Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

austreiben

austreiben,
expellere, ausjagen, nnl. uitdrijven.
1)
leute, thiere aus dem land, garten, haus: und treib Adam aus und lagert fur den garten den cherubim mit einem bloszen hawenden schwert. 1 Mos. 3, 24; treibe diese magd aus mit irem son. 21, 10; bis das er seine feinde austreibe von seinem angesicht. 4 Mos. 32, 21; und er wird fur dir her deinen feind austreiben. 5 Mos. 33, 27; das vieh austreiben; morgens wann der hirt austreibt;
soldaten und der wein, wo die zu gaste kummen,
da ist gewalt und recht dem wirte bald benummen,
der wirt kan diesen zwar zum hause treiben aus,
jen aber räumen weg den wirt und auch sein haus.
Logau 1, 5, 28;
den rachegeistern überlass ich
dies haus, ein frevel führte mich herein,
ein frevel treibt mich aus.
Schiller 512ᵇ;
des pachters, den unser onkel zwar mit recht, aber doch, dünkt mich, mit ziemlicher härte austrieb. Göthe 21, 107; dasz der pachter eines unserer güter endlich wirklich ausgetrieben werden solle. 21, 199. nicht selten liegt der nachdruck mehr auf dem hinaus als dem heraus, z. b. die schweine austreiben meint zwar aus dem stall, aber vorzugsweise aufdie weide.
2)
im n. t. kehrt häufig die vorstellung wieder von dem austreiben der teufel und geister aus dem leib der menschen: haben wir nicht in deinem namen teufel ausgetrieben? Matth. 7, 22; am abend aber brachten sie vil besessene zu im und er treib die geister aus mit worten. 8, 16; da baten in die teufel und sprachen, wiltu uns austreiben, so erleube uns in die herd säu zu faren. 8, 31; er treibet die teufel aus durch der teufel fürsten. 9, 34; so denn ein satan den andern austreibet. 12, 26 u. s. w. Ulfilas verdeutscht ἐκβάλλειν bald usdreiban, bald usvairpan, ahd. steht arwerfan oder ûʒarwerfan, ags. ûtâdrîfan, wie die vulg. stets ejicere hat. einem den hoffartsteufel austreiben; man sagt auch den teufel austreiben für recht austollen.
ja wie vil sehlen hat dein wöhr
den stolzen cörpern ausgetrieben?
Weckherlin 371.
3)
man treibt oft ein nagel mit dem andern aus.
Lehmann 58;
die pende oben und unden uszdreiben.
weisth. 3, 772
(unter pfand werden aber meistens thiere gemeint), vgl. 2, 256. 258.
furcht ist nicht in der liebe, sondern die völlige liebe treibet die furcht aus.
1 Joh. 4, 18;
die hitze treibt mir heftigen schweisz aus;
man musz diese unarten des kinds beizeit austreiben;
o thörichte weltliebe, deinetwegen liegt mein verstand gefangen, meine seele beschweret, meine andacht ausgetrieben.
pers. rosenth. 2, 28;
man nicht wol vermutete, dasz man solche von ihnen so lang getriebene oder gar angeborene laster austreiben könte.
pers. reiseb. 3, 1;
dieser wolredenheit, kraft welcher wir die bewegungen können ein- und austreiben.
Schuppius 850;
die diebsbande hat es nun bald ausgetrieben, man stellt ihr nach;
einem seine mucken, grillen, thorheiten austreiben.
4)
zuweilen steht austreiben für treiben, caelare, aus metall hervorarbeiten: das bildwerk ist schön ausgetrieben; in silber ausgetriebene kunstwerke. figürlich, es versteht dies kein mensch, der seinen wirkungskreis aus sich geschaffen und ausgetrieben hat. Göthe an Lavater 110.
5)
intransitiv, austreiben wie treiben: die blume treibt schön aus; der schweisz treibt aus, dringt hervor;
für dem kunt mein jungfraw nicht bleiben,
das herz wolt ihr zum mund austreiben.
froschmeus. I. 2, 3.
auch für aufhören zu treiben: der hochofen treibt aus, geht aus, verglüht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1002, Z. 54.

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Zitationshilfe
„austreiben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/austreiben>, abgerufen am 18.05.2021.

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