Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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böheim, n.

böheim, n.,
die deutsche benennung eines östlichen landes, dessen einwohner wechselten, zur Römerzeit waren es keltische, frühe schon an Germanen stoszende und mit ihnen vermischte Boji: manet adhuc Boihemi nomen, signatque loci veterem memoriam, quamvis mutatis cultoribus. Tac. Germ. 28, Vellejus 2, 109 schreibt Boiohoemum, bei Strabo 290 ist Βουίαιμον des Marobodus βασίλειον. die Bojen waren südlich gezogen und hatten ihren namen in die landstriche getragen, welche heute Baiern heiszen und von einem deutschen stamm besessen wurden, der sich diese benennung gefallen liesz. Boheim aber fuhr das alte land an der Elbe und Moldau zu heiszen fort, auch als die slavischen Tschechen dahin vorgedrungen waren. im ganzen mittelalter wurde dies tschechische, vom deutschen reich meistens abhängige gebiet Beheim, Böheim genannt:
Bêheim sol er hân.
Reinh. 2102;
ich wil mit ritterschefte varn
hin ze Bêheim von dem mer.
frauend. 157, 3;
unz hin ze Bêheim. 162, 24;
sagt an, habt ir ze Bêheim muot
ze varn?
503, 17;
mir treit der künc von Bêheim haʒ.
503, 20;
künec Wenzel von Bêheim. MS. 1, 2ᵃ; Ottocar schreibt Pehaim, Suchenwirt Pehaim, Pehem, Pehaimlant, in urkunden des 15 jh. steht gewöhnlich Behem, Pehem, z. b. im copeibuch von Wien s. 115. 277 (a. 1458. 1461), auch Maaler 55ᵈ setzt Behem und Bohemia; bis ins 17 jh. bleibt Böheim, Böheimb gebraucht, z. b. Ungarn, Böheim, Polen. Schuppius 759, im 18 risz nach dem lat. Bohemia, franz. Bohème die schlechtere form Böhmen ein, wodurch das heim des zweiten theils der zusammensetzung verwischt wurde. das mhd. ê in Bêheim findet schon im per Beehaimos der ann. Einhardi ad a. 791 (Pertz 1, 17) seine gewähr, Behem war also eigentlich Bêhêm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 222, Z. 75.

böheim

böheim,
hiesz mhd. auch der einwohner des landes, Bohemus, Boëmus, wofür zuweilen Bohemannus, Bohemanus (nach Marcomannus, Alamannus), der ahd. pl. lautete Bêheimâ, Bêheimî (Graff 3, 43), ags. Behemas, Orosius ed. Thorpe 246; der mhd. pl. wie im sg.:
die Behaim und die Bolan.
kaiserchr. Diem. 495, 26. 503, 22.
ein bekannter dichter des 15 jh. führte den namen Michael Beheim. im 16 jh. bildete man den pl. Böhemer, z. b. sch. und ernst cap. 518. die Franzosen nannten das aus dem osten einwandernde fremde volk der Zigeuner, dessen abkunft sie nicht wusten, Bohémiens:
da tritt ein braun Bohemerweib mich an
mit diesem helm.
Schiller 450ᵃ,
den ton auf zweiter silbe. vgl. Böhm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 223, Z. 30.

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Zitationshilfe
„böheim“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/b%C3%B6heim>, abgerufen am 27.10.2021.

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