Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

auswarten

auswarten,
ein im 15. 16 jh. so häufiges, wie heute seltnes wort, an dessen stelle wir uns lieber des einfachen warten oder abwarten, aufwarten bedienen.
1)
die ursprüngliche intransitivbedeutung von auswarten = ausschauen, auslugen, ausgucken erscheint nicht mehr. ahd. hiesz es bei Willeram 16, 25 sihet ûʒ den venstron unde wartet ûʒ von den linebergon, wo freilich die partikel ganz ungebunden steht.
2)
da der ausschauende zugleich wartet, erwartet, und spectare sich unmittelbar berührt mit exspectare, ist auch intransitives auswarten = warten, ausharren, ausdauern:
wart aus, steh fest gleichwie ein maur!
Ringwald geistl. lieder 83;
wart aus!
evang. G 2ᵃ;
wie bald sind acht tage vorbei, damit haben sie ausgewartet, und unser wort musz gehalten werden. Weise com. probe 273.
3)
transitives auswarten = exspectare, bis zu ende aus warten, aushalten, stärker als erwarten und abwarten: das musz aber auch alles im glauben erkennet und ausgewartet sein, denn er zustöret die gewaltigen sobald nicht, als sie es verdienen. Luther 1, 494ᵇ;
den krieg wir nicht auswarten mügn.
Ayrer 83ᵃ;
so klein und zart kein vöglein war,
es must auswarten grosz gefahr.
froschm. II. 2, 7;
er gibt manches trauerzeichen
und wartet bei mir aus so manchen ganzen tag.
Fleming 118;
also wartete herzog Jubil die erörterung ihres zweifels nicht aus. Lohenst. Arm. 1, 50; also müsse sie das verborgene gesätze des verhängnüsses nur auswarten. 2, 988; ich werde meine lobrede nicht auswarten. Gellert 3, 269; ich will ihn schon auswarten (länger aushalten als er); die predigt auswarten, bis zu ende hören;
die mengen der feinde
warten den anfall nicht aus.
Wieland 16, 128;
es ist schade, dasz sie diese letzten schönen tage nicht noch in Jena ausgewartet haben. Schiller an Göthe 518ᵃ.
4)
auswarten mit dem gen. entspricht unserm heutigen warten oder abwarten:
das podagra der bawren schont,
nur bei reichen und edeln wont,
die haben sein wol auszuwarten.
H. Sachs I, 456ᵈ;
bis zu ende des rechtens auswarten. Brandenb. kamm. ger. ordn. von 1516; wird aber kais. maj. nicht gelegen sein, solches langwierigen gesprächs diesmal auszuwarten. Melanchth. 4, 129; damit, hoffen sie, wollen sie dieses sturmwinds auswarten. 5, 132; gott begegnet allen menschen, wenn er sie zu einem stand ordnet, darinnen sie bleiben sollen und desselbigen auswarten. Agricola spr. 13; dieses stands und göttlichen berufs sol er auswarten. 712; er (Luther) wil uns al reich machen mit dem glauben an Jesum Christum, des kan Witzel nicht auswarten, er sihet in rem presentem, nach dem Judasbeutel. Alberus wider J. Witzeln C 4ᵇ; dieweil ich meines febers auswarten muste. Mich. Neander bedenken 9; welche auch on underlasz irs ampts mit pfeifen und trommen zu schlagen auszuwarten haben. Fronsp. kriegsb. 1, 51ᵃ;
aber er wolt nicht sitzen nider,
wolt auch keins warten aus,
er gieng dann vor mit im hernider
in sein liechtfinster haus.
Garg. 11;
indem er der verdäuung seiner eingenommnen speis auswartet. 175ᵃ; der (quorum falconum) auszuwarten Sicuran groszer meister war. Bocc. 1, 122ᵃ;
allhie wohn du dem turnier bei,
und wenn du dessen aus wirst warten,
so reit mit hin bis gen Garten.
Ayrer 230ᵃ;
glückhaft seiner kämpf auswarten.
242ᵃ;
des streites auswarten. Lohenst. Arm. 1, 1302. 2, 789.
5)
auswarten, geht wie warten, aufwarten über in den begrif des pflegens, der schauende hütet und schützt; dieser fügung war, zumal wenn die pflege etwas lebendiges betrift, ein dativ angemessen: da wir dem bauch und gailen leib auswarten. Keisersb. has im pf. Aa 5ᵇ; dem federspiel auswarten. Bocc. 1, 116ᵇ; wie ein leibeigner knecht seinem herren auswarten. Petr. 26ᵇ;
und warten ir (der frau) beid fleiszig aus.
fastn. sp. 388, 6;
wenn er auswartet seinem gaul.
H. Sachs II. 4, 3ᵈ.
aber auch sachen stehn im dativ: das wir solcher parteien händeln nicht stattlich genug auswarten mögen. reichsabsch. von 1512. 5, 8; dieselben sollen iren ämtern für sein und mit getreuem fleisz auswarten. kammerger. ordn. 1521 §. 11; damit er des reichs obliegenden sachen soviel desto fleisziger und statlicher auswarten mochte. Lanz Karl 5. s. 475; die geistlichen sollen irem kirchenampt treulich auswarten. Frank chron. 384ᵃ; auch seinem befelch getreulich ausgewart. Reutter kriegsordn. 147;
nun kerend wider heim zuo hus
und wartend üwer sachen usz.
trag. Joh. E 3;
du habst die speis all aufgetragen
und ausgewartet irem zechen.
Scheit grob. C 1;
der ein wart seinem handel aus
mit fleisz örndtlich in seim haus.
H. Sachs I, 441ᵇ;
was steht ir da? geht in sein garten
und thut ewer arbeit auswarten.
III. 1, 43ᵇ;
nun geh hin zu dem himelthor
und wart aus deinem amt wie vor.
III. 1, 241ᶜ;
kan nicht auswarten diesen dingen.
III. 3, 29ᵃ;
er musz auch haben ein lustgarten,
und thut allem wollust auswarten.
IV. 3, 72ᵈ;
als dasz sie da eim losen klosterpsalter auswarten musten. Garg. 256ᵃ; salbe den patienten alsdann wol umb die wunden und warte den sachen sonst fleiszig aus. Würtz practica 119; man musz oftmalen den kriegssachen auswarten, es gehe und stehe mit der wunden, wie es wölle. 341.
6)
verwechselung des gen. und dat. ist erklärlich, da die formen oft, namentlich im sg. f., zusammenfallen. man findet den gen., wo besser ein dativ stände, z. b.
wolt mir der pawr die groschen geben,
der kont ich vast wol auswarten.
fastn. sp. 109, 28;
het ich darfür würfel und karten,
der wolt ich fleisziger auswarten.
H. Sachs I, 18ᵃ;
da wird dein ausgwart, wie eins herrn.
III. 2, 31ᵈ.
umgedreht vertritt der dat. den gen. oder acc.: dasz ich in hofnung der zeit und dem verhängnisse auswarten solle. Lohenst. Arm. 1, 543; Mithridates wartete dem blutigen bürgerkriege nicht aus. 1, 933. auch der acc. erscheint statt des dat.
ich halt innen das regiment,
das ich nicht wol auswarten kan,
mein amptleut lass ichs für mich than.
H. Sachs II. 2, 8ᵈ;
dieweil aber gedachter N. solchen unsern befehl nicht zu jeder zeit selber auswarten mag. Fronsp. 1, 26ᵃ; die kranken mit essen, trinken, arzenei fleiszig auswarten lassen. 3, 200ᵃ. aber schon das einfache warten schwankt zwischen gen. und dat. (gramm. 4, 658. 660. 699.) im Ambr. lb. s. 216 liest man:
ein becher frei,
wie grosz er sei,
wil ich euch thun auswarten,
meint das bescheid thun, bis zum grund aushalten?
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1009, Z. 10.

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Zitationshilfe
„auswarten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/auswarten>, abgerufen am 14.08.2020.

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