begegnen zusammensetzungen, die theilweise früher belegt sind:
aufstänkern
s. theil 1, 745 und Adelung (1). —
ausstankern
s. theil 1, 983 (bei Lohenstein und Chr. Reuter), daneben
ausstänkern
s. ebenda (Lessing 12, 148) und Stieler 2170 (s. oben): einen anschlag ausstänkern, subodorari consilia. ebenda.
durchstankern
s. th. 2, 1689, mit belegen aus Gryphius (Card. 4, 340), Prätorius, Neukirch, Lessing. dazu: zu dem, ob schon jemand dieselben (bücher) alle durchstanckert (durch kriechet, perreptet) so wird er doch befinden, dasz er seinen zweck ... nicht erreichet. Comenius sprachenth. (1657) vorr. a 8ᵇ; ich durchstanckere, pervoluto. er durchstanckert alle bücher. Steinbach 2, 667; nachdem ich den ganzen Plinius gelesen, und alle schmeichelgedichte der alten und heutigen poeten durchstankert. Gellert 4, 15, dazu 20: durchstankert ist ein unflätiges wort. auch in der stelle aus Simpl. liest die originalausg. (D, v. 1671, in A—C fehlend): durchstanckerten, s. 1, 48, 19 Kurz. durchstänkern bei Olearius, Reinhold, Lessing (12, 289, brief vom 16. febr. 1771), s. a. a. o. durchstänckern, ... met. rovistare, frugare, razzolare. alles durchstänckern, ... v. durchstreunen, beschnauben. Kramer dict. 2, 979ᵃ. —
erstankern
s. theil 3, 994 (Luther 8, 81ᵇ). —
herumstänkern
im hause herum stänkern. Adelung; in allem herum stänkern. Eiselein 577, vgl. unten 3.
3)
so auch in lebenden hd. mundarten, besonders ostmitteld. (dem nd. fremd): schwäb. durchstänkern, vorwitzig etwas durchsehen. Schmid 507; österr. stenkern allerlei hervorsuchen, nicht ruhen wollen. Höfer 3, 179; ungar. stänkern die winkel aussuchen. Schröer 208ᵃ; thür. stöbern, schnüffeln. Hertel sprachsch. 233 (1, 2); mansf. umhär stenkern in einer schlechten absicht umhersuchen. Jecht 108ᵃ; altenb. stenkere 'ohne recht in etwas herumwühlen, z. b. stenker mr nich su in mein sochen rim'. dazu stenkerfritze. Pasch 88; erzgeb. 'štënkrn, rimštënkrn suchen, aussuchen, suchend herumgehen, ausštënkrn ausgattern'. Göpfert 42; hier im ostmitteld. ist auch vielerorts die ältere umlautlose form erhalten: leipz. stankern, stänkern, 'unbefugt, aus neugier, in zimmern, kasten u. s. w. herumsuchen'. Albrecht 216ᵃ; oberlaus. durchsuchen, besonders vom unberufenen durchsuchen; auch herum-, durchstankern, stankere nicht so herum. Anton 4, 12; schles. stankern = stachern herumrühren, -stochern. Weinhold 93. preusz. in freierem sinne, nach etwas eifrig streben, sich um eine sache bemühen (vgl. unten 4, a). er stankert nach einem mädchen, nach geld, nach einem orden. als 'suchen' in den zusammensetzungen aufstankern, ausstankern ausfindig machen (auch in Posen Bernd 10), durchstankern, herumstankern müssig umhergehen, suchen. Frischbier 2, 362. dazu wol auch bair. herumstánkern müssig herumgehen, -laufen. Schm.² 2, 771.
4)
vereinzelt begegnen in mundarten ganz abweichende bedeutungen:
a)
preusz. stankern '1. steigen, aufsteigen, klettern. stanker nicht! ruft man kindern zu, die auf stuhl, bank oder fenster steigen wollen. 2. mit den beinen zappeln, stoszen. sich abstankern, sich im bette durch zappeln abdecken'. Frischbier 2, 362ᵃ. henneb. mit umlaut stänkern 'auf stangen und balken waghalsig umherklettern'. Frommann 3, 133. vgl.stakern, sp. 592.
b)
schwäb. stänkern, flachs auf stänkern (s.stänker 4) in der luft trocknen. Schm.² 2, 771.
c)
thür. (am Harz) stänkern sich eine speise zuwider essen. Hertel sprachsch. 233; zu stänken 4, d und stank 6.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 838, Z. 22.

ausstinken

ausstinken,
non amplius foetere: es hat hier ausgestunken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 988, Z. 51.

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Zitationshilfe
„ausstänkern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ausst%C3%A4nkern>, abgerufen am 16.06.2021.

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