Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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bolz, m.

bolz, m. pl.
telum, sagitta, minder gut ist die schwache form bolze pl. bolzen; ahd. polz (Graff 1, 114), mhd. bolz (Ben. 1, 118ᵇ), nnl. bout, ags. engl. bolt, altn. bolti, dän. bolt, in verschiednen bedeutungen. vgl. it. bolzone und bolcione = catapulta.
1)
ein vornen zugespitzter, hinten gefiederter pfeil, wie er von der armbrust geschossen wird: pharetrum (?) ein bolze. voc. ex quo 1469; polz oder pfeil, telum. voc. 1482 z 4ᵇ. bolz telum e 1ᵇ; pfeil, bolz, sagitta, spiculum. Frischl. nomencl. 454;
er sprach, du chanst wol pölz schieszen.
ring 7ᵈ, 35;
spannt nit zu schnell, sucht vor ein polz.
fastn. sp. 129, 17;
ein junges weib, gerad und stolz,
die aufgericht get sam ein polz.
265, 12;
so kann ich fiedern einen polz.
1136;
da steet ein freier gembs gar stolz,
schlacht auf ewr armbrost einen polz
und schieszt in herab mit zu tod.
Teuerdank 71, 32;
es stelt sich mancher als kön er nit drei zeln, oder als wölle er den gemeinen nutz vor lieb fressen und alles zu bölzen treen, und kan im niemand gerecht gnuͦg sein. Frank spr. 1, 8ᵃ und öfter; und zum letzten würden sie ausz irem köcher einen so starken bolz oder argument langen. bienenk. 63ᵃ; nicht jedes holz gibt einen bolz; man musz oft einen bolzen nach einem bolzen schieszen. Lehmann 29;
so geschwind wie ein fliegender polz.
Ayrer 328ᵇ;
als schwind als wie ein polz.
H. Sachs I, 501ᵈ;
ich weisz nicht was für Plutons bolz,
der pflag gar teufelisch zu scherzen.
Weckherlin 537;
wenn man in der eh einigkeit pflanzen und erhalten will, so musz der mann nicht alles zu bolzen drehen, sondern bisweilen durch die finger sehen und die sach also angehen, wie sichs wil thun lassen. Creidius 2, 300;
wer alles zu bolzen drehen will,
drei kegel treffen alle spiel,
der fehlet oft ein bauern schuch,
ein narr ist, der will sein zu klug.
2, 426;
schiftet und fidert bölze, die oftmals ander leut verschossen. Schuppius 834; nicht fein gethan, dasz er den armen mägden alles so gar zu bolzen trähet. mägdelob 49; scherzworte nicht zu bolzen drehen. Felsenb. 1 vorrede; und drehen die bolzen, die mein vater nachhero verschieszen musz. 2, 243;
voraus wo streit und eigensinn zwen harte steine malen lassen
und zanksucht, blindheit und verdacht ein jedes wort in polzen fassen.
Günther (aufl. 3) 428;
fünfe lassen gerad sein und nicht alles auf das schärfeste zu polzen drehen. Hohberg 1, 191ᵇ; während aber Meklenburg seine bolzen aus der ferne schosz. Dahlmann dän. gesch. 2, 52;
die armbrust ist gespannt, der bolzen liegt.
Arnim schaub. 1, 119.
man sagt im sprichwort: der bolz findet die meise wol. Simrock 1199.
2)
ein starker runder nagel, riegel, clavus trabalis, an verschiednen werkzeugen, namentlich an den wagen zur befestigung der deichsel, an fensterladen, an rollen in den kloben u. s. w. Brem. wb. 1, 114. altn. bolti, ferrea compes.
3)
ein eisen, welches geglüht und in die bügeleisen gesteckt wird.
4)
keil, cuneus. die schuster nennen den keil, womit die richtleisten auseinander getrieben werden, bolz; die bergleute einen eisernen keil, die verfahrnen wände damit zu gewinnen. bergmännisch heiszt bolz der gerade baum oder das holz, wodurch einfallen des reichs verhindert wird. auf den bolz stehn bedeutet acht geben, ob nicht ein aufseher komme. bolz musz aber auch etwas gewesen sein, dessen sich die frauen bei ihrem putz bedienten:
macht auch am danz vil krummer ding
mit seiner Adelheit von Dolz,
der het er kauft ein newen polz.
H. Sachs I, 531ᵃ.
5)
vocab. 1482 nennt den dreschflegel ackerpolz.
6)
Apherdian einen gänsekiel gansenbolz; nnl. ist bout de slagpen (flügelfeder) van eenen vogel, boutje eine dünne schreibfeder.
7)
bolz ist auch suffrago, flexura an arm oder hüfte bei menschen und thieren, nnl. bout, de bol of knobbel van het dijebeen ook van het schouder: das ander glaich (gelenk) ist der bolz des arms der hüft, die do inngont in ain blüe ainer schüsselen, da mögent grosze wunden, lemung und verlierung der glider werden. Braunschweig 7; ist eim ein arm herusz (aus dem gelenk), das gemeinklich (oft) geschicht, so luͦg zum ersten, wie oder welchen weg er herusz ist, so hastu gar ein groszen vorteil in wider in zuͦ thuͦn, und seind dises die proben, item ist der bolz under sich usz, so ligt (? legt) im ein klotz under dem arm, wann aber der bolz vornen usz were oder ob sich, oder in leib hinin gangen wer, so wer dis instrumente falsch. Gersdorf 52; wann ein ros am zisel oder bolz hinkt oder geschlagen wird, es sei hinden oder vornen. Seuter 282; wann ein pferd das ander schlegt vornen an bolz, das zu besorgen, es möcht beinschrötig sein. daselbst; es brichet etwan ein bolz von einer huft, als ich leider an meinem eigenen kind erlebet hab, das ime der bolz in der huft abgebrochen und hinkend bliben ist. Fel. Würtz 217. nd. sagt man en bolten vam kalve, hinterbein eines geschlachteten kalbs, kalbskeule, en bolten vam schap, schafskeule. nnl. een bout van een hoen, achterbout van eenen kalkoen.
8)
bolz für bold wurde sp. 229 behandelt.
da ander trunken polz auch sein.
H. Sachs I, 522ᶜ;
die trunken polz.
I, 525ᵇ.
dahin gehört wol folgende stelle: ists (das pfaffenkind) ein mann, so leszt man in an etlichen orten zu gheinem eerlichen handwerk kummen, dannen er gezwungen wirt, dasz er ein unnützer bolz wirt. Zwingli 1, 48, oder figürlich ein unbrauchbares werkzeug?
9)
bolz, teufelsbolz, teufelsnadel, schillebolz aber auch schillebold benennungen der wasserjungfer, libellula.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 234, Z. 53.

bölz, m.

bölz, m.
boletus, pfifferling. Henisch 451, gewöhnlich pilz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 235, Z. 76.

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Zitationshilfe
„bölz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/b%C3%B6lz>, abgerufen am 20.10.2021.

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