Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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auszen, adv.

auszen, adv.
extra, foris, goth. utana ἔξω, ἔξωθεν, ahd. ûʒana, ûʒân (Graff 1, 536. 537), ags. ûtan, altn. utan, mhd. ûʒen, nnl. nur mit vorgesetztem be buiten. utana ist keine zusammenfügung von ut und ana, sondern fortbildung von ut, wie innana von inn, iupana von iup, daher auch die ags. form ûtan absteht von ût on, und die altn. form utan von ûtâ. utan ist adv., in ût on, ût â wird die praep. ags. on, altn. â durch vorgeschobenes ut verstärkt. im ahd. ûʒana scheinen sich ags. ûtan und ûton einigemal zu mengen, vgl. gramm. 3, 203. Da schon goth. ut, uta, utana und utaþrô in form wie bedeutung einander nahe stehn, nicht mehr überall rein gesondert werden können; so ist wenig zu verwundern, dasz ahd. ûʒ, ûʒe, ûʒana, mhd. ûʒ und ûʒen, nhd. aus und auszen sich oft vertreten. das goth. utaþrô (dessen þrô sichtbar dem lat. tra in extra entspricht) mangelt allen übrigen dialecten und wir sahen vorhin unter ausze, dasz auch uta fast erlosch, wie in der jüngsten zeit selbst nhd. auszen entweder dem einfachen aus oder den späteren zusammensetzungen auswärts, auszerhalb u. s. w. weicht. auszen erscheint nun
1)
allein, ohne andere partikeln. mhd.
si schînet ûʒen fröidenrîch.
Walth. 121, 7;
diu schœne diu si ûʒen zieret.
121, 12;
diu werlt ist ûʒen schœne.
124, 37;
beidiu ûʒen und innen.
31, 5;
sît eʒ ûʒen ist sô wünneclîch,
sô wolt ich es ouch innen
gar kunde gewinnen.
krone 20465;
ûʒen und inne.
23545;
man sach eʒ inne und ûʒen
und innerthalben lûʒen.
Trist. 275, 35;
sich zeigete ûʒen ein schime.
pass. K. 54, 72;
den namen ûʒen hâst getragen.
120, 84;
daʒ man si ûʒen sihet wol.
Barl. 47, 1.
wir sagen zwar noch in höherer rede: auszen ist sie schön, innen häszlich; auszen weht frische luft, innen ists dumpf; innen und auszen stehn alle dinge wol; auszen fix, innen nix. die gewöhnliche sprache läszt aber ein dar oder hier vorausgehen, und dann zusammengezognes drauszen und hauszen erwachsen.
2)
bloszes auszen findet sich praedicativ neben bleiben, lassen, sein, stehen: er bleibt auszen, läszt auszen, ist auszen, steht auszen. belege folgen hernach unter auszenbleiben, auszenlassen, auszensein, auszenstehen, welches so wenig wahre composita sind als ausbleiben, auslassen, aussein, aber gleich diesen so aufgestellt zu werden verdienen, da sie bisweilen auch substantivisch genommen sind. mhd. überall ungebunden:
er was ûʒen, peregre fuit.
pass. 631, 37.
3)
häufig folgt eine praeposition mit ihrem subst. dem auszen nach und bestimmt es dadurch näher. mhd.
ûʒen an ir wæte.
Trist. 67, 33;
zeigte ûʒen an im.
pass. 540, 16.
nhd. füreten in hinaus und lieszen in auszen fur der stad. 1 Mos. 19, 16; wo ist die hure, die auszen am wege sasz? 38, 21; und solt in gürten auszen auf dem leibrock. 2 Mos. 29, 5; aber des farren fleisch, fell und mist soltu auszen fur dem lager mit fewr verbrennen. 29, 14; nam die hutten und schlug sie auf, auszen ferne fur dem lager. 33, 7; welcher ein ochsen oder lamb oder zigen schlacht in dem lager oder auszen fur dem lager. 3 Mos. 17, 3; so solt ir nu messen auszen an der stad. 4 Mos. 35, 5; du solt auszen fur dem lager einen ort haben. 5 Mos. 23, 12; sol stehen auszen fur der stad thor. Jos. 20, 4; er legte thramen auszen am hause umbher. 1 kön. 6, 6; die auszen auf den dörfern waren. Neh. 11, 25; und auszen fur dem innern thor waren komen. Ez. 40, 44; funden das fullen gebunden an der thur auszen auf der wegescheid. Marc. 11, 4; auszen am garten muste ein kleiner bach eine grasreiche wiese durchschlängeln. Gesner;
ihr, ihr dort auszen in der welt,
die nasen eingespannt!
Schiller 12ᵃ;
auszen vor der wolke stehe. J. Paul flegelj. 1, 75. auch in dieser fügung wird heute oft schon auswärts, auswendig, auszerhalb für auszen gesetzt.
4)
dem auszen geht unmittelbar eine praeposition vorher, um die richtung deutlicher zu bestimmen: von auszen scheinet ir vor den menschen from (ahd. ûʒana arouget iuwih). Matth. 23, 28;
der krieger art und werk bisher war rauben, stelen,
der stäter art und werk erkaufen und verhelen.
es ist was stark gesagt, es ist ja gut gemeinet,
wiewols von auszen nicht, als wie es sollte scheinet.
Logau 1, 3, 5;
ich kenn ein höllisch volk, die brüder der Erinnen,
ein art von auszen gold und lauter koth von innen.
3, s. 214;
von auszen lassen sie freundschaft sehen, aber im herzen haben sie lauter betrug. Lokman fab. 30; wilstu einen groszen namen vor der welt haben, so ziehe von auszen schöne kleider und von binnen schlechte an. pers. baumg. 5, 13; sie wissen, wie sehr ich am begrif der zweckmäszigkeit der organischen naturen nach innen hänge, und doch läszt sich ja eine bestimmung von auszen und ein verhältnis nach auszen nicht leugnen. Göthe an Schiller 401. die letzte stelle gewährt neben dem von auszen ein nach auszen, wie dem nnl. van buiten ein naar buiten zur seite steht; ein land im innern einig, nach auszen schwach; nach auszen blicken; was seine eigne bildung und die wirkung nach auszen betrift. Göthe 24, 8;
aber ungern seh ich den jüngling, der immer so thätig
mir in dem hause sich regt, nach auszen langsam und schüchtern.
40, 243.
Keisersberg setzte statt von auszen auch von ausznen. trostsp. m. 5, was dem ahd. ûʒenan bei N. gleicht.
5)
gleich dem ahd. ûʒana drückte auch auszen noch im 16 jh. unser heutiges auswendig, memoriter aus: daneben sol der schulmeister den knaben etliche leichte psalmen fürgeben auszen zu lernen. Luther 4, 350ᵇ. 7, 21ᵃ; die jungen pfaffen bedörfen keiner brillen zu irem gebet, die alten künnens auszen. Agricola spr. 21ᵇ; so sie die schrift doch bei einem nägelin schier auszen wisten. Frank parad. 4ᵃ; er lernet den catechismum auszen. Mich. Neander bedenken s. 16. s. auswendig.
6)
auszen als praeposition, mit davon abhängigem casus, wie ahd. ûʒana des grabes und ûʒan demo wîngarten (Graff 1, 537) nur einigemal: die schnecken kommen in viel arzenei, so auszen des leibes gebraucht werden. Forer fischb. 195ᵃ;
mit dem geding, das er solt warten
auszen dem zaun und umb den garten.
B. Waldis 4, 78;
lassen die todten bei der nacht auszen dem weg bringen und verscharren. Kirchhof mil. disc. 203. dieser gebrauch ist heute veraltet. vgl.auszer 6.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1025, Z. 41.

auszen

auszen,
ein verbum, gleich dem ahd. ûʒôn Graff 1, 540, ags. ûtian, engl. out, altn. yta, nnl. uiten, und analog dem aufen ahd. ûfôn ist nicht vorhanden, man sagt dafür äuszern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1027, Z. 1.

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Zitationshilfe
„auszen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/auszen>, abgerufen am 15.06.2021.

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