Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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austhun, n.

austhun, n.
das austhun des feuers; austhun des gutes, des geldes; austhun und verkündung eines reichstags. reichsabsch. von 1527. §. 12.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 998, Z. 63.

austhun

austhun,
nnl. uitdoen, in mehrfacher bedeutung,
1)
austhun, exuere, gegensatz vonanthun, induere, obgleich diesem eigentlich das abthun entgegensteht. man thut oder legt ab, was über die oberfläche gelegt oder gesetzt war, z. b. den mantel oder hut, aber thut aus die kleidungsstücke, welche den inneren leib, die haut berühren, z. b. rock, weste, hemd, strumpf und schuh:
si tâten ûʒ ire kleit.
pass. K. 40, 90;
sein hemd austhun. Zinkgr. 146, 13. dem abthun steht ablegen gleich, dem austhun ausziehen. waffen austhun, sagt die Limb. chron. §. 108. sich austhun, um ins bad oder bett zu steigen: hat er sich ausgethan, und (ist) in ein wasser gestiegen, sich zu külen und abzuwaschen. Melanchth. declam. von keiser Fridrich, deutsch von Lauterbeck bl. 28.
2)
austhun, exstinguere, edler als ausmachen: feuer, licht, kerze austhun;
die liechter ausgethan!
Fleming 172;
thut die lichter aus!
Göthe 13, 37;
aus thaten sie die kerzen (their candles are all out).
Macbeth 2, 1;
thu aus das licht! (put out the light).
Othello 5, 2:
frau, liegst du? so thu ich das licht aus. Leisewitz poet. gespr. s. 3.
3)
austhun, castrare, ausschneiden: aber botz Murners guckguck was sehe ich, du hast ein krummen latz, bist ausgethan. Garg. 252ᵇ.
4)
austhun, aus dem hause thun, entweder ausjagen oder in die fremde hingeben, in dienst thun: einen knaben austhun, auf eine entlegne schule geben: als ich in meinen jungen jahren ausgethan wurde. unw. doct. 48; er thut seine kinder aus, läszt sie dienen. mhd. sagte man auch mære ûʒ tuon, die nachricht verbreiten. myst. 147, 9.
5)
abstractes austhun ist vieldeutig, je nachdem man es auf eine der vorausgehenden sinnlichen vorstellungen zurückführt:
auf das du auf dem musterplan
nicht schimpflich werdest ausgethan.
Ringwald l. warh. 18;
wer das nicht kan, ist ausgethan.
67;
dagegen wird ein frommer mann
des armuts halben ausgethan
und musz zu winkel traben.
Ringwald geistl. lied. 106ᵇ,
d. h. doch zurückgesetzt, ausgewiesen. nicht anders: es soll kein hauptmann einen besolten (besoldeten) knecht uszthun, ohne ihrer herrn wissen und willen. Reutter kriegsordn. 15. dagegen bedeutet es vertilgt = ausgelöscht in folgenden stellen:
könnt ihr gedächtnis nur so leicht sein ausgethan,
als dies gemählte brennt.
Gryphius 1, 221;
und wird alsdann die süszigkeit der ersten empfindung ... ausgethan und verderbet. Leibnitz 421; und diese hölzernen buchstaben sind es, welche der herr von Heineke gänzlich aus der geschichte der druckerei will ausgethan wissen. Lessing 9, 12, wo es doch auch ausgeworfen ausdrücken kann, wie bei Klopstock: und was kam heraus, wenn Marbod überwand? ich war ausgethan! und ein fürst, der nun viel gröszer geworden war, setzte meine unternehmungen fort. werke 10, 269. eine schuld, eine rechnung austhun heiszt sie löschen.
6)
den acker, garten, das feld, land austhun, ausgeben, verpachten (utdun Ssp. 3, 77): es war ein hausvater, der pflanzet einen weinberg und füret einen zaun darumb ... und thet in den weingärtnern aus (ἐξέδοτο, vulg. locavit). Matth. 21, 33. Marc. 12, 1. Luc. 20, 9 (in welchen letzten stellen Ulfilas anafalh, befahl setzt); er wird seinen weinberg andern weingärtnern austhun (ἐκδώσεται, locabit). Matth. 21, 41. Luc. 20, 16 (goth. gibiþ anþaraim). ebenso, du solt im dein geld nicht auf wucher thun, noch deine speise auf übersatz austhun (vulg. frugum superabundantiam non exiges). 3 Mos. 25, 37; geld auf zinsen austhun, ausleihen. diese wiesen wurden von ihm ganz nach gutdünken ausgethan (verpachtet?) Tieck ges. nov. 8, 385; es ist an vielen orten gebräuchlich, den acker oder feldbau um die helfte auszuthun, besäen und arbeiten zu lassen. Hohberg 3, 9ᵃ.
7)
sich austhun = vorgeben und sich ausgeben, praetendere, alicujus personam ferre, sich eines dinges austhun, anmaszen, wie einfaches thun und geben einander nahe stehn: sich berühmen und austhun (vorgeben). Oberlin 80; warumb wolten si sich dann nit für ärzt austhuͦn? Frank weltb. 151ᵇ; und nam im für, sich vor ein stazionierer usz zuͦ thuͦn und mit dem heiltuͦmb in dem land umbher zuͦ reiten. Eulensp. 31; da thet er sich vor ein wüllenweber usz. 51; dasz wir die personen, von den Christus weissaget, die sich für Christen austhuend, erkennen. Paracelsus 2, 634ᵃ; darumb soll sich der arzt nicht zuviel austhun, dann es ist ein herr uber ihn, ist die zeit, die mit dem arzt spielet, wie ein katz mit den meusen. 1, 696ᵃ; ein edelman der sich grosz buͦlens ausgetan; es war ein Teutscher in Engelland, der thet sich aus, er wolt das meerwasser dahin bringen, das sich das salz ohn sieden versamlen und das wasser süsz würde. Thurneisser von wassern 7; ein zanbrecher thet sich groszer arznei und kunst, wie er allerhand bresten heilen köndte und ein doctor wer, aus. Kirchhof wendunm. 117ᵇ; damit er sich nicht an einen ieglichen, der sich vieler künsten austhut, verlassen musz. Fronsperg kriegsb. 1, 82ᵇ;
di sich grosz austuͦn wider mich.
Melissus ps. P 1ᵃ;
er thu sich für keinen gescheiden aus. Ayrer proc. 2, 10; hingegen thät sich eine junge zigeunerin vor dessen weib aus. Simpl. 2, 223; er thut sich vor euer gnaden vettern aus. 2, 235. Heute nicht mehr in diesem sinn, sondern sich austhun gebrauchen wir für sich aussprechen, sich äuszern: er thut sich dessen gar nicht aus; wenn der verfasser sich zu weitläuftig ausgethan hatte oder nicht endigen konnte. Göthe 31, 65; das gieng dem ritter ans herz, doch that er sichs nicht aus. Musaeus 4, 6. er thut grosz aus, prahlt; thut klein aus, ist demütig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 997, Z. 40.

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Zitationshilfe
„austhun“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/austhun>, abgerufen am 14.08.2020.

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