bedenken
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1222, Z. 58
considerare, cogitare, ahd. pidenchan, mhd. bedenken, praet. bedachte, nnl. bedenken.
1)
etwas bedenken, erwägen, überlegen, etwas wol, übel, ernstlich bedenken: wie denn einem menschen ein schwur entfaren mag, ehe ers bedecht. 3 Mos. 5, 4; bedenkt, was der herr dein gott thet mit Mirjam. 5 Mos. 24, 9; lere uns bedenken, das wir sterben müssen. ps. 90, 12; was du thust, so bedenke das ende. Sir. 7, 39; so würdest du auch bedenken, was zu deinem fride dienet. Luc. 19, 42; ir wisset nichts, bedenket auch nichts. Joh. 11, 50; was deine hand und rath zuvor bedacht hat, das geschehen solt. apost. gesch. 4, 28; sollicher verstand, meinung und will soll in allen nachgeenden mins ratschlags reden und allen minen schriften bedacht, uszgenommen und hindangesetzt sein. Reuchlin verst. 3ᵃ;
der get hinan, als sei er blind,
bedenkt trauriges endes nit.
H. Sachs III. 3, 5ᵃ;
derhalben habens die h. vätter sehr weislich bedacht. Fischart bienenk. 41ᵇ; man wolt im gleich zur stund ein solch loch und käfig weisen, darin er anders het dichten und singen lehrnen und des bapsts macht bedenken. 42ᵇ; bedenket, ob nit die bewegung der wägen oder läst können durch bewegliche segeltücher fortgebracht werden. Schuppius 706;
was von menschen nicht gewust
oder nicht bedacht,
durch das labyrinth der brust
wandelt in der nacht.
Göthe 1, 112.
freut sich, dasz er das geld nicht wie der Römer bedenkt.
1, 261.
2)
einen bedenken, consulere, prospicere alicui, was übergeht in begaben, beschenken:
wir wollen alle mild
für angewendten fleisz mit ehr und gut bedenken.
Gryphius 1, 410;
der uns bedacht mit gesunden gliedern.
Paul Gerhard nᵒ 82;
wiltu der welt güter wol genieszen, so bedenke auch andere damit. pers. rosenth. 8, 2; ich wil dich viel mit einem besseren (dienst) bedenken. Schuppius 412; die nächsten freunde im testament ordentlich zu bedenken. Weise erzn. 2; ein mädchen von vierzehn, das gott mit fünf bis sechs sinnen bedacht. Wieland 4, 54;
hier sind, so scheint es, wandrer wol bedacht,
denn jeder fände pfad um mitternacht.
Göthe 3, 140;
der alte wollte die gaben, womit er auch sie bedacht, vorweisen. 18, 4; die justiz bedenkt zuvörderst sich. 7, 63;
ist wol der ein würdiger mann, der im glück und im unglück
sich nur allein bedenkt.
40, 249;
ich habe in den nächsten zehn bis zwölf tagen manches in allerlei geschäften nachzuholen, alsdann hoffe ich die horen und den almanach am besten zu bedenken. an Schiller 173;
sie singen:
der gute geist hat uns bedacht.
Voss 5, 198;
der in seinem letzten willen ihn väterlich bedacht hatte. Stolberg 10, 135.
3)
man sagte ehmals auch einem etwas bedenken für das heutige zudenken, bestimmen:
dem, der da kompt ohn groszen pracht,
des kaisers tochter ward bedacht.
Alberus 142.
4)
sich bedenken, sich besinnen, oft ohne casus, aber auch mit dem gen. oder praepositionen: mir starb ouch min vatter so zittlich, das ich mich nit mag bedenken, das ich in ie gesächen hab. Tho. Plater 5; do mag ich mich worlich bedenken, das ich bi einer (base) was, die hiesz Margret. daselbst; sprichst du, eh ich mich bedenk, so bin ich heraus. ursach ist der schlüssel zu dem mund, der ist dir zu nahe. Keisersb. sünden des munds 52ᵃ; nu bedenkt euch uber dem, und gebt rat und sagt an. richt. 19, 30; so sorget nicht was ir reden solt und bedenket euch nicht zuvor. Marc. 13, 11;
und als ein red die ander bracht,
zu fragen ich mich des bedacht.
Schwarzenberg 150, 2;
ich habe mich zweier wege bedacht, diesen wunsch desto eher zu erreichen. Lessing 9, 4; so bedachte er sich zugleich eines grundes von dieser undeutlichkeit. 8, 324;
und zuletzt musz ich mir sagen,
wenn ich mich bedenk und fasse.
Göthe 1, 64;
still bedenk ich mich und frage,
wer mag der abgeschiedne sein?
9, 123;
wir wollen des uns bedenken. Stolberg 12, 51. dies sich bedenken oder besinnen kann natürlich auch einen zweifel und anstand oder geänderten entschlusz ausdrücken: ich bedenke mich das zu thun, stehe noch an, zaudere; ich habe mich jetzt bedacht, bin jetzt anders entschlossen; ihr bedenkt euch? ihr nehmt anstand? man sagt gleichwol ausdrücklich: ich habe mich eines andern, eines bessern bedacht.
bedenken n
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1223, Z. 62
deliberatio, dubitatio, nahe dem bedacht und bedenk: darauf s. kurf. gn. inen hat lassen anzeigung geben, sie wolten ein bedenken in der sachen nemen. Luther 1, 317ᵇ; denn Paulus straft die Corinther nicht umb des unwirdigen bedenkens willen am leiden Christi. 3, 503; dieses büchlin habe ich gerne gesehen und habe es aus einem bedenken wider in druck geben. 5, 258ᵇ; darum zimet es sich seuberlich in der sachen zu faren und in bedenken zu nemen. br. 4, 477; es hat bapst Pius dis wort aus groszem bedenken geredt. Melanchth. augsb. conf. im corp. d. chr. 21; die groszen Hansen, welche das allerheiligste evangelium wöllen in ein bedenken nemen, disputieren und vermeinen, ob es auch gewis war sei. Casp. Güettel von evangelischer warheit. Zwickau 1523. 4. Aᵇ; in ein bedenken nemen und in einen zweifel setzen. A 2ᵇ; ist er gnadigen bedenkens (hat er sich gn. bedacht) euch alsdann bei allen alten gerechtigkeiten zu lassen. Kirchhof mil. disc. 87; aber die h. kirch hat noch ein ander bedenken hierin gehabt. Fischart bienenk. 147ᵃ; aber nicht umb der zehenden willen, sondern aus eim andern bedenken. 148ᵃ; graf Rudolf von Habspurg bedenken in Italien zu ziehen. 216ᵇ;
ich solte zwar die zeit so nichtig zu vertreiben,
die feder solt ich auch vergeblich abzuschreiben
noch in bedenken stehn.
Logau 3 zug. s. 214;
Vagus liebet weiber, witwen, jungfern, mägde, was ihm kömt,
christenlieb ist so geartet, dasz sie kein bedenken nimt.
3, 221;
es ist unser treuer rat, väterliches bedenken und verordnung, dasz sich unsere söhn in alle wege für krieg wollen hüten. Schuppius 391 aus Philipp des groszm. von Hessen testament. bedenkens (wie aufhebens, aufsehens u. s. w.) haben. Simpl. 2, 369; bedenkens tragen. 2, 379. 437. das kann man ohne bedenken thun; ich habe kein bedenken dabei; ich würde mir bedenken machen, bedenken tragen. oft auch im pl., rechtliche bedenken; es sind manche bedenken dabei; er hat immer neue bedenken.
Zitationshilfe
„bedenken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/bedenken>, abgerufen am 18.02.2019.

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