Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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aue, f.

aue, f.
wasserumflossenes land, feuchter grund, wiese, insel, ahd. ouwa, mhd. ouwe, gekürzt in ou, nhd. au, das vorhin schon aufgestellt war. das goth. wort gebricht, deutlich aber hängt ouwa zusammen mit aha flusz, goth. ahva, lat. aqua, und nach analogie des goth. mavi maujôs = mhd. mouwe, altn. mey läszt sich ein goth. avi aujôs νῆσος rathen, dem auch altn. ey entspricht. altn. stehen sich â fluvius und ey insula zur seite ganz wie schwed. aͦ, dän. aa fluvius, ö insula, folglich wie ahd. aha fluvius und ouwa insula. in ouwa ist aber das ableitende i geschwunden, wie in frouwa, wofür doch ein goth. fravi oder fraujô anzusetzen wäre, denn dem männlichen frauja entspricht altn. freyr statt freyji. doch zeigen ahd. lateinische urkunden volleres augia = auwia und goth. avi, vielleicht aujô, mit g für j, vergleichbar dem in Visurgis = Wisuraha, Wisurauwia. nach dieser ganzen auseinandersetzung aber müste das vermutete goth. avi hervorgegangen sein aus einem älteren ahvi oder ahvjô, beinahe wie mavi puella aus magvi, von magus puer. auch das neutrum gavi regio und m. gauja incola erwäge man. merkwürdig heiszt es noch mhd.
daʒ schif flôʒ enowe (stromab).
Nib. 1503, 2;
etlîcheʒ ouwet (trieb stromab).
1511, 4;
was doch nur auf die vorstellung aha und nicht ouwa bezogen werden kann, und so steht späterhin naufart für das schiffen im strom. Fischart in der (unter au) angeführten stelle setzt das (niederrheinische?) grün bruch dem schweizerischen matte, rheinischen wiese, schwäbischen au an die seite. aus bruoch, brôc palus, nnl. veen, fenne, ergab sich wie aus aue insel, wasserland die vorstellung grasiger weide und wiese. aue, grüne weide geht aber leicht über in grünes feld, auch ackerfeld, das unter den bergen liegt: das land hat berge und awen, die der regen vom himel trenken musz. 5 Mos. 11, 11; er weidet mich auf einer grünen awen und füret mich zum frischen wasser. ps. 23, 2; die anger sind vol schafen und die awen stehen dick mit korn. 65, 14; und dein vihe wird sich zu der zeit weiden in einer weiten awe. Es. 30, 23; die tochter Zion ist wie eine schöne und lustige awe. Jer. 6, 2; ein man sasz auf eim roten pferde und er hielt unter den myrten in der awe. Zach. 1, 8; denn weil es ein schöne und lustige awe war, die am gebirge Libano lag. Mathesius 2ᵃ; so findt man in den awen, so zwischen hohen gebirgen ligen, vil geschüb und fletz, so die sündflut von gengen und stöcken abgestoszen und in die gründe geflöszt und über einander geschoben hat. 2ᵇ; wie die ganze lustige awe, darin die fünf königreich als ein paradeis des herrn lagen, ins tode meer und gesalzen wasser verwandelt wurde. 134ᵃ. schmückt wisen und awen. Agricola spr. nᵒ 1. jene bergschluchten mögen denn auch wild und wüst bezeichnet werden: der reiche ist weder auf dem felde noch berge, wildnis oder awen frembde. pers. rosenth. 3, 27;
glück zu du ödes feld, glück zu ihr wüsten auen
die ich, wann ich euch seh, mit threnen musz betauen.
Logau 1, 3, 4.
aus Göthe nur folgende stellen:
verlassen hab ich feld und auen,
die eine tiefe nacht bedeckt.
12, 64;
es ist nur ein theil desselben (des Rheins), die vorliegende aue beschränkt ihn. 43, 250; die aue im flusz. 43, 251; fluszaufwärts sieht man von hier die bewachsenen auen. 43, 252; der stromstrich wirkt hier stark auf das linke ufer, nachdem er eine vorliegende aue weggerissen. 43, 301.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 601, Z. 43.

aue, f.

aue, f.
ovis, gr. ὄϊς, skr. avi, litt. awis, lett. aws, ags. eovu, engl. ew, nnl. ooi, fries. ey, altn. â, ahd. ouwî (Graff 1, 505). goth. entweder aus gen. avais oder avi aujôs (wie mavi) oder avei aveins (wie gaitei)? alle diese formen begehren ältere, vollere mit g, avi = agvi, ovis = agvis, was dem agnus und agna näher treten würde. man erwäge goth. mavi = magvi, neben magus. aber mhd. und nhd. ist ouwe, aue längst erloschen. nach dem westfälischen au und aulamm wagt Stolberg 3, 340: sie hüpfte blökend mit den lämmern, denen die auen oft blökend folgten. schweiz. au, äuli. Stald. 1, 117.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1852), Bd. I (1854), Sp. 602, Z. 27.

auwe, auweh, interj.

auwe, auweh, interj.
dolentis, mehr für den inneren, geistigen schmerz, gegenüber jenem sinnlichen autsch. Luther, wie awe, bawen, frawe, hawen = aue, bauen, fraue, hauen, schreibt auch awe und verbindet es gern mit ja oder nein (wie es o ja, o nein, ach ja, ach nein heiszt): er sprach zu inen, awe ja, der herr sei mit euch (LXX ἔστω οὕτω, vulg. sic). 2 Mos. 10, 10; er schrei und sprach, awe mein herr, dazu ists entlehnt (LXX ὦ κύριε, vulg. heu heu heu, domine mi). 2 kön. 6, 5; awe mein herr (LXX ὦ κύριε, vulg. heu heu heu, domine mi). 6, 15; ists nicht fein? awe ja, ganz fein. Luther 3, 73; awe ja schöne folge. 3, 468ᵇ; awe wie wollen wir nu thun? 4, 155ᵇ; awe ja, ziehet hin und bawet. 4, 248ᵇ; awe, jetzt füle ich erst rechten glauben. 4, 323ᵇ; unser ungedult, klagen und awe schreien gefelt im wol. tischr. 209ᵇ; awe nein. 244ᵇ; die fügung erscheint aber auch bei andern, z. b. auwe nain es. Wirsung Cal. T 4ᵇ. oft folgt ein genitiv oder ein verbum:
auwe meines armen kopfs!
Uhland 715;
auwe, auwe, weh meiner hand!
Ayrer 377;
auwe, auwe meines herzen!
408ᵇ;
awe mir grawet. Wirsung S 1ᵇ; auwe, awe beichten! Z 4ᵃ. Das volk sagt: er ist recht im auweh, in der klemme; nun kommt er ins auweh. Dies auwe, auweh entspricht dem mhd. ôwê und ouwê (gramm. 3, 293), hat aber in der heutigen schriftsprache etwas unedles, man sagt lieber oweh! bei den dichtern des 17 jh. erscheinen noch einzelne auweh, obschon oweh, ach weh vorherscht:
auweh! was bin ich doch als mein selbsteigner spott.
Fleming 621.
Seltsam ist, dasz Maaler 48ᶜ auwee und au auf frauen einschränkt: ein wort eines betrübten und erschrocknen weibs, au interjectio consternatae mulieris, was ihm Henisch 137 nachschreibt. Stieler 2458 führt neben oweh auweh an und bemerkt die thüringische aussprache auwich, sp. 62 ist ihm aber aue ja quasi vero. aubi, aubi ja und aubeia wurden oben sp. 598 angeführt. s.auweih.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1045, Z. 31.

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Zitationshilfe
„auwe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/auwe>, abgerufen am 08.05.2021.

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