Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

auswerfen

auswerfen,
ejicere, excutere, nnl. uitwerpen.
1)
den teufel auswerfen, s. austreiben 2: mhd.
der tuvel wart dô grâʒen,
dô in Syrus nicht ûʒ warf.
pass. K. 409, 75;
und es ward ausgeworfen der grosze drach, die alte schlang, die da heiszt der teufel und satanas. offenb. Joh. 12, 9. menschen auswerfen, in verbannung, aus dem haus treiben:
wirf aus die diern und ir kind.
Schwarzenberg 156, 1;
die welt hatte mich ausgeworfen, wie einen verpesteten. Schiller 710; gleichviel, wo ich diese heiden auswerfe (aus dem schiffe setze). Klinger 4, 168; ein auf einer wilden insel jung ausgeworfener naturmensch. 11, 324; vorausgesetzt, er sei nicht von frühster jugend auf eine einsame insel ausgeworfen worden. 11, 97; wa die brüder zusamen thun und werfen den abt zum fenster aus. Garg. 95ᵇ.
2)
von innen auswerfen: speichel, schleim, blut auswerfen: der kranke warf stücke, flocken der lunge aus; gerunnen blut auswerfen wie wamstermel. Simpl. 2, 474; samen, koth, unrat auswerfen; alles was zum munde eingehet, das gehet in den bauch und wird durch den natürlichen gang ausgeworfen (ahd. al daʒ in mund ingêt, in wamba ferit, inti in ûʒgang wirdit gisentit). Matth. 15, 17; das verschluckte durch erbrechen wieder auswerfen; dem falken zur reinigung federn eingeben, die er dann mit dem gewell wieder auswirft. weidw. 2, 31ᵇ; der mund musz es brockend auswerfen. Wirsung Cal. C 1ᵇ; das meer wirft muscheln und pflanzen ans ufer aus; aber die gottlosen sind wie ein ungestüm meer, das nicht stille sein kan und seine wellen kot und unflat auswerfen. Es. 57, 20; der Vesuv warf steine und asche aus; die see wirft wellen aus:
wo seine wellen
mit sturme wirfet aus mein deutscher ocean.
Fleming 113;
werfen von in aus die unart,
darinnen sie klebten so hart.
H. Sachs II. 2, 89ᵇ.
3)
von auszen auswerfen: er hob einen stein auf und warf ihm damit ein auge aus; einem drei zähne auswerfen; wenn ein burgermeister oder richter straft, so wirft man inen die fenster aus. Luthers tischr. 401ᵃ; grenzsteine auswerfen. weisth. 2, 163; stein auswerfen mit frevel. 2, 167; als weit man ein reiszaum mit dem zügel in die Mosel auswerfen kan. 2, 256; unkraut auswerfen, ausreiszen; aber Belial sind allesampt wie die ausgeworfen disteln, die man nicht mit henden fassen kan. 2 Sam. 23, 6.
4)
ein geschrei der tochter Zion, die da klagt und die hende auswirft.
Jer. 4, 31;
dasz ihr hände voll geld unter die arme auswerfet.
Schuppius 748;
es ist vergeblich das netze auswerfen fur den augen der vogel.
spr. Sal. 1, 17;
und die so netze auswerfen aufs wasser, werden betrübt sein.
Es. 19, 8;
ich wil mein netz uber dich auswerfen.
Ez. 32, 3;
derhalben werfen sie ir netze noch imer aus.
Habac. 1, 17;
far auf die höhe und werfet ewer netze aus (goth. athahiþ þô natja izvara).
Luc. 5, 4;
auf dein wort wil ich das netz auswerfen (goth. vairpam natja).
5, 5;
diese buhlerin hatte schon lange ihr netz nach ihm ausgeworfen;
wurf das netz aus.
Garg. 179ᵃ;
den anker auswerfen;
am dritten tage wurfen wir mit unsern händen aus die bereitschaft im schiffe.
apost. gesch. 27, 19.
5)
der säemann wirft seinen samen aufs land aus;
laszt uns den samen auswerfen, sehen wir ihn auch nicht reifen, so wird er zu seiner zeit schon auftreiben.
Klinger 4, 257;
er gieng um die neuigkeit aus seinem säetuch in gutes land auszuwerfen.
J. Paul Hesp. 4, 162;
geld mit voller hand auswerfen;
ein herr der das ganze jahr titel und bänder an alle welt ausgeworfen.
die alte sprache setzte statt des acc. den dat. oder instr. (gramm. 4, 710. 711): mit dem stein werfen, mit dem samen werfen, und wenn Luther 1, 362ᵇ sagt: haben sie den gast mit dreck wöllen auswerfen, so läszt sich das umsetzen in dreck auswerfen an den gast.
6)
abstract bedeutet auswerfen, wie abwerfen, ertragen, einbringen und aussetzen: groszer herren dienst werfen etwas aus, wenn nur die herrn mittel haben. Schuppius 115; die stelle wirft 100 thaler aus;
auch das ist in der kasse stehn geblieben,
was du mir einmal ausgeworfen.
Lessing 2, 235;
dasz ich dem preiswürdigen erfinder eine jährliche pension von 25000 gulden rheinisch für ihn und seine ehelichen leibeserben schöpfe und auswerfe. Wieland 15, 353; die armselige pension, die man uns auswirft, kann kaum gerechnet werden. Tieck ges. nov. 5, 154.
7)
intransitiv steht auswerfen, wenn der acc. unausgedrückt, aber verstanden wird: das pferd wirft aus, wendet die füsze im gehen auswärts; die uhr wirft gut aus, wenn ihr pendel weit schwingt; auswerfen unter die buben. Garg. 51ᵇ, nemlich geld; auswerfen, den ersten wurf im kegel- oder würfelspiel thun; weidmännisch, dem hasen auswerfen, nemlich das eingeweide, ihn ausweiden; ein schweinchen, ausgeworfen das eingeweid (exemtis visceribus). weisth. 3, 760; auswerfen, sich erbrechen: wenn man auch ihnen baumwollen und jamerhanf in fleisch verborgen und eingewickelt eingibt, dasz sie davon ubergeben und auswerfen, so ist inen geholfen. weidw. 2, 27ᵇ. speichel oder blut: er wirft seit einiger zeit stark aus.
8)
zumal hiesz es, einem thiere oder auch menschen auswerfen, nemlich die hoden, es verschneiden: zu diser krankheit aber ist nichts bessers, als oft und vil (blut) gelassen, wann man aber darmit nit gar zu hilf kan kommen, so soll man dem gaul auswerfen, wann im dis nit hilft, so wirt im schwerlich geholfen. Seutter rosarznei 73; seinen ebern, widern soll er nicht auswerfen oder verschneiden, dann im wachsenden mon. Sebiz 48; die Curetes wurfen in selbst aus (entmannten sich selbst), daher sie Galli oder verschnittenen hieszen. Aventin chr. 31;
man schol im auswerfen sein gail.
fastn. sp. 785, 21.
auch einer hündin auswerfen. weidwerk 1, 9ᵃ. vgl. Schmeller 4, 151.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1016, Z. 11.

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Zitationshilfe
„auswerfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/auswerfen>, abgerufen am 14.06.2021.

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