Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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bürgerlich

bürgerlich,
in verschiedner bedeutung,
1)
plebejus, gegensatz zu edel und adellich:
ein spröszling eigennützger ehe,
der, stolz und steif und bürgerlich,
im schmausen keinem fürsten wich.
Hagedorn 2, 67;
was mich am meisten neckt, sind die fatalen bürgerlichen verhältnisse. Göthe 16, 96; und so darf ich denn wol auch in scherz und ernst einer bürgerlichen hochzeit gedenken, die auf dem schieszhause gefeiert wurde. 32, 182; ein bürgerlicher tisch (hausmannskost). an Schiller 900; wo eine cavaliersgnade einspricht, kommt mein bürgerliches vergnügen in gar keine rechnung. Schiller 182ᵃ; einer adelichen familie bürgerliches blut einimpfen. Klinger 1, 469; ein bürgerlicher waschtag, d. h. der tag an welchem in bürgerlichen familien gewaschen wird. J. P. herbstbl. 3, 195; bürgerliche spieszbürger. 3, 170; bürgerliche nahrung, bürgerliches gewerb, bürgerliche lasten und freiheiten. ein bürgerlicher heiszt einer aus bürgerlichem stande, bürgerlicher abkunft; die bürgerlichen. Göthe 8, 34; ein bürgerliches schauspiel, das aus dem bürgerleben entnommen ist.
2)
civilis, civicus, communis: das bürgerliche recht, jus civile, der bürgerliche tag, dies civilis, ein bürgerlicher krieg, bellum civile:
wil nach den bürgerlichen kriegen
auf Stuards trübem mordplatz siegen.
Gryphius 1, 269;
weil er durch tück und list und bürgerliches morden
in seiner götterschar ein würdig mitglied worden?
J. E. Schlegel 1, 327;
bürgerliche krankheiten zu vertreiben geschickt. Schuppius 747; was in den bürgerlichen geschäften das erste seie? 754; dem naturzustande ist der bürgerliche entgegengesetzt. Kant 5, 44; die bürgerliche gesellschaft, der staat; ein leben fortzusetzen, das ihm die verhältnisse der bürgerlichen welt nicht gestatteten. Göthe 19, 128; o der seltsamen anforderungen der bürgerlichen gesellschaft. 20, 137; es fehlte mitten in der bürgerlichen ruhe und sicherheit nicht an gräszlichen auftritten. 24, 237; das bürgerliche leben selbst. 24, 230; ist denn das bürgerliche leben so viel werth, oder verschlingen die bedürfnisse des tags den menschen so ganz, dasz er jede schöne forderung von sich ablehnen soll? 26, 27.
3)
bürgerlich, civilis, steht zuweilen dem peinlichen, geistlichen und soldatischen entgegen: bürgerliche gerichtsbarkeit, bürgerliche strafe, bürgerliche händel; bürgerliche ehe gegenüber der priesterlichen einsegnung; unter dem siegel der beicht, nicht zwar der priesterlichen, sondern der bürgerlichen. Schuppius 756; der gefangne wurde von den soldaten ausgeliefert und in ein bürgerliches gefängnis gebracht; bürgerliche baukunst, im gegensatz zur kriegsbaukunst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 539, Z. 55.

bürgerlich, adv.

bürgerlich, adv.
1)
bürgerlich leben, sparsam, bescheiden, ehrbar; sich bürgerlich kleiden: man iszt in dem gasthaus bürgerlich; bürgerlichbehäbig.
wie ein weichherzger vater, was sich gern hat
und liebt, fein bürgerlich zusammen geben.
Schiller 377ᵃ.
2)
bürgerlich, civiliter, in der bürgerlich gesetzlichen frist. Kants rechtslehre (1798) s. 168. auch im sinn von höflich: das sich die einwohner dermaszen burgerlich und freundlich vertragen, das sie alle ding unter sich gemein halten. Fischart ehz. 25.
3)
bürgerlich strafen, nicht peinlich: wo aber iemand bei tag essend frücht nem und damit durch wegtragen derselben nit groszen geverlichen schaden thet, der ist nach gelegenheit der personen und der sach burgerlich zu strafen. HGO. 167.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 540, Z. 24.

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Zitationshilfe
„bürgerlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/b%C3%BCrgerlich>, abgerufen am 27.10.2021.

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