bedauern n
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1221, Z. 16
miseratio: jedermann hatte bedauern mit ihm. Schiller 1100; ich erfuhr es mit bedauern.
bedauern, bedauren
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1220, Z. 34
dolere, misereri. in diesem wort, wie in dem einfachen dauern, wenn es ähnlichen sinn hat, wird ganz falsch D für T geschrieben, und dadurch nicht nur vermischung mit dauern durare herbeigeführt, sondern auch der zusammenhang mit theuer d. i. teuer verdunkelt (Stieler 283 will umgekehrt dauren dolere von tauren durare unterschieden haben). die mhd. form lautet betûren = tiure wesen, viel kosten, mich betûret, mich kostet. Parz. 230, 7; sine hete niht betûret, es war ihnen nicht zu schwer geworden. 351, 25; daʒ tûret mich alleʒ kleine, das dauert mich wenig. Flore 4096; in lützel tûret. 4439; in verdûrte nie dehein kleit, ihn dauerte kein kleid. Herb. 3081; er lieʒ sich es nieuht fertûren, er liesz es sich nicht dauern. Diemer 208, 10; lieʒe si der zahere niht betûren. fundgr. 2, 23, 33. aber dô tiuret in daʒ eʒʒen, da ward ihnen die speise theuer, selten. Lanz. 144; Walweinen niht betiurte, dauerte, verdrosz es nicht. 2400. in Albrechts Tit. wird geschrieben betouren: die niht betouret, nicht dauert. 4472, und merkwürdig
wers im gewesen teure, es het in lîht betouret,
der edel kunic geheure schuof daʒ dirre garte wart umbmouret,
d. h. hätte ihm dran gelegen, es hätte ihn gedauert. 4817. dieser unterschied zwischen tûren und tiuren d. i. tauern und teuern ist für den ursprung des wortes tiure nicht zu übersehen. Die schreibung D zeigte also nur Herbort einmal, der ins nd. neigt, wie sich auch nnl. duren durare, duur perpetuitas und duur = dier carus schädlich mengen; dem hd. aber wäre dauern durare, betauern dolere und teuer carus angemessen. das richtige tauern schrieben noch Weckherlin, Fleming, Lessing (nur dasz er 12, 348 es falsch aus trauern leitet) und andere.
Bedeutung und gebrauch.
1)
früher sagte man unpersönlich mich bedauert eines dings, ich lasse mich etwas bedauern, mir etwas leid sein:
so in sein schenk so vast bedeurt.
Brant narrensch.;
stelst oft eim nach, bedaurt dich nicht
der hund und vogel, die rosz abricht.
tragödie von Heli. Nürnberg 1541. B;
darumb sol sich kein herr bedauern lassen, was im auf die schanzbauwern geht. Fronsperg kriegsb. 1, 85ᵇ; er laszt sich nichts bedauern. Hedion com. vorrede; musz derowegen einer sich nicht bedauren lassen, den erfahrnen wundarzten nachzuziehen. Würtz pract. 4;
laszt euch mein elends gschrei bedaurn.
Ayrer fastn. sp. 9ᵃ;
Charon, der die reichtumb achtet
als einer spinadlen spitz,
lasset sich die arme bawren
wie die herren selbs betawren.
Weckherlin 413.
2)
transitiv bedauern, dolere:
als dein volk ganz trawrig dich betawret.
185;
und (l. uns) selbte zu betauren
gebührt uns ewig zwar.
Fleming 2;
o ich betaure ihn, mein lieber vogt. Lessing 1, 324; ich betauere um so viel mehr. 1, 565; betauern sie mich. 2, 125; der dichter betauret in dieser ode den verlust oder die entfernung einer geliebten. 3, 25; sie bedauret (hier wird der setzer die sehreibung geändert haben). 4, 229. 3, 310. zumal höflichkeitswort: ich bedaure unendlich, bedaure damit nicht dienen zu können u. s. w.
Zitationshilfe
„bedauern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/bedauern>, abgerufen am 20.11.2019.

Weitere Informationen …