Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gebärlich, bärlich

gebärlich, bärlich,
vom vorigen verschieden, nur alem., mit fraglicher bedeutung.
1)
gebärlich, adj. und adv.: desselben 1290. jars verbrann die statt St. Gallen gar gebärlich, dasz wenig hüser errettet wurden. Tschudi 1, 201; in denen tagen tet herzog Albrecht aber ein streifreis uf die von Bern und schediget si gebärlich. 1, 204; empfiengen gebärlichen schaden. 1, 534 u. o. (Frisch 1, 63ᵃ).
2)
es heiszt, wie das vorige, auch bärlich, berlich; nhd.: umbe sölichen merklichen (d. i. fühlbaren) und bärlichen mangel und gebrechen. Augsb. stadtb. s. 261; des ire kind und nachkomen ze pärlichen schaden komen oder verdärben. 282, beide stellen aus dem 15. jh.; von den edlen lüten tett mengclich was er wolt, und tetten bärlichen übergriff den lüten uf dem land. Oheim chron. von Reich. 20, 32; der schmack (gestank) nam so bärlich zuͦ, das kum etwer bi im bliben mocht. 40, 10; losz es schon sein, dʒ du dise zeitliche ding behalten macht ... noch denn so bringent sie dir einen groszen berlichen onwiderleglichen schaden. Keisersberg post. 3, 79ᵇ; ein groszer berlicher schad. 2, 4ᵃ; vgl. aus demselben unter berlich. mhd. bärlîch, berlîch s. wb. 1, 141ᵇ, Lexer 1, 128, z. b. bärlîchiu schande warn. 903, berlîch geschant Bon. 39, 52, einen berlîch verklagen, ein berlich ungefuoc troj. krieg 47343, diu berlîchen scheltwort Scherz 127.
3)
als bedeutung wird von allen angegeben offenbar (auch von J. Grimm oben I, 1525, Schmeller² 1, 253), im anschlusz an nhd. baar, mhd. bar blosz, und wirklich gibt noch Stalder 1, 136 ein schweiz. bärlich offenbar; aber jene belege verlangen eine kräftigere bedeutung, etwa schlimm, stark, grob, oder noch kräftiger (die md. Heidelberger hs. des Boner setzt für das alem. berlich immer verlich, gefährlich), die nebenform gebärlich aber deutet auf verbale herkunft, für die ich doch bei mhd. bern, gebern keinen anhalt sehe. ein mhd. bärlîch zu bar blosz bestand indes wirklich, aber auch in kräftigerer bedeutung, z. b. für einzig und allein (wb. 1, 141ᵇ), noch kräftiger schon ahd. bei Notker parlîcho für absolute, wie par für absolutus (Graff 3, 151 fg.), d. h. im philosophischen sinne, ganz wie später Eckhart u. a. den philos. begriff durch blôʒ geben (z. b. Eckhart 61, 2. 37. 517, 12. 334, 9, wieder bei Göthe blosz 52, 10, farb. einl.), deutlicher mit umschreibung barlîcho, âne gedingun unde âne iba (ohne ein wenn), also wie unser unbedingt im philos. sinne. und dieser begriff ist auch noch in baar zu erkennen, z. b. baares geld als bezahlung die nicht auf bedingungen, auf schein oder zeit u. dgl., sondern unbedingt, sofort geleistet wird; vgl. 'also bar' in der bedeutung sofort, ohne weiteres, unbedingt:
hierauf, als es nun fertig war,
befahl der satan also par u. s. w.
Fischart jesuiterh. A 7ᵇ (2, 249 Kurz);
dise haben gebeicht .. darumb werden sie also par ins paradis fahren. Garg. 207ᵃ (nicht 'gereinigt' wie J. Grimm I, 1056 auslegt). baarer unsinn ist völliger, absoluter unsinn (auch mit demselben bilde blanker unsinn). ähnlich baare lüge, die ganz und nur lüge ist, 'unbedingt gelogen', und so wird wol auch das berlichen gelogen Bon. 6, 44. 63, 42 klar, wie berlîchiu schande an nhd. baare schande. der vorwiegende gebrauch bärlicher schaden u. ähnl. erklärt sich vielleicht zugleich mit bar gegen bar als schweiz. rechtsformel: erschlüeg ein gast (fremder) ein hofman und der ergriffen würde, da sol bar gegen bar gan. weisth. 4, 345; wellicher den andern vom leben zum tod bringt mit sin selbs gewalt und er betretten wirt, soll baar gegen baar gericht ... werden. 343; wer den andern ze tode schlacht oder sachet, da gat bar gegen bar, wie joch der tode geliget. 470; da musz wol der offenkundige todtschlag bar heiszen, dem das gerichtsverfahren als bar gegenübertritt, d. h. ohne alle förmlichkeiten, 'ohne weiteres', wo beweis oder vertheidigung wegfällt, âne gedingen (d. h. eigentlich hin und her reden vor gericht) oder also bar wie es oben hiesz? so könnte der bärliche schaden, übergriff u. dgl. ursprünglich einer sein, der vor dem richter als bar angesehen und behandelt werden würde; die form gebärlich aber gehörte zu den adj. mit ge- sp. 1611.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1876), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1650, Z. 46.

berlich

berlich,
apertus, evidens, offenbar: ich find namentlich siben groszer berlicher schaden. Keisersb. sünden des munds 8ᵇ. 68ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1525, Z. 73.

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Zitationshilfe
„bärlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/b%C3%A4rlich>, abgerufen am 06.12.2021.

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