bändigen
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1100, Z. 55
domare, edomare, kommt erst auf, nachdem das bändig machen unüblich geworden war und Luther kennt es noch gar nicht: ein wildes thier bändigen, ihm band und zaum anlegen und dann in andern anwendungen zwingen, überwältigen:
sein herz bändigen.
Gellert;
von der arbeit in porphyr habe ich meldung gethan und angezeiget, auf welche weise und mit was für arten von eisen dieser stein gebändiget wird. Winkelmann 5, 113;
gott der hilfe, hab erbarmen,
bändige die flut!
Gotter 3, 451;
den zufall bändige zum glück,
ergetz am augentrug den blick.
Göthe 3, 117;
doch wenn ich dich (den bogen) einst bändige.
10, 9;
und hinter ihm, im wesenlosen scheine
lag, was uns alle bändigt, das gemeine.
13, 170;
die frauen gewohnt sich jederzeit zu bändigen, behalten in den auszerordentlichsten fällen immer noch eine art von fassung. 17, 119; der kunstreiche mann, der die ungeheuere orgel dieser kirche allein zu bändigen wuste. 28, 193; der sand ist dort, wo ein geringes wasser flieszt, durch gärten und sonst anmuthige umgebung gebändigt. 31, 211; das R nicht bändigen (aussprechen) können. Klinger 2, 262; Stolberg verstand damals noch nicht, sprache und vers unter sich zu bändigen. Bürger; vernunft wird durch vernunft gebändigt und in schranken gehalten. Kant 2, 562. bändigen und zähmen fallen nicht immer zusammen, das zahme, gezähmte thier hat seine wildheit ganz verloren, das gebändigte nur solange ihm das band aufliegt; seine leidenschaft bändigen heiszt sie für jetzt zurückhalten, sie zähmen, sie völlig bezwingen. zähmen ist also dauernder und stärker als bändigen.
Zitationshilfe
„bändigen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/b%C3%A4ndigen>, abgerufen am 22.07.2019.

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