Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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balche, bälche, f.

balche, bälche, f.
s. belche.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1081, Z. 13.

belche, balche, m. oder n.?

belche, balche, m. oder n.?
salmo lavaretus, im Thunersee albock, im Bielersee pferret, im Vierwaldstättersee balle, in Glarus bläblig, im Bodensee adelfelch und blaufelchen. Stalder 1, 94. 95. ein sanct Galler register von 1360 in Zellwegers urkunden von Appenzell nᵒ 99 zählt hintereinander als fische verschiedner art auf s. 207 duo velchones und pisces, qui dicuntur albocce. Nemnich unter dem wort salmo sp. 1212 sagt: das blaufelchen heiszt im ersten jahr am Bodensee heuerling, bei den fischern maidel. im zweiten jahr stuben, steuben, und zwar entweder ordentliche oder blaue, wenn sie in der tiefe mit dem seil am klausgarn gefangen werden, oder gröningstuben, grüningstuben, wenn sie an erhabenen orten, gegen dem strand und ufer zu gefangen werden. im dritten jahr gangfisch, zu ende des august springer. im vierten ränken, im fünften halbfelch, im sechsten dreier, im siebenten blaufelch. das weiszfelchen, albele (sp. 201 albe, albel), adelfisch heiszt am Bodensee im ersten jahr härling, hürling, heuerling, weisze maidel; im zweiten stüve, steube, agaune; im dritten gangfisch; im vierten ränke, renke; im fünften halbfelchen, halbfisch; im sechsten dreier; im siebten weiszfelchen, ganzfelchen. der aalbock im Thunersee sei einerlei mit den felchen. In dieser angabe, auf welche im verfolg öfter zurückgekommen werden musz, mag einzelnes noch ungenau sein, Paracelsus 1, 632ᵃ hat folgende stelle: kan aus eim renken ein belch werden, aus eim lachs ein salm, so kan auch aus eines menschen krankheit ein andere werden. renke wurde schon oben sp. 378 aus rinanke, anchorago Rheni gedeutet. das seltsamste aber scheint, dasz felche oder belche, welches wir hier auf den salmfisch angewandt sehen, mit belche oder fulica, dem namen des wasservogels zusammenfällt, gerade wie alenbock sowol die mewe als auch an einigen orten den salm, wenigstens in einer seiner nach dem alter verschiednen erscheinungen bezeichnet. dasz sich fulica und larus begegnen, versteht man leicht; das volk musz aber auch die namen der untertauchenden vögel mit den fischen vermischt oder in bezug gesetzt haben. was kann alenbock, albock ausdrücken? einen auf ale stoszenden, aalfangenden bock? die forschung hat über alles das noch viel nachzuholen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1439, Z. 43.

balg, m.

balg, m.
follis, uter, cutis, tumor, sowol die volle, schwellende hülle, als die abgestreifte haut, die wurzel ist ahd. pelgan, mhd. belgen tumere. goth. balgs balgeis, ahd. palc pelgî, mhd. balc belge, selten balge, nhd. balg bälge, nicht balgen, obgleich in den zusammensetzungen oft balgen vorgesetzt wird; nnl. balg balgen; ags. bälg, engl. belly; altn. belgr, schw. dän. bälg. zunächst, und der lautverschiebung gemäsz, das lat. follis und folliculus, weiter aber gleicht folium, φύλλον und die skr. wurzel phull (vgl.phol) pandere. Festus sagt, bulgas Galli sacculos scorteos appellant, und noch heute ist das ir. bolg follis, bolgaim tumere, in bedeutender einstimmung zu den deutschen wörtern. G scheint, wie oft, aus J entfaltet. Wer an diesen etymologien sich nicht will genügen lassen, darf, in der anomalie, heranziehen πέλλα, pellis, goth. fill, unser fell. θύλακος, θυλάκιον, θῦλις aber könnten Θ = lat. F enthalten und zu follis gehören.
1)
balg gemma floris, folliculus, mhd. zumal belgelîn:
als von dem süeʒen touwe
diu rôse ûʒ ir belgelîn
blecket niwen werden schîn,
Parz. 188, 10;
touwic rôse, diu sich ûʒ ir belgelîn hât zespreitet.
MSH. 1, 150ᵇ;
bei vielen gräsern wird eine jede blüte durch ein solches blättchen, das in diesem falle der balg genannt wird, begleitet. Göthe 58, 67. die schale der weinbeere, die hülse der erbse heiszen balg, erbsenbälge; die abgebälgten erbsen sind gesünder als wann sie samt den bälgen gegessen werden. Hohberg 2, 41ᵇ; der balg der körner. 2, 78ᵃ.
2)
alle thierhäute, die abgestreift, zum unterschied von denen die aufgeschnitten und abgezogen werden, heiszen balg: hasenbalg, fuchsbalg, luchsbalg, wolfsbalg, marderbalg, zobelbalg, iltisbalg; aber bärenhaut, pferdehaut, ochsenhaut, eselshaut, schafhaut. nicht anders von vögeln: rabenbalg, krähenbalg, mhd. sitichbalg. Wh. 1, 105ᵃ. auch schlangenbalg, wenn sich die schlange häutet. der fuchs hat einen balg an. Becher 67; ein jeder fuchs wart seines balgs. Garg. 194ᵇ; der fuchs ändert den balg und behält den schalk. Lehmann 16; der fuchs hüt seines balgs. 126; stirbt der fuchs so gilt der balg; wenn der fuchs krank, so stäubet ihm der balg. Gryphius 1, 805; ein jeder fuchs thu seines balgs warten. Ayrer 255ᵃ; ein wolfsbalg aufs herz legen. Schuppius 832; so doch der wolf was erschnapt, frisset, und nicht aufhöret, er hab seinen balk erfüllet. Kirchhof wendunm. 292ᵇ.
3)
die menschliche haut heiszt mhd. meistens vel oder swarte, auch wol hût, was der allgemeine ausdruck war, balc bezeichnete den bauch, leib, den vollen oder leeren:
die truogen alle slachen balc.
Parz. 183, 19;
in was erschoben niht der balc.
200, 23.
nhd. ist fell unedler und wird mehr von thieren, für menschen aber haut und balg gebraucht: wir müssen uns also mit dem alten balge schleppen und martern, bis wir an jenem tage gar geistlich fleisch werden. Luther 6, 350ᵇ;
und binden liesz er diesen schalk,
mit ruͦten streichen seinen balk.
Schwarzenberg 113, 1;
dein rüden schick mir an die sew,
ee das ich dir den palg erplew.
138, 2;
die kut mir zieret meinen palk.
139, 1;
sein palk an den philister wagn.
Schmelzl David 20ᵇ;
Patrobius Neronis hofschranz einer liesz im sand oder griesz aus dem flusz Nilo gen Rom bringen, darinn er sich badet, damit er ein saubern und glatten balg hette, wenn er nacket kempfen wolte. Mathesius 120ᵃ; welche uns mit speise und trank also tractierten, dasz ich in kürze wider einen glatten balg bekam. Simpl. 1, 227; seinen balg wol ratsamen, im selbs gütlich thuͦn, curare pelliculam. Maaler 49ᵈ; der ein glatten und feiszten balg hat, bene curata cute nitidus.
4)
balg angewandt auf unzüchtige frauen, mägde, kupplerinnen, wie zwischen scortum und jenem scorteus (ledern) zusammenhang waltet, vielleicht zwischen pellex, πάλλαξ, παλλακίς, παλλακή und pellis, πέλλα. du öder palk! Haupt 8, 513; da schicket er (der teufel) einen alten balk zu dem weib, die bracht ir zu oren u. s. w. Luther 5, 361ᵃ; ja mancher leszt sich so blenden, der ein recht schön from weib hat, das er ir gram wird und sich henget an einen scheuszlichen schendlichen balg. 5, 379ᵇ; wenn einer seine braut nicht rein fünde, einen balk für eine jungfrauw. tischr. 317ᵇ; es ist einem tyrannen wie einer huͦren, wann sie es mit eim darf wagen, so darf sie es mit zehen wagen, und kompt in ein brauch, das nit mer sünd oder unrecht ist, ie mer man, ie freier balg. Frank chron. 23ᵇ; ein alte hur, ein iltisbalg. B. Waldis 4, 68; ildesbalk. H. Sachs IV. 3, 10ᵈ;
all dieser harnisch ist versetzt,
so hat das der gelb balk geletzt.
II. 2, 20ᶜ;
du unendlicher balg du gelber!
III. 3, 13;
der ihr (der magd) den ungetrewen balk rechtschaffen klopft. Ringwald laut. warh. 317; könig Alboinus hat mit seinem bluͦt, das im sein grewlicher und schandlicher balg vergosz, den gestaden des hellen wassers der Etsch besprengt und das wasser bluͦtfarb gemacht. Petr. 61ᵃ; einer, der etliche jar lang sein ehweib sampt etlichen kindern verlassen und mit einem andern balk sich die weil geschlept. Kirchhof wendunm. 294ᵃ; 'ein unzüchtiger balg' ist folgendes distichon überschrieben:
ein jeder ist besorgt, was er für nahrung treibe,
die hure nährt den leib auch wieder mit dem leibe.
Logau 2, 5, 20;
ein bunten rock, einen alten bock, eine schwarze kuh, ein faulen balg dazu, einen halben hopfengarten hat man von einer academischen jungfer zu erwarten. Schuppius 115; trauete dem unzüchtigen balge gar zu viel ehre und keuscheit zu. pol. maulaffe 381; der alte balg (die kupplerin). colica 22. mhd.
swer ein übel wîp habe,
der tuo sich ir enzît abe,
enpfelhe si dem ritten
und lege si ûf ein slitten,
und kouf ir ein bestli
und heng si an ein estli,
und henge dabî
zwên wolve oder drî.
wer gesach ie galgen
mit wirsern balgen?
eʒ enwære, ob man den tiuvel vienge
und in ouch dazuo hienge.
Ls. 2, 531,
vgl. mit Hätzlerin 219, 61 und fastn. sp. 511. s. auch schandbalg, hurenbalg. in Frischlins nomencl. 399 ist balg = pellex. Heute gebraucht man es auch in milderm sinn: ich habe aber stunden wo ich aufbrausen kann gegen ein paar verliebte bälge. J. Paul flegelj. 2, 87. Schiller läszt einem greis seinen unnatürlichen sohn zurufen: hinab mit dem balg, er hat genug gelebt. 136ᵃ. vgl. die schelte: dasz dich unglück schend als balgs! oben sp. 230.
5)
balg von kindern: 'lieber herr, ich hab es trawen nicht gethan, sondern das kindlein'. 'ei so geb gott dem balg die drüs und beulen!' Kirchhof wendunm. 443ᵃ; sie hätte zwar den kleinen balg, so dort in der wiege liegt, mit mir erzeugen müssen. ehe eines mannes 336;
weise, beschütze vor dem blauen balge,
wer selbst denket, und nicht groszäugig erstaunt,
schülert.
Klopstock 2, 215;
der knab, der balg der! o ersäuft, erdrosselt ihn!
Göthe 7, 93;
was ists denn mehr, wenn ein solcher balg umkommt. Lenz 1, 100; ich sehe so einen ungezogenen balg in der gesellschaft. Hermes Soph. reise 3, 234; der kleine balg schrie dann wieder. 6, 636; der balg mag werden was er will. J. Paul Fibel 48; ach da schreien schon wieder alle eilf, wenn ich nicht immer die bälge stopfe und nudle, so haben sie keine ruhe. Arnim schaub. 1, 23. s. wechselbalg.
6)
balg, ausgestopfter puppenleib; ausgestopfter vogel bei vogelstellern.
7)
schlauch, sack, früher balg für weinschlauch, schwertbalg, scheide. blasbalg, schmiedebalg: die bälge ziehen, treten;
wol, laszt die balge gehn! nun wird die orgel klingen!
Gryphius 2, 342;
und der püsternde balg hauchet die flammen auf.
Voss 3, 7.
8)
endlich wie tumor und tumultus aus tumere stammt aus belgan balg in der bedeutung von lärm, zank, streit: es ligt alles in katzbalg. Wernstreit kriegsb. des fr. 45; mit einander uneins im balg ligen. 218; so ist es eitel balg und zank. Thurneisser archidoxa 13;
wer pulver riechen kann,
auf balg und stosz besteht, nicht die karthaunen scheut,
der ist ein mann wie ich.
Fleming 111.
diese anwendung ist heute veraltet und man braucht dafür das verbale neutrum, oder das gebalge, die balgerei.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1084, Z. 55.

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Zitationshilfe
„bälche“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/b%C3%A4lche>, abgerufen am 19.10.2021.

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