Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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bürste, f.

bürste, f.
seta und pecten setaceus. in der alten sprache scheinen unser heutiges borste seta und bürste scopae setaceae oft ununterschieden, wie ja die bürste aus borsten zusammengesetzt wird. vermutlich berühren sich damit die roman. brosse und broza (Diez 72).
1)
seta, bei Dasyp. bursthaar, meint bürste in folgenden stellen: so aber der knab (schusterlehrling) nimpt weder bürsten noch alen in hant, sunder er sitzt da und schlecht die hend under und grift es nit an, das im der meister gesagt und geleret hat, darusz wird nümer kein guͦter schuͦmacher. Keisersb. s. d. m. 81ᵃ;
auch hab ich nadeln, pursten und kem,
fingerhuot, taschen und nestel vil.
fastn. 477, 25,
doch ist hier zweifelhaft, ob borste zum nähen oder bürste verstanden wird; die ochsen weren gewapnet mit iren hörnern, die schwein mit den zenen, der igel mit bürsten. Steinhöwel Es. 83;
er sprach, hettst so viel sinn im kopf,
so viel du bürsten hast im schopf.
Waldis Es. 3, 27,
welche stelle Wolgemut 2, 201 ausschreibt;
der igel walzet sich hin und her,
mit den bürsten die schlangen stach.
Wolgemut 2, 309.
in der redensart keine bürste = nicht das geringste, ne hilum, mhd. niht ein hâr ist auch deutlich borste gemeint. Maaler 83ᶜ nit umb ein burst weichen, unguem latum non discedere.
2)
bürste, bei Dasyp. setaceum, bei Stieler 168 geschrieben bärste, ein gerät zum abwischen, ausreiben und ausstäuben: wer unter seine bürste kommt, wird hart mitgenommen. vgl. bartbürste, hutbürste, kehrbürste, kratzbürste, stiefelbürste.
3)
bürste heiszt mit scharfem gras bewachsner moorgrund. Schm. 1, 202.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 551, Z. 32.

bürsten

bürsten,
in mehrfachem sinn,
1)
was bürsteln, purgare, detergere, im voc. 1482 aa 2ᵇ. e 2ᵇ setare (das doch kein lat. wort ist): den rock, hut bürsten, die stiefel bürsten, die haare bürsten. die person wurde vordem, wie bei kämmen, in den dat. gesetzt: einem (das haar) bürsten, kämmen:
die jung börstet im oft den kopf,
wo sie fand grawe har im schopf,
zohe sie im aus.
Waldis Es. 3, 83.
vgl. ausbürsten.
2)
figürlich, wie ausklopfen, striegeln u. a. m. probe castigare, einen hart mitnehmen, züchtigen, früher gleichfalls mit dat.:
wiltu, wir wöllen im wol bürsten,
wölln im heimlich in busen blasen,
er musz uns ein schwunk federn (schwungfedern?) lassen.
H. Sachs III. 2, 59ᶜ;
doch steht auch der acc.:
und würd er mir,
als ich hoff schier,
ich mein ich woll in bürsten.
Ambr. lb. s. 251;
allein wil er in bürsten.
Uhland 470;
was habt ihr für igel zu bürsten? Floretto 47; die offensive kritik hat wirklich ihre kunstwörter im deutschen, einen herum nehmen, einem den bart waschen, einen versohlen, bürsten, kämmen, striegeln, durch die hechel ziehen. Lichtenberg 1, 315; es gibt dinge, an denen die iltishaare des pinsels vergeblich bürsten. J. P. uns. loge 1, 63; ja dich hat er angesehen, als ob er dich schlucken wollte und gredt hat er wie bürstet (gebürstet). Gotthelf schuldenb. 118.
3)
bürsten für trinken, gleichsam die kehle oder das glas, s. ausputzen 5 und bürstenbinder:
es durst mich wol so treffenlich seer,
dem wil ich trüwlich uszhar bürsten.
trag. Joh. Q 3;
und past sich köstlich wurst und durst,
bei würsten gilts zu bürsten.
Uhlands ged. 89;
nun macht die jagd mich dürsten,
drum gib mir eins zu bürsten
aus diesem wasserquell.
448.
4)
sich bürsten, setas, crines attollere, erigere, sich aufbürsten: das rückenhaar des zornigen thiers bürstete sich; ihre augbrawen bürsten sich nicht über sich, sondern lassen sich hernieder. Hedio Tertull. 32; er bürstet sich, sträubt sich, lehnt sich auf.
5)
intr. bürsten für gebürstet werden, fliegen, herausfahren: sie bürsteten alle hinaus, flogen davon, wie gebürstet, an die eigentliche verwandtschaft von borst und bürste mit hervorbrechen, bersten mahnend.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 551, Z. 67.
Zitationshilfe
„bürsten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/b%C3%BCrsten>, abgerufen am 31.07.2021.

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