Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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baum, m.

baum, m.
arbor, ahd. poum, mhd. boum, alts. bôm, bâm, nnl. boom, ags. beám, engl. beam, fries. bâm, goth. bagms, altn. bađmr, schwed. und dän. mangelnd. der pl. lautet goth. bagmôs, alts. bômôs, ags. beámas, fries. bâmar, altn. also bađmar, ahd. poumâ, mhd. boume, nhd. bäume, und schon Luther hat bewme, Abr. von S. Clara bäumer, nnl. boomen und auch H. Sachs setzt tadelhaft pawmen:
wäld und all pawmen werden kal.
I, 376ᵃ.
Auf das etymon zeigt am natürlichsten die goth. gestalt bagms, die zu dem vermuteten bagvan für bauan stimmt, wobei in betracht kommen musz, dasz auch das lat. facere unmittelbar zu faber und fabricari leitet, und das ags. beám geradezu trabs bedeutet. noch mehr, ein andrer ausdruck für materies, das goth. timbr, ahd. zimpar, nhd. zimmer, altn. timbr, schw. timmer, dän. tömmer scheint sich zum sl. dub, poln. da̜b quercus, wie zum gr. δένδρον zu fügen und man empfienge die dem bauan parallelen wörter zimmern und δέμειν, ja das böhm. strom arbor, lignum musz sich mit strogiti, russ. stroit' struere, parare, facere genau berühren, erst aus strom entspringt dann strměti ragen, strmy arduus, ragend, wie unser bäumen, sich bäumen aus baum, nicht darf strom aus strměti, noch baum aus bäumen geleitet werden. Dieser deutung, welche in baum vorzugsweise den begrif des holzes, lignum erblickt, kommt nun zu statten, dasz wiederum goth. triu, altn. triu, ags. treo, sl. drjevo auszer arbor zugleich ξύλον, holz und zimmerholz bezeichnet und in den zusammensetzungenhebebaum, weberbaum, ↗leiterbaum, mastbaum, schlagbaum, galgenbaum u. a. m. unter baum ein gespaltnes, gezimmertes und bearbeitetes holz verstanden werden musz, wie denn auch merkwürdig der aus bohlen und bretern zusammengeschlagene sarg todtenbaum oder blosz baum hiesz. noch heute in Schwaben und in der Schweiz todabaum (Stalder 1, 286. Tobler 68ᵇ. 142ᵇ), ein kindersarg, den man unterm arm oder auf der schulter zum kirchhof trägt, bömmli, bei den Friesen dothholt (Ehrentraut 363ᵇ), todtenholz. schimpf und ernst cap. 260 sagt eine frau: gehe in den gerner (ossuarium), da stehet mein nachbawr in einem todtenbaum und ist gestorben, schütte in aus dem baum und lege dich darein. und hernach: der in dem baum gedachte, es were umb seine sele zu thun, und wischt auf in dem baum und stiesz den deckel ab und zu dem baum hinaus. auch hat man in alten gräbern völlige, ausgehölte baumstämme für leichen gebraucht gefunden. die Russen nennen koloda einen aus dem baum gehaunen sarg und koloda, altsl. klada ist buchstäblich das altn. hlađi strues, unser lade, wie man auch todtenlade für sarg sagt, was uns nochmals zu hlađa struere, fabricari, folglich zu bauen führt. Hiermit soll jedoch eine andere auslegung nicht abgeschnitten sein, die in baum das der erde entsprieszende und wachsende holz, die lebendige pflanze erkennen möchte, da wir in bauen selbst neben der vorstellung des wohnens und bauens zugleich die des seins und lebens enthalten finden. wie bauen dem φύειω und φύεσθαι, so liegt auch baum dem φῦλον und φυτόν nahverwandt und das altn. bađmr (genauer badmr, dessen D sich zum goth. G in bagms wie schlinden zu schlingen, ἔρδειν zu ἔργον verhält) drückt nicht nur arbor, sondern auch silva, frons arborum und flos campi, den ganzen vegetabilischen wachsthum der natur aus. das eddische â bađmi viđar Sœm. 195ᵃ entspricht dem umgestellten ags. vudubeám, baum des waldes und vudu, der einzelne baum, ahd. witu, altn. viđr geht über in den begrif des holzes und des waldes. Seltsam, dasz das ags. und engl. beám auch noch einen strahl des lichts (ähnlich dem halm und zweig der sprieszenden pflanze oder dem strahl des kamms) und eine posaune bedeutet, aus der sich schälle gleich strahlen ergieszen. es war ein unhaltbarer einfall oben sp. 533 pomum aus opomum abzuleiten, und man deutet es sonst aus posmum; eher liesze sich, wenn man pario und fero = baira anschlägt, eine wirkliche berührung zwischen baum und pomus annehmen, die schon dadurch bestärkt würde, dasz pomus, pomum aus dem engern sinn von malus, malum in den allgemeinen von arbor, fructus übertreten, gleich dem altn. apaldr. Diese noch mancher ausbildung fähige wie bedürftige ansichten werden kaum zweifel an dem innigen zusammenhang der wörter baum und bauen übrig lassen. in der bibel steht baum zahllose mal für den wachsenden und Iebendigen des feldes oder waldes: und gott sprach, es lasse die erde aufgehen gras und kraut, das sich besame, und fruchtbare bewme. 1 Mos. 1, 11; und allerlei fruchtbare bewme und bewme, die sich besamen. 1, 29; den bawm des lebens mitten im garten. 2, 9; und der hagel schlug alles kraut auf dem felde und zubrach alle bewme auf dem felde. 2 Mos. 9, 25; und sol am ersten tage früchte nemen von schönen bewmen, palmenzweige und meien von dichten bewmen und bachweiden. 3 Mos. 23, 40; es sei auf hohen bergen, auf hügeln oder unter grünen bewmen. 5 Mos. 12, 2; und hat ausgerissen meine hofnung wie einen bawm. Hiob 19, 10; es ist schon die axt den bewmen an die wurzel gelegt, darumb welcher bawm nicht gute früchte bringet, wird abgehawen und ins feuer geworfen. Matth. 3, 10; ich sehe menschen gehen, als sehe ich bewme. Marc. 8, 24. sie steigent uf die böm bisz in den tolden und fressen die bletter ab, was sie dan finden. Keisersb. sünden des munds 62ᵃ; das irdisch paradeis mit vil beumen und früchten. 12ᵇ; man spricht, den bawm sol man beugen, weil er jung ist, wird er alt, so wil er ungebogen sein oder bricht. Luther 6, 165ᵇ; dann je die kerle, die dazu tüchtig seind, nicht auf den bäumen wachsen. Kirchhof mil. disc. 214; erklettert die bäum wie ein katz. Garg. 179ᵇ; wie der baum, so die frucht; der baum genieszt seiner äpfel nicht; krumme baume tragen so viel obst als die geraden; grosze bäume geben mehr schatten als früchte; unter altem baum ist gut schauern; hoher baum fängt viel wind; es ist dafür gesorgt, dasz die bäume nicht in den himmel wachsen; es ist kein baum, der nicht zuvor ein sträuchlein gewesen; je höher baum, je schwerer fall; liegt der baum, so klaubt jedermann holz; es fällt kein baum auf éinen hieb; es ist nicht allen bäumen eine rinde gewachsen; von einem groszen walde sagt man, dasz das eichhörnchen sieben meilen über die spitzen der bäume laufen kann. RA. 497;
denn ihnen erhöht war die seele
allen. sie pflanzten mit lust die munteren bäume der freiheit.
Göthe 40, 290;
wo im blauen unbegrenzet
blüht der sonne goldner baum.
Rückert 408,
was an die beámas, strahlen mahnt; der kühlende, rauschende baum des himmels, dessen blüten sonnen, dessen früchte welten sind. J. Paul uns. loge 3, 103. die edda kennt einen weltbaum. Nicht selten, wo es der zusammenhang verstattet, steht das blosze baum für mastbaum, schlagbaum, stammbaum, todtenbaum u. a. m., auf dem meer ragen die hohen bäume der schiffe,
bäum und better.
Weckherlin 149;
er bemühte sich, seinen baum aufzustellen, sein geschlecht zu verzeichnen; diese zwei und dreiszig edele anen und äst auf einen artigen stammen und baum zu bringen. Fischart bienenk. 222ᵇ. durch den baum gehn heiszt unter dem schlagbaum vorbei, passieren: es konnte wol als tischrede durch den baum gehen. Hippel 10, 125, wie man franz. von mittelmäszigen dingen sagt: ce vin, ce mets, cet homme passera. den baum auf beiden achseln tragen gilt von einem trageholz, wofür schon sp. 163 belege gegeben sind.
heulend kommt der sturm geflogen,
der die flamme brausend sucht,
prasselnd in die dürre frucht
fällt sie, in des speichers räume,
in der sparren dürre bäume.
Schiller 78ᵇ.
was bedeutet in den weisthümern masz auf dem baum gestrichen, abgestrichen, abgeschlagen; über dem baum abgestrichen, abgeschlagen? 2, 189. 193. 196. vgl. baumsimmer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1188, Z. 9.

bäumen

bäumen,
tollere se arrectum, wovon schon sp. 618. 619 unter aufbäumen. gewöhnlich sich bäumen, doch steht auch intransitiv ohne sich: der lux bäumt, d. i. steiget auf die hohen hölzer. Sebiz 569; der lux baumet, so er vom hund auf einen baum gejaget wird. Döbel 1, 34ᵇ; das haselhuhn fällt zu baum, baumet. 1, 50ᵇ; der marder baumt von einem baume zum andern; das pferd baumt oder bäumt, hebt die vorderfüsze; beumete und legte er sich auch wider den könig auf. Luthers tischr. 418ᵇ; sie beumen und blasen sich uf als die ötter. Luther vom baum 114;
wie hoch sich der teufel aufgepaumt.
Schmelzl Saul 3ᵃ;
sie krümbten, paumpten aber sich
so frei, als werens lebendig.
lobspr. 79;
noch wilde kriegsgefahr,
wie grosz sie immer auch zu jener zeit schon war,
die täglich höher bäumt. der burgersmann erzehlet,
wie auf der strasze dich der landsknecht auszgeschelet.
Tscherning 210;
es (der bär) bäumt den schweren leib, es setzt die vordertatzen
an rind und ästen ein, so schnell als scheue katzen.
Lessing 1, 124;
die schönsten der rosse springen und bäumen und wiehern
bei den ziehenden her.
Klopstock 10, 249;
sie bäumt mit hundertklauigen armen
dem sturm entgegen und steht!;
hoch bäumte sich, wild schnob der rapp.
Bürger;
fängt es (das pferd) an
sich brav zu baumen.
Gökingk 1, 104;
der meister jeder kunst fühlt tief, begehret heisz,
fragt nichts nach lauf der welt, sieht nur auf sich, und weisz,
dasz, wenn beim schatten selbst des jochs er sioh nicht bäumte,
pedanterei und neid ihn bald zum lastthier zäumte.
Gotter 1, 197;
den wilden kenn ich, weisz, dasz huld ihn nur erbittert,
dasz er vom joche wund, noch ungestüm sich bäumt
dem ungeheuer gleich, das an der kette schäumt.
2, 324;
seine silberhaare bäumen sich.
Schiller 1ᵇ;
stolz, wie die rosse sich sträuben und schäumen,
werfen im sturme die mähnen umher,
königlich wider den zügel sich bäumen.
ebenda;
spring an mir auf, wurm! krame vor mir deine gräszlichen knoten aus, bäume deine wirbel zum himmel. 211ᵇ; die schlange war es, die sich jeden mittag über den flusz hinüber bäumte und in gestalt einer kühnen brücke da stand. Göthe 15, 229; entsprang eine starke sich viele fusz in die höhe bäumende springwelle. 30, 297; der wurm kriecht wol, ich auch, aber wir bäumen uns, wenn man uns auf den schwanz tritt. 36, 64;
da erhub der esel den schwanz und bäumte sich springend
über den herrn, und schrie und sang und plärrte gewaltig.
40, 174;
er bäumet den speer.
Fr. Müller 2, 382;
der bäumet sich wild und erhitzt.
2, 379;
das meer daneben bäumet
als ein unbändig ros
zum kampfe sich und schäumet
auf erd und himmel los.
Rückert 53;
die ganze sich hier bäumende, dort sich bückende, hier leuchtende, dort schattende landschaft. J. Paul Hesp. 3, 206. Man sagt auch ein fuder heu, stroh bäumen, mit einem aufgelegten heubaum fest laden:
ein wagen heu, den Veltens hand
zu hoch gebäumt und schlecht bespannt,
konnt endlich von den matten pferden
nicht weiter fortgezogen werden.
Gellert 1, 85;
die weber bäumen, wenn sie die webekette auf den baum ziehen, s.aufbäumen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1190, Z. 72.

bäumen

bäumen,
arboreus, ligneus, ahd. poumîn, mhd. boumîn, alts. bômîn, heute nicht mehr einfach gebraucht, nur in den zusammensetzungen apfelbäumen, birnbäumen, kirschbäumen, nuszbäumen, ölbäumen, pflaumbäumen: reichte dem könige seine ölbäumene keule. Lohenst. Arm. 2, 861; in einem von ölbäumenem holze gemachten kästlein. 2, 882. dies adj. ist in einzelnen ortsnamen enthalten, z. b. dem bekannten Bomeneburg, entstellt Boineburg.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1191, Z. 60.

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Zitationshilfe
„bäumen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/b%C3%A4umen>, abgerufen am 07.05.2021.

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