Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

ausstrecken

ausstrecken,
extendere, porrigere, erstrecken, nnl. uitstrekken,
1)
die finger, hände, arme, füsze, beine, zunge ausstrecken:
nu aber, das er nicht ausstrecke seine hand und breche auch von dem bawm des lebens.
1 Mos. 3, 22;
denn ich werde meine hand ausstrecken und Egypten schlahen.
2 Mos. 3, 20;
strecke deine hand aus und erhasche sie bei dem schwanz.
4, 4;
und da der engel seine hand ausstreckt uber Jerusalem.
2 Sam. 24, 16;
wenn ein land mich verschmehet, so wil ich meine hand uber dasselbe ausstrecken.
Ez. 14, 13;
ich aber streckte meine hand aus wider dich.
16, 27;
strecke aus deinen arm.
Jud. 9, 9;
und Jesus strecket seine hand aus (goth. ufrakjands handu).
Matth. 8, 3;
strecke deine hand aus.
12, 13;
wenn du aber alt wirst, wirst du deine hende ausstrecken und ein ander wird dich gürten.
Joh. 21, 18;
das wir mit brünstiger hitze und, wie ir tölpische wort lauten, mit ausgestrackter lust sollen auch also uns tödten.
Luther 3, 61ᵇ;
die mit ausgestrackter lust das leiden Christi bedenken.
3, 73;
da er zwo oder drei meil kame, da stund er auf die straszen und streckt beide arm aus, einen gegen s. Jacob, den andern gegen seinem dorf.
schimpf und ernst 254;
langer ausgestreckter hals.
weidwerk 2, 56ᵇ;
mähet mit ausgestreckten armen.
Garg. 257ᵃ;
der käfer streckt sein fühlhorn aus;
wer die zung auf hohn ausstrecket,
der erwecket
einen, der den kopf hebt auf
und ihm auch für seinen lauf
lichter stecket.
Logau 3, zug. s. 211;
so strecke die hand aus und nimm es an. Weise kl. leute 281; ihre seele ist dunkel von trauer und streckt ihre arme nach dem stillen leben aus. J. Paul Hesp. 2, 115. die schmiede strecken (recken) das eisen aus.
2)
abstractionen: deine sorgen ausstrecken (erstrecken, ausdehnen). Schuppius 726; wenn ich dann mein sein und fühlen ausstrecke. Tieck nov. kr. 2, 240; macht, gewalt, herschaft ausstrecken:
einst war seine (des meers) gewalt noch ausgestreckter.
Rückert 148;
die bäume strecken ihren schatten (wie arme) über uns aus; dunkle stunde, du strecktest deinen schatten über viel jahre aus. J. Paul uns. loge 2, 161. von wegen ihrer gelegenheit, so werden linien ausgestrecket und gezogen. Frank weltb. 164ᵃ.
3)
sich ausstrecken, ausdehnen. denn s. Gregorius spricht, das göttlich liebe gegen sich selb nicht bestehen kan, sondern sie musz sich ausstrecken zu einem andern. Luther 1, 50ᵇ; die ebene streckt sich stundenweit aus;
und lasz dem bauch sein rechten gang,
dasz er sich ausstreck breit und lang (vgl. ↗auslegen 1).
Scheit grob. C 2;
sondern mit wachsendem schwang
sie sich mögen stets ausströcken.
Weckherlin 355;
wie sich oft mein geist in mir ausstreckt, als wenn er zu dir hinüber reichen wollte. Tieck 6, 328; ein werk, das sich länger ausstreckte. J. Paul flegelj. 1, 19; der behaglich ausgestreckte (der sich ausgestreckt hatte). Göthe 25, 350.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 990, Z. 45.

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Zitationshilfe
„ausstrecken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ausstrecken>, abgerufen am 18.05.2021.

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